AktuellUN-Artenschutz gescheitert?
8. Mai, 2008 Gabriel räumt Scheitern von UN-Artenschutzpolitik einBerlin (AFP) - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat eineinhalb Wochen vor Beginn der UN-Konferenz über biologische Vielfalt in Bonn einen Misserfolg der bisherigen Bemühungen um mehr globalen Artenschutz eingeräumt. "Die Konferenz ist 16 Jahre lang gescheitert", sagte Gabriel im Bundestag mit Blick auf die Tatsache, dass weiterhin hundert- bis tausendmal mehr Tier- und Pflanzenarten pro Jahr aussterben als in vorindustrieller Zeit. Der Minister zeigte sich zugleich entschlossen, in Bonn eine Wende einleiten zu wollen, auch wenn ein neuerliches Scheitern nicht auszuschließen sei.Voraussetzung sei auf jeden Fall, die Interessen betroffener Entwicklungs- und Schwellenländer angemessen zu berücksichtigen. Naturschutz müsse mit wirtschaftlicher Entwicklung zusammengebracht werden. Nachdrücklich stellte sich Gabriel dabei hinter die Forderung Brasiliens und weiterer betroffener Staaten nach einem fairen, internationalen Interessenausgleich für die Nutzung natürlicher Ressourcen. Dazu müsse bis 2010 ein verbindliches Abkommen erreicht werden. Er verwies darauf, dass Deutschland in diesem Bereich bereits mit 210 Millionen Euro jährlich engagiert sei. Zusätzliche finanzielle Angebote machte er allerdings zunächst nicht. Vielmehr forderte er andere Industriestaaten wie Japan und die USA zu einem stärkeren Engagement auf. Nachdrücklich warnte Gabriel vor den auch wirtschaftlichen Folgen, wenn das Artensterben ungebremst weitergehe. "Wenn wir über Artenvielfalt reden, reden wir über das Betriebshandbuch der Erde, und wir reißen da jeden Tag eine Seite raus." Das aber könnten genau die Seiten sein, die später einmal gebraucht würden. So bestehe die Gefahr, dass ab 2050 wegen der Überfischung der Meere keine kommerzielle Fischerei mehr auf der Erde möglich sei. Gabriel verwies auch auf erste Ergebnisse einer Untersuchung des indischen Ökonomen Pavan Sukhdev im Auftrag der G-8-Staaten. Demnach erzeugen ökologische Dienstleistungen weltweit jährlich einen ökonomischen Wert von vier bis fünf Billionen Dollar. Zugleich werden die Kosten für ein effektives weltweites Schutzgebietssystem auf insgesamt 30 Milliarden Dollar geschätzt. Gabriel forderte daher, nach dem Vorbild des CO2-Emissionshandels "marktwirtschaftliche Instrumente zu entwickeln, damit Artenschutz sich mehr lohnt als die Vernichtung von Arten". Nur so könnten beispielsweise auch Menschen, die um ihr eigenes Überleben kämpfen, davon abgehalten werden, den Regenwald abzuholzen. 8. Mai, 2008 Gefährdete VielfaltBerlin (ddp). Rund anderthalb Wochen vor dem am 19. Mai in Bonn beginnenden Weltnaturschutzgipfel rufen Vertreter von Koalition und Opposition im Bundestag zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt auf der Erde auf. Die weitere Zerstörung der Biodiversität stelle «ähnlich wie der Klimawandel eine massive Gefährdung der weltwirtschaftlichen Entwicklung dar», sagte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Donnerstag im Parlament. Es sei daher von enormer Bedeutung, dass bei der Bonner Konferenz «wirksame Maßnahmen» beschlossen würden, um eine Trendwende einzuleiten.Nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion von 2006 sind weltweit 20 bis 23 Prozent der Säugetiere, 12 Prozent der Vögel und 31 Prozent der Amphibien gefährdet. Von den einheimischen rund 3000 Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands sind laut Bundesregierung 26,8 Prozent bestandsgefährdet und von den einheimischen Tierarten 36 Prozent. Gabriel verwies darauf, dass bis 2010 die Arbeiten an einem «internationalen Regelungswerk zu genetischen Ressourcen und gerechtem Vorteilsausgleich» abgeschlossen werden sollen. Er forderte, vor allem auch die Interessen der Entwicklungsländer zu berücksichtigen. Es gehe nicht nur um den Artenschutz, »wir werden einen wirtschaftlichen Interessenausgleich machen müssen«, sagte der Ressortchef. Auch Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) mahnte, der Weltnaturschutzgipfel müsse ein Erfolg werden. In den vergangenen 50 Jahren habe der Mensch das Ökosystem schneller und weitreichender verändert als je zuvor. Dies habe zu einem teilweise irreversiblen Verlust der Vielfalt des Lebens auf der Erde geführt. Die Bonner Konferenz sei mit die letzte Gelegenheit, den Beschluss des Johannesburger Weltgipfels 2002 tatsächlich umzusetzen, den Verlust von biologischer Vielfalt zu begrenzen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast betonte, da die biologische Vielfalt Grundlage für das Überleben des Menschen sei, gehe es bei dieser Frage um «Hardcore-Politik» und nicht um ein «Schönwetter-Thema». Die Industriestaaten dürften nicht so wie jetzt «über dem Limit leben», mahnte Künast. «Wir hier verbrauchen mehr, als uns zusteht«, fügte sie hinzu. Dies geschehe auf Kosten der Entwicklungsländer. Es müsse verhindert werden, dass multinationale Konzerne die Kontrolle über Saatgut und genetische Ressourcen haben und damit etwa »die Ureinwohner in vielen Regionen kalt enteignen". Die FDP-Abgeordnete Angelika Brunkhorst plädierte für eine weitere Vernetzung von Schutzgebieten. Der Schutz der biologischen Vielfalt erfordere aber nicht nur Anstrengungen des Staates, sondern auch der Industrie und Landwirtschaft sowie des einzelnen Bürgers. Die FDP-Politikerin sprach sich zudem dafür aus, Biodiversität als eigenständiges Forschungsgebiet anzuerkennen und dieses gut ausstatten. Auch müsse der wirtschaftliche Nutzen der biologischen Vielfalt gerade für Schwellen- und Entwicklungsländer mehr herausgestellt werden. Für die Links-Fraktion kritisierte ihr Abgeordnete Lutz Heilmann, die Bundesregierung wolle den Eindruck vermitteln, Deutschland sei der «Saubermann» beim Artenschutz. Tatsächlich fehlten aber bei der nationalen Strategie zum Schutz der Artenvielfalt konkrete Maßnahmen zur zügigen Umsetzung der Ziele sowie Sanktionsmöglichkeiten zu deren Durchsetzung. Vor allem aber fehle eine wirksame öffentliche Kontrolle. „Umwelt und Entwicklung gehören zusammen: Kriterien für eine erfolgreiche UN-Konferenz über biologische Vielfalt in Bonn“Anforderungskatalog der Entwicklungs- und Umweltverbände: Der Kurzcheck für eine erfolgreiche UN-KonferenzForum Umwelt & Entwicklung, Pressemitteilung, 8. Mai, 2008 Am 8. Mai debattiert der Deutsche Bundestag, welche Ziele die Bundesregierung während der UN-Konferenz über die biologische Vielfalt verfolgen soll. Diese Debatte haben die deutschen Entwicklungs- und Umweltverbände schon geführt. Sie legen am 8. Mai einen Anfoderungskatalog vor. Sieben Punkte als Messlatte für den Konferenz-Erfolg. Dies sind die Erfolgsfaktoren, an denen sich die UN-Konferenz vom 19. bis 30. Mai in Bonn messen lassen muss. Die deutschen Entwicklungs- und Umweltverbände entwickelten den Sieben-Punkte-Check in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Zentrales Thema: „Die biologische Vielfalt können wir nur schützen, wenn wir global einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und mit den Gesellschaften pflegen“, so Michael Frein, Referent für Umwelt- und Handelspolitik des Evangelischen Entwicklungsdienstes e.V. Umwelt und Entwicklung gehören zusammen. So entzünden sich zahlreiche Konfliktpunkte an finanziellen Fragen. „Um Biopiraterie wirksam eindämmen zu können, erwarten wir als Ergebnis der Bonner Konferenz einen ambitionierter Text für das dritte Ziel der Konvention“, betont Mute Schimpf, Referentin für Biologische Vielfalt des Bischöflichen Hilfswerks Misereor. Das sogenannte „access und benefit sharing“ (ABS) steht für einen fairen Vorteilsausgleich zwischen ärmeren und reicheren Staaten bei der Nutzung von biologischer Vielfalt. Und nur ein gut funktionierendes ABS-Regime hilft, den Erfolg der internationalen Bestrebungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt langfristig zu gewährleisten. Dabei kommt den reicheren Staaten eine besondere Verantwortung zu. Denn die Länder des Südens verfügen über den Reichtum an biologischer Vielfalt auf diesem Planeten. Doch ihnen fehlt das Geld, Reservate wirksam schützen oder auch große Programme gegen die Abholzung von Wäldern durchsetzen zu können. „Jetzt ist eine Initiative der Bundesregierung nötig. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss mit gutem Beispiel voran gehen und zwei Milliarden Euro für den Urwaldschutz bereitstellen“, fordert Martin Kaiser, Projektleiter Biodiversität und Klima bei Greenpeace e.V. "Bio-Piraterie" hilft nicht weiterUmweltminister Sigmar Gabriel bei Sonderkonferenz zur Biodiversität in MainzVon Stefanie Widmann, Allgemeine Zeitung, 8.5.08 MAINZ Im Vorfeld der neunten UN-Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversitätskonvention vom 19. bis 30. Mai in Bonn trafen sich gestern die Umweltminister und -senatoren der Länder zu einer Sonderkonferenz in Rheinland-Pfalz. Dabei verabschiedeten sie eine "Mainzer Erklärung" zur biologischen Vielfalt. Darin setzt sich die Umweltministerkonferenz nachdrücklich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt als einer wesentlichen Aufgabe menschlicher Daseinsvorsorge ein. Die Länder hätten sich auch darauf verständigt, "dass sie eigene Aufgaben zu machen hätten", erläuterte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD), die derzeit Vorsitzende der Umweltministerkonferenz ist. Die Umweltminister sähen mit Sorge die globale Entwicklung, auch wenn sie wüssten, "dass die Hotspots nicht bei uns liegen". Deutschland sei gefordert, weltweit Verantwortung zu übernehmen und im eigenen Land Vorbild zu sein. Darauf verwies auch Bundesumweltminister Gabriel. "Wenn wir nicht wollen, dass die Afrikaner mit Elfenbein handeln, dann darf nicht bei uns der erste Bär, der um die Ecke kommt, erschossen werden. Oder der erste Wolf", illustrierte er das Problem. Im Umgang mit den Entwicklungsländern gelte es vor allem, sich vor Schwarz-Weiß-Denken und -Handeln zu hüten. Handelsboykotte helfen nach Ansicht von Gabriel wenig beim Schutz des Regenwaldes. Es gehe auch nicht an, dass sich die Industrieländer - etwa für medizinische Zwecke - aus dem Regenwald holen, was sie brauchen, und nichts zurückgeben. "Die Länder empfinden das als "Bio-Piraterie", stellte er klar. Rund die Hälfte der derzeit in Deutschland gebräuchlichen Medikamente basieren auf Pflanzen, erläuterte Gabriel. Die Basis von Aspirin etwa sei die Rinde der Silberweide; die Samen des philippinischen Brechnussbaumes dienten der Behandlung von Epilepsie. "Wer sich also für die Erhaltung der Pflanzen einsetzt, sichert damit gleichzeitig die Rohstoffbasis für wichtige Bestandteile von Arzneimitteln", betonte der Bundesumweltminister. Die Hoffnung, mit Hilfe eines Enzyms des in den 80er Jahren in Australien entdecken Magenbrüterfroschs ein Mittel gegen Magengeschwüre zu entwickeln, habe sich derweil inzwischen erübrigt - der Frosch ist ausgestorben. Durch das Artensterben verliere die Menschheit den Schlüssel zur Entwicklung lebensrettender Medikamente. Vom Milleniumsziel, die weltweite Rate des Artensterbens bis 2010 zum Stoppen zu bringen, sei man weit entfernt, bedauerte Gabriel: "Nach Zahlen der FAO ist ein Viertel aller Meeresfischbestände gefährdet, beim derzeitigen Trend wird es Mitte des Jahrhunderts keine kommerzielle Fischerei mehr geben, weil es keine Fische mehr gibt." Jährlich gehe ein Regenwaldgebiet in der Größe Portugals verloren - und genau da lebten die meisten Arten. Die rasant wachsende Bevölkerung vergrößere die Probleme: "Wenn wir im Umgang mit der Erde so weiter machen, bräuchten wir zwei Planeten, wir haben aber nur einen." Dass ein Verlust an Biodiversität ebenso wie der Klimawandel ökonomische Folgen hat, illustrierte der indische Ökonom Pavan Sukhdev. EU-Kommissar Stavros Dimas und Bundesumweltminister Gabriel haben ihm ein Forschungsprojekt übertragen, das weltweit die wirtschaftlichen Kosten durch den Verlust der biologischen Vielfalt ermitteln soll. Während Gabriel Conrad lobte, Rheinland-Pfalz habe mit der Ausweisung von Schutzgebieten mehr als seine Pflicht getan, rügte die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken, das Land habe wertvolle Gebiete kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geopfert. "Die Ministerin sollte sich ein Beispiel an Bayern nehmen und endlich konkrete Maßnahmen vorlegen", so Höfken. Das geplante Kohlekraftwerk in Mainz und die Vernichtung von Ackerflächen in der Landwirtschaft seien nur zwei Beispiele dafür, dass die Ministerin die Vernichtung von Biodiversität tagtäglich vorantreibt und damit unglaubwürdig sei. Der BUND forderte, die Konferenz müsse die Defizite der Länder beim Umwelt- und Artenschutz ins Visier nehmen. Artenschutz vor der eigenen HaustürLuchs, Rotmilan und Buche verdienen Schutz wie Nashorn, Tiger und EbenholzNABU Pressemitteilung, 8.5.08 „Stop the loss 2010" ist ein erklärtes Artenschutz-Ziel der Bundesreguierung. Der NABU begrüßt die heute vom Bundestag beschlossenen Eckpunkte und Forderungen zum Stopp des Artenschwundes. Er fordert die Bundesregierung als Gastgeber der UN-Konferenz über die biologische Vielfalt aber auf, mit raschem Handeln gegen den alarmierenden Verlust von Arten und Lebensräumen vor der eigene Haustür zu beginnen. Die heimische Tier- und Pflanzenwelt muss konsequent geschützt werden, um die Gratisleistungen der Natur wie ausreichend Wasser, saubere Luft und eine lebenswerte Umwelt auch in Zukunft zu erhalten. „Es muss Schluss sein mit der Einstellung, die Rettung der biologischen Vielfalt müsse vor allem woanders stattfinden und in Deutschland steht doch alles zum Besten. Luchs, Rotmilan und Buche verdienen den gleichen Schutz wie Nashorn, Tiger und Ebenholz“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Knapp drei Viertel der in Deutschland vorkommenden Lebensräume, ein Drittel der einheimischen Tierarten und fast 27 Prozent der national vorkommenden Pflanzen sind nach wie vor akut gefährdet. Der Flächenverbrauch in Deutschland ist mit 106 Hektar pro Tag noch weit davon entfernt, das von der Bundesregierung angestrebte Ziel von 30 Hektar pro Tag zu erreichen. Während auf der Weltnaturschutzkonferenz international für ein „Netz des Lebens“ geworben wird, verschleppen einige deutsche Bundesländer die Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 massiv. „Die darin ausgewiesenen Schutzgebiete bestehen weitgehend nur auf dem Papier“, kritisierte Miller und selbst kleine Schritte zur Vereinheitlichung des Umweltrechts werden gebremst. „Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium boykottieren seit Monaten jeden Fortschritt für ein innovatives Umweltgesetzbuch, das ein wichtiges Instrument für die Rettung unserer biologischen Vielfalt werden kann. Wer international einen wirkungsvollen Naturschutz durchsetzen will, muss vor seiner eigenen Haustür beginnen“, forderte Miller. Mittwoch, 7. Mai, 11:58 Uhr Koalas von Treibhausgasen zunehmend bedrohtCanberra (AP) Steigende Kohlendioxid-Anteile in der Atmosphäre werden für die Koalas in Australien zunehmend zur Bedrohung. Dadurch werden nämlich den Eukalyptus-Blättern, von denen sich die Tiere ernähren, Nährstoffe entzogen, wie Ian Hume, emeritierter Biologie-Professor an der Universität von Sydney, am Mittwoch mitteilte. Bei Studien in Gewächshäusern fand sein Forscherteam heraus, dass der Anteil an Giftstoffen in Eukalyptus-Setzlingen bei höheren Kohlendioxid-Werten in der Luft ansteigt.Hume präsentierte seine Ergebnisse am Mittwoch vor der australischen Akademie der Wissenschaften in Canberra. Demnach haben in Eukalyptus-Blättern unlängst die Substanzen zugenommen, die für Koalas entweder giftig sind oder die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen. Damit könnte die Hauptnahrung der Tiere ihnen mit der Zeit zum Schaden gereichen. Konkrete Zahlen bezüglich der negativen Auswirkungen konnte Hume nicht nennen. Er äußerte jedoch die Befürchtung, dass sich die Population der Koalas in den kommenden 50 Jahren erheblich reduzieren könnte. » zurück |
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