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Aktuell

Illegale Holzimporte

Laut WWF stammen fast 20 Prozent der EU-Holzimporte aus illegalen Quellen

Von Franziska Brüning, Süddeutsche Zeitung, 14.6.08

München - Zwischen 16 und 19 Prozent der Holzimporte in der Europäischen Union stammen laut einer aktuellen Studie des World Wildlife Fund (WWF) aus illegalem Holzeinschlag. Davon sind verschiedene Produkte betroffen wie Echtholzfurniere, Gartenmöbel oder Fensterrahmen. Für die Studie hat die Naturschutzorganisation alle Außenhandelsdaten der Europäischen Union von 2006 analysiert und die Menge an Rohholz berechnet, die zur Herstellung der importierten Produkte benötigt wurde. Demnach stammen sieben bis neun Prozent der Importe nach Deutschland aus illegalen Quellen. Das Land steht damit laut der unrühmlichen Statistik in der EU an dritter Stelle.

"Das Thema des illegalen Holzhandels ist seit Jahren bekannt, und die großen Unternehmen wissen ganz genau, welche Länder illegales Holz liefern, zum Beispiel Indonesien, Russland oder China. Die Händler müssten ihre Einstellung nachhaltig ändern und nicht nur auf den Preis achten, sondern auch darauf, dass sie nur Holz mit einem Gütesiegel wie dem FSC-Gütesiegel kaufen", sagt Nina Griesshammer von WWF. Die Organisation spricht von illegalem Holzeinschlag, wenn nationale Gesetze oder internationale Übereinkommen beim Einschlag, Handel oder Transport verletzt werden. Das FSC-Siegel garantiert, dass Holzprodukte aus sozial- und umweltverträglicher Waldwirtschaft kommen. Trotzdem importieren deutsche Firmen laut WWF illegales Rundholz, Zellstoff und Papier aus Russland oder Möbel aus China und Indonesien ohne Gütesiegel.

Problematisch ist die Untersuchung inswoweit, als die Ergebnisse weitgehend auf Schätzungen beruhen, da der kriminelle Holzhandel im Verborgenen abläuft. "Es liegt aber in der Natur der Sache, dass man kaum zu exakten Zahlen kommen kann. Der Ansatz, die Masse des geschlagenen Holzes zu erfassen und mit den Mengen zu vergleichen, die im Holzhandel ankommen, ist legitim", sagt Jobst Schröder vom Institut für Weltforstwirtschaft des Bundesforschungsinstituts für ländliche Räume, Wald und Fischerei. Meistens wird die Hehlerware über Drittländer wie China verkauft. Die Volksrepublik hat in den Jahren 2003 bis 2006 die Exporte aus Holz- und Papierprodukten verdreifacht. Das Rohholz für die Produktion bezieht China aus Russland, Südostasien oder Afrika, die als "Hoch-Risiko-Regionen" gelten. Der WWF geht mit "überdurchschnittlich hoher Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass der Großteil der chinesischen Produkte aus dem illegalen Holzhandel stammt. Nach Angaben der Weltbank entsteht durch verbotenen Holzeinschlag jährlich ein Schaden von 15 Milliarden US-Dollar. Weltweit wird der Holzpreis so um bis zu 16 Prozent gedrückt.

Nach WWF-Recherchen führen viele große Möbelhäuser und Baumärkte Holzprodukte aus illegalem Handel. "Um erfolgreich als Holzhandelsunternehmen auftreten zu können, müssen wir uns den Kundenwünschen stellen und können nicht ausschließlich unseren Idealen folgen. Gerne würden wir ausschließlich Produkte aus FSC-zertifizierten Hölzern verkaufen. Leider ist aber nicht jeder Käufer in der Lage, auch den doch erheblich höheren Preis aufzubringen. Somit müssen wir uns wieder dem Markt stellen und die Produkte anbieten, die verlangt werden", sagt Thomas Klindt, stellvertretender Geschäftsleiter von Holzland Hasselbach in Göttingen-Rosdorf. Seine Firma steht bei WWF mit 35 anderen Unternehmen unter dem Verdacht, auch mit Holzprodukten zu handeln, die vermutlich aus Raubbau stammen. Klindt nennt ein Beispiel für den deutlichen Preisunterschied zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Hölzern: Ein Meter einer FSC-zertifizierten Holzdiele aus Bangkirai kostet in seinem Laden 8,49 Euro, ohne Zertifikat spart sich der Kunde 2,54 Euro. Tchibo oder Ikea hingegen bemühen sich darum, wie Sprecher von beiden Firmen betonen, mit neuen Anforderungen an die Holzlieferanten heranzutreten, um nur noch Hölzer aus nachhaltigem Anbau zu beziehen.

Zweifel an den Firmen

Die von WWF kritisierte Otto GmbH und die Teak 24 GmbH wehren sich ausdrücklich gegen die Vorwürfe. So betont Otto, dass alle Lieferanten einen Herkunftsnachweis für die im Sortiment angebotenen Hölzer erbringen müssen. In kritischen Fällen müsse der Lieferant außerdem ein Zertifikat wie das FSC-Siegel vorweisen. Johannes Hövelmann, Teak 24-Geschäftsführer, gibt zu bedenken, dass seine Firma ausschließlich Holz über die staatliche Forstbehörde Indonesiens bezieht und die Lieferanten in regelmäßigen Stichproben überprüft. Fast alle angebotenen Innenbaumöbel seien zudem aus recyceltem Holz hergestellt. Hövelmann kritisiert, dass der WWF keine Anfrage an seine Firma gerichtet hat. Johannes Zahnen, Waldexperte des WWF, erklärt die Vorgehensweise: "Wir haben früher Fragebögen an die Unternehmen geschickt, aber durch Stichproben schon bald an den Selbstauskünften der Firmen gezweifelt und ihr Sortiment deswegen eigenständig überprüft." Tatsächlich ist die Diskrepanz zwischen WWF-Aussagen und den Möbelhäusern groß. Zahnen weist darauf hin, dass staatliche Beglaubigungen in Hochrisikoländern wie Indonesien als nicht vertrauenswürdig gelten und keine mit FSC vergleichbare Garantie für Hölzer aus nachhaltigem Anbau darstellen.

Auch Rudolf Luers, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel, der Zweifel an der WWF-Studie hat, weil diese eben nur auf Schätzungen beruht, empfiehlt zertifizierte Hölzer: "Wir möchten aber auch mit anderen Zertifikaten als FSC handeln. FSC hat nämlich außerhalb Europas nur einen geringen Zertifizierungsanteil."

Die EU-Kommission hat bereits 2003 Ideen vorgestellt, wie illegaler Holzeinschlag bekämpft werden könne. Sie versuchte, die Forderungen von Naturschützern und Holzhändlern mit Hilfe von freiwilligen Partnerschaftsabkommen zu vereinbaren. In einem Gesetzesvorschlag will die Kommission den Unternehmen nun eine Nachweispflicht auferlegen. "Der Letzte in der Kette muss wissen, dass der vor ihm Holz aus einer guten Quelle liefert und so weiter. Jeder in der Kette muss verantwortlich handeln", sagt Barbara Helferich, Sprecherin von Umweltkommissar Stavros Dimas.







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