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Aktuell
Kipp-Punkte des Klimas
Könnte sich das Klima drastisch und abrupt ändern?
UBA-Papier zu möglichen "Kipp-Punkten" im Klimasystem
Von Martin Ittershagen, Umweltbundesamt, 29.7.08
Die zunehmende Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erwärmt das Klima. Die Lufttemperaturen der bodennahen, atmosphärischen Schichten steigen dadurch an.
Werden bestimmte Temperaturschwellen erreicht, könnte das Klimasystem mit abrupten und starken Änderungen reagieren: Grönlands Eismassen schmelzen, der Meeresspiegel steigt an, das arktische Meereis schmilzt, die Arktis selbst erwärmt sich und der Regenwald am Amazonas trocknet zunehmend aus. Ein neues Hintergrundpapier des Umweltbundesamtes (UBA) fasst den Kenntnisstand zu möglichen Gefahren drastischer Klimaänderungen zusammen.
"Schon in diesem Jahrhundert drohen uns bei weiter steigenden Temperaturen drastische Klimaänderungen - auch in Deutschland", sagte Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). "Wir alle sind Teil eines globalen Experiments mit der Lufthülle unseres Planeten, von dem wir nicht genau wissen, wie es ausgehen wird. Wir müssen den Ausstoß der Klimagase rasch und deutlich senken und uns an den Klimawandel anpassen.", so Holzmann weiter.
Die meisten Menschen denken bei dem Wort "Klimaerwärmung" an einen langsam fortschreitenden Prozess: Schon bei relativ geringen Temperaturanstiegen kann das Klimasystem bereits sogenannte "Kipp-Punkte" erreichen, bei denen es zu abrupten und drastischen Änderungen kommt. Steigende Temperaturen in der Arktis haben zum Beispiel in den letzten 100 Jahren zu einem Rückgang des Meereises geführt. Bei einem weiteren Anstieg der Temperaturen könnte die Arktis im Sommer bald eisfrei sein.
Der Kipp-Punkt für eine sommerliche eisfreie Arktis könnte sehr nah oder möglicherweise bereits überschritten sein. Für die in der Arktis lebenden Menschen hätte das schwerwiegende Folgen: Gejagte Tierarten verschwinden, Häuser und Wege werden durch tauende Böden instabil und beschädigt. Eine weitere Erwärmung könnte auch für den Amazonas-Regenwald drastische Folgen haben. Verstärkt durch Waldrodungen und die Tatsache, dass sich Straßen, Ackerland und Weideflächen immer weiter ausbreiten, kann das Ökosystem Regenwald austrocknen und schließlich vollständig zusammenbrechen.
Wann genau solche Kipp-Punkte erreicht werden, können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch nur schwer bestimmen, da viele natürliche Prozesse noch nicht ausreichend erforscht sind. Jedoch ist sicher: Sind die Veränderungen im Klimasystem zu stark und nicht mehr umkehrbar, könnte eine Anpassung für den Menschen zu spät oder nur unter hohem Aufwand und extrem hohen Kosten möglich sein.
Entschlossenes Handeln ist daher zwingend erforderlich: Dazu gehört erstens, den Ausstoß der Treibhausgase in die Atmosphäre deutlich zu reduzieren. Zweitens müssen wir uns an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen - zum Beispiel durch die effiziente Nutzung der Wasserressourcen oder die Entwicklung trockenheitstoleranter Kulturpflanzen. Nur so lassen sich die Folgen eines sich ändernden Klimas in Grenzen halten und bewältigen.
Weitere Informationen:
www.umweltbundesamt.de
www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/kipp-punkte.pdf
Mittwoch, 30. Juli, 13:15 Uhr
Riesige Eisschollen lösen sich von Arktisküste
Montréal (AFP) - Vom größten Eisschelf der Arktis haben sich zwei riesige Eisschollen gelöst, die jetzt als schwimmende Inseln im Meer treiben. Wie die kanadische Eisbehörde mitteilte, lösten sich die Blöcke vom Eisschelf Ward Hunt, der zur Ellesmere-Insel gehört. Eine der beiden Treibeisinseln sei 14 Quadratkilometer groß, die zweite vier bis fünf Quadratkilometer. Es ist der größte Eis-Abbruch in der Arktis seit drei Jahren. Wissenschaftler vermuten die Klimaerwärmung als Ursache für das Kalben des Schelfeises.
Die neuen Eisabbrüche wurden von kanadischen Wissenschaftlern bei einem Aufklärungsflug entdeckt und anschließend durch Satellitendaten bestätigt. Bei einem besonders spektakulären derartigen Ereignis war im August 2005 mit einem gewaltigen Schlag eine 66 Quadratkilometer große Scholle vom Schelf vor der Ellesmere-Insel abgebrochen. Dabei war derartig viel Energie freigesetzt worden, dass seismologische Geräte in 250 Kilometern Entfernung ausschlugen. Erst auf Satellitenbildern hatten Forscher Monate später rekonstruieren können, was passiert war.
An die Ellesmere-Insel schließen sich im Norden fünf große Eisschelfe an, Ward Hunt ist mit einer Fläche von 443 Quadratkilometern der größte. Die Schelfe, riesige auf dem Meer treibende Eisplatten mit Verbindung zum Festland, bildeten sich bereits vor tausenden von Jahren. Seit Jahrzehnten geht das Schelfeis an den Polen zurück. Viele Wissenschaftler machen die Klimaerwärmung dafür verantwortlich.
Sonntag, 27. Juli, 10:24 Uhr
Nordpol diesen Sommer wohl doch nicht eisfrei
Berlin (AP) Der Nordpol wird diesen Sommer wohl doch nicht erstmals seit Menschengedenken eisfrei sein. Ein US-Forscher hatte mit seiner Vorhersage, die Eisschicht am Nordpol könne möglicherweise abschmelzen, im Juni für Schlagzeilen gesorgt. «Es ist immer noch möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich», sagte Mark Serreze vom Schnee- und Eisdatenzentrum in Colorado jetzt nach einem Bericht der «Bild am Sonntag».
Ein kühlerer Frühling habe die Eisschmelze verlangsamt. «Am Ende des Sommers wird die Eisschicht deutlich dünner sein als normal, aber höher als im Vorjahr», zitiert das Blatt den Wissenschaftler. Deshalb werde «der Weihnachtsmann in seiner Heimat, dem Nordpol, dieses Jahr noch sicher sein.»
Die Eisfläche am Nordpol war 2007 auf ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenbeobachtung vor 30 Jahren abgeschmolzen. Als Folge war die Nordwest-Passage im Norden Kanadas zwischen dem Atlantik und dem Pazifik eisfrei und für Schiffe befahrbar. Experten machen die globale Erwärmung für das Abschmelzen des Eises verantwortlich.
Mittwoch, 30. Juli, 16:03 Uhr
Juli 2008 achter zu warmer Monat in Folge
Offenbach (dpa) - Der Juli 2008 ist der achte zu warme Monat in Folge. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch berichtete, lag die Temperatur um 1,1 Grad über dem langjährigen Mittel.
Seit Dezember 2007 waren alle Monate wärmer als der Mittelwert, der aus den Beobachtungen der Jahre 1961 bis 1990 ermittelt wird.
Durchschnittlich fielen im Juli rund 83 Liter Regen pro Quadratmeter, das sind sechs Prozent mehr als im Mittel. Trocken war es vor allem in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen, während es im Norden und im Süden mehr regnete als sonst üblich.
Genau im Durchschnitt liegt der Sonnenschein bei 209 Stunden, wobei es wie beim Niederschlag große regionale Unterschiede gab. Am sonnigsten hatten es die Menschen an der Ostsee - rund um Rügen registrierten die Meteorologen über 300 Sonnenscheinstunden. In Arnsberg-Neheim im nordrhein-westfälischen Sauerland zeigte sich die Sonne dagegen nur 137 Stunden lang.
Klimawandel: Staatsforsten
setzen auf Mischwälder
Münchner Merkur, 29.7.08
Würmtal – Die Bayerischen Staatsforsten setzten den Umbau ihrer Wälder fort. Wegen des Klimawandels sollen verstärkt stabile Mischwälder entstehen.
Waldbau, Naturschutz, Erholung - mit diesen Schwerpunkten wollen die Bayerischen Staatsforsten, die im Würmtal rund 2500 Hektar bewirtschaftet, ihr nachhaltiges Konzept zur Pflege und Renaturierung 2008/2009 fortsetzen. Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder nannte am Dienstag im Rahmen einer Informationsveranstaltung auch erste Einzelheiten des am 7. August von Staatsminister Josef Miller präsentierten Regionalen Erholungskonzepts (REK), das mit dem Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb abgestimmt ist: Rad-, Reit- und Wanderwege wurden demnach komplett kartiert und sollen instand gehalten, neue Wege aber nicht gebaut werden.
Wegen der klimabedingten Erwärmung gilt die Kultivierung von Mischwäldern weiterhin als vordringliches Ziel in den Staatsforsten: "Die Fichte mit ihrem kritischen Wasserhaushalt wird uns in Zukunft wenig Freude machen", so Seerieder - man denke hier in Zehn-Jahres-Kategorien und setze "kontinuierlich und zügig auf Buchenpflanzungen", die eines Tages regional bis zu 60 Prozent Waldanteil ausmachen könnten. Derzeit stünden Holzzuwachs und Holzeinschlag in einem gesunden ökologisch-ökonomischen Verhältnis, man habe "regelmäßigen Zuwachs" zu verzeichnen: "Wenn wir das Geld nicht verdienen, können wir es auch nicht in die Pflege des Waldes stecken", sagt Seerieder über die Wechselbeziehung von gutem Wirtschaften und Nachhaltigkeit.
Im Zuständigkeitsbereich des Forstbetriebs München gelten 13 979 Hektar von insgesamt 18 500 Hektar Wald als Erholungswald: Von diesem Erholungsraum für rund zwei Millionen Menschen liegen wiederum Kraillinger Forst, Kreuzlinger Forst und Teile des Forstenrieder Parks im Würmtal oder dessen Einzugsgebiet - mit 194 Kilometern Wanderwegen, 239 Kilometern Radwegen, 79 Kilometern Reitwegen und 42 ausgewiesenen Parkplätzen: "Ganze 1,8 Prozent der Besucher dieser Naherholungsgebiete kommen mit dem öffentlichen Personennahverkehr", wusste Seerieder zu berichten, "19,4 Prozent mit dem Auto, der Rest mit dem Fahrrad."
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