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Aktuell

Klimakonferenz beendet

Gipfel der kleinen Schritte

Weltklimakonferenz geht zu Ende
WWF: Fortschritte für das Paris-Abkommen


WWF Pressemitteilung, 17.11.17

Berlin: Nach zwei Wochen Verhandlungsmarathon geht heute die Weltklimakonferenz COP23 in Bonn zu Ende. Im Vordergrund stand die Ausgestaltung des Pariser Klimaschutzabkommens, daneben wurden aber auch einige spannende Initiativen vorgestellt. „Die Klimakonferenz in Bonn war kein Paukenschlag, aber sie hat das geliefert, was sie liefern musste“, sagt Michael Schäfer, Fachbereichsleiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. „In Bonn ging es um das Kleingedruckte für Paris – und viel Kleingedrucktes hat die Konferenz produziert. Aber wir sind längst nicht am Ziel.“

Wichtige Fortschritte wurde bei dem sogenannten Regelbuch gemacht: „Im nächsten Jahr muss die COP in Polen das Regelbuch, die Gebrauchsanweisung für das Paris-Abkommen, fertig stellen“, so Schäfer. Auch beim Talanoa-Dialog ging es voran: „Derzeit reichen die Beiträge der einzelnen Länder nicht aus, um das Ziel von Paris zu erreichen - wir brauchen mehr Klimaschutz, und zwar von allen Ländern. Der Talanoa-Dialog wird im nächsten Jahr eine Bestandsaufnahme bringen: Wie groß ist die Lücke, um Paris Wirklichkeit werden zu lassen? Und was muss geschehen, um sie zu schließen?“ Am Ende muss das Bekenntnis stehen, dass die Länder mehr tun und die Klimaschutzlücke schließen.

Dafür ist nicht zuletzt entscheidend, schon vor 2020 aktiv zu werden: „Hier muss auch Deutschland endlich seinen Beitrag leisten: Bislang geschieht viel zu wenig bei uns, seit rund acht Jahren sind die Emissionen nicht gesunken. Wir laufen große Gefahr, unser eigenes 2020-Ziel zu verfehlen. Wir brauchen dringend den Einstieg in den Kohleausstieg, und zwar schon vor 2020. Sonst machen wir uns auch international unglaubwürdig. Leider hat die Kanzlerin auf der COP beim Thema Kohle auf ganzer Linie enttäuscht. Während andere Länder eine Allianz für die Abkehr von der Kohle initiiert haben, kamen von Angela Merkel nur Verweise auf die schwierigen Sondierungsgespräche in Berlin.“

Positive Signale hingegen kamen aus den USA – und das nach der Ankündigung Donald Trumps, aus dem Pariser Abkommen austreten zu wollen. „Die amerikanische Zivilgesellschaft, Unternehmen, Städte und Staaten haben in einem eigenen Pavillon demonstriert: 'We are still in', wir bleiben dabei. Das hat erheblich dazu beigetragen, den 'Spirit of Paris' in Bonn aufrecht zu halten.“ Ebenfalls zu begrüßen waren die Verabschiedung des ersten Gender Action Plans und der Local Communities and Indigenous Peoples Platform: „Bonn hat große Fortschritte dabei gemacht, den Blick stärker auf die Betroffenheit von Frauen, Indigenen und Gemeinden durch den Klimawandel, aber auch ihre wertvollen Beiträge im Kampf gegen diesen zu lenken.“

Sehr gut aufgenommen wurde das große zivilgesellschaftliche Engagement in der Bonn Zone. „Eins ist klar: Die Entscheidungen auf Regierungsebene sind für den Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar. Sie alleine reichen aber nicht. Auf allen Ebenen, auch innerhalb der Zivilgesellschaft und Wirtschaft, müssen wir unsere Kräfte bündeln, um die Klimakrise zu lösen. Der Kampf gegen die Klimakrise ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – die größte unserer Zeit.“


COP23: "Die Welt ist abhängig von fossilen Energien, sie muss auf Entzug"

Klarer Auftrag an alle Staaten bis zum nächsten Weltklimagipfel

BUND Pressemitteilung, 17.11.17

Bonn/Berlin: Als eine "Konferenz der Trippelschritte beim Klimaschutz" hat der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger, die heute endende Weltklimakonferenz bewertet. "Die Regeln für die Überprüfung der nationalen Klimaschutzpläne sind sehr schwammig geworden. Noch vor der nächsten Klima­kon­ferenz in Katowice müssen sich Vorreiterstaaten dazu bekennen, ihre schwachen Klimaschutzpläne nachzubessern. Auch Deutschland läuft Gefahr, ohne entschiedene Maßnahmen, zu den Schmud­del­kindern zu gehören und muss deshalb aus der Kohleverstromung aussteigen", sagte der BUND-Vorsitzende.

Ein Misserfolg der COP23 sei, dass es noch immer keinen Fonds für die Bewältigung der milliarden­schweren Zerstörungen durch Stürme, Dürren und andere Folgen der Erderhitzung gebe. "Die ärmeren Staaten, die vom Klimawandel betroffen sind, stehen bei der Bewältigung der Schäden alleine. Die Hoffnung, dass unter der Präsidentschaft eines Inselstaates mehr für die betroffenen Länder erreicht wird, wurde enttäuscht", sagte der BUND-Vorsitzende.

Als Erfolg bewertet der BUND, dass es den Entwicklungsländern gelungen sei, die Industrieländer auf die Einhaltung ihrer Versprechen für mehr Klimaschutz in den nächsten drei Jahren zu verpflichten. Die Industriestaaten hätten hier in Bonn zugesichert, ihre Klimaschutzzusagen bis 2020 zu erfüllen und dies auch überprüfen zu lassen.

"Eine Kontrolle der Klimaschutzzusagen allein reicht nicht aus. Alle Staaten müssen ihre Klima­schutz­an­strengungen verstärken und schnell aus fossilen Energien aussteigen. Die Welt ist abhängig von fossilen Energien, sie muss auf Entzug. Es ist ein klarerer Auftrag an alle Staaten, bis zum nächsten Klimagipfel in Katowice den Ausstieg aus den Fossilen einzuleiten", sagte Weiger.

Die Kluft zwischen dem Pariser Klimaziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten und den tatsächlichen Gegenmaßnahmen sei nach wie vor riesig. Deutschland mache da keine Ausnahme. "Der Koalitionsvertrag der kommenden Bundesregierung muss einen sozial-ökologischen Ausstiegsplan für den Abschied von der Kohle bis 2030 enthalten", forderte Weiger.


NABU: Weltklimakonferenz erfüllt Erwartungen - Entwurf für Regelwerk zum Pariser Abkommen liegt vor

Tschimpke: Bonn liefert, Berlin nicht
Jamaika-Streit um Kohleausstieg und Klima gefährdet Deutschlands Klimaziele


NABU Pressemitteilung, 17.11.17

Berlin/Bonn – Kurz vor Abschluss der Weltklimakonferenz in Bonn ist absehbar, dass sich die Vertreter der 195 Vertragsstaaten am Freitag auf einen Entwurf für ein Regelwerk zum Pariser Abkommen von 2015 verständigen. Damit seien die Erwartungen an die Konferenz erfüllt worden. NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Ein Entwurf für ein Regelwerk liegt auf dem Tisch, damit ist das wichtigste Ziel der Konferenz erreicht. Jetzt muss es darum gehen, die Aufbruchsstimmung aus Paris zu reaktivieren und die ausformulierten Vereinbarungen im polnischen Kattowitz 2018 tatsächlich in die Tat umzusetzen.“ Allerdings sei der aktuelle Entwurf mit vielen hundert Seiten Text noch sehr aufgebläht. Bei der nächsten Klimakonferenz in Polen soll dieses Regelbuch verabschiedet werden. Bis dahin sei noch reichlich Verhandlungsarbeit notwendig, um den Umfang wieder etwas einzudampfen.

Viel gesprochen wurde über den sogenannten Talanoa Dialog in Bonn. In diesem Prozess geht es darum, die Klimaschutzambitionen aller Vertragsparteien zu überprüfen. Aus Sicht des NABU ist es am wichtigsten, dass damit auch die notwendigen Schritte zur Steigerung der Klimaschutzbemühungen aller Staaten eingeleitet werden.

Trotz der positiven Bilanz von Bonn, ist es zwingend nötig, dass möglichst schnell noch mehr Klimaschutzmaßnahmen beschlossen werden, um überhaupt das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen. „Paris gilt erst ab 2020, das heißt, wir brauchen in den kommenden zweieinhalb Jahren ehrgeizigere Pläne, um bis dahin die CO2-Emissionen in Europa und weltweit weiter massiv zu begrenzen“, so Tschimpke. Der NABU begrüßte die Initiative US-amerikanischer Bundesstaaten, Kommunen und Städte mit einem klaren Bekenntnis zum Paris-Abkommen. „Es ist ein deutliches Signal an Präsident Trump, sich klimapolitisch nicht weiter zu isolieren“, so Tschimpke weiter. Der NABU begrüßte ebenfalls die Verabschiedung eines Aktionsprogramms für Gender-Aspekte. Der „Gender Action Plan“ zielt darauf ab, den Frauenanteil künftig in den Klimaverhandlungen zu erhöhen.

Ein Wermutstropfen in der Klimapolitik ist der aktuell bekannte vorliegende Kompromiss-Vorschlag zur Klimapolitik der Jamaika-Sondierungen in Berlin. „Bundeskanzlerin Merkel hat es nicht geschafft, ihre Partei und auch die FDP rechtzeitig zur Klimakonferenz dazu zu bringen, Pläne für einen ehrgeizigeren Klimaschutz vorzulegen, um damit auch international wieder eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Kompromisslinie beim Kohleausstieg wird, so wie es aussieht, bei weitem nicht ausreichen, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen, so der NABU-Präsident.

Deutschland hat sich bereits 2010 festgelegt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu mindern. „Ohne eine zusätzliche Minderung von rund 100 Millionen Tonnen CO2 durch die Kohle werden auch Programme für mehr Gebäudesanierung und Energieeffizienz, die ohne Frage dringend nötig sind, nicht ausreichen, um doch noch das Ziel zu erreichen“, ergänzt NABU-Klimaexperte Sebastian Scholz.


Weltklimakonferenz verstärkt massiv Druck für Kohleausstieg in Deutschland

Germanwatch: Fortschritte, aber zu wenig Dynamik bei COP23 in Bonn
Deutschland droht bei Klimaschutz Anschluss zu verlieren


Germanwatch Pressemitteilung, 17.11.17

Bonn. Die Weltklimakonferenz in Bonn, die heute Abend beendet werden soll, ist nach Ansicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch ein wichtiger Fingerzeig für die Jamaika-Sondierungsgespräche in Berlin. "Deutschland droht beim Klimaschutz international den Anschluss zu verlieren", warnt Klaus Milke, Vorsitzender von Germanwatch. "Unser Klimaschutzindex zeigt, dass Deutschland nur noch im Mittelfeld ist. Die Kohleausstiegs-Allianz mit mehr als 20 Staaten und Bundesstaaten - aber ohne Deutschland - hat gezeigt, dass eine klare Entscheidung der Jamaika-Verhandler überfällig ist: Für die politische Glaubwürdigkeit Deutschlands brauchen wir einen Fahrplan zum sozialverträglichen Kohleausstieg - beginnend mit der Abschaltung der dreckigsten Hälfte der Kohlekraftwerke bis 2020 - sowie eine Wende in der Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik. Wir nehmen die Rede der Kanzlerin in Bonn in Bezug auf die Klimaziele für 2020 und 2030 beim Wort. Den Worten müssen Taten folgen. Vor allem die gegenüber dem Klimawandel verletzlichsten Staaten erwarten die Einlösung dieses Versprechens."

Licht, aber auch Schatten sieht Germanwatch bei den Ergebnissen des Arbeitsprogramms der COP23. Auf der Konferenz wurde klar betont, dass die Klimaziele der Staaten für 2020 und 2030 eingehalten und weiter erhöht werden müssen. Dazu wird die fidschianische Präsidentschaft im kommenden Jahr den sogenannten Talanoa-Dialog organisieren, dessen genaue Ausgestaltung zur Stunde noch verhandelt wird. Damit ist die Erwartung an die Staaten verbunden, in den nächsten drei Jahren alles für die Einhaltung ihrer Zusagen zu tun und im kommenden Jahr einen ernsthaften Prozess zur Erhöhung ihrer 2030-Ziele zu beginnen.

Als enttäuschend bewertet Germanwatch die mangelnden Fortschritte bei der Unterstützung der vom Klimawandel besonders Betroffenen. "Hier wird zwar ein Arbeitsprogramm beschlossen werden, um die Herausforderungen der nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verluste des Klimawandels besser zu verstehen. Aber es ist unklar geblieben, wie die Gelder mobilisiert werden sollen, um die Ärmsten dabei zu unterstützen, diese Verluste auch zu bewältigen. Von einem Klimagipfel unter der Präsidentschaft eines besonders verletzlichen Inselstaates, Fidschi, und zudem am Ende eines Jahres mit verheerenden Auswirkungen des Klimawandels hätten wir uns mehr erwartet", kommentiert Milke. "Hier müssen die reichen Länder mehr Unterstützung zusagen. Die nächste Möglichkeit ist der Klimafinanzierungsgipfel, zu dem Präsident Macron für den 12. Dezember nach Paris eingeladen hat." Positiv sei hingegen, dass viele technische Fragen geklärt wurden, damit der Anpassungsfonds des Kyoto-Protokolls in Zukunft unter dem Paris-Abkommen weitergeführt werden kann.

Bei der Erarbeitung der Umsetzungsregeln des Pariser Abkommens sieht Germanwatch Fortschritte. Hierzu liegt nun ein Textentwurf mit zahlreichen Optionen vor, die die verschiedenen Positionen der Verhandlungspartner widerspiegeln. Klaus Milke: "Die Verhandler haben in Bonn das Minimum geliefert, das sie liefern mussten. Jetzt muss im kommenden Jahr intensiv verhandelt und es müssen die Knackpunkte gelöst werden, damit beim Klimagipfel im polnischen Kattowitz 2018 tatsächlich eine Einigung auf robuste Regeln gelingt."


Weltklimakonferenz in Bonn macht Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Abkommens

BMUB Pressemitteilung, 18.11.17

Die Weltklimakonferenz in Bonn ist heute nach einer langen Verhandlungsnacht erfolgreich zu Ende gegangen. Die 197 Vertragsparteien erzielten wichtige Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Der sogenannte Talanoa-Dialog soll im Laufe des nächsten Jahres die Staatengemeinschaft zu ambitioniertem Handeln ermutigen, um die globale Klimaschutzlücke zu schließen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: "Wir haben in Bonn große Fortschritte gemacht, und zwar beim Verhandeln und beim Handeln. Damit hat die Konferenz die Erwartungen voll erfüllt. Uns ist ein wichtiger Zwischenschritt gelungen auf dem Weg zur Konferenz in Kattowitz in einem Jahr, wo die Umsetzungsregeln von Paris beschlossen werden sollen. Bonn war auch die erste Weltklimakonferenz nach dem angekündigten Rückzug der Trump-Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen. Von Bonn geht das starke Signal aus, dass die Welt zusammensteht und sich beim Klimaschutz nicht aufhalten lässt."

Ein wesentliches Ergebnis der Konferenz ist der sogenannte Talanoa-Dialog. Talanoa ist ein fidschianischer Begriff für einen Austausch mit allen Beteiligten. Da die aktuellen Klimaziele unter dem Pariser Abkommen in der Summe noch nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wurde bereits in Paris vereinbart, dass die Staatengemeinschaft mit der Zeit immer ehrgeiziger werden muss. Der Probelauf für diesen Ambitionsmechanismus ist der Talanoa Dialog. Unter Führung von Fidschi und Polen soll er im Laufe des nächsten Jahres Beiträge aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenfassen. Ergebnis wird eine Bestandsaufnahme sein, die die Vertragsstaaten zu ehrgeizigerem Handeln motivieren soll, um die globale Klimaschutzlücke zu schließen. Wichtige Fortschritte gab es auch beim sogenannten Regelbuch, also den Ausführungsbestimmungen für das Pariser Abkommen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie die Staaten ihre Treibhausgasemissionen messen und darüber berichten. In Bonn wurden zu allen Fragen Texte entwickelt, die bis zur Weltklimakonferenz in Kattowitz 2018 schlussverhandelt werden können.

Gleichberechtigt neben den Verhandlungen wurde in Bonn die sogenannte Umsetzungsagenda vorangetrieben: In vielen hundert Veranstaltungen präsentierten Staaten, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Klimaschutzlösungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ein Beispiel für die Fortschritte jenseits der Verhandlungen ist die sogenannte NDC-Partnerschaft, die Entwicklungsländern bei der Aufstellung von nationalen Klimaschutzstrategien hilft. Die Partnerschaft hat ihre Arbeit in Bonn deutlich ausgebaut.

Deutschland war technischer Gastgeber der Konferenz, die unter der Präsidentschaft von Fidschi stattfand. Die Bonner Weltklimakonferenz war die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat. In den zwei Konferenzwochen waren insgesamt 22.000 Teilnehmer anwesend, dazu mehr als 4500 Helferinnen und Helfer.

Hendricks: "Bonn hat sich als hervorragender Gastgeber präsentiert. Diese Konferenz hat Bonn als Standort für internationale Organisationen und Konferenzen gestärkt. Wir haben hier in Bonn Standards setzten können. Unser Konzept "eine Konferenz, zwei Zonen" ist voll aufgegangen. Sowohl die Bula Zone mit den Verhandlungen als auch die Bonn Zone mit den Umsetzungsbeispielen waren gut besucht. Ich bin sicher, dass dieser Zweiklang aus Verhandeln und Handeln bei künftigen Klimakonferenzen Schule machen wird."


Herausforderung angenommen

Die UN-Klimakonferenz in Bonn geht zu Ende. Sweelin Heuss und Martin Kaiser von der Greenpeace-Geschäftsführung sind vor Ort und schildern ihre Eindrücke vom Klimagipfel.

Von Michael Weiland, Greenpeace-Online, 18.11.17

Die Klimakonferenz in Paris vor zwei Jahren war ein historisches Ereignis: Die Länder der Welt einigten sich darauf, ihre Treibhausgasemissionen so weit zu reduzieren, dass der Temperaturanstieg möglichst bei 1,5 Grad Celsius stabilisiert wird. Nur wenn die Erderhitzung deutlich unter 2 Grad gehalten werden kann, vermeiden wir die katastrophalsten Klimaveränderungen: häufigere Stürme, Starkregen, längere Dürren.

Auf der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn ging es nun darum, wie die Pariser Beschlüsse umgesetzt werden. Gastgeber war in diesem Jahr die Republik Fidschi. Sweelin Heuss und Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführung, waren vor Ort, haben mit Delegierten gesprochen und die Gespräche beobachtet. Im Interview sprechen sie über die Rolle Deutschlands im internationalen Klimaschutz, was der Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen bedeutet, und warum ihnen der Gipfel allen Stolpersteinen zum Trotz Hoffnung für die Zukunft gibt.

Greenpeace: War diese Klimakonferenz ein Erfolg?

Martin Kaiser: Der größte Erfolg der COP ist erst einmal, dass 23.000 Besucher und Delegierte zusammen kamen, um sich darüber auszutauschen, wie das Pariser Klimaschutzabkommen umgesetzt werden kann. Mehr als 20 Staaten, die 2030 aus der Kohle aussteigen wollen, haben sich hier zusammengeschlossen. Das ist auch ein wichtiges Signal für die Debatte in Berlin – denn Deutschland gehört nicht zu dieser Ambitionsallianz.

Das heißt nicht, dass die Länder, die Schluss mit der Kohle machen, die Hände in den Schoß legen können. Frankreich muss raus aus der Atomenergie und Kanada aus den Ölexporten, ansonsten wackelt die Glaubwürdigkeit im Klimaschutz.

Welche Rolle hat Deutschland bei der Konferenz gespielt?

Sweelin Heuss: Der letzte Rest von Angela Merkels Ruf als „Klimakanzlerin“ droht zu verblassen. Jeder hier sieht inzwischen den Unterschied zwischen dem, was Merkel auf dem diplomatischen Parkett sagt, und was sie innenpolitisch einfach nicht umsetzt. Dieser Widerspruch zeigte sich mit ihrem Auftritt hier auf der Konferenz. Die Kanzlerin hat bei ihrer Rede auf der Weltklimakonferenz wieder einmal betont, dass Deutschland das 40-Prozent-Ziel erreichen möchte, also seine CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Sie hat eingeräumt, dass hierfür der Ausstieg aus der Kohle notwendig ist, ruderte aber gleich zurück, dass diese Ziele aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen „sehr schwer“ zu erreichen sind.

Ihre Sorgen müssen für viele auf dieser Klimakonferenz wie purer Hohn geklungen haben – Angela Merkel vertritt immerhin eine der reichsten Industrienationen der Welt. Warum sollte Deutschland das nicht schaffen?

Immerhin hat sie in ihrer Rede betont, dass der Klimawandel eine Schicksalsfrage für die Weltgemeinschaft sei.

Sweelin Heuss: Da hat sie Recht. Gleichzeitig jedoch stellt sich die Schicksalsfrage auch für sie selbst. Vor zehn Jahren hat sie das deutsche Klimaziel ausgerufen: 40 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid bis 2020. Im Wahlkampf hat sie es ein weiteres Mal unterstrichen. Dabei weiß die Bundeskanzlerin sehr genau, dass wir nur mit einem Kohleausstieg dieses Ziel erreichen können. Sie kommt also nicht um einen konkreten Ausstiegsplan herum. Mit den Grünen kann sie keine erfolgreichen Koalitionsverhandlungen führen, wenn das nicht Teil des Koalitionsvertrags wird.

Bei den Sondierungsgesprächen in Berlin hat Merkel versucht, ihre bekannte Strategie zu fahren: rauszuhalten, Themen wegmoderieren. In Bonn musste sie sich zu dem Thema aber explizit äußern – und blieb wieder ein Bekenntnis zum Kohleausstieg schuldig. Ihr politisches Schicksal hängt von dieser Entscheidung ab, nicht zuletzt ihre Glaubwürdigkeit in der Weltöffentlichkeit.

Kritisieren andere Länder inzwischen die deutsche Klimapolitik?

Sweelin Heuss: Immer offener. Der britische „Guardian“ hat vor einigen Wochen eindrücklich Angela Merkels Image als Klimakanzlerin demontiert. Der frühere Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg, forderte Merkel vor ein paar Tagen hier in Bonn in klaren Worten auf, endlich den Ausstieg aus der Kohle in ihrem Land umsetzen. Derweil stiehlt ihr Frankreichs Präsident Macron die Show und positioniert sich als Anführer Europas im Kampf gegen den Klimawandel. Das bleibt nicht unbemerkt: Sie verspielt mit ihrem klimapolitischen Schlingerkurs ihr Renommee auch im Ausland.

Die USA waren zuletzt international isoliert in der Klimapolitik. War das auch hier spürbar?

Martin Kaiser: Die amerikanische Delegation hielt sich in Bonn sehr zurück. Doch es gibt starke amerikanische Stimmen neben den Regierungsvertretern. Insbesondere der Bundesstaat Kalifornien, dessen Gouverneur Jerry Brown in Bonn eine flammende Rede für den Schutz des Klimas gehalten hat. Sie zeigen deutlich, dass die USA trotz Trump weiterarbeiten werden, ambitionierte Klimaziele zu erreichen. Namhafte Umweltschützer wie Bloomberg, Leonardo DiCaprio, Al Gore und Arnold Schwarzenegger hatten sich ebenfalls auf den Weg nach Bonn gemacht, um zu signalisieren, dass der Klimaschutz in den USA eine Zukunft hat.

Mit der Republik Fidschi war ein Land Gastgeber, das ganz konkret von der Erderhitzung und einem steigendem Meeresspiegel bedroht ist. Wie hat das den Gipfel beeinflusst?

Martin Kaiser: Einflussreiche Länder wie China und Indien, die für einen großen Teil der Verschmutzung verantwortlich sind, vertreten ganz andere Interessen als die kleinen pazifischen Inselstaaten wie Fidschi. Hier prallen Welten aufeinander. Dass die Fidschi-Inseln nun Gastgeberland sind, zeigt aber auch, dass diese Länder gehört und mit ihrem Anliegen respektiert werden – und diese riesige Kluft allmählich geschlossen wird.

Durch Meeresanstieg und Fluten werden zukünftig in einem viel größeren Ausmaße Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und woanders hinzuziehen, gerade im Pazifikraum. Die reichen und privilegierten Länder können sich vielleicht vor den schlimmsten Auswirkungen der Erderhitzung schützen. Die armen werden aber ohne deren Hilfe mit dem steigenden Meeresspiegel untergehen. Für den Austausch über dieses zunehmend existenzielle Problem ist es gut, dass mit der Republik Fidschi ein kleines Land die Präsidentschaft übernommen hat, das den Klimawandel bereits so stark am eigenen Leib spürt.

Gibt euch die Klimakonferenz Hoffnung für die kommenden Jahre?

Sweelin Heuss: Ja! Ich treffe hier wunderbare Menschen aus der ganzen Welt, die mit Leidenschaft und höchstem Einsatz für diese Mission – unser Klima zu retten – unterwegs sind. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Respekt. Auch wenn mir bewusst ist, dass es viele Störfaktoren gibt, die diesen Prozess behindern: Die Richtung ist klar und die Bewegung dahin unaufhaltsam. Die Welt stellt sich der größten Herausforderung dieses Jahrhunderts.


Schellnhuber: Deutschland muss seine CO2-Emissionen schnell und stark senken

PIK-Pressemitteilung, 17.11.17

Die 23. UN-Klimakonferenz, auf der Fidschi und damit erstmals ein bereits heute vom Klimawandel betroffener Inselstaat den Vorsitz hatte, geht zu Ende. Die nationalen und internationalen Verantwortlichkeiten zur Begrenzung des Klimawandels enden jedoch nicht hier, das müssen auch die Ergebnisse der Sondierungsgespräche in Berlin widerspiegeln.

Dazu Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) und Vorsitzender des High Level Panel on Decarbonisation Pathways der Europäischen Kommission:

"Wir haben in Bonn eine starke Symbolik gesehen – Deutschland hat mit und für Fiji den Klimagipfel organisiert: ein reiches Land für ein armes, ein Land mit einer großen Verantwortung für den Ausstoß von Treibhausgasen in der Vergangenheit für ein Land, das an der Erderwärmung nicht schuld ist. Das aber durch den Klimawandel wortwörtlich vom Untergang bedroht ist, weil der Meeresspiegel steigt. Damit dies aber nicht bloße Symbolpolitik bleibt, muss Deutschland jetzt auch wirklich seine CO2-Emissionen schnell und stark senken. Den Betroffenen des Klimawandels auf der Bühne zu applaudieren und dann aber weiter ungehemmt Kohle zu verbrennen, wäre wirklich verlogen. Das muss jetzt der Maßstab auch für die Ergebnisse der Koalitionsgespräche sein."


Allianz fürs Kohle-Aus

Auf der COP23 wird eine globale Allianz für den Kohleausstieg vorgestellt
WWF: Deutschland muss mitmachen


WWF Pressemitteilung, 16.11.17

In Bonn wurde die "Global Alliance to Power Past Coal" vorgestellt (c) Andrew Kerr/WWFIn Bonn wurde die "Global Alliance to Power Past Coal" vorgestellt (c) Andrew Kerr/WWF Auf der Weltklimakonferenz COP23 in Bonn haben heute mehr als 20 Länder und Regionen als sogenannte „Global Alliance to Power Past Coal“ gemeinsam die Abkehr von der schädlichen Kohleverstromung angekündigt. Darunter befinden sich Großbritannien, Kanada und Italien. Dazu sagt Michael Schäfer, Fachbereichsleiter Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland:

„Eine globale Allianz für die Abkehr von der Kohle: Bonn sendet ein Signal, das wir uns derzeit stärker kaum wünschen könnten. Es ist peinlich, dass Deutschland – ehemals Vorreiter beim Klimaschutz – nicht dabei ist. Und es ist ökonomisch gefährlich: Denn die Kohle bremst in Deutschland Innovationen und Investitionen aus. Deshalb fordern auch immer mehr Unternehmen den Kohleausstieg. Der Druck auf Jamaika wird durch die Ankündigung in Bonn noch einmal höher. Denn während andere Länder den Kohleausstieg vorantreiben, gibt es in Berlin Streit über Unbestreitbares. Fakt ist: Wer verspricht, das Klimaziel 2020 zu halten, muss aus der Kohle raus. Das lässt sich nicht kleinrechnen. Jamaika darf kein Rückschritt beim Klimaschutz werden.“


Kohleausstieg: Deutschland verliert den Anschluss

Germanwatch begrüßt heute vorgestellte Allianz der Länder, die im nächsten Jahrzehnt aus der Kohle aussteigen werden - Kritik an bisheriger Haltung Deutschlands

Germanwatch Pressemitteilung, 16.11.17

Bonn. Heute ist auf der Weltklimakonferenz in Bonn eine von Großbritannien, Kanada und den Marshall-Inseln angeführte Allianz zum Kohleausstieg vorgestellt worden. Deren Mitgliedsländer verpflichten sich, in den nächsten Jahren vollständig aus der Kohleverstromung auszusteigen. Hierzu erklärt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch: "Der weltweite Abschied von der Kohle hat begonnen und Deutschland droht den Anschluss zu verpassen. Es ist sehr gut, dass eine immer größere Gruppe von Ländern Pläne zum geordneten Kohleausstieg präsentiert. Wenn Deutschland im internationalen Klimaschutz eine Führungsrolle spielen will, muss die nächste Bundesregierung jetzt auch einen klaren Plan für einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle vorlegen, der zur Umsetzung der Klimaziele passt."

Klimaszenarien zeigen, dass eine weitere Nutzung der Kohle zur Stromerzeugung und die Erreichung der Pariser Klimaziele nicht miteinander vereinbar sind. Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss weltweit der Energiesektor ohne Kohle, Öl und Gas auskommen, in den Industrieländern früher. Dabei muss auf die CO2-intensivsten Brennstoffe - zuerst die Braun-, dann die Steinkohle - als erstes verzichtet werden. Bals: "Die Regierung Trump koordiniert den Abwehrkampf gegen den internationalen Kohleausstieg. Deutschland muss jetzt zeigen, dass es auf einem anderen Pfad ist." Neben den Initiatoren sind an der Allianz unter anderem Mexiko, Frankreich, Finnland, Neuseeland, Italien und mehrere US-Bundesstaaten beteiligt. Alle diese Länder haben sich zu einem Enddatum für die Kohleverstromung verpflichtet, die Enddaten liegen zwischen 2021 und 2030.


Deutschland ratifiziert zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls

BMUB Pressemitteilung, 16.11.17

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich völkerrechtlich zur zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls (2013-2020) verpflichtet. Die entsprechende Ratifizierungsurkunde wurde bei den Vereinten Nationen in New York hinterlegt. Das gab Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Rande der Weltklimakonferenz in Bonn bekannt. Die EU hat in Bonn angekündigt, dass alle Mitgliedstaaten und die EU bis Ende des Jahres ihre Ratifikationsurkunden hinterlegen werden.

Hendricks: "Die Ratifizierung ist ein wichtiger symbolischer Akt. Wir stehen zu unserem Wort. In der Sache hatten wir auch vorher schon sichergestellt, dass wir Europäer unser gemeinsames Klimaziel für 2020 erreichen werden. Damit ist es nicht nur europarechtlich, sondern auch völkerrechtlich verbindlich. Dass wir uns in der EU jetzt auf diesen Schritt verständigen konnten, ist ein weiterer Erfolg der Bonner Weltklimakonferenz."

Das Kyoto-Protokoll von 1997 sah nur Minderungs-Verpflichtungen bis 2012 vor. In Doha wurden im Jahr 2011 neue Klimaziele für Industrieländer bis 2020 beschlossen. Für die EU gilt ein Klimaziel von 20 Prozent Minderung gegenüber 1990. Dieses Ziel wird in der EU bereits seit 2012 europarechtlich verbindlich umgesetzt – im Emissionshandel und in der Zielaufteilungsverordnung.




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