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NABU: "Wälder statt Forste"

NABU: „Wälder statt Forste“ - Biologische Vielfalt in Deutschland schützen

Zehn Prozent der Waldfläche für “Urwälder von morgen”

NABU Pressemitteilung, 5.5.08

Berlin - Der NABU hat die Bundesregierung als Gastgeber der 9. UN-Naturschutzkonferenz (19. bis 30. Mai) in Bonn auf den alarmierenden Zustand der heimischen Wälder aufmerksam gemacht und den Aufbau eines wirkungsvollen Schutzgebietsnetzes gefordert. Dabei müssten jetzt die Weichen für „Urwälder von morgen“ als wichtiger Lebensraum für bedrohte Tiere und Pflanzen gestellt werden. Dazu müssten zehn Prozent der Waldfläche dauerhaft aus jeder forstlichen Nutzung genommen werden, heißt es in dem heute vorgelegten Strategiepapier „Waldwirtschaft 2020“. Darin richtet der NABU neun Kernforderungen für eine ökologisch nachhaltige Waldwirtschaft an Politik und Forstwirtschaft.

„Die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft des Waldes an den Klimawandel ist derzeit eingeschränkt. Der Zustand des Waldes ist seit Jahren kritisch, ohne dass von einem Waldsterben die Rede ist“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Wegen dauerhafter Belastungen durch Schadstoffe aus der Luft, künstlich erhöhter Wilddichten und dem Klimawandel sei der Wald im Stress und laufe Gefahr seine vielen Service-Funktionen nicht mehr voll zu erfüllen. Im Fokus müsse besonders der Schutz der Buchenwälder stehen, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt. „Vor allem ältere, über Jahrhunderte gewachsene Bäume bieten bedrohten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum“, betonte Miller.

Ziel des NABU ist der so genannte kahlschlagsfrei bewirtschaftete Dauerwald im Gegensatz zu klassischen Forsten mit vielen gleichaltrigen Bäumen. „Nur so lassen sich die vielen wichtigen Funktionen des Waldes wie Luftreinigung, Speicher von Kohlendioxid, Lieferant von Wasser und Holz sowie als Erholungslandschaft für Menschen und unersetzlicher Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen erhalten“, betonte Miller. Enttäuscht zeigte sich der NABU vom Umgang der Forstwirtschaft mit den Natura 2000-Schutzgebieten. „Hier wird sprichwörtlich gehaust wie die Axt im Walde“, so Miller. Alte Wälder verschwänden insbesondere in Hessen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern binnen kürzester Zeit und es würden standortsfremde Baumarten wie Douglasie und Roteiche in den Schutzgebieten gepflanzt. „Es ist fünf für Zwölf. Wir müssen jetzt handeln, um unsere Wälder dauerhaft als Lebensraum zu erhalten“, so der NABU-Bundesgeschäftsführer.


NABU-Hintergrund: Neun Kernforderungen für eine ökologisch nachhaltige Waldwirtschaft

Der NABU richtet mit dem Strategiepapier „Waldwirtschaft 2020“ neun Kernforderungen für eine ökologisch nachhaltige Waldwirtschaft an Politik und Forstwirtschaft.

  • Novellierung des Bundeswaldgesetzes für eine zukunftsfähige Forstwirtschaft und Festschreibung anspruchsvoller Standards der „guten fachlichen Praxis“ in Bundes- und Landesrecht.
  • Realisierung einer ökologisch nachhaltigen Forstwirtschaft durch Umsetzung einer naturorientierten Waldbewirtschaftung und Stopp des Strategiewechsels der Forstverwaltungen zugunsten des Anbaus schnellwüchsiger exotischer Nadelbäume.
  • Vergrößerung der FSC- oder Naturland-zertifizierten Waldfläche u. a. durch verpflichtende Zertifizierung für den öffentlichen Waldbesitz zum Nachweis vorbildlicher Bewirtschaftung.
  • Abschaffung der Schalenwildbewirtschaftung und Umorientierung zu einem modernen Wildtiermanagement, in welchem die Bedürfnisse der Tiere und der Erhalt ihrer Lebensräume vor den jagdlichen Bedürfnissen rangieren.
  • Sicherung ungenutzter Naturwälder als „Urwälder von morgen“ auf langfristig 10 Prozent und bis 2020 auf 5 Prozent der Waldfläche. Großflächige Schutzgebiete werden dabei durch kleinere Naturwaldzellen vernetzt.
  • Neufassung der Bewertungsdefinition für den „guten und den hervorragenden Erhaltungszustand“ der Waldlebensraumtypen und der Populationen in Natura 2000-Gebieten (FFH- und EU-Vogelschutzgebiete), die der tatsächlichen Qualität Rechnung trägt.
  • Überführung und dauerhafte Sicherung unbewirtschafteter Schutzgebietsflächen aus öffentlichem Waldbesitz in Stiftungen. Keine Privatisierung bewirtschafteter Schutzgebietsflächen aus öffentlichem Waldbesitz.
  • Stärkung von Vertragsnaturschutzmodellen, Ökokonten und Flächenpools zur Integration von Naturschutzelementen wie Naturwaldzellen im Privatwald.
  • Entwicklung innovativer, den ökologischen Anforderungen gerecht werdender Nutzungsstrategien für Waldbiomasse, die den naturschutz- wie auch klimaschutzfachlichen Belangen gleichermaßen gerecht werden.
Kontakt:
Jörg-Andreas Krüger, Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik, Tel. 030-284984-1601, mobil 0173-6004364.
Gregor Beyer, NABU-Waldexperte, mobil 01741826504.


3. Mai, 2008

Glos und Herrmann gegen Nationalpark

Burghaslach (dpa) - Naturschützer stoßen mit ihrer Forderung nach einem Nationalpark Steigerwald bei der CSU weiter auf Ablehnung. Sowohl Bundeswirtschaftsminister Michael Glos als auch Innenminister Joachim Herrmann erteilten den Vorschlägen des Bund Naturschutz (BN) eine Absage. Der BN hat seine Forderung mit dem Schutz der wertvollen Buchenwaldbestände im Steigerwald begründet. Herrmann sagte beim Drei-Franken-Treffen der CSU in Burghaslach: "Wir sind stolz auf unseren Naturpark Steigerwald - und so soll es auch bleiben".







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