|
Aktuell
Aufforstung in Hessen
Hessen-Forst holzt weniger ab
Von Sabine Ränsch, Frankfurter Rundschau, 30.6.09
In Hessens Wäldern wird derzeit aufgeforstet statt abgeholzt. Wegen der geringen Nachfrage fällt der Landesbetrieb Hessen-Forst weniger Bäume. Stattdessen forstet die Belegschaft derzeit Windwurfflächen auf. Dabei wird statt der Fichte immer häufiger die für den Klimawandel besser gerüstete Douglasie gepflanzt. Trotz Wirtschaftskrise hat Hessen-Forst das Jahr 2008 mit schwarzen Zahlen beendet.
Im vergangenen Jahr seien 2,3 Millionen Festmeter Holz geschlagen worden, 1,2 Millionen weniger als 2007, sagt Hessen-Forst-Chef Michael Gerst. Aus den Lagerbeständen, die nach den Orkanen der vergangenen Jahre angelegt worden waren, wurden noch einmal 100000 Festmeter verkauft. Insgesamt nahm der Landesbetrieb 2008 rund 130 Millionen Euro für Holz ein, 9 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Auch in diesem Jahr soll deutlich weniger Holz geerntet werden, als langfristig geplant.
Nachfrageflaute und drastisch gesunkene Holzpreise haben Hessen-Forst bisher nicht in die roten Zahlen rutschen lassen. Das Unternehmen, das 340000 Hektar hessischen Staatswald und 300000 Hektar Kommunalwald bewirtschaftet, habe 2008 "einen ganz passablen Gewinn" erzielt, sagt Hessen-Forst-Chef Gerst, ohne eine Zahl zu nennen. "Wir sind bisher gut über die Runden gekommen." Zu danken sei dies langfristigen Lieferverträgen mit den Holzabnehmern. Die Preisentwicklung auf dem Markt wurde damit zumindest bisher ausgeblendet, in den Verträgen war sogar noch ein Preisplus vereinbart gewesen.
Aktuell sind die Holzpreise im Keller, sie liegen laut Gerst 20 bis 30 Prozent unter dem Niveau des vergangenen Jahres. "Noch schlimmer als befürchtet" habe die Krise den Holzmarkt erfasst. Allerdings gebe es auch schon wieder ein kleines Nachfrageplus. Vorerst sei das aber nur ein zartes Signal, ein Silberstreifen am Horizont.
Rund 1700 Hektar kahle Flächen, die die Orkane Kyrill und Emma hinterlassen haben, wurden inzwischen aufgeforstet. Ziel seien Mischbestände aus 50 Prozent Laub- und 50 Prozent Nadelholz, berichtet Gerst. Der Klimawandel wird die Wälder in den nächsten Jahren sichtbar verändern. Der Fichte, bisher "Brotbaum" der deutschen Forstwirtschaft, wird es zu warm. Sie soll nach und nach durch andere Baumarten ersetzt werden, die höhere Temperaturen besser vertragen.
Der Anteil der Fichten in hessischen Wäldern soll von derzeit 24 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden. Die Forstämter haben "Risikokarten", auf denen Gebiete markiert sind, die keine optimalen Fichten-Standorte mehr sind.
Als Alternative wird vor allem die Douglasie angepflanzt, ein Baum, der bis zur letzten Eiszeit vor mehr als 10000 Jahren in Europa heimisch war, dann aber ausstarb und nur in Nordamerika überlebte.
Von dort wurde die Douglasie im 18. Jahrhundert wieder nach Europa eingeführt. Sie braucht viel Regen und wächst zügig. Der in der Forstwirtschaft gefürchtete Borkenkäfer, der vor allem Fichten befällt, mag sie nicht. Douglasien haben derzeit einen Anteil von drei Prozent in den hessischen Wäldern. Mittelfristig soll er auf zehn Prozent steigen.
Überall, wo es möglich ist, soll die Natur selbst für neuen Wald sorgen. Im Boden schlummern Milliarden Samen. Innerhalb weniger Jahrzehnte wächst daraus von allein wieder Wald, wie auf Forschungsflächen im Vogelsberg zu sehen ist. Allerdings geht das laut Gerst nicht auf allen Kahlflächen und auch dort nicht, wo der reine Fichtenwald zum Mischwald umgebaut werden soll.
Zwar hat es im vergangenen Winter keine Orkane mit verheerenden Schäden gegeben, aber dennoch könnte auch in diesem Jahr mehr Holz anfallen als geplant: Der ungewöhnlich warme April in Hessen lag die Durchschnittstemperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes um 4,7 Grad über dem langjährigen Mittel hat die Borkenkäfer früh aus ihrer Winterruhe geweckt.
Wird der Sommer überwiegend warm und trocken, könnten sich drei Generationen der gefürchteten Schädlinge unter der Fichtenrinde entwickeln. Einmal befallen, müssen die Bäume schleunigst aus dem Wald gebracht werden, damit sich der Schädling nicht weiter ausbreiten kann.
Hessen-Forst versuche, den Befall rechtzeitig zu erkennen, "damit nicht mehr Holz anfällt als gebraucht wird", sagt Gerst.
» zurück
|