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Aktuell
Nationales Naturerbe wächst
Gabriel: Nationales Naturerbe dauerhaft gesichert
"Grünes Band" bleibt Lebenslinie
BMU Pressemitteilung, 2.7.09
"Wir haben unser Versprechen gehalten: Die Bundesregierung nimmt in dieser Legislaturperiode 100.000 Hektar ökologisch wertvoller Flächen im Bundeseigentum von der Privatisierung aus. Diese Flächen werden dauerhaft für den Naturschutz erhalten. Das ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Biologischen Vielfalt in Deutschland. Ich danke den Umweltverbänden für ihre beharrliche Arbeit. Ohne ihr nachhaltiges Engagement hätten wir diesen großen Erfolg nicht erzielen können", sagte heute Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte dem Vorhaben gestern Abend zugestimmt.
Weitere 25.000 Hektar sind als Reserveflächen für künftig aus der Nutzung fallende Flächen - wie etwa Truppenübungsplätze - vorgesehen. Unter dem Titel "Nationales Naturerbe" werden diese Gebiete nun bewahrt und ökologisch weiterentwickelt.
"Wir werden die einzigartigen Naturlandschaften erhalten und entweder im öffentlichen Eigentum belassen oder an Naturschutzstiftungen übergeben. Die Gesamtfläche dieser Gebiete hat einen Umfang von zehn deutschen Nationalparken! Mit der Beschlussfassung des Haushaltsausschusses haben wir Grünes Licht für den größten Naturschutzdeal seit dem Nationalparkprogramm Ostdeutschlands erhalten", sagte Sigmar Gabriel.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) übernimmt 46.000 Hektar Flächen. Das Grüne Band mit 7.000 Hektar wird in seiner ganzen Länge erhalten und an die Länder übertragen. 20.000 Hektar werden von den Naturschutzstiftungen übernommen und weitere 12.000 Hektar gehen an die Länder. Bei etwa 16.000 Hektar wird in den nächsten Wochen noch im Detail geklärt, ob diese von den Ländern übernommen werden oder bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bleiben, um dort in Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium nach den Naturerbe-Leitlinien betreut werden.
"Ich werde nun alle Partner, die Naturerbeflächen übernehmen, zu einer Konferenz einzuladen, um die weitere Entwicklung der Gebiete zu beraten. Wir wollen hier Qualitätsnaturschutz der Premiumklasse praktizieren. Zugleich wollen wir die Menschen mit der Schönheit unseres Landes begeistern. Das Grüne Band zum Beispiel soll nicht nur eine natürliche Lebenslinie bleiben, sondern auch ein Ort des Erlebens und des Erinnerns", sagte Sigmar Gabriel.
Nach dem Fall der Mauer im Herbst 1989 öffnete sich auch der innerdeutsche Eiserne Vorhang. 1393 Kilometer lang ist der frühere Grenzstreifen, der aus dem 10 Meter breiten Kontrollstreifen, einem 500 Meter breiten so genannten Schutzstreifen und einer 5 Kilometer breiten Sperrzone bestand. Hier hatte sich über die Jahrzehnte der Teilung eine teilweise einzigartige Natur einge-stellt: 109 verschiedene Lebensraumtypen, 160 bedrohte Arten waren Anfang der 90er Jahre durch eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums gefunden worden. 177 Quadratki-lometer umfasst der gesamte Bereich des Grünen Bandes. Sowohl die Natur, als auch der Erho-lungsraum und nicht zuletzt die Erinnerung waren bedroht, weil zunächst beabsichtigt war, die dem Bund gehörenden Flächen entlang der Grenze zu privatisieren und damit sowohl den durch-gängigen Charakter des Bandes und in weiten Teilen auch die einzigartige Natur zu verlieren.
NABU: Bund sichert Nationales Naturerbe - 100.000 Hektar für den
Naturschutz
Unselt: Stiftungen und Verbände profitieren von Haftungsregelung für
Altlasten
NABU Pressemitteilung, 2.7.09
Berlin - 100.000 Hektar ehemalige Militärflächen sowie Flächen aus
DDR-Volkseigentum werden künftig für den Naturschutz in Deutschland zur
Verfügung stehen. Der NABU hat die Zustimmung des Haushaltsausschusses
des Bundestages zur Sicherung des Nationalen Naturerbes begrüßt und die
Parlamentarier aufgefordert, nun rasch eine Lösung für noch ausstehende
25.000 Hektar zu finden. Laut Koalitionsvereinbarung sollten bis zu
125.000 Hektar national bedeutsame Naturschutzflächen wie ehemalige
Truppenübungsplätze, stillgelegte Braunkohletagebaue und Flächen an der
ehemaligen innerdeutschen Grenze als Nationales Naturerbe erhalten
werden.
„Die Entscheidungen für das Nationale Naturerbe sind ein großer Erfolg
für Naturschutzorganisationen und Bundesregierung. Hier hat die Große
Koalition einen wichtigen Schritt zum Erhalt der biologischen Vielfalt
in Deutschland getan“, sagte NABU-Vizepräsident und Vorsitzender der
Stiftung Nationales Naturerbe, Christian Unselt. Erfreulich sei, dass
der Bund sich zu seiner Verantwortung für militärische Altlasten
bekennt. Der Ausschuss hatte einer Haftungsregelung für die
Altlastensanierung zugestimmt, bei der der Bund ab einer Kostengrenze
von 200.000 Euro je Gebiet die Kosten künftig auch dann noch trägt, wenn
diese in die Obhut von Naturschutzorganisationen übertragen werden.
Insgesamt werden Umweltverbände und Umweltstiftungen rund 20.000 Hektar
Flächen des Nationalen Naturerbes übernehmen, davon allein über 7.000
Hektar die Stiftung des NABU.
„Für den Naturschutz und den Schutz von Arten und Lebensräumen in
Deutschland ist die Sicherung des Nationalen Naturerbes von großer
Bedeutung. Die beiden Regierungsparteien haben bis hierhin Wort
gehalten. Nun geht es darum, auch noch die ausstehenden 25.000 Hektar zu
sichern, um die Erfolgsstory komplett zu machen“, so Unselt. Diese
noch offenen Flächen sind erst vor kurzem aus der militärischen Nutzung
genommen worden und konnten deshalb in der bisherigen
Flächenübertragung nicht berücksichtigt werden. Der NABU spricht
sich hier vor allem dafür aus, bevorzugt Flächen aus den alten
Bundesländern für den Naturschutz zu sichern, um dort die Landschaft
vor weiterer Zersiedelung zu schützen.
Biodiversitätsstrategie nicht torpedieren
Waldstrategie 2020 des BMELV muss die größten Probleme lösen
Forum Umwelt & Entwicklung Pressemitteilung, 2.7.09
Mehrere Umweltverbände haben Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner aufgefordert, mit der Waldstrategie 2020 des BMELV sowohl die Ziele der nationalen Biodiversitäts-, als auch der Nachhaltigkeitsstrategie zu unterstützen. Anstatt im Gleichschritt mit Akteuren aus Forst- und Holzwirtschaft etwa die Ausweisung weiterer Waldnationalparks zu torpedieren, solle sich das Ministerium mit der Lösung der wichtigsten Probleme befassen.
So verursachen die überhöhten Schalenwildbestände jährlich schwere wirtschaftliche Schäden am Forst. Die Verluste durch vermiedenen Zuwachs, geschälte Bäume, verbissene Jungpflanzen und Kosten für Zaunbau und Wertverluste wegen faulenden Hölzern dürften jährlich in die Hunderte von Millionen gehen. Darum solle das Ministerium zunächst die Höhe und Ursachen für diese Schäden untersuchen lassen, um diese Probleme anschließend zu bekämpfen, die neben wirtschaftlichen Schäden für die Forstbetriebe auch ökologisch nachteilige Folgen haben.
László Maráz, Koordinator der AG Wälder im Forum Umwelt und Entwicklung: "Es ist nicht hinnehmbar, dass Vertreter aus Verbänden der Forst- und Holzwirtschaft gemeinsam mit dem BMELV mit angeblichen Wirtschaftsargumenten gegen den Naturschutz anreden, und die wichtigsten Probleme dabei bewusst ausklammern. Viele der von den Verbänden vorgebrachten Forderungen wurden schon vor Jahren im Nationalen Waldprogramm gemeinsam mit den Forstwirtschaftverbänden und dem BMELV erarbeitet - nur die Umsetzung ist offenbar nicht gewollt."
In ihrem Brief fordern die Verbände, dass auch die Schäden aus der Belastung durch Luftschadstoffe sowie Importe von teilweise illegalen Raubbau-Hölzern analysiert werden, um gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Auch der immer noch zu niedrige Preis klimaschädlicher Baustoffe wie PVC, Beton und Aluminium drückt auf die Holzpreise und schwächt die Ertragssituation der Forstbetriebe. Dagegen würde die Ausweisung von Nationalparks auch neue Stellen in Tourismus, Bildung und Forschung schaffen.
Während den beiden Symposien zur Entwicklung der Waldstrategie 2020 hatten auch Vertreter des BMELV wiederholt die Schutzziele der Biodiversitätsstrategie wegen der Verluste an Produktionsflächen für die Forstwirtschaft kritisiert. Für Totalreservate, Biotopbäume, Totholz und ähnliche "Luxusvorstellungen" gebe es derzeit keinen Platz.
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