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Mehr Moorschutz gefordert

NABU: Mehr Tempo beim Moorschutz

Tschimpke: Moore müssen Teil des Klimaschutzgesetzes werden

NABU Pressemitteilung, 1.2.19

Berlin – Zum Welttag der Feuchtgebiete (2.2.) fordert der NABU von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Umsetzung der selbst gesteckten Ziele im Moorschutz. Moore sind nicht nur wichtige Kohlenstoffspeicher, sondern auch Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und natürliche Wasserreservoirs.

„Die Dürre im vergangenen Sommer war voraussichtlich nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was im schlimmsten Fall zur Normalität werden könnte. Wir brauchen daher in Deutschland mehr naturnahe Moore und eine Umstellung auf eine klimaschonende Moorbodennutzung“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Ziel müsse es sein, das Wasser nicht mehr so schnell wie möglich abzuleiten, sondern so lange wie möglich in der Landschaft zu halten. Nicht nur zum Wohle von Bekassine, Moorfrosch und vielen anderen Arten. Ein stabiler Wasserhaushalt und das Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele sei auch im Sinne einer Landwirtschaft, welche auch in Zukunft in der Lage sein soll, Lebensmittel zu produzieren. Jährliche Dürrehilfen werde sich Deutschland nicht auf Dauer leisten können.

Die derzeitige intensive Nutzung durch die Landwirtschaft verhindert, dass Moore ihre für den Naturhaushalt und den Menschen wichtigen Funktionen wahrnehmen können. Sie führt sogar dazu, dass unsere Atmosphäre in Deutschland mit über 35 Millionen Tonnen klimaschädlicher Treibhausgase jährlich aus landwirtschaftlich genutzten Mooren weiter aufgeheizt wird.

„Landwirte dabei zu unterstützen, den Wandel der bisher praktizierten klimaschädlichen Landnutzung zu einer den gesellschaftlichen Interessen ausgewogenen Produktionsweise zu gestalten, wäre eine wichtige Aufgabe des zuständigen Bundeslandwirtschaftsministeriums“, so Tschimpke weiter. Daher ist es wichtig, dass Deutschland sich bei den derzeitigen Verhandlungen zur Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) für eine zukunftsfähige Landwirtschaft endlich engagiert einbringt. Um Landnutzer bei Leistungen für den Moor- und Klimaschutz genügend zu unterstützen, müsse der Moorbodenschutz auch im künftigen Klimaschutzgesetz eine wichtige Rolle spielen. „Zusätzlich zu einer Stärkung der GAP beim Klimaschutz, wäre ein Moorklimafonds im Haushalt der Bundesregierung in Höhe von jährlich 500 Millionen Euro ein wichtiger Schritt, um den Klimaschutz in diesem Bereich voranzutreiben“, so der NABU-Präsident.

Mit dem Klimaschutzplan möchte die Bundesrepublik Deutschland ihre Emissionen bis zum Jahr 2050 um bis zu 95 Prozent reduzieren. Ohne einen ambitionierten Moorschutz wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein. Daher müssen Moore ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzgesetzes werden, das die Bundesregierung in diesem Jahr auf den Weg bringen will. Besonders in moorreichen Regionen bedeutet die Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion für die Betriebe große Herausforderungen. Angesichts der langen Vorlaufzeiten von erfolgreichen Moorschutzprojekten müssen die erste Maßnahmen zügig geplant und zeitnah umgesetzt werden.

„Neben der Förderung nasser und damit klimaschonender Bewirtschaftung von Moorböden braucht es auch klare ordnungsrechtliche Vorgaben auf europäischer sowie auf nationaler Ebene“, so NABU-Moorschutzexperte Felix Grützmacher. „So ist unter anderem der besonders schädliche und vielerorts praktizierte intensive Ackerbau auf tief entwässerten Moorstandorten kurzfristig zu beenden.“

Hintergrund: Intakte Moore sind die effizientesten Ökosysteme in Sachen Kohlenstoffspeicherung. In ihnen lagert weltweit doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Erde. In Deutschland sind mit über 45 Millionen Tonnen Treibhausgase aus Mooren diese nach den energiebedingten Emissionen die zweitgrößte Einzelquelle. Der größte Teil stammt dabei aus der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden. Im Landwirtschaftssektor betragen sie ca. 30 Prozent an den Gesamtemissionen. Deutschland war in großen Teilen ursprünglich ein Moorland. Von ca. 1,5 Millionen Hektar sind heute jedoch nur noch rund fünf Prozent naturnah. Der Rest wurde entwässert, land- und forstwirtschaftlich genutzt, bebaut oder für den Torfabbau in Anspruch genommen.




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