powered by <wdss>
Aktuell

Geldfond für Amazonasregenwald

Freitag, 1. August, 23:36 Uhr

Brasilien will mit Milliarden-Fonds Amazonaswälder schützen

Rio de Janeiro (AP) Mit einem neuen Milliarden-Fonds will Brasilien die Regenwälder im Amazonasgebiet schützen und die globale Erderwärmung bekämpfen. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete am Freitag einen Erlass zur Gründung des Fonds, der mit Geldern aus den Industriestaaten gespeist werden soll. Die Regierung hofft, dass der Fonds bis zum Jahr 2021 auf 21 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) anwachsen wird. Mit dem Geld sollen unter anderem Umweltschutzmaßnahmen gefördert werden. Der Fonds soll von der Nationalen Entwicklungsbank Brasiliens verwaltet werden. Dort fand auch die Unterzeichnungszeremonie statt.


2. August, 2008

Brasilien gründet Amazonas-Fonds zur Rettung des Regenwalds

Mittel sollen in Projekte für Aufforstung fließen

Brasilien hat zur Rettung seines bedrohten Regenwaldes im Amazonas-Gebiet einen Fonds eingerichtet, durch den Projekte zur Wiederaufforstung und zur nachhaltigen Entwicklung der Region finanziert werden sollen. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete am Sitz der Nationalen Bank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (BNDES) in Rio de Janeiro ein Dekret zur Gründung des Amazonas-Fonds, der bis zum Jahr 2021 mit bis zu 21 Milliarden Dollar an Geldern aus dem In- und Ausland bestückt werden soll.

Als erster Geber will Norwegen im September 100 Millionen Dollar in den Fonds einzahlen, wie BNDES-Umweltchef Eduardo de Mello mitteilte. "Brasilien übernimmt seine vollständige Verantwortung für seine Pflicht, Amazonien zu retten", sagte Lula. Zugleich forderte er, Brasilien müsse seine Umwelt als Trumpf bei internationalen Verhandlungen einsetzen. "Heute versteht jeder, dass in den internationalen Diskussionen unsere Postkarte Amazonien Gewicht hat. Sie zu zerstören, widerspräche unseren Interessen." Lula kritisierte "die reichen Staaten, die reden, als seien sie die Besitzer des Amazonasgebiets". Brasilien müsse seine territoriale Souveränität wahrnehmen, verlangte der Präsident.

Laut Mello erhalten die Geberstaaten keine Gegenleistung wie etwa Steuerbefreiungen oder Luftverschmutzungsrechte im Rahmen eines CO2-Emissionshandels. Die Zahlungen seien freiwillig, und die Geber könnten keinen Einfluss auf die Nutzung der Gelder nehmen. Neben Norwegen hätten bereits andere Staaten sowie auch Banken und Unternehmen Interesse angezeigt, in den Fonds einzuzahlen. Bis zu 20 Prozent des Amazonas-Fonds können in Umwelt-Projekte in anderen Gebieten Brasiliens oder anderen tropischen Ländern fließen.


Geier über Amazonien

Ölpalmplantagen und neues Waldgesetz: Brasiliens Regierung will weltgrößtes Regenwaldgebiet noch stärker wirtschaftlich ausbeuten lassen

Von Norbert Suchanek, Junge Welt, 1.8.07

Es ist bekannt, daß der Anbau afrikanischer Ölpalmen eine der Hauptursachen für Regenwaldabholzung und Umweltverschmutzung in Südostasien ist. Einwohner und Umweltschutzorganisationen kämpfen seit Jahren in Malaysia und Indonesien gegen die Ausweitung der Plantagen, deren Pflanzen zur Herstellung von Palmöl bzw. Agrodiesel genutzt werden. Jetzt schickt sich Brasilien an, sein Amazonasgebiet mit Hilfe von internationalen Investoren zum weltweit größten Palmölproduzenten zu entwickeln.

So investiert derzeit der malaysische Palmölgigant Felda Palm Industries Dutzende von Millionen US-Dollar im Herzen Amazoniens. Im Distrikt Tefé, rund 500 Kilometer westlich von Manaus, will Felda auf insgesamt 100000 Hektar Ölpalmplantagen anlegen. Partner des von der Banco da Amazônica (Basa) kofinanzierten Projekts ist das brasilianische Palmölunternehmen Braspalma. Die erste Plantage mit 20000 Hektar soll bereits im kommenden Jahr ergrünen.

Offiziellen Verlautbarungen der Regierung des Bundesstaates Amazonas zufolge wird für das Projekt kein Regenwald abgeholzt. Das für die Plantagen vorgesehene Gebiet sei nämlich bereits in den 1980er Jahren kahlgeschlagen worden. Schon die damalige Militärdiktatur (1964–1985) träumte von einem Ölpalmenmeer in Amazonien. Das damals mit Weltbankgeldern finanzierte Palmölprojekt von Tefé, ausgeführt von der landeseigenen Vorgängerfirma von Braspalma, der Empresa Amazonense de Dendê (Emade), war jedoch ein Flop. Statt der vorgesehenen 2000 Hektar wurden nur 1410 Hektar bepflanzt; neun Jahre später wurde das Ganze eingestellt.

Hohe Profite locken

Heute verspricht eine solche Plantage dank rasant gestiegener Weltmarktpreise für das daraus gewonnene »Universalprodukt« hohe Profite. In den vergangenen zwei Jahren sei der Palmölpreis an der Börse von Malaysia um 135 Prozent gestiegen, so das brasilianische Wirtschaftsblatt Valor Econômico Ende Juli. Der andere Antreiber des Projektes ist die 1973 ebenfalls schon von der Militärdiktatur gegründete Agrarforschungsanstalt Embrapa. Nach deren Ansicht besitzt das brasilianische Amazonasgebiet weltweit das größte Palmölpotential. Schätzungsweise 70 Millionen Hektar könnten bepflanzt werden – zehnmal mehr als die gesamten heutigen Ölpalmplantagen Indonesiens. Brasilien könnte so jährlich 350 Millionen Kubikmeter Erdöl (ein Kubikmeter entspricht einer Masse zwischen 0,7 und 0,9 Tonnen) durch Palmdiesel aus Amazonien ersetzen. Sieben Millionen Familien könnten so eine berufliche Existenz erhalten, so die Embrapa.

Bei diesen Zahlenspielen wird geflissentlich ignoriert, daß Amazonien kein »Niemandsland ohne Menschen« ist. Obwohl das gesamte Gebiet von indigenen Völkern bewohnt wird, hat der moderne brasilianische Staat bisher nur einen geringen Anteil als Indianerreservate anerkannt. Der Rest ist sozusagen für den »Abschuß«, sprich die kommerzielle Entwicklung freigegeben.

Einziges Hindernis ist das noch gültige brasilianische Waldschutzgesetz. Im sogenannten Código Florestal von 1965 ist festgelegt, daß Landbesitzer oder Investoren in Amazonien lediglich 20 Prozent des Regenwaldes legal abholzen dürfen. Der Rest muß als Waldreservat, Reserva Legal genannt, erhalten bleiben. Wird mehr – also illegal – abgeholzt,so besteht theoretisch die Pflicht, das Gebiet mit einheimischen Baumarten wiederaufzuforsten.

Der Agrarindustrie ist dieser Código Florestal schon seit jeher ein Dorn im Auge. »Mit nur 20 Prozent produktiver Fläche mache ich keinen Gewinn«, lamentiert beispielsweise Blairo Maggi, Brasiliens mächtigster Soja-Produzent. Der Multimillionär ist zugleich Gouverneur des Amazonasstaates Mato Grosso. Ins selbe Horn stößt auch der bislang größte Palmölproduzent Amazoniens, die Firma Agropalma mit über 30000 Hektar eigener Plantagen im Bundesstaat Pará. Für dessen Direktor Marcello Amaral Brito ist das Waldschutzgesetz schlichtweg ein Investitionshindernis: »Kennen Sie jemanden, der ein Apartment mit fünf Zimmern kauft, aber nur eines nutzen darf?« fragte Brito bereits 2006 im Journal O Eco (übersetzt »Der Öko«).

Segen der Regierung

Gestützt von Präsident Luiz Inacio »Lula« da Silvas Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes, wird deshalb gerade versucht, eine von der Agrarlobby seit 2005 angestrebte Änderung des Código Florestal in Brasilia durchzudrücken. Der Änderungsentwurf setzt exotische, für die industrielle Anwendung entwickelte Baumarten wie Ölpalmen aus Afrika oder Eukalyptus aus Australien einheimischen Arten gleich. Bis zu 30 Prozent der illegal abgeholzten Flächen dürften nach dem neuen Gesetz unter dem Namen »Wiederaufforstung« für Ölpalm- und Eukalyptusplantagen verwendet werden: Palmöl zur Margarine- und Biodieselproduktion; Eukalyptusholz zur Herstellung von Holzkohle für Amazoniens energiehungrige Stahlindustrie oder künftig auch zur Produktion von Äthanol aus Zellulose. Mit dem neuen Código Florestal, so sein Initiator, Senator Flexa Ribeiro aus Pará, »kehrten die Landbesitzer, die ihren Wald illegal abholzen ließen, zurück in die Legalität und hätten wieder ein Anrecht auf Agrarkredite und staatliche Hilfe«.

Parallel dazu arbeitet die Agrarlobby an zwei weiteren Plänen, die faktisch zur Aufweichung des Amazonasschutzes führen: die von »Lulas« Sonderminister für strategische Fragen, Roberto Mangabeira Unger, favorisierte Aufteilung der Region in Zonen für die wirtschaftliche Entwicklung sowie in ökologische Zonen. Zum anderen sollen mehrere, bislang zur Amazonasregion Amazonia Legal gehörende Gemeinden per Federstrich aus dem Gebiet herausgenommen werden. Dort dürfte man dann auch ohne Waldschutzgesetzänderung legal bis zu 80 Prozent abholzen.







» zurück
 

Druckversion







































08.09.08 20:15 - 21:00
ARD: Wölfe auf dem Vormarsch

11.09.08 20:15 - 21:00
NDR: Am Fuß der Rocky Mountains

08.09.08 21:00 - 21:45
ARD: Der Tag, als die Feuerwalze kam

09.09.08 14:45 - 15:15
3sat: Brasiliens fliegende Edelsteine

04.09.08 00:00 - 01:30
SWR: Abenteuer Amazonas - Eine Reise durch den Regenwald

13.09.08 11:00 - 11:45
phoenix: Paraguay - Südamerikas Herz im Umbruch. Reise durch ein wildes Land

18.09.08 16:00 - 16:50
3sat: Wüsten im Vormarsch (1/2): Chinas Kampf gegen den Sand

01.09.08 13:15 - 14:00
3sat: Die Eiche - Königin des Waldes

14.09.08 20:15 - 21:00
phoenix: Begegnungen am Ende der Welt. Die Raupensaison der Pygmäen

10.09.08 18:05 - 19:00
arte: Ecuador - Banane und Naturschutz

15.09.08 19:00 - 19:45
arte: Binnenschiffer: Unterwegs mit dem Versorgungsschiff auf dem Rio Paraguay

07.09.08 21:00 - 21:45
phoenix: Begegnungen am Ende der Welt: Die geheimen Völker Amazoniens