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Aktuell

Ölförderung in Amazonien

13. August 2008, 09:33 Uhr

Öl- und Gasförderung bedroht Amazonas-Regenwald

Der Amazonas-Regenwald wird durch die Suche nach Rohstoffen unwiederbringlich zerstört.

Rio de Janeiro (dpa) - Die Erdöl- und Gasförderung im Nordwesten und Westen Südamerikas zerstört einer Studie zufolge den Amazonas-Regenwald und bedroht außerdem zahlreiche Indio-Stämme.

Betroffen sei ein etwa 688 000 Quadratkilometer großes Gebiet, auf dem 180 Förderungsprojekte betrieben würden, heißt es im Online-Journal «PLoS ONE» vom Mittwoch. Die Region ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Das westliche Amazonas-Gebiet, das den weltweit intaktesten und artenreichsten Regenwald beherberge, werde in Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien und Ecuador bald ganz von Förderanlagen und Pipelines bedeckt sein.

Die Studie der US-amerikanischen Umweltschutzorganisationen Save Americas Forests und Land Is Life sowie der Duke University in Durham dauerte den Angaben zufolge drei Jahre. Die Wissenschaftler seien dabei zu alarmierenden Ergebnissen gekommen. «Wir haben ermittelt, dass die Öl- und Gasanlagen sich mit den Gebieten mit der größten Biodiversität der Vögel, Säugetiere und Amphibien genau überdecken», erklärt Studien-Koautor Clinton Jenkins von der Duke University. Sorgen lösten vor allem die Gefahren für die Amphibien aus, da diese die weltweit am stärkten bedrohten Wirbeltiere seien.

Sogar in Naturschutzparks wie dem Yasuní in Ecuador oder dem Madidi in Bolivien werde gebohrt, heißt es. Am stärksten bedroht sei allerdings der peruanische Teil des Amazonas-Regenwaldes, meinen die Wissenschaftler. Dort bedecken laut Studie 64 Energieprojekte rund 72 Prozent des gesamten Urwalds. Die meisten «Blocks» stammten aus der Zeit nach 2003, als die Regierung in Lima ein großes Entwicklungsprogramm für das Amazonasgebiet gestartet habe. Der mit den Energieprojekten verbundene Straßenbau führe daneben zu Entwaldung, illegalen Ansiedlungen und exzessiven Jagdaktivitäten.

Aber nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt ist bedroht. Viele Förderungsgebiete reichten nicht nur in Peru in Indioschutzgebiete hinein oder bedrohten isoliert lebende Indiostämme, heißt es. «Die Art und Weise, wie die Ölprojekte im West-Amazonas durchgeführt werden, stellt eine grobe Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung in der Region dar», klagt Brian Keane von Land is Life. Die Ausbeutung von Ressourcen ohne Einverständnis der Ureinwohner werde von internationalen Abkommen und den interamerikanischen Menschenrechtsgesetzen ausdrücklich verboten.

Verantwortlich sind allerdings nach Meinung der Wissenschaftler nicht nur die Behörden und Unternehmen der betroffenen südamerikanische Länder. Die weltweit zunehmende Energienachfrage nähre die Suche nach immer mehr Öl und Gas im Amazonasgebiet, die unter anderem von Unternehmen aus den USA, Kanada, Europa und China betrieben werde.


Öl- und Erdgassuche in bisher unberührtem Regenwald

35 Öl-Firmen streiten sich um Verträge im Westen des Amazonas

Von Wolfgang Weitlaner, pressetext.austria, 13.8.08

Bisher unberührte Regenwälder im Westen des Amazonasbeckens sollen nach einer Studie der Duke University und der US-Umweltorganisation Save Americas Forests im Wissenschaftsmagazin PloS ONE schon demnächst für die Suche nach Erdöl und Erdgas freigegeben werden.

Die Region mit einer Gesamtfläche von 688.000 Quadratkilometer - etwa doppelt so groß wie Deutschland - werden 180 Öl- und Gasförderprojekte betrieben. Das Gebiet erstreckt sich über die Staaten Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und den westlichsten Teil Brasiliens.

Die Erdölsuche soll von den jeweiligen Regierungen über Leasingverträge, die an Erdölfirmen gegeben werden, erfolgen. Die Erdölunternehmen können die gefundenen Rohstoffe behalten, müssen aber einen bestimmten Betrag an die Regierungen zahlen. Rund 35 Erdölfirmen haben sich bereits um die Lizenzen bemüht. Bisher galten die Regenwälder im Westen des Amazonasbeckens im Vergleich zu denen im Osten Amazoniens als naturbelassen und unberührt. Die Region zählt zu den artenreichsten der Welt. Zudem ist sie Heimat zahlreicher ethnischer Gruppen, die hier leben.

Die Wälder sind der Lebensraum für zahlreiche inzwischen sehr seltene Tier- und Pflanzenarten wie etwa Jaguare, Ozelots, Fluss-Otter und Adler. Heftige Proteste gibt es auch von der indigenen Bevölkerung, die in den Wäldern lebt. Sie stellen sich vehement gegen einen Abbau der Ressourcen. "Der westliche Amazonas ist noch ziemlich intakt. Ein Grund dafür sind fehlende Straßen und Verkehrswege", meint Matt Finer von Save Americas Forests. "Daher fordern wir ein sofortiges Moratorium zum Bau neuer Straßen bevor irgendwelche Verträge unterzeichnet werden", erklärt der Studien-Co-Autor.

"Wir haben festgestellt, dass die geplanten Öl- und Gasförderanlagen sich mit den Flächen der größten Artenvielfalt genau decken", so Studien-Co-Autor Clinton Jenkins von der Duke University. Erschreckend sei auch, dass der Hunger nach dem Öl auch vor Naturschutzgebieten wie etwa dem Yasuni Nationalpark in Ecuador keinen Halt macht.

Die größte Bedrohung sei allerdings auf dem peruanischen Staatsgebiet zu erwarten. Insgesamt 64 Energieprojekte erstrecken sich auf 72 Prozent des Regenwald-Areals. Für die Umweltexperten kommt der Straßenbau dem Ende des Regenwaldes gleich. Damit werde den Rodungen, der illegalen Besiedlung und exzessiver Jagd Tür und Tor geöffnet. Zudem stelle dies eine grobe Verletzung der Rechte der indigenen Bevölkerung dar, heißt es in der Studie.







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