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Aktuell
Palmöl bedroht Orang Utans
Donnerstag, 4. September, 17:28 Uhr
Vielen Orang-Utans auf Borneo droht baldiges Aussterben
Jakarta (AFP) - Wegen der unnachgiebigen Haltung indonesischer Palmöl-Fabrikanten werden Tierschützern zufolge in den kommenden Jahren viele Populationen der bedrohten Orang-Utans aussterben. Da der Verband indonesischer Palmöl-Produzenten die Forderung der Umweltschutzorganisation Greenpeace nach einem Aussetzen von Rodungen abgelehnt habe, würden in den Schutzgebieten von Kalimantan Tengah auf der Insel Borneo in den kommenden drei Jahren voraussichtlich 8000 Tiere sterben, erklärte das Zentrum zum Schutz der Orang-Utans (COP).
COP-Aktivisten hätten beobachtet, wie zwei große Palmöl-Firmen in der Provinz Kalimantan Tengah Wälder abholzten, obwohl sie damit gegen eine Selbstverpflichtung der Branche verstießen, hieß es. Die fortgesetzten Rodungen zeigten, dass die Selbstverpflichtung der Palmöl-Industrie nicht viel gegen die Zerstörung des Lebensraums von Orang-Utans ausrichte, sagte COP-Aktivist Novi Hardianto. Laut COP leben in Kalimantan Tengah derzeit rund 20.000 Orang-Utans in freier Wildbahn; rund 3000 Exemplare der Menschenaffen sterben demnach jährlich.
Das Unternehmen Agro Group wies die Vorwürfe zurück. Sein Unternehmen habe "definitiv" keine Wälder zerstört, sagte Manager Edi Suhardi. Agro Group habe erst vor kurzem eine Lizenz für das Gebiet Kuala Kuayan erhalten und sei gerade dabei, die dortigen Schutzgebiete zu identifizieren. Die weltweite Nachfrage nach Palmöl ist groß, da aus dem Rohstoff verschiedenste Produkte wie Kekse, Seife oder Bio-Sprit hergestellt werden können.
Wilmar weiter auf Raubbau-Kurs
Konzern aus Singapur will Tropenwälder für neue Ölpalmen-Plantagen vernichten
ROBIN WOOD Pressemitteilung, 5.9.08
Wilmar, nach eigenen Angaben weltweit größter Verarbeiter von Palmöl, hat gegenüber ROBIN WOOD eingeräumt, auch künftig darauf zu setzen, großflächig tropische Wälder in Ölpalmen-Plantagen umzuwandeln. In Folge einer Protestaktion von ROBIN WOOD am 17. Juli gegen den Ausbau der Fettraffinerie im niedersächsischen Brake war es in der vergangenen Woche zu einem Gespräch zwischen Wilmar, ROBIN WOOD sowie einer Vertreterin von Watch Indonesia! gekommen. Der Konzern mit 67.000 Beschäftigten wurde dabei von seinem EU-Chef Erik Rietkerk und dem Manager der Raffinerien von Brake und Rotterdam, Remond von Dorland, vertreten.
ROBIN WOOD wirft dem Konzern vor, sich an der Zerstörung der letzten Tropenwälder Indonesiens mitschuldig zu machen und unzählige Menschen in die Armut zu treiben. Bei dem Gespräch konnte Wilmar die Kritik von ROBIN WOOD in keiner Weise entkräften.
Wilmar wird weiter Wald vernichten
Um Platz für neue Ölpalmen-Plantagen zu schaffen, wird Wilmar weitere Tropenwaldgebiete kahl schlagen. Die Wilmar besitzt Konzessionsrechte für 570.000 Hektar Land in Indonesien. 200.000 Hektar davon sind bereits mit Ölpalmen bepflanzt. Auf den von Wilmar noch nicht kommerziell genutzten 370.000 Hektar in Sumatra sowie in Zentral- und Westkalimantan befinden sich nach Angaben indonesischer Umweltschutzorganisationen noch wertvolle Primär- und Sekundärwaldflächen, die den Expansionsplänen von Wilmar zum Opfer fallen sollen. Dies ist aus Sicht indonesischer Umweltschutzorganisationen ein Skandal. Außerdem plant Wilmar, nach Papua zu expandieren. Dies wäre eine Bedrohung der letzten, noch intakten Wälder Indonesiens.
Lückenlose Kontrolle der Plantagen in Indonesien schwierig
Wilmar gibt an, selbst keine Brandrodung zu praktizieren und auch keine Plantagen auf Böden mit einer mehr als drei Meter dicken Torfschicht anlegen zu wollen. Im Gegenteil dazu ist Wilmar aber schon von Friends of the Earth beim Zündeln erwischt worden, und nach Recherchen von Watch Indonesia! sind Tochterunternehmen von Wilmar weiter an Brandrodungen beteiligt. Darauf angesprochen, hat Wilmar eingeräumt, dass eine lückenlose Kontrolle in Indonesien schwierig sei und die eigenen Standards in der Praxis nicht immer erfüllt würden.
Wilmar verarbeitet Palmöl aus ungesicherter Herkunft
Wilmar ist nach eigenen Angaben weltweit der führende Verarbeiter von Palmöl. Die firmeneigenen Plantagen können den Bedarf des Konzerns nur zu einem Teil decken. Ein Großteil des Palmöls wird auf dem Weltmarkt zugekauft. Eine unabhängige und transparente Kontrolle, ob das zugekaufte Palmöl aus verantwortungsvoller Bewirtschaftung stammt, findet bei Wilmar nicht statt und ist nach Angaben von Wilmar und anderen führenden Palmölkonzernen bei den verflochtenen Strukturen des Welthandels auch gar nicht möglich. Angesichts der Tatsache, dass auf dem Weltmarkt sehr viel Raubbau-Palmöl gehandelt wird, für das weltweit die letzten tropischen Wälder weichen müssen, nimmt diese Handelspraxis die Zerstörung von Lebensräumen von Menschen und Tieren billigend in Kauf.
Kleine Schutzgebiete – Große Kahlschläge
Wilmar hat sich bereit erklärt, besonders schützenswerte Wälder, so genannte High Conservation Value Forests (HCVF), nicht in Plantagen umzuwandeln. Das HCVF-Konzept ist sehr umstritten, denn es werden vergleichsweise kleine „wertvolle“ Flächen unter Schutz gestellt, wohingegen zumeist große Flächen „nicht schützenswerter“ Primär- und Sekundär-Wälder zum Kahlschlag freigegeben werden. Dabei wird außer Acht gelassen, dass auch die Sekundärwälder und sogar die entwaldeten Gebiete von der lokalen Bevölkerung genutzt werden und einen wichtigen Beitrag für die weltweite Biodiversität leisten. Indonesische Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen verlangen deshalb folgerichtig, dass generell keine Gebiete mehr in Palmöl-Plantagen umgewandelt werden.
Waldzerstörung verursacht Armut
Wilmar behauptet, nicht nur aus wirtschaftlicher und ökologischer, sondern auch aus sozialer Verantwortung zu handeln. Arbeitsplätze würden geschaffen, um die Bevölkerung von illegalen Aktivitäten wie dem illegalen Holzeinschlag abzuhalten. Dabei verschließt Wilmar die Augen davor, dass der Palmölsektor für die Zerstörung der Einkommensquellen großer Bevölkerungsschichten verantwortlich ist, während nur wenige Arbeit auf den Plantagen erhalten. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen warnen deshalb davor, dass die weitere Expansion viele Menschen noch tiefer in die Armut treiben wird.
Sackgasse Ökosiegel
In der öffentlichen Kommunikation betont Wilmar stets seine Mitgliedschaft in der Zertifizierungsinitiative des Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl (Roundtable of Sustainable Palmoil - RSPO). Diese industriedominierte Zertifizierungsinitiative ist jedoch alles andere als ein Ökosiegel und gilt bei fast allen Umweltorganisationen als unglaubwürdiges „greenwashing“. So erlaubt der RSPO das Zerstören von Wäldern für neue Palmölplantagen – aus Sicht von ROBIN WOOD und indonesischen Umweltorganisationen der falsche Weg.
Durchs Ölpalmenmeer
Sara Leonhardt ist Biologin aus Würzburg. Auf Borneo erforscht sie das Leben Harz sammelnder stachelloser Bienen und berichtet für spektrumdirekt aus dem Alltag einer Tropenökologin.
Von Sara Leonhardt, spektrumdirekt, 3.9.08
Mein Zuhause für die nächsten Wochen und Monate - zwei Feldstationen - liegt im Südosten Sabahs. Um von Kota Kinabalu auf die andere Seite Borneos zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten: Fliegen oder Bus fahren, für das sich meine Praktikantin und ich mich letztlich entschieden. Somit kletterten wir an einem frühen Morgen aus dem Taxi, das uns zur etwa 15 Kilometer außerhalb gelegenen "zentralen Busstation" gebracht hatte. Fünf Sekunden später durften wir auch schon unserem Gepäck hinterherjagen, das sich in alle Richtungen zu verteilen drohte: Jede der zehn ansässigen Busgesellschaften wollte die beiden Orang puti (Weißen) in ihr Gefährt locken.
Ich vermied eine ernsthaft drohende Schlägerei sowie den Verlust unserer Reiserucksäcke und meiner Forschungsunterlagen nur, indem ich den Namen der erstbesten Busgesellschaft nannte, die mir in den Kopf kam. Ein bis über beide Ohren grinsender junger Malaie blieb zurück und der Rest der zankenden Herren zog schmollend von dannen, während ich den Taxifahrer bezahlte - er hatte das Treiben teilnahmslos verfolgt. So fuhren wir mit dem SIDA-Express.
Ich warf noch einen kurzen Blick auf das nicht vorhandene Reifenprofil unseres Gefährts, dann ging es los. Der erste Teil der Fahrt ließ mich einmal mehr erstaunt feststellen, wie weitläufig Kota Kinabalu und seine Vorstädte derweil geworden sind - Wald sucht man hier vergebens. Erste Stücke eines ausgefransten Sekundärwaldes tauchen erst mit dem Beginn des Mount Kinabalu Nationalparks auf, doch auch hier kann man noch nicht von einem gesunden Ökosystem sprechen. Das wächst erst an den Hängen des majestätisch vor uns aufragenden 4095 Meter hohen Gunung (Berg) Kinabalu, dessen Pflanzenvielfalt allein sich schon mit der Flora ganz Europas messen kann.
Im Februar 2005 hatte ich es gewagt, den höchsten - und noch immer wachsenden - Berg Borneos zu besteigen. Der Blick von seinem Gipfel tröstete über den fünf Tage lang währenden Muskelkater ebenso hinweg wie über die Schmach, beim Aufstieg permanent von kleinen Gruppen munterer Chinesinnen in den Mittfünfzigern überholt worden zu sein. Heute schaue ich mir den Berg lieber von unten an.
Nach zwei bis drei Stunden Fahrt lässt man schließlich Berg und Hochland hinter sich zurück - sehr zur Freude der meisten Malaien im Bus, deren Mägen die rasante Fahrerei um Haarnadelkurven eher schlecht bekommen ist. Von nun an geht es geradeaus, durch die monotone Welt der Ölpalmplantagen, in die sich nur gelegentlich die eine oder andere exotische Pflanzenart noch verirrt. Soweit das Auge reicht dominiert aber die Palme, die Malaysias jungen Wohlstand zu einem großen Teil mitbegründet und eigentlich aus Afrika stammt. Die gigantischen Monokulturen lassen daran zweifeln, dass Malaysia überhaupt noch natürlichen Wald zur Verfügung hat, den es in weitere Plantagen umwandeln kann.
Der aufkommende Biosprit-Boom findet aber auch die letzten noch nicht geschützten Waldgebiete in diesem an Urwald mittlerweile schon sehr armen Land. Unser Bus passiert denn auch bei seinen nicht immer risikolosen Überholmanövern entweder mit Palmenfrüchten oder mit Palmöl beladene Laster. Ab und zu entdeckt man aber am Straßenrand noch etwas anderes: Bananen - und Menschen, die die Früchte für wenige Ringgit zu verkaufen versuchen.Zu ihnen scheint der Biospritreichtum noch nicht vorgedrungen zu sein, denn sie haben noch immer einen bunten Obstgarten für kleine Geschäfte um ihr kleines, hölzernes, auf Stelzen gebautes Haus. Während mich die Ölpalmmonotonie langsam in den Schlaf lullt, drängt sich mir ein Verdacht auf: Bald könnte es in Malaysia weder diese Menschen noch ungeschützten Primärwälder mehr geben.
Donnerstag, 4. September, 10:50 Uhr
Neue Froscharten auf Borneo entdeckt
Hamburg (dpa) - Ein deutscher Wissenschaftler hat auf Borneo (Malaysia) neue Froscharten entdeckt. Durch lautes Quaken aus einem Bambusrohr hatten sich die winzigen Frösche verraten.
Der Hamburger Wissenschaftler Alexander Haas konnte gemeinsam mit einem Professor der malaysischen Universität in Sarawak insgesamt fünf neue Froscharten identifizieren, teilte die Volkswagenstiftung am Mittwoch in Hannover mit. Außerdem spürten die Wissenschaftler bislang unbekannten Kaulquappen von weiteren zehn Arten auf.
Ziel des im Mai 2004 begonnenen Forschungsprojektes war die Bestandsaufnahme der Froscharten und ihrer Kaulquappen auf Borneo, der drittgrößten Insel der Welt. Insgesamt katalogisierte das Forschungsteam um Haas fast 500 Kaulquappen-Stichproben. Die Regenwälder Borneos zählen zu den artenreichsten Regionen der Erde. Viele der untersuchten Kaulquappen wurden in der bereits vorhandenen Literatur nur bruchstückhaft beschrieben oder falsch zugeordnet. Diese Lücken können Alexander Haas und sein Forschungsteam mit ihren Zeichnungen und Aufnahmen füllen.
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