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Aktuell

Regenwaldzerstörung auf Borneo

7. Oktober, 2008

Malaysias Minister beschimpft Manser Fonds

(sda) - Der Bruno Manser Fonds hat eine Reihe von Vergewaltigungen durch Holzarbeiter an Frauen und Schulmädchen des Regenwaldvolks der Penan aufgedeckt. Ein malaysischer Politiker attackiert nun den Fonds nach dessen eigenen Angaben. Es seien «eine Handvoll Leute, die in ihrem eigenen Land nichts sind und Ereignisse in anderen Ländern aufbauschen, ohne sich um Fakten zu kümmern», erklärte Alfred Jabu, Minister für ländliche Entwicklung in Sarawak, gegenüber den wichtigsten englischsprachigen Zeitungen des Landes. Seit drei Wochen berichtet die malaysische Presse intensiv über die vom Bruno Manser Fonds ans Licht gebrachten Fälle von sexueller Gewalt gegen Penan-Mädchen und Frauen, wie der Fonds am Dienstag in einem Communiqué schreibt.

Recherchen hätten ergeben, dass Holzarbeiter auf der Suche nach Frauen in die Penan-Dörfer fuhren. «Wenn wir ihre Fahrzeuge kommen hören, lassen wir alles stehen und flüchten in den Wald», sagte eine Zeugin.

Mitte September hat der Bruno Manser Fonds gemäss Communiqué einen Hilferuf der Penan an die internationale Gemeinschaft veröffentlicht und eine Postkartenaktion an die malayische UNO-Botschaft in Genf gestartet.

Mittlerweile habe die malaysische Menschenrechtskommission SUHAKAM, das malaysische Bundesministerium für Frauen, Familien und Gemeindeentwicklung sowie die Polizei von Sarawak Untersuchungen zum Thema angekündigt.


Malaysia - Sarawak wird umstrittener Stromriese

Von Thomas Hundt, bfai-Korrespondent, Asien Kurier, 1.10.08

Gleich zwölf Wasserkraftwerke plant der malaysische Energieversorger SEB im Bundesstaat Sarawak zu erreichten. Mögliche Abnehmer für die Stromerzeugung sind mehrere Aluminiumschmelzen, über deren Bau schon Absichtserklärungen vorliegen, sowie neue Zellstoffwerke, über die noch verhandelt wird. Umweltschützer kritisieren die Pläne. Für ausländische Ingenieurfirmen bieten die Planungsphasen erste Auftragschancen; Liefermöglichkeiten für Anbieter von Kraftwerkstechnik und Stromleitungen könnten folgen.

Die Sarawak Energy Berhad (SEB) strebt mehrere Kooperationen mit chinesischen Unternehmen beim Bau von Kraftwerken an. Die Gesellschaft hatte bereits Ende 2007 ihre vorläufigen Planungen exklusiv ausgewählten Zuhörern im chinesischen Nanning vorgestellt. Diese umfassen zwölf Wasserkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 7.000 MW, deren Baukosten auf über 30 Milliarden Ringgit (rund 6 Mrd. Euro; 1 Euro = circa 5,07 Ringgit) geschätzt werden. Priorität räumen SEB und das zuständige Ministerium für Infrastruktur vier Projekten ein. Für die Kraftwerke an den Flüssen Murum (940 MW), Baleh (1.400 MW), Baram (1.000 MW) und Limbang (150 MW) kündigte das Ministerium im Mai 2008 den Bau von 220 km Straßen an, damit die vorgesehenen Stellen im Regenwald überhaupt erschlossen werden können.

Das Wasserkraftpotential in Sarawak auf der Insel Borneo beträgt nach Angaben der SEB an 52 Flussstellen etwa 20.000 MW. Die Gesellschaft ist allein für die Erzeugung, Weiterleitung und Verteilung des Stroms in dem Bundesstaat zuständig. Sarawak hält an der SEB 65 Prozent der Anteile. Es verfügt über weitere Ressourcen, um die Energieversorgung zu erweitern. So werden in verschiedenen Regionen Kohlevorkommen im Umfang von etwa 1,5 Milliarden Tonnen vermutet. Die bekannten Erdgasvorkommen betragen etwa 41.000 Millarden Kubikfuß (1,161 Mrd. m3).

Eine besondere Umweltverträglichkeitsprüfung wird für den Bau der Kraftwerke dem Vernehmen nach nicht benötigt. Denn 1997 entschieden Gerichte im Falle des Bakun-Staudammes, dass die Landesregierung die alleinige Zuständigkeit über die Landnutzung ausüben kann und das einschlägige Umweltgesetz des Bundes nicht berücksichtigen muss.

Am weitesten fortgeschritten sind die Vorbereitungen für das Wasserkraftwerk Murum. Das malaysische Kabinett genehmigte Anfang August 2008 das 3-Milliarden-Ringgit-Vorhaben endgültig. Es soll oberhalb des im Bau befindlichen Bakun-Staudammes errichtet werden, der Ende 2010 in der ersten Phase mit einer Kapazität von 1.200 MW ans Netz gehen dürfte. Die SEB hat den Bau der Staudämme für Bakun und Murum an die Gesellschaft China Three Gorges Project Corporation vergeben, die in China den Drei-Schluchten-Staudamm fertiggestellt hatte.

Die insgesamt installierte Kapazität in Sarawak könnte mit den aufgeführten Projekten im Jahr 2020 ungefähr 10.000 MW erreichen. Doch wer soll diesen Strom abnehmen, wundern sich viele Fachleute. Der Spitzenbedarf in dem Bundesstaat beträgt 2008 nach Angaben der SEB etwa 859 MW. Der Versorger erwartet, dass die Hauptlast bis 2015 auf 1.174 MW steigen werde. In dieser Kalkulation sind die Mengen künftiger industrieller Abnehmer aber noch nicht berücksichtigt.

Die Regierung stellt sich vor, dass die zusätzliche Stromnachfrage neue Industrien in einem speziellen Korridor generiert. Der sogenannte "Sarawak Corridor of Renewable Energy (SCORE)" beschreibt einen staatlichen Masterplan, mit dem ein Teil Sarawaks wirtschaftlich entwickelt werden soll. SCORE wurde im Februar 2008 vorgestellt, und seine Macher hoffen, dass in dem Großraum bis zum Jahr 2030 Investitionen in Höhe von 334 Milliarden Ringgit verwirklicht werden. Die Wirtschaftsplaner setzen dabei unter anderem auf die Ansiedlung energieintensiver Industrien. Die Regierung ist nach eigenen Angaben in Gesprächen über den Bau von drei Zellstoffwerken und mehreren Aluminiumschmelzen.

Die Planungen über die Aluminiumschmelzen befinden sich demnach in unterschiedlichen Phasen. Der Bergbaukonzern Rio Tinto unterzeichnete im August 2007 eine Vereinbarung mit der malaysischen Aktiengesellschaft Cahya Mata Sarawak, die eine gemeinsame Schmelze mit einer Kapazität von 550.000 Tonnen und einer möglichen Erweiterung auf 1,5 Millionen Tonnen vorsieht. Mit deren Bau hat das Konsortium zwar noch nicht begonnen, aber mit Sarawak Energy wurde bereits ein Vorvertrag über die Lieferung von 1.100 MW Strom ausgehandelt.

Ein weitere Liefervereinbarung über 510 MW ging die SEB Anfang 2008 mit der malaysischen Gesellschaft Press Metal ein. Den Strom soll das im Bau befindliche Kohlekraftwerk Murum liefern, in dessen Nachbarschaft eine Aluminiumschmelze mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen entstehen soll. Der Baubeginn ist in der zweiten Jahreshälfte 2008 vorgesehen. Die Kosten betragen etwa 700 Millionen Ringgit. Als technischen Lieferanten beauftragte Press Metal die Aluminium Corporation of China. Gemäß Pressemeldungen haben Interesse an der Errichtung von Aluminiumschmelzen auch die Konzerne Luneng Group of China, SmelterAsia, Alcan, Mitsubishi und BHP Billiton bekundet.

Die Regierung führt den Meldungen zufolge zudem Gespräche mit drei Investoren, die Zellstofffabriken bauen möchten. Konkret hat das Unternehmen Acacia Cellulose International (Acacell) bereits einen Projektantrag über den Bau einer Zellstofffabrik in Bintulu eingereicht, die über einen Ausstoß von 750.000 Jahrestonnen verfügen soll. Für die Stromversorgungsleistung von 112 MW möchte Acacell ein eigenesKraftwerk bauen. Lokale Umweltschützer und Aktivisten vom Schweizer "Bruno-Manser-Fonds" nehmen an, dass die beabsichtigten Staudammvorhaben das Leben indigener Gemeinschaften in Borneos Regenwäldern stark beeinträchtigen werden. Außerdem erwarten sie irreversible Naturschäden und Verluste der Artenvielfalt.

Die Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) forderte bereits genaue Auskünfte über eines der umstrittenen Projekte. Denn der geplante 220-MW-Staudamm am FlussTutoh würde den Mulu-Nationalpark teilweise überfluten, den die UN-Unterorganisation mit dem Prädikat "Weltnaturerbe" ausgezeichnet hat.







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