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Aktuell

Schadenersatzklage der Guarani

Guarani-Gemeinde in Brasilien könnte $83 Millionen Entschädigung erhalten

Survival International Deutschland e.V. Pressemitteilung, 21.6.12

Ein brasilianischer Staatsanwalt fordert von der Regierung die Zahlung von 83 Millionen US-Dollar an eine Guarani-Gemeinde, als Ausgleich für “seelische und materielle” Schäden.

Die betroffene Gemeinde Guyra Roká hatte erst vor wenigen Tagen Schlagzeilen gemacht, nachdem Raizen, ein brasilianisches Joint-Venture des Konzerns Shell, erklärt hatte, kein Zuckerrohr mehr von Guarani-Land beziehen zu wollen. Raizen hatte damit auf eine Kampagne der Indianer und Survival Internationals reagiert.

Der Staatsanwalt Marco Antonio Delfino de Almeida hat Klage gegen die Regierung eingereicht. Darin wird Entschädigung für die Jahre gefordert, in denen die Guarani der Gemeinde Guyra Roká ihrem Land beraubt waren und für die lange Zeit, die die Behörden zum Erfassen und Rückübertragen ihres traditionellen Landes gebraucht haben. Die Klageschrift beinhaltet auch Entschädigung für Gewalt, schlechte Gesundheit und andere soziale Probleme, die für die Guarani mit dem Verlust ihres Landes einhergingen.

Der Staatsanwalt fordert die Entschädigung in Projekte zu leiten, die direkt den Guarani zu Gute kommen. “Wenn sie zurückkehren können, wird der größte Teil ihres Landes abgeholzt sein. Der Boden von Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft ausgelaugt sein … Die Indianer werden die finanziellen Mittel brauchen, um ihr Land wieder produktiv und die Umwelt nachhaltig gestalten zu können,” erkläre Almeida.

„Man muss Mut haben“

Die Guarani aus Guyra Roká wurde in den 1920er Jahren von ihrem Land vertrieben. Sie verbrachten Jahre in überfüllten Reservaten, wo sie unter dem Mangel an Land und der Enge litten. Als die Bedingungen dort unerträglich wurden, schlugen sie Lager an Straßenrändern, neben ihrem traditionellen Land, auf.

Noch heute leben sie nur auf einem Bruchteil ihres ursprünglichen Landes, obwohl das Justizministerium ihre Gebiete anerkannt hat. Der Großteil bleibt weiterhin durch Viehzüchter besetzt, die dort zunehmend Zuckerrohr für Brasiliens boomende Ethanol-Industrie anbauen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Dieser Fall ist endlich eine Anerkennung der Tragweite der Schäden, die die Guarani durch den Diebstahl ihres Landes erleben mussten. Ihre Kinder werden in den Selbstmord getrieben, ihre Anführer und Ältesten erschossen und sie immer wieder von ihrem Land geworfen – doch sie kehren jedesmal wieder. Alles was sie wirklich wollen, ist ihr Land zurück.”




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