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Tansania-Schutzgebiet vor Rodung

Axt am Weltnaturerbe

Afrikas größtes Schutzgebiet Selous vor Abholzung

WWF Pressemitteilung, 16.5.18

Berlin: Afrikas größtes Reservat und Weltnaturerbe Selous soll nach dem Willen der tansanischen Regierung im großen Stil kahlgeschlagen werden. Auf rund 1.500 Quadratkilometern, was in etwa der doppelten Fläche Berlins entspricht, sollen über 2,6 Millionen Bäume gefällt werden. Laut WWF wäre das ökologisch besonders wertvolle Zentrum des Reservats entlang des Rufiji-Flusses damit quasi vollständig entwaldet. Wie aus offiziellen Dokumenten hervorgeht, hat die Forstbehörde des ostafrikanischen Landes einen Bieterwettbewerb für die Abholzung ins Leben gerufen. Bis Mittwochvormittag, den 16. Mai 2018 waren Unternehmen aufgerufen, ihre Gebote einzureichen.

„Die Entwaldung wäre der Anfang vom Ende dieses einzigartigen Naturparadieses. Der Selous ist eines der letzten großen unberührten Wildnisgebiete der Erde und wichtiger Rückzugsort für viele bedrohte Arten wie Elefanten, Löwen, Wildhunde oder Giraffen“, sagt Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent beim WWF Deutschland.

Die Rodungen gelten als vorbereitende Maßnahmen für den Bau eines geplanten Staudamms zur Stromproduktion, mit dem nach dem Willen der Regierung bereits im Juli begonnen werden soll. Etwa 1.200 Quadratkilometer des Schutzgebiets würden dauerhaft überflutet. Das Vorhaben verstößt nach Angaben des WWF sowohl gegen nationales Recht als auch internationale Abkommen. Tansanische Gesetze und die Unesco-Welterbekonvention verbieten solch umfassende Eingriffe in Reservate und Weltnaturerbestätten. Auch liege keine Umweltverträglichkeitsprüfung vor, die für solch massive Eingriffe zwingend vorgeschrieben sei.

„Die tansanische Regierung treibt die Zerstörung des Selous ohne Rücksicht auf Verluste voran und setzt sich dabei über geltendes Recht und internationale Vereinbarungen hinweg. Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde die Region auch ihr fantastisches touristisches Potential verlieren. Der Selous steht der weltberühmten Serengeti in nichts nach. Eine echte Chance auf nachhaltige Entwicklung droht damit verlorenzugehen. Zurück bliebe ein zerstörtes Welterbe mit einem Kraftwerk, das das Land nicht braucht“, warnt Johannes Kirchgatter.

Auch Schutzbemühungen der deutschen Bundesregierung werden laut WWF durch die Pläne konterkariert. Deutschland zahlt in den kommenden Jahren 18 Millionen Euro für den Erhalt des Reservats, seiner Randgebiete und des Welterbetitels. Durch die großflächige Entwaldung und Überflutung werde der Selous eines Großteils seiner ökologischen Bedeutung beraubt. Gleichzeitig sorge die Erschließung des Gebiets durch den Bau von Straßen, Siedlungen und Infrastruktur in bisher unberührter Wildnis für einen leichteren Zugang auch für Wilderer, Viehzüchter und illegale Siedler. Die Umweltschützer fordern die Bundesregierung daher auf, sich gegen den Staudammbau einzusetzen – zumal er für die Deckung des Energiebedarfs in Tansania überhaupt nicht notwendig sei, wie aus dem Energieplan der tansanischen Regierung hervorgehe.

„Der Staudamm ist ein ökonomisch und ökologisch unsinniges Megaprojekt auf Kosten einer nachhaltigen Entwicklung und wie es scheint, sehen das auch potentielle Geldgeber so. Bislang konnte die tansanische Regierung keine Finanzierung für den milliardenschweren Bau vorweisen. Am Ende könnte sich herausstellen, dass das Land sein einzigartiges Weltnaturerbe mit der Abholzung völlig umsonst verspielt hat“, so Kirchgatter.




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