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Aktuell

Agrosprit schadet Klima

Freitag, 08. Februar 2008

Biosprit heizt den Klimawandel an

Studien: Brandrodungen setzen weitaus mehr Kohlendioxid frei, als durch Agrarkraftstoffe gespart werden kann
Expertenkritik an Tropenwaldzerstörung für neues Agrarland.
Ruf nach kritischer Treibhausgasbilanz für jeden Biokraftstoff.


Washington. (apa/dpa) Die Produktion von Biosprit kann den Klimawandel in vielen Fällen drastisch beschleunigen. Denn allein durch das Anpflanzen von Mais, Raps oder Palmöl entstehen oft mehr Treibhausgase als durch die daraus gewonnenen Agrarkraftstoffe eingespart werden. Das geht aus drei Studien hervor, die in den Journalen "Science" und "Atmospheric Chemistry and Physics" veröffentlicht werden. Für Biosprit werde Tropenwald zerstört und in Agrarland umgewandelt, heißt es in der Studie.

Zudem setzt Dünger nach Aussage des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen wesentlich mehr des gefährlichen Treibhausgases Lachgas frei als bisher gedacht. Lediglich Kraftstoffe aus Abfällen in Land- und Forstwirtschaft oder aus Gräsern mit weniger Düngereinsatz weisen demnach eine gute Klimabilanz auf.

Durch die Brandrodung in Indonesien entstehe mehr als 400 Mal so viel Kohlendioxid wie mit Hilfe von Palmöl auf derselben Fläche pro Jahr gespart werden könne, berichtet Hauptautor Joe Fargione von der Umweltorganisation The Nature Conservancy in "Science". Brasilianischer Regenwald, der in Soja-Plantagen umgewandelt wird, setze 300 Mal mehr Kohlendioxid frei als der Biosprit pro Jahr spare.

Ein Team um Timothy Searchinger von der Princeton University berechnete in einer "Science"-Studie, dass die Produktion von Ethanol aus Mais den Ausstoß der Treibhausgase für 167 Jahre erhöht, wenn dafür eigens Land umgewandelt wurde.

"Wenn man die globale Erwärmung bremsen möchte, macht es schlicht keinen Sinn, Land für Biosprit umzuwandeln", erklärt Fargione in eine Mitteilung seiner Universität. Und er verweist noch auf die mögliche Knappheit von Nahrungsmitteln. "Die weltweite Landwirtschaft produziert derzeit Nahrung für sechs Milliarden Menschen." Für die Produktion von Biosprit wäre es nötig, noch mehr Land in Agrarflächen umzuwandeln. Südafrika verschob kürzlich die geplante Biosprit-Produktion aus Mais, weil die Pflanze Grundnahrungsmittel besonders für arme Familien in dem Land ist.

Nach Angaben des Nobelpreisträgers Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz setzt der benötigte Pflanzendünger drei bis fünfmal mehr Lachgas frei als der Weltklimarat IPCC bisher angenommen hat ("Atmospheric Chemistry and Physics"). Das stickstoffhaltige Lachgas erwärmt die Atmosphäre 300 Mal so stark wie Kohlendioxid. Biodiesel aus Raps sei schon aus diesem Grund 1 bis 1,7 Mal klimaschädlicher als normaler Treibstoff, Bioethanol aus Mais bis zu 1,5 Mal. 80 Prozent des weltweiten Biodiesels werde aus Raps produziert. Nur Zuckerrohr kommt günstiger weg, da es nicht oder wenig gedüngt werde. Nach Ansicht von Searchinger darf dafür jedoch kein Regenwald gerodet werden.

"Ich bin nicht generell gegen Biosprit, sondern nur dagegen, wie er momentan angewendet wird", sagt Crutzen. Er forderte eine umfassende, kritische Treibhausgas-Bilanz für jeden Biokraftstoff. Der Nobelpreisträger hatte seine Studie bereits im September im Internet zur Diskussion gestellt. Ende Jänner wurde sie nun ohne bedeutende Veränderung gedruckt.

Biokraftstoffe: Hoffen auf zweite Generation

Große Hoffnungen setzen Politiker und Forscher auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, die eine besonders gute Klimabilanz haben. Für diesen Sprit können alle Pflanzenteile und damit auch Holzabfall genutzt werden. Holz wird in dem sogenannten BtL-Verfahren (Biomass to Liquid/Biomasse zu Flüssigkeit) etwa erst in Gas umgewandelt und dann zu Ethanol verarbeitet. Die weltweit erste kommerzielle Anlage für die Produktion von BtL-Kraftstoffen werde bis Sommer im deutschen Freiberg fertiggestellt sein, sagt die Sprecherin der Choren Industries GmbH, Ines Bilas. Sie soll pro Jahr 15.000 Tonnen Biokraftstoff der zweiten Generation herstellen. Eine weitere Anlage mit einem Biomasseverwertung von einer Million Tonnen pro Jahr hat das Unternehmen schon geplant.

Bessere Methoden mit gleichem Geldeinsatz

Eine kürzlich von der australischen Regierung veröffentlichte Studie verweist darauf, dass die Reduktion der CO 2 -Emissionen bei Biobenzin ("Super-ethanol") zwar im geringen Ausmaß gegeben ist, dass aber bei gleichem Geldeinsatz durch andere Methoden weit mehr Kohlendioxid eingespart werden könnte. "Nur der Einsatz von Zuckerrohr sowie von tierischen Fetten und Altölen kann den Kohlendioxidausstoß substanziell reduzieren", heißt es in der Studie.


Die EU setzt auf Biosprit, hinkt aber der Entwicklung in Brasilien weit hinterher

Von Peter Babutzky, Die Presse, 9.2.08

Nicht nur in Brasilien boomt die Agrarsprit-Branche, sondern auch in den USA und in Europa. So hat die EU ihre Pläne für Biosprit in der sogenannten Biotreibstoffrichtlinie festgeschrieben. Nach den Vorstellungen der EU soll der Biospritanteil bei Benzin und Diesel sukzessive gesteigert werden.

Auch im EU-Klimapaket bekennt sich die Union zur Förderung von Biosprit. Bis zum Jahr 2020 muss den Treibstoffen mindestens zehn Prozent Biotreibstoff beigemischt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen wird der Umweltaspekt hervorgehoben, zum anderen stellt die Abhängigkeit vom Erdöl ein immer größeres Problem für die EU dar. Die ehemalige EU-Kommissarin für Verkehr und Energie, Loyola de Palacio, begründete die Richtlinie der EU so: „Der heutige Verkehrsmarkt ist fast ausschließlich abhängig von Treibstoffen, die auf Erdöl basieren. Die Biotreibstoffrichtlinie soll diese Abhängigkeit lösen."

Die Bioethanol-Unternehmen in Europa reiben sich die Hände, denn die EU-Biotreibstoffrichtlinie beflügelt ihre Branche. Biodieselhersteller wie die deutsche Petrotec sind an die Börse geeilt, um sich frisches Geld für ihre Expansionen zu holen. In Österreich hat der Konzern Agrana im Jahr 2006 ein Bioethanolwerk bei Pischelsdorf errichtet, das ursprünglich im Herbst 2007 mit der Produktion beginnen hätte sollen. Die anhaltend hohen Getreidepreise haben dies jedoch verhindert. Der Produktionsstart musste auf das Frühjahr 2008 verlegt werden. Auf den schnellen Ethanol-Rausch folgt nun die Ernüchterung: "Wir haben eine Überproduktion von 300 Prozent in Deutschland", bemängelte der Vorstandsvorsitzende der deutschen EOP Biodiesel AG, Sven Schön.

Brasilien hängt EU und USA ab

Der Begeisterung der Politiker tut dies keinen Abbruch: Die EU, Brasilien und die USA veröffentlichten Anfang 2008 einen gemeinsamen Bericht über den Einsatz von Bioethanol und Biodiesel. Das Hauptziel der Verfasser ist es, die unterschiedlichen Standards der Ethanolherstellung zu vereinheitlichen, damit zwischen den Weltregionen leichter mit Bioethanol gehandelt werden kann. Die Agrarkraftstoffe sind weltweit auf dem Vormarsch und einer der großen Nutznießer ist Brasilien, denn das Land hat die führende Rolle auf diesem Gebiet eingenommen.

Zu einem meiner vergangenen Blog-Beiträge wurde von einem User gefragt: „Warum ist Brasilien in Sachen Öl-Alternative eigentlich viel weiter als Europa?" Die Antwort: Brasilien hat nach dem Ölschock in den 70er Jahren andere Konsequenzen gezogen als Europa. Während man bei uns die Sommerzeit eingeführt hat, hat Brasilien nach Alternativen zum Erdöl gesucht und diese im Bioethanol gefunden. Brasilien hat die Wurzel des Problems eher erkannt, als Europa und die USA.

Diese Überlegenheit hat Brasilien an den Tisch der Weltmächte geführt, wo das Schwellenland jahrzehntelang wenig zu suchen hatte. Die USA haben Südamerika lange Zeit als ihren Hinterhof betrachtet. Sie müssen nun feststellen, dass in ihrem Hinterhof bedeutendere Innovationen geschaffen wurden, als bei ihnen Zuhause.


8. Februar, 2008

Pröll-Studie zeigt CO2-Ersparnis bei Biotreibstoff

(APA) - In der Debatte um die Klimaeffekte der Biotreibstoffe hat sich am Freitag Umwelt- und Landwirtschaftsminister Pröll zu Wort gemeldet und Zahlen des Umweltbundesamts vorgelegt. Demnach reduziert der Agrarsprit gegenüber fossilen Treibstoffen den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß. Pröll reagiert damit auf internationale Studien, die - etwa mit Hinweis auf Urwaldrodungen - dies in Zweifel ziehen.

Für Pröll stellen die UBA-Zahlen klar, "dass Biosprit tatsächlich eine wirksame Alternative zu fossilen Treibstoffen darstellt". Die Analyse des Umweltbundesamts basiert auf lokalen Gegebenheiten (Raps, lokale üblicher Düngereinsatz, etc.). Die Experten rechnen dabei die ganze Prozesskette des jeweiligen Treibstoffs durch: Beim Erdöl von der Förderung bis zur Verbrennung des Benzins (Diesels) im Pkw, bei den "Biofuels" von der Aussaat über die Düngung und den Traktoreneinsatz bis ebenfalls in den Tank.

Hauptergebnis: Ein Pkw, der mit Biodiesel auf Rapsmethylesterbasis fährt, emittiert bei Betrachtung der ganzen Kette um ein Drittel weniger CO2 als der Benzin-Pkw. Gegenüber einem herkömmlichen Dieselaggregat beträgt der Vorteil 14 Prozent. Bei der zugrundeliegenden "Lifecycle Analysis" (LCA) wird davon ausgegangen, dass die Feldfrüchte für den Biotreibstoff auf bereits bestehenden Grünflächen angelegt werden, bestätigte das Umweltbundesamt. Deren bestehende Fähigkeit, Kohlendioxid zu binden, müsste noch in das Modell eingerechnet (subtrahiert) werden.

"Natürlich muss auf Nachhaltigkeit in der Produktion gesetzt werden", erklärte der Umweltminister. "Regenwald abzuholzen, um Palmölplantagen zu schaffen, kann nicht der Weg sein." Wer den Biosprit verteufle, laufe Gefahr, "sich zum Erfüllungsgehilfen der Erdöllobby zu machen".


Wir müssen die Wahrheit über Biosprit erzählen

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 5.2.08

Weltweit treibt die steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen für Sprit immer schlimmere Blüten. Mehr und mehr Mais, Soja, Zuckerrohr und Palmöl werden für die Umwandlung in so genannten Biosprit angebaut. Greenpeace-Experte Emiliano Ezcurra spricht über die Folgen dieser Entwickung für Argentinien.

Online-Redaktion: Emiliano, was machst Du bei Greenpeace-Argentinien?

Emiliano: Ich bin seit drei Jahren Kampagnen-Direktor. Davor war ich lange Jahre Campaigner bzw. Campaigner-Assistent.

Online-Redaktion: Warst Du die ganze Zeit bei Greenpeace?

Emiliano: Ja, ich hatte in meinem Leben niemals einen anderen Job. Ich bin seit 20 Jahren bei Greenpeace.

Online-Redaktion: An welchen Kampagnen hast Du gearbeitet?

Emiliano: Ich habe verschiedene Kampagnen koordiniert: zum Beispiel zur Fischerei, zum FCKW-freien Kühlschrank oder zum Klimaschutz. In den letzten Jahren habe ich eine sehr intensive Waldkampagne entwickelt und koordiniert.

Online-Redaktion: Was macht ein Kampagnen-Direktor?

Emiliano: Ein Schwerpunkt meiner Arbeit besteht darin, neue Campaigner anzuwerben. Und ich muss sie natürlich motivieren, aktiv zu bleiben. Gleichzeitig kann ich sagen, dass ich durch diese Kampagnen-Arbeit meine Erfahrungen und mein Wissen in den letzten Jahren ständig erweitert habe.

Online-Redaktion: Wie viele Menschen arbeiten bei Greenpeace-Argentinien?

Emiliano: Vor zehn Jahren arbeiteten 14 Personen im Greenpeace-Büro, heute sind es 38.

Online-Redaktion: Emiliano, ich möchte gerne mit Dir über das Thema Agrosprit sprechen. Aus welchen Pflanzen wird Agrosprit in Argentinien hergestellt?

Emiliano: Es gibt zwei Arten von Agrosprit. Die eine, bekannt als Bio-Ethanol, ersetzt Benzin. Die andere, Bio-Diesel genannt, ersetzt Diesel. In Argentinien wird kaum Ethanol produziert, der Großteil der Agrosprit-Industrie stellt Diesel her. Und hierfür wird vor allem gentechnisch verändertes Soja angebaut.

Online-Redaktion: In welche Länder exportiert Argentinien seinen Argrosprit?

Emiliano: Deutschland war und ist der größte Importeur von argentinischem Bio-Diesel.

Online-Redaktion: Welche Auswirkungen hat der Anbau von Argrosprit-Pflanzen?

Emiliano: Die gravierendsten Folgen für die Umwelt und die Menschen gehen von der Ausweitung der Anbauflächen für Soja aus. Der Anbau verschlingt immer mehr Land - und das bedeutet: weniger Wald.

Online-Redaktion: Welche Waldtypen sind davon betroffen?

Emiliano: In Argentinien gibt es drei verschiedene Wald-Ökosysteme mit einer enormen Artenvielfalt: die Gebirgs-Regenwälder entlang der Anden, den Chaco-Wald im Norden, eines der größten Wald-Ökosysteme Südamerikas mit Trockenwäldern und die atlantischen Wälder im Nordosten. Alle drei Waldtypen stehen unter einem enormen Druck der Soja-Industrie.

Online-Redaktion: Leiden auch Menschen unter der Ausweitung des Soja-Anbaus?

Emiliano: Ja, die Wälder im Norden Argentiniens sind soziale Wälder, wie ich sie nenne. Sie sind nicht unbewohnt, sondern viele indigene Völker leben dort. Die Unternehmen kaufen das Land vom Staat oder von privaten Grundeigentümern. Sie erhalten die Erlaubnis, den Wald abzuholzen und zerstören damit die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung.

Online-Redaktion: Wie sieht die Arbeit von Greenpeace zu diesem Thema aus?

Emiliano: Die wichtigste Aufgabe ist: Wir müssen der Bevölkerung die Wahrheit über Biosprit erzählen. Biosprit wird von der Industrie immer als Lösung für die Klimakrise angepriesen. Das ist eine Lüge: er verschärft die Klimakrise. Das müssen wir der Öffentlichkeit klar machen. Und wir müssen zudem die Zerstörung der Wälder stoppen.

Online-Redaktion: Was wünschst Du Dir von der Agrosprit-Kampagne?

Emiliano: Ich hoffe, dass wir Millionen von Menschen dazu bringen können, die Wahrheit über Biosprit zu erkennen. Das wäre ein großer Sieg für die Umwelt. Und ich hoffe, dass die Industrie ihre Pläne ändert und sinnvollere Alternativen zur Bekämpfung der Klimakrise entwickelt.

Online-Redaktion: Emiliano, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Gerd Kulik.


09. Februar 2008

Weiter Rätselraten um Zahl der nicht für Biosprit geeigneten Autos

Oberpfaffenhofen (ddp). Die Zahl der für die Biosprit-Beimischung «E10» nicht geeigneten Fahrzeuge in Deutschland bleibt umstritten. Daher treffen sich in der kommenden Woche Vertreter von Herstellern und Importeuren im Bundesumweltministerium, um die Zahlen erneut zu prüfen, wie die «Automobilwoche» berichtet. Auf Anfrage der Zeitung konnte lediglich Volkswagen konkrete Zahlen nennen: 175 000 VW-Fahrzeuge seien demnach E10-untauglich.

Andere Hersteller wichen laut Zeitung auf die Produktionsjahre aus. Demzufolge könnten bei BMW alle Modelle ab Baujahr 1998 den Biosprit tanken, Peugeot gab alle Benziner ab Baujahr 1998 frei. Bei Ford seien fast alle in Europa verkauften Modelle ab dem Baujahr 2002 biosprit-verträglich. Eine Ausnahme bilde der aktuelle Ford Ka, der mit Blick auf den Nachfolger 2009 aber nicht mehr umgerüstet werde.

Der Verband der Automobilindustrie zählte bislang 375 000 E10-unverträgliche Fahrzeuge, der ADAC dagegen sprach von «Millionen».

Nach dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Biokraftstoffquotengesetz muss die Mineralölwirtschaft den Biokraftstoff-Anteil stufenweise bis 2015 steigern, ab 2009 soll Benzin demnach mindestens 2,8 Prozent Bioethanol (bezogen auf den Energiegehalt) enthalten. Eine noch zu verabschiedende Novelle dazu soll nun den künftigen Standard für Benzinkraftstoffe regeln, der entsprechende Entwurf sieht ab 2009 eine Obergrenze für Ethanol-Beimischungen im Benzin von zehn Prozent vor. Dieser Anteil wäre möglich, aber keineswegs verpflichtend.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums betonte in der «Automobilwoche», die Verordnung werde solange nicht in Kraft gesetzt, wie es Unsicherheiten hinsichtlich der Zahl der betroffenen Pkw gebe.


Donnerstag, 7. Februar, 09:27 Uhr

Rekordwarmer Winter hat Schweizer Gletschern weiter zugesetzt

Zürich (AP) Der rekordwarme Winter 2006/2007 hat den Schweizer Gletschern weiter zugesetzt. 88 von 91 ausgemessenen Gletschern haben sich in der jüngsten Messperiode weiter zurückgezogen, wie die für die Messung zuständigen Experten in der «Neuen Zürcher Zeitung» (Donnerstagausgabe) schreiben.

Die Resultate beziehen sich auf 91 von 100 vermessenen Gletschern. Während 88 Gletscher in der Messperiode 2006/2007 weiter an Länge verloren, wurde beim Glacier de Tseudet im Unterwallis ein geringer Vorstoß registriert. Bei zwei weiteren Gletschern blieb die Zungenposition unverändert.

Der größte Schwund wurde mit 127 Metern am Vadret da Roseg im Bündnerland verzeichnet. An zweiter Stelle folgte der Gauligletscher im Berner Oberland mit einem Längenverlust von 100 Metern. Die Zungen dieser beiden Gletscher münden in einen See, was das Abschmelzen maßgeblich verstärkt, wie Martin Hölzle von der Expertenkommission für Kryosphäre schreibt.

Zusätzlich zur Veränderung der Gletscherlänge wurde an den drei Gletschern Basodino, Gries und Silvretta der Massenhaushalt bestimmt, das heißt die Bilanz zwischen Schneezuwachs und Eisabtrag. Im Unterschied zur Längenänderung widerspiegle die Massenbilanz die meteorologischen Bedingungen während der Messperiode deutlicher und ohne Verzögerung, erklärt Hölzle. Alle drei Gletscher haben im Berichtsjahr an Masse eingebüßt. In den letzten 15 Jahren war der Gletscherschwund nur drei Mal stärker als im vergangenen Jahr, nämlich in den Jahren 2003, 2006 und 1998, wie es in der Bilanz weiter heißt. Ausschlaggebend waren neben der Wärme vor allem die geringen Niederschläge im Winter.

Unterschiedlich hat sich der schneearme und milde Winter laut der Expertengruppe hingegen auf den Permafrost ausgewirkt. Steile und schneefreie Felswände seien durch die hohen Wintertemperaturen aufgewärmt worden. In der Eigernordwand auf 2.800 Meter Höhe über dem Meeresspiegel seien zum Beispiel bereits in der zweiten Hälfte des Monats April durchwegs positive und im Vergleich zu früheren Jahren bis zu vier Grad wärmere Temperaturen gemessen worden. Im flachen Gelände hingegen isolierte die Schneedecke laut Hölzle schlecht. Dadurch sei der Untergrund stärker der Winterkälte ausgesetzt gewesen, und der Permafrost habe sich in den obersten Metern ausgekühlt. In solchen Lagen war die mittlere gemessene Oberflächentemperatur rund ein Grad kälter als im Jahr 2003.







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