powered by <wdss>
Aktuell

Meere mehr geschädigt als angenommen

Donnerstag, 14. Februar, 21:38 Uhr

Die Weltmeere sind vom Menschen massiv geschädigt

Boston (AFP) - Der Zustand der Weltmeere und der mit ihnen verbundenen Ökosysteme ist nach Erkenntnissen von US-Wissenschaftlern besorgniserregend - schuld ist demnach der Mensch. Rund 41 Prozent der Ozeane seien in irgendeiner Form durch menschliches Eingreifen stark geschädigt, nur 3,7 Prozent der Gewässer noch unberührt, heißt es in der ersten Studie zum Einfluss des Menschen auf die Meeres-Ökosysteme weltweit. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass die Folgen menschlicher Aktivitäten "viel verhängnisvoller" seien als angenommen, sagte Ben Halpern von der Universität von Kalifornien. "Das war eine Überraschung."

Am stärksten betroffen sind der Studie zufolge unter anderem die Nordsee, der Süden und der Osten des Chinesischen Meeres, die nordamerikanische Ostküste, das Mittelmeer und der Persische Golf. Am besten erhalten dagegen seien die Ökosysteme am Nord- und Südpol - auch, weil die dicken Eisschichten dort das ganze Jahr über oder wenigstens einige Monate lang Menschen fernhielten. "Leider verschwinden mit der Erderwärmung aber die Eiskappen an den Polen, und menschliche Aktivitäten weiten sich auch in diese Gebiete aus - deshalb droht auch diesen relativ unberührten Ökosystemen die Zerstörung", warnte Co-Autorin Carrie Kappel vom Nationalen Zentrum für Ökologische Analyse und Synthese in den USA.

Den größten Schaden richtet demnach der Klimawandel an. Zwischen 1995 und 2005 wurde ein deutlicher Anstieg der Wassertemperatur im Nordatlantik festgestellt, der mit dem Fortschreiten der Erderwärmung künftig auch in anderen Gewässern in unterschiedlichem Ausmaß festzustellen sein dürfte. Eine Wassererwärmung fördert das Planktonwachstum, was wiederum Auswirkung auf andere Tier- und Pflanzenarten unter Wasser hat. Zugleich werde das Meerwasser saurer, weil die Ozeane durch den vom Menschen verursachten CO2-Anstieg immer größere Mengen des Treibhausgases absorbieren müssten.

Direkten Einfluss auf die Meeres-Ökosysteme nimmt der Mensch mit der Fischerei: In achtzig Prozent der Weltmeere werde gefischt; die Fische könnten sich nirgends mehr zurückziehen. Auch der Schiffsverkehr insgesamt bedrohe das Leben im Meer. Die Schiffsrouten von besonders sensiblen Gebieten wie etwa Korallenriffen wegzuleiten, könne die negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme bereits deutlich verringern.

Die Studie, an der sich verschiedene Universitäts-Forschungszentren, Nichtregierungsorganisationen und US-Behörden beteiligten, erscheint in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science".


Warnsignal: Karte zeigt die tatsächliche Belastung der Weltmeere

Von Gerd Kulik, Greenpeace-Online, 15.2.08

Nur noch etwa vier Prozent der Weltmeere sind nicht vom Menschen beeinträchtigt. Dies ist das Ergebnis einer globalen Karte, die die Auswirkungen von 17 verschiedenen menschlichen Aktivitäten auf die marinen Ökosysteme darstellt.

Englischen Medienberichten zufolge hat ein internationales Wissenschaftlerteam zum ersten Mal eine globale Karte erstellt, auf der die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Ozeane detailliert abgebildet werden.

Die Forscher unterteilten die Weltmeere in quadratkilometergroße Abschnitte und untersuchten, wie 17 verschiedene Aktivitäten des Menschen die marine Umwelt beeinflussen. Hierzu zählten Faktoren wie Fischerei, Ausbau der Küsten, Nährstoffeintrag und Verschmutzung durch den Schiffsverkehr. Für jeden Abschnitt kalkulierten die Wissenschaftler dann die Summe der Gefährdungen, indem sie die Einzelkarten der Aktivitäten übereinander legten.

Das Ergebnis ist erschreckend: Fischerei, Klimawandel und Verschmutzung haben in allen Weltmeeren ihre Spuren hinterlassen. Es gibt kaum noch unbeeinflusste Gebiete. Mehr als 40 Prozent der Ozeane sind bereits stark beeinträchtigt. Nur die abgelegenen arktischen und antarktischen Regionen sind relativ unberührt. Sie sind jedoch durch das Abschmelzen der Eismassen auf Grund des Klimawandels bedroht. Dieser zählt neben der Überfischung zu den größten Gefährdungsursachen mariner Lebensräume.

"Diese Karte ist ein Warnsignal", sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. "Zum ersten Mal wird das ganze Ausmaß der Gefährdungen deutlich. In der Vergangenheit haben viele Studien lediglich die Auswirkungen einzelner Aktivitäten gezeigt. Aber diese Karte gibt ein umfassendes Bild der Bedrohung der Meere durch den Menschen."

Zu den am stärksten beeinflussten Gewässern zählen unter anderem die Nordsee, das Mittelmeer, das Rote Meer, die Beringsee und große Teile des westlichen Pazifiks. Fast die Hälfte der weltweiten Korallenriffe ist schwer geschädigt, berichten die Wissenschaftler. Auch Seegraswiesen, Mangrovenwälder, Felsenriffe und küstennahe Meeresböden sind betroffen.

"Es ist nicht überraschend, dass Gebiete wie die Nordsee zu den am stärksten ausgebeuteten und verschmutzten Meeren zählen", sagt Iris Menn. "Den Belastungen, denen unsere Meere ausgesetzt sind, können wir nur begegnen, indem wir großflächige, unbeeinflusste Schutzgebiete einrichten."

Greenpeace fordert, weltweit 40 Prozent der Meere unter Schutz zu stellen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich Lebensräume und Meeresbewohner von den zerstörerischen Aktivitäten wieder erholen.

Mit gutem Beispiel vorangegangen ist bereits der kleine Inselstaat Kiribati im Südpazifik. Er hat kürzlich das weltweit größte Meeresschutzgebiet ausgerufen. Auf einer Fläche von der Größe Kaliforniens wird einer der letzten Korallen-Archipele der Erde geschützt. Das Gebiet beherbergt mehr als 120 Korallen- und 520 Fischarten und ist eines der bedeutendsten Seevogel-Brutgebiete im Pazifik.


CO2-Emissionen der Schifffahrt bisher stark unterschätzt



Die Treibhausgas-Emissionen der Schifffahrt sind dreimal höher als bisher angenommen. Das geht aus einem neuen UN-Bericht hervor, der der englischen Zeitschrift The Guardian vorliegt.

Wie das Blatt in seiner Online-Ausgabe am Dienstag berichtet, beträgt der jährliche CO2-Ausstoß der weltweiten Handelsschifffahrt 1,12 Milliarden Tonnen. Das entspricht einem Anteil von 4,5 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Allein das weltgrößte Containerschiff, die Emma Maersk, pustet auf den Fahrten zwischen China und Europa 300.000 Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft - etwa so viel wie ein mittelgroßes Kohle-Kraftwerk.

Der UN-Bericht geht davon aus, dass die Emissionen von Schiffen zu einer der größten CO2-Quellen hinter Autoverkehr, Haushalt, Landwirtschaft und Industrie werden wird. Zum Vergleich: Die Flugzeugindustrie ist verantwortlich für circa 650 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr, kaum mehr als die Hälfte der Schiffsemissionen.

"90 Prozent aller großen Schiffe fahren heute mit Schweröl. Schweröl fällt bei den Raffinerien als Rückstand bei der Erdölverarbeitung an und ist voller Verunreinigungen, Sand und Asche", sagt Christian Bussau, Schifffahrts-Experte von Greenpeace. "Beim Verbrennen werden neben Kohlendioxid auch Stickoxide, Schwefeldioxid und Feinstaub ausgestoßen. Schiffe sind im Prinzip schwimmende Müllverbrennungsanlagen."

Bis jetzt war der Weltklimarat (IPCC) von einem maximalen Ausstoß von lediglich 400 Millionen Tonnen durch die Schifffahrt ausgegangen. Laut Guardian haben Wissenschaftler für den UN-Bericht nun auf Grundlage genauerer Daten der Öl- und Schiffsindustrie neue Berechnungen angestellt. Das Ergebnis: Nicht nur die Schiffsemissionen sind wesentlich größer als bisher angenommen. Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um weitere 30 Prozent steigen werden.

Die Europäische Union hatte bislang angenommen, dass die Schifffahrt für weniger als 2 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich ist. Schiffsemissionen sind daher auch nicht Bestandteil der europäischen Reduktionsziele zum Klimaschutz.

"Auf politischer Ebene hat man sich bislang viel zu wenig um den Schiffsverkehr gekümmert. Auch die Schifffahrt muss ihren Teil zum Klimaschutz beitragen. Hier gibt es durchaus Möglichkeiten", erläutert Christian Bussau. So haben erste Versuche gezeigt, dass man mit Zugdrachen, also großen Segeln, die über den Schiffen schweben, den Treibstoffverbrauch deutlich reduzieren kann.

Der UN-Bericht geht darüber hinaus auch von einem rasantem Anstieg anderer Schadstoffe durch die Schiffsindustrie aus. Die Wissenschaftler erwarten, dass der Ausstoß von Schwefel und Rußpartikeln - verantwortlich für Krebs, Atemwegserkrankungen und sauren Regen - in den nächsten zwölf Jahren um 30 Prozent steigen werden.

Christian Bussau: "Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass jedes Jahr in europäischen Hafenstädten und Küstenregionen hunderte von Menschen aufgrund der Schiffsemissionen sterben. Weltweit geht man von 60.000 Toten aus. Nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch um die Gesundheit der Menschen zu schützen, brauchen wir so schnell wie möglich ein internationales Verbot von Schweröl als Schiffstreibstoff."







» zurück
 

Druckversion


18.07.08 15:00 - 16:00
WDR/SWR: Moor - Landschaft aus Urzeiten

15.07.08 20:15 - 21:00
arte: Die neuen Paradiese (2/10): Madagaskar - Eine Insel mit vielen Gesichtern

15.07.08 22:45 - 23:45
ARD: Im Schatten des Bösen - Der Krieg gegen die Frauen im Kongo

20.07.08 20:15 - 21:00
arte: Die neuen Paradiese (6/10): Laos - Entlang des Mekong

16.07.08 11:15 - 12:00
phoenix: Wo das Wasser Augen hat - Eine Reise ins brasilianische Pantanal

17.07.08 08:15 - 08:45
SWR: Indianer (1/2): Die Warao - Volk der starken Frauen

16.07.08 19:15 - 20:00
phoenix: Abenteuer im Regenwald (1/3): Von der Peruanischen Grenze bis Manaus

21.07.08 08:15 - 08:45
SWR: Indianer (6/9): Die Shuar - Kopfjäger im Regenwald

15.07.08 02:05 - 02:50
arte: Der Berg der Wölfe

17.07.08 14:00 - 14:45
phoenix: Feldversuch Hawaii - Genpflanzen im Freilandtest

16.07.08 16:50 - 17:35
arte: Die Rettung des Blauen Papageis

17.07.08 19:15 - 20:00
phoenix: Abenteuer im Regenwald (2/3): Von Manaus bis Parintins

22.07.08 08:15 - 08:45
SWR: Indianer (7/9): Die Shipibo - Volk der Künstler

17.07.08 23:10 - 23:55
phoenix:Hunger und Wut - Warum die Welternährungskrise kein Zufall ist

18.07.08 19:15 - 20:00
phoenix: Abenteuer im Regenwald (3/3): Von Santarém bis Belém

15.07.08 08:15 - 08:45
SWR: Indianer (2/9): Die Katukina - Volk der Panther

14.07.08 21:00 - 21:45
ARD: Bernhard Grzimek