powered by <wdss>
Aktuell

Frankensteins Erben

Zwei von drei T-Shirts aus China sind genmanipuliert

Der Siegeszug der „Grünen Biotechnologie“ ist ungebremst. Im Vorjahr gab es erneut ein Plus um zwölf Prozent.

Von Martin Kugler, Die Presse, 14.2.08

MANILA/WIEN. Weltweit ist der Zug zur Gentechnik in der Landwirtschaft ungebrochen: Im Jahr 2007 ist die Anbaufläche von Gen-Pflanzen um weitere zwölf Prozent auf insgesamt 114,3 Millionen Hektar gestiegen. Zum Vergleich: Das entspricht einer Fläche, die 83 mal so groß ist wie das österreichische Ackerland. Seit der Markt-Einführung der „Grünen Gentechnik“ vor zwölf Jahren ist das die zwölfte starke Zunahme in Folge.

Diese Daten hat am Mittwochabend die Biotech-Lobbying-Organisation ISAAA („Internationale Service for the Acqusition of Agri-Biotech Applications“) veröffentlicht. DieOrganisation wird vor allem von Biotech-Konzernen finanziert, die ISAAA-Daten sind aber die einzigen halbwegs verlässlichen Daten über die Verwendung von Gentechnik.

Unverändert ist die wichtigste Gen-Pflanze Soja, gefolgt von Mais, Baumwolle und Raps. Der Biosprit-Boom hat die Dynamik allerdings etwas verändert: Während die Anbaufläche von Gen-Soja weltweit stagnierte, wuchs der Anbau von Gen-Mais weit überdurchschnittlich. Das betrifft vor allem die USA, in der gigantische Mengen an Mais in die Energieproduktion gehen. Konkret: Aus sieben Mio. Hektar Gen-Mais sowie aus 3,4 Mio. Hektar Gen-Soja werden Autotreibstoffe gemacht. Die verstärkte Nutzung von Gen-Saaten für die Sprit-Produktion ist bis dato fast ausschließlich auf die USA beschränkt.

Australien testet Gen-Weizen

Den größten relativen Zuwachs gab es 2007 in Indien und China. Verantwortlich dafür ist vor allem Baumwolle: Mittlerweile stammen 42 Prozent der weltweiten Baumwoll-Produktion aus gentechnisch veränderten Pflanzen. Vor zwei Jahren waren es „nur“ 28 Prozent. Gen-Baumwolle ist resistent gegen Insekten-Schädlinge, die ansonsten schwierig zu bekämpfen sind. Besonders krass ist die Situation in China: 3,8 der 5,5 Millionen Hektar Baumwoll-Pflanzungen sind bereits mit Gen-Saaten bebaut. Das heißt, dass 69 Prozent aller in China produzierten T-Shirts oder Jeans aus Gen-Pflanzen hergestellt sind.

China gibt derzeit Vollgas in Sachen Grüne Gentechnik: Erstmals wurde im Vorjahr weltweit eine größere Menge gentechnisch veränderte Bäume – nämlich 250.000 Pappeln mit veränderter Lignin-Zusammensetzung – angebaut. Neu auf den Feldern sind Gen-Paprika und Paradeiser. Kurz vor der Zulassung sind Gen-Reis-Sorten.

Auch in anderen Ländern tut sich viel: Australien testet nun – nach einigen Dürre-Jahren in Folge – trocken-resistente Gen-Weizen-Sorten. Davor sind bisher sogar die US-Konzerne zurückgeschreckt – aus Angst vor Ressentiments der Konsumenten beim Nahrungsmittel Nummer eins. Die US-Farmer sind unverändert die größten Nutzer von Gen-Saaten, dahinter folgen Argentinien, Brasilien und Kanada. Insgesamt werden in 23 Staaten Gen-Pflanzen angebaut. In der EU ist deren Zahl auf acht angewachsen: Zu Spanien, Frankreich, Tschechien, Portugal, Deutschland, der Slowakei und Rumänien hat sich im Vorjahr Polen hinzugesellt. Frankreich und Rumänien überlegen indes den Ausstieg.


30. Januar 2008, Neue Zürcher Zeitung

Gentechnik in der Pflanzenforschung Chinas

Pflanzen, die Resistenzen von Insekten unterlaufen, und bessere Pappeln für die Energiegewinnung

Mit Hilfe gentechnischer Methoden versuchen chinesische Pflanzenforscher, die Erträge zu steigern. Beim kommerziellen Anbau solcher Pflanzen ist China jedoch vorläufig sehr zurückhaltend.


Von Thomas Müller, Neue Zürcher Zeitung, 30.1.08

Zurzeit müssen in China 1,3 Milliarden Menschen ernährt werden – und ihre Zahl wächst nach wie vor. China ist kein Selbstversorger: Beträchtliche Mengen an Getreide, Mais und Soja werden importiert, nur Reis wird noch exportiert. Da keine Reserven an gutem Ackerbauland zur Verfügung stehen, ist die Steigerung des Ertrags auf den vorhandenen Flächen oberstes Gebot. Dieses Ziel könne nur mit neuen Technologien erreicht werden, war die Quintessenz eines Workshops von Pflanzenforschern aus China und der Schweiz, der in Interlaken stattgefunden hat. Zudem ist China nun in die Forschung über Energiepflanzen eingestiegen, welche die Herstellung von Alkohol für Treibstoffe zum Ziel hat.

Rasantes Wachstum der Forschung

Seit ungefähr fünf Jahren steigt die Zahl chinesischer Publikationen in führenden wissenschaftlichen Pflanzenzeitschriften und interdisziplinären Fachzeitschriften wie «Nature» steil an. Die Forschungsbudgets wachsen mit zwanzig und mehr Prozent pro Jahr bedeutend schneller als die Wirtschaft. An vielen Orten in China – es gibt über 1700 Hochschulen – schiessen neue Institute und Forschungsgebäude aus dem Boden. Zwei der führenden Pflanzenforschungs-Institute waren in Interlaken prominent vertreten: das Institute of Genetics and Developmental Biology (IGDB) in Peking und das Shanghai Institute of Plant Physiology and Ecology («Sippe»), beides Institute der Chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Generell fällt auf, dass die chinesischen Forscher auch in der Grundlagenforschung immer potenzielle Anwendungen im Blick haben, wie drei hier vorgestellte Arbeiten zeigen. Ein Beispiel dafür ist Jiayang Lis Forschung über die Architektur von Pflanzen. Der Biologe Li, der Vizepräsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, war 1995 aus den USA zurückgekehrt und baute am IGDB ein Forschungsprogramm zur molekularen Basis der Entwicklung von Pflanzen auf. Als Modellpflanzen verwendet er Reis, die bedeutendste Nahrungspflanze überhaupt, und die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana). Lis Gruppe versucht, den Wuchs der Reispflanze so zu verändern, dass ein ideales Verhältnis zwischen Anbaudichte und Besonnung der einzelnen Pflanze erzielt wird.

Vielversprechende Resultate

Zentral ist dabei der Winkel, mit dem Triebe von der vertikalen Hauptachse der Pflanze seitwärts streben. Je grösser dieser Winkel ist, desto mehr Licht fängt die Pflanze ein. Sie benötigt dann aber auch mehr Platz, was die Zahl der Pflanzen auf einem Feld und damit den Ertrag reduziert. Schon seit Jahrzehnten versuchen Züchter, diese «Triebwinkel» genannte Eigenschaft gezielt zu beeinflussen – bisher ohne Erfolg. Nun hat Lis Gruppe ein Gen (LA1) entdeckt, das in Abhängigkeit von seiner Ablesehäufigkeit für eine steilere oder flachere Reis-Architektur sorgt. Sie seien zuversichtlich, dieses Wissen bis in zwei Jahren bei der gentechnischen Züchtung neuer Anbausorten anwenden zu können, sagte Li. Auch andere Eigenschaften von Reispflanzen, etwa die Rispengrösse, wollen die Forscher am IGDB unter ihre Kontrolle bringen.

Während sich die Gestalt einer Nutzpflanze ohne ein grundlegendes Verständnis ihres Baus nicht gezielt verändern lässt, kommt man in der Schädlingsbekämpfung mit einfacheren Tricks durch. Breite Verwendung haben beispielsweise die sogenannten Bt-Maispflanzen gefunden, die ein Insektizid gegen den Maiszünsler produzieren. Xiao-Ya Chen vom «Sippe» hat mit seiner Gruppe nun einen Prototyp für ein neue Klasse von pflanzeneigenen Insektiziden entwickelt, die auf der sogenannten RNA-Interferenz beruht.

Schädlinge wie zum Beispiel die Baumwoll-Eule, eine Schmetterlingsart, die im Baumwollanbau ein wichtiger Schädling ist, haben im Lauf der Evolution gelernt, sich gegen Abwehrstoffe ihrer Wirtspflanzen zu wehren. Das von Baumwollpflanzen produzierte Polyphenol Gossypol etwa wirkt gegen eine ganze Reihe von Insekten, nicht aber gegen die Baumwoll-Eule. Die Larven dieses Falters können Gossypol aufgrund einer genetisch determinierten Resistenz neutralisieren. Chen und seine Mitarbeiter haben nun in Tabak- und Arabidopsis- Pflanzen ein Gen eingebaut, das den Bauplan für eine kurze RNA liefert, die genau das Gen ausschaltet, das die Larve für ihren Abwehrstoff gegen das Gossypol benötigt. Und tatsächlich: Frassen die Larven die gentechnisch veränderten Tabak- und Arabidopsis -Blätter, hemmte dies ihr Wachstum empfindlich – und zwar umso mehr, je mehr Gossypol die Forscher dazugaben. Seine Gruppe wolle die Technologie in den nächsten zwei Jahren auf die Baumwolle übertragen, sagte Chen an dem Workshop.

Der Ansatz hat zweifellos kommerzielles Potenzial, wie eine ähnliche Arbeit einer Gruppe des amerikanischen Agrokonzerns Monsanto zeigt. Der Monsanto-Gruppe von Jim Roberts ist es laut eigenen Angaben gelungen, Maispflanzen vor Insektenfrass zu schützen, indem sie die RNA-Interferenz gegen Schädlinge wie den Maiswurzelbohrer einsetzte. Monsanto und die chinesische Gruppe sehen in der neuen Technologie vor allem zwei Vorteile. So könnten mit ihr Pflanzen gezüchtet werden, die nur ganz bestimmte Schädlinge abwehren, Nützlinge aber leben lassen. Dabei produzierten die Pflanzen aber kein Toxin (wie die Bt-Pflanzen), sondern nur ein relativ instabiles RNA-Molekül von kurzer Lebensdauer.

Zellulose zur Energiegewinnung

Auch wenn für Ernährungsfragen relevante Forschung im Vordergrund steht, sind in China die sogenannten Energiepflanzen ebenfalls ein Thema. Laigeng Li vom «Sippe» berichtete in Interlaken von gentechnisch veränderten Pappeln (Populus tremuloides), die dereinst in Plantagen gepflanzt werden und einen Teil des Treibstoffs für die rasant wachsende Automobil-Population in China liefern sollen. Die zugrunde liegende Technologie hatte Li an der North Carolina University in den USA mitentwickelt und bei seiner Rückkehr nach China mitgebracht.

Eigentlich sind Bäume für die Ethanolproduktion nur bedingt geeignet. Zellulose, aus der die Zellwände von Pflanzen gebaut sind, ist zwar das am weitesten verbreitete biologische Material auf dem Erdball. 90 Prozent des von Pflanzen gebundenen Kohlendioxids liegt in dieser Form vor, und ein grosser Teil davon in Wäldern. Bei Pappeln setzt sich die Biomasse aber zur Hälfte aus dem molekular hoch vernetzten und nicht fermentierbaren Lignin (Holz) und der nur bedingt fermentierbaren Hemizellulose zusammen. Nur die andere Hälfte besteht aus Zellulose, die sich relativ gut in einzelne Glukosemoleküle zerlegen lässt, die Hefe dann zu Ethanol fermentieren kann.

Li gelang es nun, den Ligninanteil der Pappeln zu halbieren und den Zelluloseanteil um 30 Prozent zu steigern, wie Versuche im Gewächshaus zeigten. Die Bäume sollen trotz dem gesunkenen Holzanteil ausreichend stabil sein, um in einer Plantage einige Jahre zu überleben, wie Li sagt. Um den erwünschten Effekt zu erzielen, griffen die Forscher an mehreren Stellen in die Biosynthese von Lignin ein. Dadurch änderte sich auch die chemische Zusammensetzung des Holzstoffs so, dass die Verarbeitung in einem industriellen Prozess energieeffizienter würde. Die Ethanol-Ausbeute soll sich um 20 Prozent erhöht haben. Inwieweit diese vielversprechend scheinende Technik tatsächlich zur Anwendung kommen wird, wird sich erst noch zeigen.


Fichte soll "fit" für Stürme werden

ORF, 2. Februar, 2008

Das Sturmtief "Paula" hat in den Wäldern Chaos hinterlassen. Klimaexperten sagen eine Zunahme solcher Wetterextreme voraus. Nun soll ein Forschungsprojekt in Seibersdorf die Fichte resistenter gegen Wetterextreme machen.

Als Flachwurzler besonders gefährdet

In etwa der Hälfte der österreichischen Wälder stehen Fichten. Sie sind bei Stürmen besonders gefährdet, als Flachwurzler knicken sie leicht um. Gleichzeitig ist die Fichte aber die wichtigste Holzart für die heimische Wirtschaft, sie wächst schnell und gerade. Daher werden Stürme für die Holzwirtschaft zu einem immer größeren Problem, sagt Norbert Putzgruber von den österreichischen Bundesforsten.

Keine genmanipulierte "Superfichte"

In dem Forschungsprojekt der Austrian Research Centers in Seibersdorf, des Umweltministeriums und der Bundesforste werden die Erbanlagen von Fichten hinsichtlich ihrer Wetterbeständigkeit verglichen. Die besten bestehenden Arten sollen dann gezüchtet und für die Aufforstung der zerstörten Waldgebiete verwendet werden.

Es gehe aber nicht darum, eine genmanipulierte "Superfichte" zu schaffen, heißt es von den Forschern, man wolle nur jene Arten identifizieren, die auch den Wetterextremen in 100 Jahren trotzen können.


Freitag, 15. Februar, 10:36 Uhr

Bundesrat verabschiedet neues Gentechnikrecht

Berlin (AP) Das jahrelang umstrittene neue Gentechnikrecht kann in Kraft treten. Der Bundesrat machte am Freitag den Weg frei für die Novelle und damit auch für die Kennzeichnung «Ohne Gentechnik» für Lebensmitteln. Für Landwirte, die Gen-Mais anbauen wollen, gibt es erstmals Vorschriften über Mindestabstände - 150 Meter zu herkömmlichen Sorten und 300 Meter zu Ökomais.

Mit der Kennzeichnung «Ohne Gentechnik» soll sichergestellt werden, dass der Verbraucher zwischen herkömmlichen und gentechnisch veränderten Lebensmitteln wählen kann. Bei Fleisch, Milch und Eiern garantiert diese Kennzeichnung, dass auch die Tiere nicht mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen gefüttert wurden. «Ohne Gentechnik» können konventionelle Lebensmittel und Ökoprodukte sein.

Allerdings gibt es eine Ausnahmeregelung: Auch gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe wie Enzyme, Vitamine und Aminosäuren oder auch Impfstoffe können im Ausnahmefall für die Erzeugung von gentechnikfreien Lebensmitteln zugelassen werden.

Selbst unter Experten waren die Mindestabstände zwischen den Maisfeldern bis zuletzt umstritten. Jetzt werden 150 beziehungsweise 300 Meter festgelegt. Kommt es trotzdem zu einer Auskreuzung, haften die Bauern, die Genmais anbauen, für Verunreinigungen der Ernte ihrer Nachbarn - allerdings erst ab einer Schwelle von 0,9 Prozent.

Die Regelung gilt nur für Mais. Im Bundesgebiet wird auf rund 1.000 Hektar die Maissorte MON810 angebaut. Sie ist gegen das Schadinsekt Maiszünsler resistent. Der kommerzielle Anbau anderer gentechnisch veränderter Kulturpflanzen ist in Deutschland bislang nicht erlaubt.


Freitag, 15. Februar, 14:57 Uhr

Bauernverband rät weiter vom Genmais-Anbau ab

Berlin (AP) Der Deutsche Bauernverband rät auch nach Verabschiedung des neuen Gentechnikrechts vom Genmais-Anbau ab. Der Verband erklärte am Freitag in Berlin, da weiterhin die verschuldensunabhängige Haftung gelte, bleibe man bei der ablehnenden Haltung. «Denn Landwirte sind danach trotz gesetzeskonformen Verhaltens einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt.» Mit der Novelle sei versäumt worden, auch die Saatgutindustrie in die Verantwortung zu nehmen.

Als «Mogelpackung und untaugliches Instrument zur Verbraucheraufklärung» wertete der Bauernverband die Verwässerung der bisherigen strengen Regelung zur Kennzeichnung durch die Aufschrift «Ohne Gentechnik». Nach bisherigem Recht hätten sich die Verbraucher darauf verlassen können, dass bei der Herstellung damit beworbener Produkte keine Gentechnik im gesamten Produktionsprozess zur Anwendung kam. In Zukunft müsse der Verbraucher damit rechnen, dass Lebensmittel mit dem Siegel dennoch unter Verwendung von Gentechnik in einzelnen Produktionsstufen hergestellt wurden.


Schutzgebiete nicht sicher vor Gen-Pollen

NABU-Studie zeigt: Kein Schutz von ökologisch sensiblen Flächen vor Gentechnik

NABU Pressemitteilung, 15.2.08

Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais kann auch die Artenvielfalt in Schutzgebieten gefährden, wenn kein ausreichender Sicherheitsabstand von den Anbauflächen zu ökologisch sensiblen Gebieten besteht. Das geht aus einer NABU-Studie im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg hervor. Um die Eignung von Methoden zum Pollen-Monitoring zu untersuchen, hatte das Land Brandenburg im Sommer 2007 im und am Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch (Märkisch-Oderland) technische und „biologische“ (Bienenvölker) Pollensammler eingesetzt.

Die Ergebnisse zeigen: Pollen gelangen in großer Zahl selbst bei einer Entfernung von 100 Metern in das geschützte Gebiet. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU einen Mindestabstand von 1000 Metern zu Gen-Feldern, um Gefährdungen durch genmanipulierte Pflanzen in Schutzgebieten vorzubeugen. Ferner muss der Anbau der Gentech-Maissorten mit Mon 810 so lange ausgesetzt werden, bis Risiken für Mensch und Natur ausgeschlossen werden können.

„Es ist ein Skandal, dass das von der Bundesregierung verabschiedete Gentechnikgesetz den Schutz ökologisch sensibler Gebiete vollständig ausspart. Hier muss unverzüglich nachgebessert werden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Eine Brandenburger Initiative, die einen Abstand von 800 Meter zu Schutzgebieten forderte, fand in den Ausschüssen des Bundesrates keine Mehrheit. Der NABU-Präsident begrüßte Überlegungen des Landes Brandenburg, Rahmenbedingungen für Abstandsregelungen zu wertvollen Schutzgebieten zu entwickeln.

„Das Land Brandenburg hat eine besondere Verantwortung nicht nur für ein konfliktfreies Nebeneinander der Landwirtschaftsbetriebe untereinander, sondern auch für die Bewahrung seine Naturschutzgebiete. Ich hoffe daher auf eine einvernehmliche Empfehlung von Naturschützern und Bauernverbänden, die konkrete Mindestabstände zu benachbarten Schutzgebieten vorsieht. Dies schafft die notwendige Rechtssicherheit für den Nutzer der Gentechnik und verringert das mögliche Risiko für gefährdete Arten“, sagte der Beauftragte für Koexistenz im Brandenburger Umweltministerium, Peter Rudolph.

Im Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch kommen zwei seltene Schmetterlingsarten vor: der Große Feuerfalter und der Skabiosen-Scheckenfalter. Von Mitte Juli bis Anfang August 2007 wurde mit Hilfe von technischen und „biologischen“ Pollensammlern (Bienen) der Eintrag von Maispollen ins Schutzgebiet ausgewertet. Die Flugeigenschaften von Mon 810-Pollen unterscheiden sich nicht von konventionellen Maispollen. Es wurde ein überraschend erhöhter Eintrag genmanipulierter Pollen an den Sammelstellen gefunden. Auch die Bienen erwiesen sich als fleißige Sammlerinnen dieser Pollen: In den Bienenkästen fanden sich Einträge in vergleichbarer Größenordnung wie in den technischen Sammlern. Eine Erklärung hierfür ist der intensive großflächige Anbau von Mon 810, für den es bisher kaum vergleichbare Erfahrungen gibt, in der Umgebung des Schutzgebietes. Für 2008 sind dort bislang 519 Hektar MON 810-Mais für den Anbau angemeldet.

Mon 810 enthält ein Gift, das für die Raupen des im Pflanzenbau gefürchteten Maiszünslers, einer Schmetterlingsart, tödlich ist. Aussagekräftige Untersuchungen, ob dieses Gift auch andere, sogenannte „Nicht-Ziel Organismen“ wie insbesondere Schmetterlinge gefährden, fehlen. Insgesamt sind in Brandenburg derzeit 2026 Hektar für den Anbau von MON 810-Mais angemeldet, soviel wie in keinem anderen Bundesland; deutschlandweit sind es über 4350 Hektar.

Ergebnisse der NABU-Studie Pollenmonitoring


Gentechnikgesetz mit viel Schatten und wenig Licht.

Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ jetzt breit anwenden

BUND Pressemitteilung, 15.2.08

Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bemängelt im heute vom Bundesrat verabschiedeten Gentechnikgesetz vor allem den lückenhaften Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft vor einer Kontamination mit gentechnisch veränderten Organismen. Besonders kritisch sieht der Umweltverband die Möglichkeit privater Absprachen zwischen Landwirten über einen Verzicht auf besondere Schutzmaßnahmen. Auf diese Weise werde unter anderem die im Gesetz enthaltene Pflicht zur Einhaltung von Mindestabständen zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik ausgehebelt. Die im Bundesrat durchgesetzte Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ begrüßte der BUND hingegen. Der Verband kündigte an, verstärkt für den Zusammenschluss von Landwirten zu gentechnikfreien Regionen zu werben. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „Dies ist ein Tag mit viel Schatten für die deutschen Bauern und ein wenig Licht für die Verbraucher. Industrie und Forschung haben jene Erleichterungen zur Aussaat genveränderter Organismen bekommen, nach denen sie gerufen haben. Dies ist ein schwerer Affront gegen die gentechnikfreie Landwirtschaft. Und die Verbraucher bekommen mit der Kennzeichnung `ohne Gentechnik` endlich eine erkennbare Wahlmöglichkeit zwischen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern mit oder ohne Gentechnik.“ Wegen der künftig erleichterten Forschung und Anwendung gentechnisch veränderter Pflanzen drohten Umwelt und Landwirtschaft jetzt große Nachteile. Der Anbau genveränderter Pflanzen werde vermutlich zunehmen, darauf deuteten die vorliegenden Anmeldungen zum Anbau von 4300 Hektar Genmais Mon 810 im laufenden Jahr hin. Dies seien rund 2000 Hektar mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin des BUND: „Jetzt wird entscheidend sein, ob sich das Kennzeichen „ohne Gentechnik“ durchsetzt. Die Gentechniklobby wird weiter alles versuchen, um den Unternehmen diese Kennzeichnung auszureden und den Verbrauchern zu suggerieren, das Label sei eine Mogelpackung. Dieses Vorhaben darf nicht aufgehen. Handel und Lebensmittelproduzenten müssen jetzt mitziehen und das neue Label breit anwenden.“


Donnerstag, 7. Februar, 20:33 Uhr

Schädlinge gegen Gentechnik-Baumwolle resistent

London/Tucson (dpa) - Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals nachgewiesen, dass Schadinsekten in freier Natur gegen das Bt-Gift in gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen resistent geworden sind. Dies geht aus einer Publikation im Journal «Nature Biotechnology» hervor.

Die Wissenschaftler um Bruce Tabashnik von der Universität von Arizona in Tucson (USA) präsentieren dort ihre Arbeit (Bd. 26, Nr. 2, S. 199). Die Gruppe hatte Baumwollpflanzen in den USA untersucht, die ein zusätzliches Gen aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis tragen (Bt-Baumwolle). Aus dieser Erbanlage entsteht ein Protein (Cry1Ac), das Zellen im Darm der Schädlinge zerstört, in diesem Falle beim Baumwollkapselbohrer (Helicoverpa zea).

In den Tests untersuchte Tabashnik, welche Bt-Konzentration nötig war, um die Hälfte der Insekten zu töten. Dabei zeigte sich, dass einige in den Jahren 2003 und 2004 in den US-Bundesstaaten Arkansas und Mississippi gesammelte Baumwollkapselbohrer dafür viel mehr Bt- Gift fressen mussten als jene Insekten, die noch nie damit in Berührung gekommen waren. Sobald zehnmal mehr Gift nötig war, sprechen die Forscher von einer Resistenz.

Bei je zwei Kapselbohrer-Gruppen waren es mehr als 50 Mal soviel, mehr als 100 Mal so viel und mehr als 500 Mal so viel. In Tieren, die 2005 und 2006 im Feld gesammelt wurden, waren es gar 1000 Mal mehr. «Unsere Analyse zeigt, dass Laborversuche mit Helicoverpa zea den ersten Fall einer in freier Natur entstandenen Resistenz gegen das Bt-Gift einer transgenen Pflanzen dokumentieren», formuliert Tabashnik. Das habe aber noch nicht zu einem Ausfall des Bt- Pflanzenschutzes geführt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schädlinge gegen Pflanzengifte resistent werden, erklärte Prof. Heinz Saedler, Direktor am Max- Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Solche Mutationen entstehen in der Natur zufällig und setzen sich durch, wenn sie den Tieren einen Überlebensvorteil bringen.

Um die Resistenzbildung zu verhindern, werden Bt-Pflanzen meist zusammen mit unveränderten Pflanzen der gleichen Sorte angebaut. Auf ihnen vermehren sich Insekten, ohne resistent zu werden. Nachkommen beider Insektentypen sollen auf jeden Fall wieder empfindlich für das Bt-Gift sein - und sterben. Kritiker zweifeln, dass dies auf Dauer funktioniert. Neue Bt-Pflanzen enthalten mehr als eine Variante des giftigen Bt-Proteins - falls ein Insekt gegen eines resistent werden sollte, soll das zweite zum Zuge kommen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass sie nicht für diese, aber für andere Forschungsarbeiten Geld vom US-Biotechnikunternehmen Monsanto erhalten haben - dem weltweit größten Anbieter der Bt-Technologie.

2006 wurden gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit auf rund 102 Millionen Hektar angebaut, 13 Prozent mehr als 2005. Das berichtet die internationale Biotechnik-Agentur ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications). Diese gemeinnützige Organisation erwartet, dass bis 2015 mehr als 20 Millionen Landwirte 200 Millionen Hektar gentechnisch veränderter Pflanzen in mehr als 40 Ländern anbauen werden.


Freitag, 18. Januar, 15:28 Uhr

Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern testen Genweizen

Rostock (ddp-lsa). Auf zwei Flächen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird gentechnisch veränderter Weizen im Feldversuch getestet. Stimme die Bundesbehörde zu, werde ab diesem Jahr in Üplingen (Bördekreis) und Thulendorf (Kreis Bad Doberan) Samen ausgebracht, der dank Genmanipulation resistent gegen Weizenbrand sei, kündigte eine Sprecherin der federführenden Rostocker Uni am Freitag an. Die Versuchsparzellen sollen eingezäunt und im Sommer mit einem Vogelschutznetz überspannt werden. Außerdem werde ein Abstand von 50 Metern zum nächsten Weizenfeld eingehalten, sagte die Sprecherin.

Experimente in Klimakammern und im Gewächshaus hatten gezeigt, dass der gentechnisch veränderte Weizen nach einer künstlichen Infektion mit Pilzen zu 30 bis 60 Prozent weniger vom Brand befallen war als herkömmlicher Weizen. Gerade der Weizenflugbrand ist den Angaben zufolge eine der am meisten gefürchteten Krankheiten der Getreidepflanze. Bekämpft wird sie im konventionellen Landbau mit chemischer Saatgutbeizung.

Die verschiedenen Weizenlinien sollen 2008, 2009 und 2010 ausgebracht werden. Gesät werden jeweils manipulierte und herkömmliche Samen mit und ohne vorherige Pilzinfektion. Für den Versuch arbeitet die Universität Rostock mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zusammen.


Donnerstag, 14. Februar, 14:03 Uhr

Bundestag debattiert kontrovers über Stammzellgesetz

Berlin (ddp). Sechs Jahre nach Verabschiedung des Stammzellgesetzes hat der Bundestag erneut kontrovers über die Zukunft der embryonalen Stammzellforschung gestritten. Ohne Fraktionszwang wurde am Donnerstag in einer emotional geführten Debatte über fünf interfraktionelle Vorschläge beraten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) warb für die Verschiebung des Stichtags auf den 1. Mai 2007. Dies sei «weder ein Dammbruch noch eine Liberalisierung», sondern eine «Weiterentwicklung des Gesetzes in der Intention von 2002», sagte Schavan am Donnerstag. »Niemand will die grenzenlose Forschung«, betonte die Ministerin.

Bisher kann in Deutschland nur an embryonalen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden und aus dem Ausland stammen. Den Parlamentarier lagen neben der Verschiebung des Stichtags Vorschläge zur Aufhebung der Stichtagsregelung, der Beibehaltung des gültigen Gesetzes sowie ein Verbot der embryonalen Stammzellforschung vor. Eine parlamentarische Entscheidung wird nicht vor Mitte März erwartet.

Die Forschungsexpertin der Unions-Fraktion, Ilse Aigner (CSU), wies darauf hin, dass es vor sechs Jahren etwa 70 Zelllinien gegeben habe, heute seien es über 500 Stammzelllinien - ganz ohne Anreiz aus Deutschland. Durch eine einmalige Verschiebung des Stichtags, der wiederum in der Vergangenheit liege, werde also «kein einziger Embryo angetastet». Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hob hervor, es gehe darum, »ob unsere Wissenschaftler auch in Zukunft international konkurrenzfähig bleiben«. Der Vorschlag einer Stichtagsverschiebung sei da eine »gute und verfassungsrechtlich vernünftige Lösung«. Linken-Abgeordnete Petra Sitte unterstrich, die Verschiebung erhalte den im Stammzellgesetz von 2002 getroffenen «Güterausgleich zwischen Forschungsfreiheit und Lebensschutz«.

Grünen-Forschungsexpertin Priska Hinz warb dagegen für die Beibehaltung der bisherigen Regelung: »Wir wollen nicht, dass der Stichtag zur Wanderdüne wird«. Die ehemalige SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin nannte die Stichtagsverschiebung eine »Tendenz zur weiteren Relativierung in einer Grundsatzfrage«. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) betonte, die Frage sei nicht, was Technik könne, sondern was der Mensch damit machen dürfe. Auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn hob hervor, dass ein Embryo kein »Rohstoff und kein Zellmaterial« sei.

Die technologiepolitische Sprecherin der FDP, Ulrike Flach, setzte sich dagegen für die komplette Aufhebung der Stichtagsregelung ein. Die Hoffnungen vieler schwerkranker Menschen dürften nicht enttäuscht werden. «Eine Chance bedeutet noch nicht den Erfolg, eine Hoffnung noch nicht die Gewissheit, doch die Politik darf diese nicht verbauen«. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann argumentierte, Stammzellforschung sei Grundlagenforschung, die Erkrankten in Zukunft helfen könnte. Er sei ebenfalls für eine vollständige Aufhebung des Stichtags, da dieser sonst »in wenigen Jahren wahrscheinlich wieder verschoben werden muss».

Der Behindertenbeauftragte der CDU, Hubert Hüppe, warnte, dass »menschliches Leben nicht für Forschungszwecke getötet werden dürfe«. Embryonen seien keine Zellmasse, sondern bereits menschliches Leben, das über Menschenwürde verfüge. Hüppe fordert in seinem Antrag das Verbot der embryonalen Stammzellforschung. Der FDP-Abgeordnete Konrad Schily mahnte ebenfalls, den Schutz der Menschenwürde nicht weiter aufzuweichen.


Mittwoch, 13. Februar, 15:11 Uhr

Moralische Bedenken versus Forschungsfreiheit

Berlin (ddp). Der Bundestag berät am Donnerstag in erster Lesung über eine mögliche Novellierung des Stammzellgesetzes. Hintergrund der Debatte sind Forderungen deutscher Wissenschaftler nach Erleichterung ihrer Forschung. Bisher kann in Deutschland nur an embryonalen Stammzellen geforscht werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden und aus dem Ausland stammen.

Nach Angaben der Wissenschaft kann mit den rund 20 verwendeten Zelllinien in Deutschland in absehbarer Zeit nicht mehr gearbeitet werden. Insgesamt wird am Donnerstag über fünf interfraktionelle Vorschläge debattiert. Die Entscheidung des Parlaments wird für Mitte März erwartet.

In dem Gesetzentwurf mit den meisten Unterzeichnern - mehr als 185 - wird eine einmalige Verschiebung des Stichtages auf den 1. Mai 2007 vorgeschlagen. Mit der Verlegung stünden künftig über 500 Zelllinien zur Verfügung. Der Antrag sieht auch vor, deutsche Forscher im Ausland, die mit embryonalen Stammzellen arbeiten, die nicht unter die deutsche Stichtagsregelung fallen, nicht strafrechtlich zu verfolgen.

Die Unterstützer dieser Initiative sehen die Grundausrichtung des Gesetzes, eine Erzeugung von Embryonen zu Forschungszwecken zu verhindern, gewahrt. Der Antrag wurde unter anderen von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU), Justizministerin Brigitte Zypries, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (beide SPD), Wirtschaftsminister Michael Glos und Agrarminister Horst Seehofer (beide CSU) sowie SPD-Fraktionschef Peter Struck unterzeichnet.

Außerdem gibt es einen Entwurf von mehr als 100 Parlamentariern zur völligen Abschaffung der Stichtagsregelung. Die Abgeordneten sehen die Wissenschaft derzeit durch veraltete und verunreinigte Stammzelllinien behindert. Die verfassungsrechtlich garantierte Forschungsfreiheit werde dadurch verletzt. Der Stichtag habe außerdem nicht verhindert, dass Embryonen irgendwo auf der Welt vernichtet wurden. Der Entwurf wurde von der Mehrheit der FDP-Fraktion unterzeichnet.

Der dritte Gesetzentwurf, den bisher mehr als 50 Abgeordnete mit ihrer Unterschrift unterstützen, sieht ein komplettes Verbot der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen vor. Zur Begründung heißt es, durch die Ausnahmeregelung im Stammzellgesetz, die Forschung an Embryonen zu medizinischen Zwecken zuzulassen, könne der Eindruck entstehen, wissenschaftliche Interessen hätten ein höheres Gewicht als die Achtung der Menschenwürde. Zudem seien seit Beginn der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen keine Therapien für unheilbare Krankheiten gefunden worden. Federführend ist hier der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe.

Daneben haben rund 150 Abgeordnete aus allen Fraktionen einen Antrag zur Beibehaltung des geltenden Stichtags unterschrieben. Weiterhin wird gefordert, die Bundesregierung solle Forschung mit adulten Stammzellen oder solchen aus Nabelschnurblut fördern. Die Regierung soll sich zudem auf internationaler Ebene für die Forschung mit adulten Stammzellen und eine ethisch begründete Ablehnung der verbrauchenden Embryonenforschung einsetzen. Zu den Unterzeichnern des Antrags gehören Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU), der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie die meisten Grünen-Abgeordneten.

In der fünften Initiative beschränken sich 67 Parlamentarier auf die Straffreiheit von Forschern, die in internationalen Verbünden arbeiten. Das 2002 beschlossene Gesetz habe bei Projekten im Ausland zu Unsicherheiten geführt, die nun beseitigt werden sollten.


Donnerstag, 24. Januar, 23:02 Uhr

US-Forscher schaffen künstliches Bakterien-Genom

Washington (dpa) - Aus chemisch hergestellten Erbgut-Bausteinen haben Wissenschaftler um den US-Genforscher Craig Venter das komplette Erbgut eines Bakteriums nachgebaut. Das künstliche Genom ist erheblich größer als zuvor zusammengebaute DNA-Abschnitte.

Das berichtet das Wissenschaftler-Team im Fachblatt «Science». Mit der angewandten Technik ließen sich grundsätzlich auch andere größere DNA-Moleküle aus chemischen Einzelbausteinen herstellen - oder auch solche aus einer Mischung natürlicher und künstlicher Bausteine.

Der Zusammenbau großer DNA-Moleküle wird als wichtige Voraussetzung dafür angesehen, lebensfähige künstliche Bakterien herstellen zu können. Diese sollen biotechnologisch genutzt werden, etwa zur Herstellung von Biokraftstoffen, zur Entsorgung giftiger Abfälle oder zur Beseitigung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid.

Als Vorbild für den Nachbau eines kompletten Genoms diente den Wissenschaftlern um den Medizin-Nobelpreisträger Hamilton Smith vom J. Craig Venter Institute in Rockville (US-Staat Maryland) das Bakterium Mycoplasma genitalium. Der Name des synthetischen Nachbaus - M. genitalium JCVI-1.0 - verweist sowohl auf dieses Vorbild als auch auf den Erschaffungsort. Das Bakterium besitzt mit insgesamt nur 485 Protein-bildenden Genen das kleinste Genom überhaupt. Die Abfolge seiner 580 076 Basenpaare - der Grundbausteine des Erbmaterials - war bereits bekannt.

Beim Nachbau gingen die Forscher in einer Art Kaskade vor. Sie ließen sich zunächst von einem kommerziellen Anbieter Abschnitte des Erbguts aus jeweils fünf- bis siebentausend Basenpaaren liefern. In dieser Größe sei die Synthese von DNA aus Einzelbausteinen bereits Standard, schreiben die Forscher. Die Teilstücke fügten sie zu größeren Abschnitten zusammen, die dann wieder zu noch größeren Fragmenten verbunden wurden - so lange, bis die Wissenschaftler schließlich vier verschiedene Abschnitte besaßen, die jeweils ein Viertel des Ursprungsgenoms umfassten.

Bis zu diesem Schritt erfolgte der Zusammenbau der Einzelbaustücke im Reagenzglas, die jeweils resultierenden Fragmente vermehrten die Forscher anschließend in Bakterien. Die Viertel-Genome schließlich verknüpften sie in einer Hefezelle zum vollständigen Kunst-Genom. Anschließend bestimmten die Wissenschaftler die Abfolge der Bausteine in ihrem Nachbau. Die Analyse ergab eine exakte Übereinstimmung mit dem Original.

Die Forscher um Venter wollen in weiteren Versuchen das Kunst- Genom nachträglich wieder um jeweils einige Gene reduzieren, um herauszufinden, welche für das Überleben des Bakteriums verzichtbar sind. Vorherige Versuche hatten gezeigt, dass etwa 100 Gene scheinbar nicht zwingend notwendig sind, da das Bakterium sich weiter vermehrte, wenn diese einzeln ausgeschaltet wurden. Ob und welche Kombinationen dieser Gene gleichzeitig verzichtbar sind, ist aber bisher unklar.


Dienstag, 22. Januar, 16:47 Uhr

Forscher wollen 1000 menschliche Genome vergleichen

Bethesda (dpa) - Mit beispiellosem Aufwand will eine Gruppe internationaler Forscher die Genome von mindestens 1000 Menschen aus aller Welt lesen und vergleichen. Das teilte das «1000 Genomes Project» am Dienstag in Bethesda (US-Staat Maryland) mit.

Ziel der Initiative mehrerer führender Institute ist eine möglichst detaillierte Karte der feinen, aber bedeutenden genetischen Unterschiede von Mensch zu Mensch. Diese Differenzen liefern unter anderem Hinweise auf die Ursache vieler Krankheiten.

Wenn das Projekt mit voller Geschwindigkeit läuft, wird es in zwei Tagen mehr genetische Informationen liefern, als im ganzen Jahr 2007 in öffentliche Datenbanken eingestellt wurde. Das sagte Gil McVean von der Universität Oxford (Großbritannien), Mitglied der Analysegruppe. Unter den 1000 Erbmaterial-Sätzen finden sich solche der Yoruba aus Ibadan (Nigeria), von Japanern aus Tokio, von Chinesen aus Peking und von Menschen aus dem US-Staat Utah mit Vorfahren aus West- und Nordeuropa.

Das Genom des Menschen ist aus einer Abfolge rund 3,2 Milliarden chemischer Bausteine zusammengesetzt. Das Genom zweier willkürlich ausgewählter Menschen gleicht sich nach Angaben der Forscher zu mehr als 99 Prozent. Das neue Projekt richtet sein Augenmerk auf das übrige eine Prozent.


Mittwoch, 6. Februar, 22:26 Uhr

Britische Forscher schaffen Embryo mit drei Eltern

London (dpa) - Britische Wissenschaftler haben einen Embryo mit dem Erbgut von drei Eltern geschaffen. Der zu Forschungszwecken erzeugte Embryo wurde nach wenigen Tagen des Wachstums zerstört.

Die Gruppe um Patrick Chinnery von der Universität Newcastle will mit ihrer Arbeit neue Behandlungsmethoden für unheilbare Erbkrankheiten finden. Die Forscher verwendeten für ihre Arbeit Embryonen, die im Zuge einer Fruchtbarkeitsbehandlung nicht in die Gebärmutter eingepflanzt wurden. Kritiker äußerten sich am Mittwoch besorgt über die Folgen der Embryo-Versuche.

Embryonen enthalten im Zellkern das genetische Material von Vater und Mutter. Außerhalb des Zellkerns beherbergen darüber hinaus die chemischen «Kraftwerke» der Zelle, die Mitochondrien, ein eigenes, wenngleich sehr kleines Genom. Britischen Medienberichten zufolge verpflanzten die Forscher um Chinnery kurz nach der Befruchtung den Zellkern eines Embryos in die entkernte Eizelle einer weiteren Frau. Das Fachjournal «Nature» berichtete hingegen, die Forscher hätten die Zellkerne einiger Embryonen mit den Kernen anderer Embryonen ausgetauscht. In beiden Fällen besitzt der resultierende Embryo drei genetische Eltern: DNA von Vater und Mutter im Zellkern sowie die DNA der Mitochondrien einer weiteren Frau in der umgebenden Zelle.

Mitochondrien werden nur über das Plasma der Eizelle vererbt. Es gibt bis zu 50 erbliche Krankheiten, die so weitergegeben werden können, darunter Schäden des Nerven- und Muskelsystems, Leberversagen, Erblinden und Schlaganfälle.

Die Forschungsergebnisse könnten die Behandlung dieser Erkrankungen voran bringen, erklärte Chinnery. Eines seiner Ziele ist, defekte Mitochondrien durch gesunde zu ersetzen. Die Forscher betonen, dass ein so entstehendes Baby die genetischen Eigenschaften von Vater und Mutter hätte - die Mitochondrien hätten keinen Einfluss auf Aussehen oder Persönlichkeit. Möglicherweise könnte der Austausch von Mitochondrien eines Tages so routiniert eingesetzt werden wie die Transplantation von Knochenmark für Kinder mit Blutkrebs (Leukämie).

«Wir sehen diese Tests als Bewegung in Richtung genetisch veränderter Babys», kritisierte David King von der nichtkirchlichen Organisation Human Genetics Alert angesichts der Resultate, die noch nicht in einem Fachjournal publiziert worden sind. «Obwohl das keine genetische Veränderung ist, sind wir sehr besorgt, da in die Gene eines Menschen eingegriffen wird, die vielleicht von allen Nachkommen geerbt werden.» Josephine Quintavelle von der Gruppe Comment on Reproductive Ethics warnte: «Dies ist ein risikoreicher und gefährlicher Weg. Wir sollten nicht mit den Bausteinen des Lebens herumfuhrwerken.»


18. Januar, 2008

Streit um US-Klonerfolg: „Durchbruch” für die Medizin?

Hamburg/Bonn/Valen­cia (dpa) - An den erfolg­rei­chen Klon-Expe­rimen­ten der US-For­scher um Andrew French schei­den sich die Geister.

Während manche die Erschaf­fung des ersten mensch­lichen Klonem­bryos aus einer erwach­senen Kör­per­zelle am Freitag schon als „Durch­bruch” für die Medizin fei­erten, lehnten mehrere Poli­tiker diese For­schung ent­schie­den ab.

„Das therapeutische Klonen ist ethisch nicht hin­nehm­bar”, ent­schied etwa Bun­des­for­schungs­minis­terin Annette Schavan im Schul­ter­schluss mit Kanz­lerin Angela Merkel (beide CDU). Der SPD-Bioethi­kex­perte Wolf­gang Wodarg nannte in der „Ber­liner Zeitung” das Klonen von Men­schen „ein Hor­rors­zena­rio”, sein Par­tei­kol­lege René Röspel sprach in der „Frank­fur­ter Rund­schau” von einer „unver­ant­wort­lichen Grenzü­ber­schrei­tung”.

Die For­scher­gemeinde rea­gierte indes gelas­sener. „Die Ergeb­nisse müssen sorgsam geprüft und repro­duziert werden”, betonte etwa der Stamm­zell­for­scher Oliver Brüstle von der Uni­ver­sität Bonn. „Ähn­liche Daten wurden bereits 2005 ver­öffent­licht. Damals wie jetzt ist es letzt­end­lich nicht gelun­gen, auf diesem Weg Stamm­zell­linien für die Medizin zu eta­blie­ren.” Ähnlich zurück­hal­tend blieb Brüst­les Kollege Jürgen Hesche­ler von der Uni­ver­sität Köln. Die Studie sei solide gemacht, aber da keine Stamm­zel­len gewon­nen worden seien, lasse sich auch noch nichts über deren mög­liches Poten­zial sagen, erläu­terte der Prä­sident der Deut­schen Gesell­schaft für Stamm­zell­for­schung.

Die Vision mancher Mediziner ist es, aus geklon­ten Stamm­zel­len in Zukunft maß­geschnei­der­tes Ersatz­gewebe für schwer­kranke Men­schen zu züchten. Dafür müsste aus der Kör­per­zelle eines Pati­enten ein Embryo geklont werden, dem Stamm­zel­len ent­nom­men werden. Diese Alles­kön­ner sollen dann in die gewünschte Gewe­beart gezüch­tet werden. Dank des Klonens hätte dieses Ersatz­gewebe das­selbe Erbgut wie der Patient und würde von dessen Körper nicht abge­stoßen.

Nach Ansicht von Kri­tikern würde der Mensch durch dieses soge­nannte the­rapeu­tische Klonen zum Ersatz­teil­lager. Der Klon­pio­nier Miodrag Sto­jko­vic, dessen Gruppe 2005 den ersten mensch­lichen Klonem­bryo über­haupt der Öffent­lich­keit prä­sen­tiert hatte, hält diese Vision derzeit aller­dings ohnehin noch für „Science-Fiction”: „Das Ver­fah­ren ist noch längst nicht aus­gereift, inef­fizi­ent und wahr­schein­lich sehr teuer. Wer kann sich das schon leisten?”, sagte Sto­jko­vic im Gespräch mit der Deut­schen Presse-Agentur dpa.

Der Stammzellforscher vom Prinz-Felipe-Forschungszentrum in Valen­cia (Spanien) ver­spricht sich von geklon­ten Stamm­zel­len vor allem neue Erkennt­nisse über ange­borene Krank­hei­ten. „Es gibt rund 1800 mensch­liche Erb­krank­hei­ten, bei vielen davon kennen wir nicht die Ursa­chen und können nur Sym­ptome behan­deln”, betonte er. Mit Stamm­zell­linien, die Gene für solche Erb­krank­hei­ten ent­hal­ten, ließe sich im Labor die Ursache der Leiden erfor­schen. Das könnte auch einmal zu neuen, kon­ven­tio­nel­len The­rapien führen, sagte Sto­jko­vic.

Weder Sto­jko­vic, dessen Gruppe den 2005 prä­sen­tier­ten Embryo aus kaum ver­füg­baren embryo­nalen Stamm­zel­len geklont hatte, noch French haben aller­dings Stamm­zel­len gewon­nen. French hofft nun, die begehr­ten Zellen inner­halb eines Jahres prä­sen­tie­ren zu können, wie er der „Ber­liner Zeitung” sagte. Für For­scher in Deutsch­land ändert sich indes nichts. „Solche Expe­rimente sind und bleiben in Deutsch­land ver­boten”, betonte Schavan. „Das the­rapeu­tische Klonen darf bei der Gewin­nung von Stamm­zel­len, an denen in Deutsch­land gear­bei­tet werden soll, keine Rolle spielen.”


Freitag, 15. Februar, 09:06 Uhr

Ein Hundeklon für 150.000 Dollar

Seoul (AP) Ein südkoreanisches Unternehmen bietet das Klonen von Hunden an. Die Firma RNL Bio erklärte am Freitag in Seoul, es liege bereits ein erster Auftrag von einer Frau aus Kalifornien vor. Sie wolle ihren toten Pitbull klonen, der ihr das Leben gerettet habe. Die Frau war von einem anderen Hund angegriffen worden, der ihr einen Arm abriss.

Die Kundin habe Gewebe aus dem Ohr ihres Hundes entnommen und bei einer amerikanischen Biotech-Firma aufbewahren lassen, sagte Unternehmenssprecher Kim Yoon. Die Chance, tatsächlich einen Klon entstehen zu lassen, gab er mit 25 Prozent an. RNL Bio stellt 150.000 Dollar (103.000 Euro) für das Klonen in Rechnung, der Kunde muss allerdings nur zahlen, wenn er auch tatsächlich ein neues Haustier bekommt. Das Team arbeitet unter Führung des Professors Lee Byeong Chun. Er gehörte den Forschern um den wegen gefälschter Forschungsergebnisse entlassenen Universitätsprofessor Hwang Woo Suk an. Es wurde allerdings bewiesen, dass die Gruppe den ersten Hund Klon-Hund der Welt schuf.

Lee war der Hauptverantwortliche für das Klonen des Hundes. Es gelang ihm später, seinen Erfolg zu wiederholen und auch einen Wolf zu klonen. RNL Bio erklärte, bisher sei es anderen Wissenschaftlern auf der Welt nicht gelungen, Hunde zu klonen.







» zurück
 

Druckversion