AktuellKlimaschutz und "vermiedene Entwaldung"
'Vermiedene Entwaldung' - Topthema der internationalen KlimadiskussionInterview mit GTZ-Abteilungsleiter Dr. Stephan Paulus zum Wald- und KlimaschutzGTZ Pressemitteilung, 26. Februar 2008 Spätestens seit der Klimakonferenz in Bali im vergangenen Dezember ist Klimaschutz weltweit in aller Munde. Eine Möglichkeit, Kohlendioxidemissionen (CO2) zu vermeiden, ist es, die weltweit noch vorhandenen Waldgebiete vor der Zerstörung zu bewahren. Sie sind die grünen Lungen unseres Planeten und binden neben den Ozeanen große Mengen CO2. In der internationalen Diskussion wird unter dem Kürzel REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) über das Thema „vermiedenen Entwaldung“ diskutiert. Die neue GTZ-Abteilung „Umwelt und Klima“ unter der Leitung von Dr. Stephan Paulus lud Anfang Februar zu einem Workshop zum Thema ein. Mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten auch über die entwicklungspolitischen Potenziale des Klimaschutzes durch den Schutz der Wälder. Im Interview beleuchtet Stephan Paulus, welche Chancen für den Klimaschutz durch vermiedene Entwaldung bestehen, wie der internationale Diskussionsstand ist und welchen Beitrag die GTZ leisten kann. Bisher war der Themenkomplex „Wald und Klima" in der Öffentlichkeit eher ein Nischenthema. Somit war das Interesse an Ihrer Veranstaltung mit 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beachtlich. Wie erklären Sie diesen Wandel? Ja, das Interesse war in der Tat beachtlich. Wir hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem BMZ, dem BMU und dem BMELV, von einer Vielzahl von Institutionen aus Forschung und Lehre, von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und von der Consultingindustrie. Und es gibt gute Gründe, warum Entwaldung kein Nischenthema mehr ist: Die dadurch verursachten Treibhausgasemissionen machen etwa 20 Prozent der globalen Emissionen und damit ein Fünftel des Treibhauseffekts aus. Das kommt den Emissionen etwa aus der Stromerzeugung, die einen Anteil von knapp 25 Prozent haben und schon lange in aller Munde ist, durchaus sehr nahe. Zudem findet Entwaldung hauptsächlich in Entwicklungsländern statt. Deshalb haben diese Länder das Thema auch vor gut zwei Jahren in die internationalen Klimaverhandlungen eingebracht. REDD war sogar eines der zentralen Themen bei der letzten Klimakonferenz im indonesischen Bali. Das Gastgeberland selbst hat dafür einen guten Grund: Schätzungsweise 80 Prozent der Treibhausgasemissionen Indonesiens stammen aus Wald- und Torfbränden. Indonesien ist damit drittgrößter Emittent nach den USA und China. Welches konkrete Interesse hatten die verschiedenen Teilnehmergruppen, was sind die Ergebnise des Workshops? Mit vermiedener Entwaldung kann man, neben dem Klimaeffekt, eine Reihe von weiteren positiven Wirkungen erreichen: So bleibt die Biodiversität erhalten. Deshalb engagieren sich neben dem BMU auch viele Umweltorganisationen für das Thema. Greenpeace hat erst kürzlich bei der Klimakonferenz in Bali seine bisher ablehnende Position geändert und einem eigenen Vorschlag zur Einbeziehung von vermiedener Entwaldung in das Klimaregime vorgelegt. Und da dieses Jahr die UN Biodiversitätskonferenz in Deutschland stattfinden wird ist das Interesse natürlich besonders groß. Falls REDD in ein Klimaregime und in den Emissionshandel integriert wird, kann durch Vermiedene Entwaldung in Entwicklungsländern ein enormer Finanztransfer von Norden nach Süden stattfinden. Der Stern-Bericht beziffert den möglichen Umfang mit jährlich fünf bis zehn Milliarden US-Dollar. Viele hoffen daher auf REDD als innovativen Finanzierungsmechanismus, der einen Beitrag zum Klimaschutz, zum Biodiversitätserhalt, aber auch zur nachhaltigen Entwicklung in waldreichen Entwicklungsländern leisten kann, jenseits von öffentlichen Entwicklungsgeldern (ODA). Wie ist der aktuelle Diskussionsstand, gibt es noch offene Fragen? Es gibt noch viele offene Fragen, die wir intensiv diskutiert haben: Etwa wie die globalen Ziele der Armutsbekämpfung und Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung in der REDD-Debatte berücksichtigt werden können, oder nach welchen Mechanismen künftig Gelder verteilt werden. Auch welche Herausforderungen und welcher Handlungsbedarf sich daraus für die EZ ergibt und wie sichergestellt werden kann, dass der Emissionshandel weiterhin stabil bleibt, wenn REDD mit aufgenommen wird. Oder: Wie erstelle ich eine sogenannte baseline, als einen Referenzwert anhand dessen festgestellt wird, ob eine positive Veränderung stattgefunden hat, also Entwaldung vermieden wurde; wie stelle ich also sicher, dass die Leistungen messbar und verifizierbar sind, aufgrund derer dann Geldzahlungen geleistet beziehungsweise Emissionsreduktionszertifikate ausgestellt werden. Viele offene Fragen, aber der Workshop hat wertvolle Anregungen gegeben, in welche Richtung wird weiter arbeiten müssen, um die Chancen, die vor uns liegen zu nutzen. Wie wird die Debatte weitergehen? Die Entscheidung, ob und in welcher Form REDD in ein Nachfolgeregime des Kyoto Protokolls einbezogen werden soll, wird Ende 2009 bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen fallen. Die GTZ hat im Auftrag des BMZ als eine der ersten Institutionen bereits REDD-Pilotmaßnahmen begonnen. Die Erfahrungen daraus werden wir auswerten und in den internationalen Verhandlungsprozess einspeisen. » zurück |
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