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Aktuell

Raubbauholz in Deutschland

Aktivisten entdecken Hölzer aus Urwaldzerstörung

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 1.3.08

In 33 Städten, von Bremerhaven bis Freiburg, informieren Greenpeace-Aktivisten am Samstag in Baumärkten und Möbelhäusern über die Herkunft von Parkett und Gartenmöbeln. Eine Recherche hatte im Vorfeld gezeigt, dass vor allem die Firma HolzLand eine große Auswahl Tropenhölzer ohne glaubwürdiges Umweltzertifikat anbieten. Solche Tropenholzprodukte stammen zu großen Teilen aus Urwaldzerstörung.

Der Handel mit Tropenholz führt nicht nur zur Zerstörung der letzten Urwälder, sondern treibt auch den Klimawandel an: Ein Fünftel des weltweit freigesetzten klimaschädlichen Kohlendioxids entsteht durch Waldzerstörung. Greenpeace fordert die deutschen Holzhändler auf, für den Schutz von Klima und Artenvielfalt nur noch Produkte aus ökologischer Forstwirtschaft anzubieten.

"Viele Kunden wissen nicht, dass sie die letzten Urwaldparadiese noch immer als Fußbodenbeläge und Gartenstühle angeboten bekommen", sagt Corinna Hölzel, Urwaldexpertin von Greenpeace. "Urwaldschutz ist Klimaschutz. Die letzten Urwälder müssen geschont werden. Sie sind Schatzkammern der Artenvielfalt und stabilisieren das Klima."

Im deutschen Holzhandel hat Greenpeace unter anderem die Tropenhölzer Teak, Merbau, Meranti, Bankirai, Wengé und Jatoba gefunden. Diese stammen aus Urwaldregionen in Südostasien, Zentralafrika und dem Amazonas. Bis zu 80 Prozent des Holzes wird in diesen Ländern ohne Genehmigung eingeschlagen. Nicht nur Menschen und Tiere in diesen Regionen verlieren so ihre Lebensgrundlagen. Auch die Menschen in den Industrieländern müssen mit dem Klimawandel die Konsequenzen der Urwaldvernichtung tragen.

Den Fund von Urwaldhölzern in Baumärkten oder Einrichtungshäusern können interessierte Verbraucher in einer Online-Datenbank von Greenpeace (http://www.greenpeace.de/holzrecherche) eintragen. Die Recherchen der Holz-Detektive sollen die Greenpeace-Forderung nach einem europäischen Urwaldschutzgesetz unterstützen. Import und Vermarktung von Urwaldholz aus illegalem Einschlag würden mit diesem Gesetz verboten.

Im Mai 2008 richtet die deutsche Bundesregierung den Urwaldgipfel der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) in Bonn aus. Greenpeace fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich im Vorfeld des Gipfels für ein europäisches Urwaldschutzgesetz einzusetzen.


Suche nach dem Gütesiegel

Greenpeace: Öko-Aktivisten überreichen Negativpreis an Tropenholzhändler
Bis zu 80 Prozent des Holzes werden illegal eingeschlagen, sagen die Umweltschützer


Von Tamara Krappmann, Echo Online, 4.3.08

Sie sind außergewöhnlich schön, widerstandsfähig und kostengünstig: Tropenhölzer sind eine beliebtes Material für Möbel und Böden. Laut der Umweltschutz-Organisation Greenpeace werden jedoch bis zu 80 Prozent dieses Holzes illegal eingeschlagen. Um auf die Zerstörung der Regenwälder hinzuweisen wurde deshalb die bundesweite Aktion „Urwaldschutz ist Klimaschutz“ ins Leben gerufen, in deren Rahmen die Aktivisten den Negativ-Preis „Holzwurm“ überreichten, um auf die Missstände hinzuweisen. Auch in Darmstadt machte sich am Samstag eine Gruppe auf den Weg zur Holzhandlung Gentil in der Erbacher Straße.

Warum die Wahl gerade auf dieses Geschäft fiel hat einen einfachen Grund: „Es ist ein sehr großer Händler“, erklärte Elisa Bauer, die Urwald-Expertin der lokalen Greenpeace-Gruppe. „Und er ist unter anderem auch Partner von Holzland, von denen bekannt ist, dass sie mit Tropenholz handeln.“ Tatsächlich wurde die Gruppe auch bei Gentil schnell fündig, etwa bei Gartenmöbeln aus Bankirai oder Parkett aus Merbau, Jatoba und Sipo-Mahagoni.

„Dieses Holz wird teilweise schon zertifiziert geschlagen, aber hier ist für den Verbraucher nicht erkennbar, ob das der Fall ist“, bemängelte Greenpeace-Aktivistin Simone Hahn. „Zertifiziert“ bedeutet, dass das Holz mit dem FSC-Siegel versehen ist, dem einzigen Gütezeichen, das Greenpeace anerkennt.

FSC steht für „Forest Stewardship Council“, was sich mit „Waldverwaltungsrat“ übersetzten lässt und bedeutet, dass eine unabhängige Organisation die Bewirtschaftung der Wälder überwacht.

Das ist unter anderem für den Klimaschutz wichtig. „Enorme Mengen an Kohlendioxid sind in der Biomasse der Wälder gespeichert. Wenn nach einem Kahlschlag der Boden offen liegt setzten Zersetzungsprozesse ein, und das Gas wird wieder freigesetzt“, erklärte Hahn. „20 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen werden der Zerstörung des Waldes zugerechnet.“ Zudem leben etwa im Amazonasbecken Völker, die mit dem Wald ihre unmittelbare Lebensgrundlage verlieren. Daher achtet FSC auch darauf, dass „in Verbindung mit sozial verträglichen Maßnahmen fabriziert wird.“

Auch die Holzhandlung Gentil führt FCS-zertifizierte Hölzer, und dafür gab es von der Greenpeace-Gruppe erst einmal ein großes Lob. Allerdings fehlte gerade den kritischen Tropenhölzern das Gütesiegel. Ursprünglich wollte die Gruppe mit dem Geschäftsführer über dieses Problem diskutieren. Der war jedoch am Samstag nicht da. Schließlich erklärte sich Verkäufer Dieter Belger zu einem Gespräch bereit, allerdings ausdrücklich als Privatmann und nicht in Vertretung der Geschäftsführung.

Das Problem mit den Tropenhölzern ist ihm durchaus vertraut. „Wir versuchen in aller Regel, mitteleuropäische Hölzer anzubieten“, berichtete er. „Mittlerweile gibt es die Alternative der thermisch behandelten Hölzer, und wir versuchen, die Kunden in diese Richtung zu bringen.“ Ohnehin sei die Nachfrage nach Tropenholz im Hause Gentil inzwischen erstaunlich gering. Die Greenpeace-Gruppe wollte das nicht so recht glauben, denn nach ihren Beobachtungen ist die Importmenge der tropischen Hölzer nicht kleiner geworden.

Umgekehrt hegte Belger Zweifel an der Aussagekraft des FSC-Siegels. Da gäbe es noch Grauzonen, gab Greenpeace-Aktivistin Hahn zu. Lückenlose Überwachung sei unmöglich. Immerhin sei das Siegel der beste Anhaltspunkt, den die Kunden hätten.

In einem war man sich einig: Der Wunsch nach schönen Parkettböden darf nicht zu Lasten der Natur gehen. Oder, wie Belger es ausdrückte: „Wir dürfen nichts tun, was uns der Grundlage der Menschheit beraubt.“







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