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Aktuell
Biosprit aus Urwaldzerstörung
Biosprit ist Schulbeispiel für nachhaltige Fehlentwicklung
"Schutz der Biodiversität heißt aktuell: Biomasseproduktion nachhaltig
machen" - Handlungsempfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung
vorgelegt
Rat für Nachhaltige Entwicklung und Biosprit, 6.3.08
Berlin, 06.03.2008 - Der Rat für Nachhaltige Entwicklung fordert die
Bundesregierung im Vorfeld der kommenden Internationalen
Biodiversitätskonferenz auf, schädlichen Auswirkungen der
Bionergie-Produktion entgegenzuwirken. "Die überzogene Produktion von
Biosprit ist das Schulbeispiel für eine nachhaltige Fehlentwicklung",
sagt Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzringes und im
Nachhaltigkeitsrat für die Erarbeitung der Stellungnahme zuständig.
"Sozial, ökologisch und ökonomisch: In allen drei Dimensionen sehen wir
Fehlentwicklungen", so Weinzierl und betont, dass die Welt sozial aus
den Fugen gerät, wenn unsere globalen Beziehungen durch das Interesse an
Autokraftstoffen dominiert würden. Zudem rechne sich die
Biosprit-Produktion ökonomisch nicht, denn der Bedarf würde jedes
natürliche Anbaupotenzial weit übersteigen. Daher, so Weinzierl, hält
der Rat für Nachhaltige Entwicklung die kritischen Stimmen aus der
Wissenschaft für gerechtfertigt, mit denen vor negativen Folgen eines
übersteigerten Ausbaus der Biomasse-Wirtschaft für den weltweiten
Artenschutz, Klima und Umwelt und die soziale Situation der
Landbevölkerung in den Entwicklungsländern gewarnt wird.
Mit Blick auf die global intensivierte Biomassewirtschaft empfiehlt der
Rat der Bundesregierung als Gastgeber der 9. Vertragsstaatenkonferenz
zur Biodiversität, eine großangelegte Initiative zu einem
internationalen Protokoll über Bioenergien nach dem Vorbild des
Biosafety-Protokoll, das den internationalen Handel mit genetisch
veränderten Organismen regelt und international verbindliche
Mindest-Standards aufstellt, zu starten. Letztlich muss der Weg hin zu
einer nachhaltigen Bioenergie-Produktion auf globaler Ebene gefunden
werden, bekräftigt Weinzierl. Das heiße aber ebenso, dass auch national
gehandelt werden muss.
Der Nachhaltigkeitsrat fordert, von der nationalen Politik eine
deutliche Senkung der gesetzlich vorgeschriebenen Quote für die
Beimischung von Bioenergien zu KFZ-Treibstoffen sowie strenge Maßstäbe
für die Überprüfung der Nachhaltigkeit beim Anbau und der Verarbeitung
von Biomasse-Produkten. "Die Biomasseproduktion soll nicht einseitig
zugunsten der Agrotreibstoffe ausgebaut werden", betont Hubert Weinzierl
weiter. Seiner Ansicht nach sollte der Versorgung mit Nahrungsmitteln
Vorrang eingeräumt werden. Der Anbau von Biomasse dürfe nicht zu einer
Konkurrenzsituation zwischen "Tank" und "Teller" führen. Gleichwohl ist
die sinnvolle Gewinnung und Nutzung von Biomasse nötig und bedarf eines
international vergleichbaren Vorgehens, weil, so Weinzierl, das
Verbrennen der letzten fossilen Brennstoffe fahrlässig und ethisch
unverantwortlich sei. "Wir brauchen eine grundsätzliche Energiewende in
der Mobilität. Biokraftstoffe sind nur ein kleiner Teil der Lösung.
Verbrauchssenkungen, andere Arten von Mobilität und völlig neue
Technologien sind nötig."
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung setzt sich für eine verstärkte
Erforschung von neuen Wegen zum Anbau und zur Nutzung von Bioenergien
ein. Er spricht sich für eine umfassende Prüfung aller Energieträger
anhand von Nachhaltigkeitskriterien aus.
Die Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung zu Biodiversität
stehen auf der Website zum Download zur Verfügung:
http://www.nachhaltigkeitsrat.de/uploads/media/RNE_Stellungnahme_Biodiversitaet_und_Biomasse_20-02-2008.pdf
Biokraftstoffhersteller fordern Stopp für Importe, die Regenwald zerstören
Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V., 06.03.2008
Die deutschen Hersteller von Bioethanol fordern die Mineralölwirtschaft auf, die Verwendung von importiertem, nicht nachweisbar nachhaltig produziertem Ethanol zu stoppen.
Für die Importe wird häufig tropischer Regenwald gerodet, zum Beispiel im brasilianischen Amazonasgebiet. Dadurch wird nach einer Studie, die jüngst in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurde, zwischen 300 und 400 Mal mehr Kohlendioxid freigesetzt als durch das Ethanol pro Jahr eingespart werden kann, das auf der gerodeten Fläche produziert wird.
Das Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, wird somit torpediert. „Während deutsche Biokraftstoffanlagen mittlerweile reihenweise abgestellt werden, weil sie keine Abnehmer für ihre nachhaltig hergestellten Produkte finden, bedient sich die Mineralölwirtschaft zweifelhafter Billigware“, sagt Petra Sprick, Geschäftsführerin des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Deutschland importiert nach Schätzungen mehr als 80 % der für Ethanol gesetzlich vorgesehenen Zumischungsmenge zu Benzin.
„Die deutschen Biokraftstoffhersteller produzieren mit nachhaltig erzeugten heimischen Rohstoffen. Sie leisten durch die hohe Energie- und CO2 Effizienz ihrer technisch hochwertigen Anlagen einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. Dies darf nicht durch die ökologischen Fehlentwicklungen in Südamerika und Asien wieder zu Nichte gemacht werden“, sagt Sprick. Solange durch den Einsatz billiger Importe ein bis zu 400 Mal höherer Umweltschaden verursacht werde, sei die Verwendung importierten Biokraftstoffes auch unter Verbrauchergesichtspunkten nicht zu rechtfertigen.
Der VDB begrüßt gleichzeitig die Initiative der Bundesregierung, eine Nachhaltigkeitsverordnung zu erstellen. Danach sind Biokraftstoffe nur förderungswürdig, wenn zum Beispiel ausgeschlossen werden kann, dass für die Produktion Regenwälder gerodet wurden. „Bis diese Verordnung in Kraft ist appellieren wir an die Mineralölwirtschaft, die Verwendung von billigen Importen aus Ländern einzustellen, in denen zur Gewinnung von Bioethanol massiv die Natur zerstört wird. Die Mineralölwirtschaft trägt mit ihren Einfuhren aktiv zur Umweltzerstörung bei“, sagt Sprick. Der billige Import sei zwar ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Verhalten, sei aber weder umweltfreundlich noch das, was der Gesetzgeber gewollt will.
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