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Aktuell

Pole schmelzen schneller

11. März, 2008

Grönlands Eispanzer verliert jährlich 150 000 Tonnen Eis

Münster (dpa) - Der grönländische Eispanzer verliert nach Erkenntnissen des Berliner Polarforschers Prof. Wilfried Korth jedes Jahr bis zu 150 000 Tonnen Eis - eine Folge der globalen Erwärmung.

«Die Veränderung großer Eismassen ist ein klimarelevantes Signal», sagte der Experte von der Technischen Fachhochschule Berlin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Münster. Die großen Eismassen lieferten sehr zuverlässige Informationen, weil sie nur auf größere Veränderungen reagierten. «Die Eiskappen in Grönland sind so träge, dass sie kurzfristige lokale Veränderungen praktisch nicht bemerken und nur auf die langfristigen globalen Veränderungen reagieren», sagte er.

Korth führte 2002 und 2006 Höhenmessung auf einer 700 Kilometer langen Strecke in Grönland durch, um bereits vorhandene Satellitendaten zu überprüfen. Seine Ergebnisse stellte Korth auf der 23. Internationalen Polartagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung in Münster vor. An dem Kongress nehmen noch bis Freitag rund 150 Wissenschaftler teil. «Das gesamte Profil, das wir vermessen haben, zeigt die gleiche Verhaltensweise. Die Höhe des Eises hat überall abgenommen.» Deswegen könne man auch über die Messstandpunkte hinaus analoge Schlüsse über die Entwicklung der Eishöhe in Grönland ziehen.

Die Expedition über 700 Kilometer absolvierten Korth und sein Team auf Skiern. Auf dieses Fortbewegungsmittel seien sie zunächst aus sportlichem Ehrgeiz gekommen. «Wir wollten eine große Skiexpedition mit einem interessanten wissenschaftlichen Projekt verbinden.» Erst während der Expedition habe sich herausgestellt, dass die Fortbewegung auf Skiern von großem Vorteil war: Motorschlitten wären im angetauten Schneematsch in Grönland versackt. Im Jahr 2010 will Korth eine dritte Grönlandexpedition unternehmen - dann wieder auf Skiern.

www.uni-muenster.de/Polartagung


Zwischenbilanz des Polarjahr: Das Eis schmilzt rapide DPA DPA - Montag, 10. März, 16:18 Uhr Münster (dpa) - Schrumpfendes Meereis in der Arktis und eine ungekannte Artenvielfalt in der Tiefsee rund um den Südpol: Wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung haben Wissenschaftler am Montag in Münster zur Halbzeit des internationalen Polarjahrs hervorgehoben. Mehr als 25 Expeditionen zu Land, zu Wasser und in der Luft ins Nord- und Südpolarmeer hätten «neue Bausteine» zum Verständnis von Erde und Klima geliefert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polarjahr- Kommission, Prof. Reinhard Dietrich, zu Beginn der 23. Internationalen Polartagung. Bis Freitag kommen rund 150 Experten in Münster zusammen. Am Polarjahr, dem größten Forschungsprogramm in diesen Regionen seit 50 Jahren, beteiligen sich weltweit mehr 50 000 Forscher mit 220 Projekten. Im vergangenen Sommer wurde die bislang geringste Ausdehnung und Dicke des arktischen Meereises festgestellt. «Die Flächenveränderungen des Eises waren schon länger bekannt, die der Dicke nicht: Diese lag 1998 noch bei 2,50 Meter - im letzten September bei noch einem Meter», sagte der Vizedirektor des Alfred- Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, Heinrich Miller. In der Tiefsee der Antarktis entdeckten Meeresbiologen zudem rund 700 neue Arten - meist kleine wirbellose Tiere. Dabei handelt es sich nach den Worten von Dietrich um die erste systematische Untersuchung der Artenvielfalt in den dortigen Gewässern. Nicht alle bisherigen Forschungsergebnisse seien allerdings «klimarelevant», betonten beide Experten. Konkrete Erkenntnisse und Prognosen für kommende Jahre könnten erst bei genauer Auswertung der Daten und im Vergleich mit früheren und künftigen Forschungsergebnissen gewonnen werden. In der zweiten Forschungsphase des im Frühjahr 2009 endenden Polarjahrs sind den Angaben zufolge noch einmal ähnlich viele Expeditionen an die Pole der Erde geplant. www.polarjahr.de


Papierindustrie warnt vor Verlust von Arbeitsplätzen

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. März, 2008

hmk. BRÜSSEL, 10. März. Die europäische Papierindustrie warnt vor Rohstoffmangel und Arbeitsplatzverlusten, wenn die EU ihre Klimaschutzvorhaben wie geplant vorantreibt. Wenn sich der Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen bis 2020 auf 20 Prozent erhöhe und man weiterhin auf Holz setze, dann werde das schon 2012 zu dramatischen Versorgungsengpässen in Europa führen, sagt Gregor Geiger vom Verband Deutscher Papierfabriken in Brüssel. Bis zum Jahr 2020 erhöhe sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nach Holz auf 200 bis 260 Millionen Kubikmeter. Das ist mehr als ein Viertel des Gesamtverbrauchs in der EU.

In den vergangenen Jahren sei der Preis für Rohholz wegen der stärkeren Nutzung des natürlichen Brennstoffs zur Energiegewinnung gestiegen, sagt Geiger. So hat sich der Preis für Kaminholz "ab Wald" innerhalb von einem Jahr verdoppelt, was der Papierindustrie schon heute Schwierigkeiten bereitet.

Nach Angaben des Verbands der europäischen Papierindustrie drohen rund 270 000 Arbeitsplätze in der EU verlorenzugehen, wenn die Produktion wegen zu hoher Holzpreise nicht mehr rentabel ist. In Deutschland arbeiten rund 46 000 Menschen in der Papierindustrie. Beziehe man Zulieferer und andere von der Papierindustrie abhängige Unternehmen mit ein, seien es viel mehr, sagt Geiger. Nach seinen Angaben hängen in der EU 1,8 Millionen Arbeitsplätze an der Papierindustrie. Diese nutze das Holz effizienter, als das bei der Nutzung zur reinen Energiegewinnung der Fall sei. In diesem Fall verbrenne das Holz nicht nur, sondern es diene zur Herstellung von Papier. Zusätzlich wird aus der Holzverbrennung 50 Prozent der dazu benötigten Energie gewonnen.

Die EU-Kommission hat inzwischen auf die Sorgen der Papierbranche reagiert. In einem Aktionsplan schlägt sie vor, dass die Aufforstung von Wäldern zu fördern ist. Sammelsysteme für Altpapier sollen ausgebaut und der Zugang zum Weltmarkt für Holz soll verbessert werden. Die Papierindustrie bezweifelt aber, ob dies genügt, die Versorgungslücke zu schließen.


Montag, 10. März, 18:23 Uhr

Nur noch Zehntelprozentpunkte vom Kyoto-Ziel entfernt

Dessau (AP) Deutschland hat den Ausstoß gefährlicher Treibhausgase seit 1990 um 20,4 Prozent gesenkt. Damit ist die Bundesrepublik nur noch Zehntelprozentpunkte von dem im Kyoto-Protokoll formulierten Ziel entfernt, die Emissionen um insgesamt 21 Prozent zu mindern. Ein weiterer Rückgang sei aber nur möglich, wenn die von der Bundesregierung beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen weiter konsequent umgesetzt würden, teilte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Montag mit.

Troge begründet den bisherigen Erfolg teilweise mit sogenannten Einmaleffekten, wie günstigen klimatischen Bedingungen und hohen Energiepreisen. Im Kyoto-Protokoll hatten sich die einzelnen Staaten auf unterschiedliche Emissionsmengen bis zum Jahr 2012 verpflichtet. Deutschland setzte sich eine Minderung von 21 Prozent zum Ziel. Inzwischen hat die Bundesregierung die Messlatte noch höher gelegt: Bis 2020 sollen die Treibhausemissionen gegenüber 1990 um insgesamt 40 Prozent gesenkt werden.

Allein im Vorjahr ist nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) der Gesamtausstoß aller Treibhausgase in Deutschland um rund 24 Millionen Tonnen oder rund 2,4 Prozent gesunken. Den größten Anteil daran habe der deutliche Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen. Sie sanken laut UBA um 23,7 Millionen Tonnen; das entspreche einem Minus von 2,7 Prozent. Doch die Ergebnisse im Vorjahr seien «Einmaleffekte und kein Anlass, beim Klimaschutz nachzulassen», warnte Troge.

Grund für die geringeren Emissionen sei vor allem die gesunkene Nachfrage nach Öl und Gas infolge der starken Preisanstiege sowie der überdurchschnittlich hohen Temperaturen, erklärte der UBA-Präsident. Wegen der sehr milden Wintertemperaturen habe sich der Energiebedarf für Raumwärme verringert. Außerdem trugen die erneuerbaren Energien Wind, Wasser, Biomasse und Solarenergie im Vorjahr um rund 15 Prozent mehr zur Energieversorgung bei. Dämpfend habe sich zudem die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn 2007 ausgewirkt.


Zwischen Ablasshandel und Klimaschutz

WWF-Studie vergleicht Standards bei CO2-Kompensation

WWF Pressemitteilung, 10.3.08

Das Geschäft mit dem Klima boomt. Besonders beliebt sind so genannte Kompensationszahlungen, mit denen Firmen und Privatpersonen ihre „Klimasünden“ durch freiwillige Zahlungen ausgleichen können. Das Geld fließt in Projekte in aller Welt. Da es für das Weltklima egal ist, an welchem Ort die Treibhausgase reduziert werden, klingt die Idee verlockend, zumal mit den gleichen Investitionen in Entwicklungsländern oft weit größere Effekte erzielt werden können. Soweit die Theorie. In der Praxis weist das Modell allerdings erhebliche Lücken auf. Im Auftrag des WWF haben Wissenschaftler des Umweltinstituts Stockholm und Tricorona die gängigsten Systeme unter die Lupe genommen. „Die Studie hat eindeutig das beste Siegel identifiziert: den so genannten „Gold Standard.“, so WWF-Klimareferentin Juliette de Granbdpré. Das Siegel garantiere, dass die Projekte nur dank der zusätzlichen Gelder aus dem Kompensationsverfahren entstehen. Die lokale Bevölkerung ist stets eng in die Projektentwicklung eingebunden, so dass die Projekte auch der nachhaltigen Entwicklung dienen. Zudem akzeptiert der Gold Standard nur Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz, denn nur die tragen dazu bei, dass Entwicklungsländer in Zukunft weniger auf die Klimakiller Kohle, Öl und Gas setzen.

Bei den anderen untersuchten Standards sind diese Kriterien oft nicht erfüllt. So erfordern mehrere der untersuchten Standards, etwa das Voluntary Carbon Standard (VCS), Chicago Climate Exchange (CCX), oder VER+ nicht, dass das geförderte Projekt zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt. Auch Technologien, die langfristig nicht zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft führen oder hohe negative Umweltauswirkungen haben wie z.B. Atomenergie oder große Wasserdämme sind in anderen Standards zugelassen. Auch Waldprojekte seien für Kompensationsprojekte bislang schwierig. Wenn eine Anpflanzung abbrenne, sei der Klimaschutzeffekt dahin. Ähnlich schwierig ist es, wenn Holzkonzerne zwar bestimmte Wälder verschonen stattdessen aber in anderen Gegenden abholzen. Auch das bringe für den Klimaschutz nichts. Trotzdem vergeben der Voluntary Carbon Standard (VCS) oder das Siegel Climate, Community and Biodiversity Standards (CCBS) Kompensations-Zertifikate, deren Dauerhaftigkeit nicht gesichert ist.

Der Kompensationsmarkt leide insgesamt darunter, dass es kein einheitliches, sondern eine Reihe konkurrierender Angebote sehr unterschiedlicher Qualität gebe, heißt es im Vergleich des WWF. Wer z.B. die Emissionen seines Urlaubsflugs kompensieren wolle, sollte daher genau die Projektbeschreibungen des Anbieters studieren. Mindestens genauso wichtig wie die Auswahl eines seriösen Anbieters ist nach Meinung des WWF, dass Verbraucher CO2-Kompensation nur als Ergänzung nutzen. Kompensation dürfe nie eigene Reduktionsbemühungen ersetzen. „Erst vermeiden und verringern, dann kompensieren.“, betont Juliette de Grandpré. „Nur wer seinen Geländewagen durch einen kleineren Wagen ersetzt hat und möglichst oft auf das Fahrrad umsteigt, sollte ans Kompensieren unvermeidbarer Fahrten denken.“

Der WWF mahnt zudem die korrekte Ermittlung der Emissionsbilanz an. Gerade im Fall von Fluglinien sei das ein Problem. Oft werde so getan, als ob eine Tonne CO2 aus einem Flugzeug den gleichen Klimaeffekt habe, wie eine Tonne CO2 aus einem Auto. Tatsächlich haben Treibhausgase, die in großer Höhe ausgestoßen werden, mindestens einen um das 2,7-fache stärkeren Klimaeffekt. Diesen Faktor, sollten CO2-Rechner auf jeden Fall berücksichtigen.







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