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Aktuell
Agrosprit weiter umstritten
Antireklame für Biosprit
Von Joachim Müller-Jung, F.A.Z., 19.3.08
Hinter jeder Propaganda wartet ein Versprechen. Zum Beispiel dieses: Biomasse, das ist der Stoff für den Sprit von morgen. Eine moderne Energiequelle, sauber und lohnend. So sieht es das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin, und so hat man das entsprechende Projekt betitelt: „Roadmap Biokraftstoffe“ heißt die „gemeinsame Strategie“ mit Auto- und Erdölindustrie, mittelständischen Mineralölfirmen und den Landwirten. Ziel sind grünere Fahrzeuge, denen sukzessive mehr Biosprit beigemischt werden soll. Seit einigen Tagen hat man mit der Ausschreibung zum „Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen“ einen weiteren Köder im ländlichen Raum ausgelegt. 400.000 Euro sollen Projekte erhalten, die „mit Hilfe von Netzwerken neue Ideen zur Erzeugung und Nutzung von Bioenergie entwickeln und umsetzen wollen“.
All das geschieht mit dem Segen der Regierungsspitze, aber gegen die ausdrücklichen Empfehlungen der eigenen Ratgeber. Der Wissenschaftliche Beirat Agrarpolitik, ein von Minister Seehofer eigens installierter Beraterstab aus einem guten Dutzend Landwirtschaftsexperten, hatte am 24. Januar ein ausgesprochen kritisches Gutachten zur „Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung“ übergeben. Das Ministerium stellte das fast zweihundert Seiten starke Dokument pflichtgemäß ins Internet. Aber es blieb, was es dem Minister von der ersten Stunde an war: ein unangenehmer, hässlicher Klotz am Bein, den - wenn man ihn schon nicht loswird - zu verstecken zur ersten Ministeriumspflicht geworden ist. Kein Wort in der hauseigenen Bioenergiereklame und keine wie auch immer geartete Billigung in den Stellungnahmen des Ministeriums zur Bioenergie. Stattdessen: unbefleckte Parolen mit so poetischen Titeln wie „Fuelling the Future“ - die Zukunft betanken.
Relativ teuer und vielfach ineffizient
Kein Zweifel, das unbequeme Votum seiner Berater ist Seehofer ein in Zeitpunkt und Schärfe reichlich unwillkommener Beitrag zu den unhörbar anschwellenden Diskussionen um die Bioenergie. Es geht dabei längst nicht mehr nur um die Torfwälder Indonesiens, die der Palmölproduktion für den Biospritexport zum Opfer fallen. Vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat kürzlich der Schweizer Jurist Jean Ziegler, der einen neuen Nahrungsmittelbericht präsentierte, die forcierte Ausweitung von Biosprit-Anbauflächen als potentielle Menschenrechtsverletzung gebrandmarkt - Verletzung des Rechts auf Nahrung.
So weit geht der Wissenschaftsbeirat nicht. Aber er lässt keinen Zweifel daran, dass er Biomasse als Energieträger nur für eine vorübergehende, eine reichlich ineffiziente und hochgradig übersubventionierte Zwischenlösung hält. „Die deutsche Bioenergiepolitik sollte grundlegend überdacht werden“, heißt es darin, denn „sie fördert mit hohen Subventionsäquivalenten besonders jene Bioenergielinien, die relativ teuer und vielfach ineffizient sind.“ Gemeint sind Biosprit und Biogas auf Maisbasis. Gerade wenn es um die Vermeidung von Treibhausgasemissionen und damit um die hohen Klimaschutzziele der Regierung geht, sieht der Rat die Gefahr von Fehlinvestitionen: Mit der Erzeugung von Biodiesel und Bioethanol ließen sich nur vergleichsweise wenig Emissionen, nur rund drei Tonnen Kohlendioxid je Hektar, vermeiden.
Biokraftstoffe der zweiten Generation
Die Kosten dafür liegen bei 150 bis 300 Euro je Tonne Kohlendioxidvermeidung. Energiewirtschaftlich konkurrenzfähig und sinnvoll seien hingegen weniger als 50 Euro. Etwas besser schneiden die Biogaserzeugung mit Gülle, möglichst mit Kraft-Wärme-Kopplung, sowie die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung durch Restholz- und Hackschnitzelverwertung ab. Damit ließen sich zumindest zwölf Tonnen je Hektar und damit viermal so viel Kohlendioxidemissionen vermeiden wie mit Biotreibstoffen.
Insgesamt aber, so die Agrarexperten, „sind die Potentiale der Bioenergie, verglichen mit der Solarenergie, relativ gering“. Die Konkurerenz zur Nahrungsproduktion, die steigenden Bioenergiepreise bei knapper werdenden Ackerflächen und die ökologischen Nachteile werden genannt. Auch im Hinblick auf „Beschäftigung“, also neue Arbeitsplätze, und Versorgungssicherheit sei die Bioenergie nicht zu empfehlen. Von der geforderten „Kurskorrektur“ aber scheint die Regierung weiter weg denn je. Auf die selbstgestellte Frage „Wozu brauchen wir Biokraftstoffe?“ gibt Seehofers Stab eine klare Antwort: „Die Bundesregierung strebt einen weiteren Ausbau der Biokraftstoffnutzung an.“ Ihr Fernziel hat einen Namen: Biokraftstoffe der zweiten Generation. Das ist Biosprit aus der Umwandlung von Zellulosematerial aus Bioabfällen und Pflanzen zu Zucker und Alkohol. Bis diese Techniken allerdings mit der geforderten Effizienz arbeiten, das zeigte jüngst eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift „Nature Biotechnology“, gehen noch viele Jahre ins Land. Bis dahin klammert sich die Regierung an die erste Generation.
Biosprit: Unrentabel und umstritten
Oberösterreich-Nachrichten, 25.3.08
LINZ. Bei den Biosprit-Erzeugern herrscht Katzenjammer: Viele Werke stehen wegen der hohen Rohstoffpreise still oder sogar vor dem Aus. Auch die grundsätzliche Kritik am Treibstoff vom Acker wird immer lauter.
Es ist noch nicht lange her, da galt der Sprit vom Acker als Alternative zu den fossilen Brennstoffen. Dank staatlicher Subventionen und hoher Rohölpreise schien es als hätte die Branche eine glänzende Zukunft.
Jetzt stehen nach Angaben des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) viele Werke vor dem Aus. Ihnen geht es wie dem Leipziger Biokraftstoff-Konzern Verbio, der fast 61 Millionen Euro in eine Bioethanol-Anlage investierte.
Doch seit vergangenem Herbst stehen die Maschinen still. Wegen des gestiegenen Getreidepreises und der hohen Energiekosten lohne sich die Produktion nicht mehr, sagt Verbio-Vorstandschef Claus Sauter.
Die Biodiesel-Anlage in Enns wurde immer wieder wegen des teuren Rohstoffes abgestellt. Auch die Bioethanol-Anlage der Agrana in Pischelsdorf schaffte es bisher nicht, in Betrieb zu gehen. Bei der Agrana heißt es, Ende Mai soll das Werk angefahren werden, Anfang Juni sei der Vollbetrieb geplant.
Immer wieder wird aber auch grundsätzliche Kritik am Biosprit laut. Der Chef des internationalen Lebensmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck, ist einer der schärfsten Kritiker.
Es sei unverantwortlich und inakzeptabel, dass enorme Subventionen gezahlt würden, um aus Lebensmittel Biotreibstoffe zu machen, sagte Brabeck in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „NZZ am Sonntag“.
Wenn die USA dieses Jahr 138 Millionen Tonnen Mais nur für Biotreibstoffe verwendeten, fehle diese Menge für die Lebensmittelproduktion und verschärfe den Kampf um den Boden.
Boden wird knapp
Das führe dazu, dass nicht nur der Preis für Mais steige, sondern auch jener für Soja und Weizen. Landwirtschaftlicher Boden werde so zum knappen Gut. Ebenso Wasser, das auszugehen drohe. „Um einen Liter Bioethanol zu produzieren, brauchen Sie 4000 Liter Wasser“, sagte der Nestlé-Chef und fügte hinzu: „Wasser ist das größere Problem als der CO2-Ausstoß.“
Die Ackerflächen in Europa reichen nicht für die Produktion des Biosprits. Der Import schaffe große ökologische Probleme in Ländern wie Indonesien oder Brasilien. Dort werde Regenwald abgeholzt um Flächen zu gewinnen.
«Dann gibt's nichts mehr zu essen»
Nestlé-Chef Peter Brabeck warnt im Interview vor Agro-Treibstoffen
NZZ am Sonntag, 23.3.08
Nestlé-Chef Peter Brabeck wendet sich gegen die Subventionierung von
Agro-Treibstoffen, die aus Soja und Weizen hergestellt werden. Über hundert
Millionen Tonnen Getreide werden voraussichtlich dieses Jahr allein in den
USA für diesen Zweck verbraucht.
NZZ am Sonntag: Nestlé hat soeben die Prognose für das laufende Jahr erhöht
und einen Umsatzzuwachs von 7,4% angekündigt, obwohl die Rohstoffpreise
ständig steigen. Wie gelingt es Ihnen, die höheren Preise zu überwälzen,
ohne dass die Konsumenten weniger kaufen?
Peter Brabeck: Indem wir die Produkte verbessern: Wir machen sie
wertvoller, wir renovieren sie ständig. Dadurch sind wir in der Lage, die
Preise zu erhöhen. Im Schnitt erfinden wir jährlich mindestens 20% unserer
bestehenden Produkte quasi neu.
Ändert man bei Nestlé auch die Rezepturen? Ersetzt man teurer gewordene
Rohstoffe durch günstigere?
Selbstverständlich. Das spielt in Entwicklungsländern eine grosse Rolle.
Ein traditionelles Milchpulverprodukt auf Weizenbasis ist bei den hohen
Weizenpreisen heute in Afrika für viele unerschwinglich. Wenn wir Weizen
durch einen lokalen Rohstoff wie Reis ersetzen, können wir den Preis
konstant halten. Das Geheimnis liegt aber in der Kombination. Ein Beispiel:
Heute haben wir eine Serie von Produkten, bei denen wir die Milch teilweise
durch andere Produkte ersetzen und dadurch ein für die Ernährung
wertvolleres Milchpulver erhalten. Wir ersetzen hochpreisige Rohstoffe
durch billigere, renovieren gleichzeitig die Produkte und können so höhere
Preise durchsetzen.
In welche Richtung geht diese Produkteinnovation?
Intern richten wir uns nach der Formel 60:40 plus. Wir untersuchen alle
Produkte kontinuierlich darauf, ob sie von 60% unserer Käufer gegenüber den
Konkurrenzprodukten bevorzugt werden. Das ist die Messlatte. Das Plus
bedeutet, dass die Produkte von der Ernährungsseite her wertvoller sein
müssen als die anderer Anbieter. Produkte, die das nicht erreichen, stehen
mittelfristig auf der Abschussliste. Getrennt haben wir uns etwa vom Pasta-
und Tomaten-Geschäft.
Wie beeinflussen heute die Finanzmärkte die Preise von Agrarrohstoffen?
Massiv, und das ist ein grosses Problem. Die Hedge-Funds verlagern sich
zunehmend von den Finanzmärkten in die Rohwarenmärkte. Früher konnten wir
ungefähr abschätzen, wie die Ernten ausfallen werden - und konnten uns auf
entsprechende Preise einstellen. Das ist vorbei. Wichtiger als die Ernte
ist heute, ob die kalifornische Pensionskasse Calpers entscheidet, mit 750
Mio. $ in den Rohwarenmarkt einzusteigen - weil dann alle anderen
Pensionskassen der Welt dasselbe tun und auf einen Schlag 5 Mrd. $ in einen
Agrarmarkt investiert werden. Es ist alles sehr spekulativ geworden.
Müssen Sie jetzt das Verhalten von Pensionskassenverwaltern studieren?
In der Art. Bei verschiedenen Rohwaren sehen wir heute schon Anzeichen
einer Blase, zum Beispiel bei Kaffee oder Kakao, da liegen die Notierungen
weit über dem fundamental gerechtfertigten Preis. Der Weizen wird jedoch
teuer bleiben.
Wie reagiert Nestlé darauf? Mit längeren Lieferverträgen?
Wir haben vor drei Jahren vorausgesagt, dass die Preise für Rohwaren
steigen würden - was uns damals keiner geglaubt hat, weil wir 15 Jahre lang
keine Steigerungen hatten. Darum waren wir besser als andere auf die Hausse
der Rohwaren vorbereitet.
Es gibt Schokoladeproduzenten, die quasi eigene Bauern in den
Produzentenländern haben. Nestlé auch?
Wir beschaffen uns die Milch zum grössten Teil direkt bei den
Milchproduzenten. Insgesamt haben wir 600 000 Bauern weltweit, die direkt
für uns arbeiten, 100 000 davon liefern Kakao- und Kaffeebohnen. Damit kann
man die Spekulation mindern. Aber wenn Sie heute zu einem Kaffeebauern in
Costa Rica oder San Salvador gehen, dann sitzt der oben auf dem Hügel in
einer Hütte und zeigt Ihnen auf seinem Computer, wo genau der Preis von
Kaffee in New York steht. Die Bauern sind heute glücklich, das ist auch für
uns gut. Denn hinter jedem Bauern stehen rund sechs Familienmitglieder, die
wieder unsere Konsumenten sind.
Bereiten die massiv gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe also keine Sorgen?
Aus globaler Perspektive kümmert mich das sehr wohl. Die Bevölkerung wird
auf mindestens 9 Mrd. Menschen anwachsen. Doch wir haben schon
Schwierigkeiten, genügend Lebensmittel für die 6,5 Mrd. von heute zu
erzeugen. Das liegt an den neuen Essgewohnheiten und an der Herstellung von
Biotreibstoffen.
Warum sind veränderte Essgewohnheiten ein Problem?
Mit höheren Einkommen leisten sich die Leute mehr Fleisch. Wenn von 1,3
Mrd. Chinesen 600 Mio. von nur Reis umsteigen auf Reis mit Huhn oder
Schwein, multipliziert sich dadurch der Grundnahrungsbedarf. Denn um eine
Kalorie Fleisch zu produzieren, brauchen wir rund achtmal mehr Getreide als
für die Herstellung einer vegetarischen Kalorie. Zudem verschlingt dies
zehnmal so viel Wasser. Hunderte von Millionen Menschen sind in letzter
Zeit aus der Armut in ein angenehmeres Leben aufgestiegen, haben plötzlich
Zugang zu industriellen Produkten. Diese Entwicklung freut uns. Unglücklich
bin ich über den Boom der Biotreibstoffe.
Was ist schlecht daran?
Wenn die USA dieses Jahr 138 Mio. Tonnen Mais nur für Biotreibstoff
verwenden, fehlt diese Menge für die Lebensmittelproduktion und verschärft
den Kampf um den Boden. Das führt dazu, dass nicht nur der Preis für Mais
in die Höhe geht, sondern auch jener für Soja und Weizen.
Landwirtschaftlicher Boden wird zum knappen Gut. Ebenso Wasser, das uns
auszugehen droht. Um 1 Liter Bioethanol zu produzieren, brauchen Sie 4000
Liter Wasser! Wasser ist das grössere Problem als der CO 2 -Ausstoss. Wir
zapfen heute schon nicht nur die erneuerbaren, sondern auch die fossilen
Wasservorräte an. Diese fossilen Vorräte wurden wie das Erdöl vor Millionen
von Jahren geschaffen. Das ist kein Problem für die Schweiz mit ihrer
Regenlandwirtschaft. Aber die grossen Produzenten bewässern ihre Felder
heute fast alle künstlich.
Wo liegen die fossilen Wasserreserven?
Im Südwesten der USA, in Indien und in China. Zudem gibt es grosse
unterirdische Reserven in der Sahara. Deshalb hat Ghadhafi eine
Riesenpipeline gebaut, um dieses Wasser in den Norden Libyens zu pumpen und
dort die Felder zu bewässern. Die Mandara-Seen, die mitten in der Wüste
sind, entwässern sich zusehends. In Indien und China gehen die
Wasserspiegel heute bereits um 1,5 Meter pro Jahr zurück. Im indischen
Punjab muss man schon 100 Meter tief bohren, um noch Wasser zu finden.
Was sind die Folgen?
Diese Länder exportieren keinen Weizen mehr, sondern müssen Getreide
importieren, weil ihnen das Wasser ausgeht. Saudiarabien hat vorletzte
Woche angekündigt, keinen Weizen mehr zu exportieren. Kasachstan, eine
traditionelle Kornkammer, und Argentinien wollen den Weizenexport
einschränken. Der Weizenpreis ist ob dieser Meldungen an einem einzigen Tag
um 24% in die Höhe geschnellt.
Ist der Weizenhandel eine Art virtueller Wasserhandel?
Das ist richtig. Deshalb ist es unverantwortlich und moralisch
inakzeptabel, dass man enorme Subventionen zahlt, um aus Lebensmitteln
Biotreibstoff zu machen. Wenn man 20% des steigenden Erdölbedarfs mit
Biotreibstoffen decken will, wie das geplant ist, dann gibt's nichts mehr
zu essen. Das ist politischer Wahnsinn.
Europa lehnt Gentechnologie vehement ab - warum?
Europa ist nicht darauf angewiesen, weil es vielerorts genügend Wasser
gibt. Aber wir dürfen die Welt nicht nur aus dem alpinen Blickwinkel sehen.
Die paar Millionen Schweizer und Österreicher können wir noch lange
ernähren. Aber nicht die übrigen 9 Mrd. Erstaunlich ist allerdings, dass
die Gentechnologie in der Schweiz entwickelt wurde. Sie hätte eine der
grossen wirtschaftlichen Stützen des Landes werden können. Heute ist die
Technologie in den Händen der Amerikaner und der Chinesen.
Bill Gates propagiert in Afrika Bio-Landwirtschaft statt Gentechnologie.
Versteht Gates nichts davon?
Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen. Ich bin selbst ein grosser
Bio-Fan, ich kaufe biologischen Speck und Schnaps. Fakt ist jedoch, dass
wir mit Bio-Produkten nicht die Welt ernähren können. Aber für die Bauern
in der Schweiz sind biologische Produkte die richtige Strategie, weil sie
dafür höhere Preise lösen können.
Nestlé ist einer der grössten Wasserverkäufer der Welt. Profitieren Sie
nicht davon, wenn Wasser knapp wird?
Wir sind weltweit führend im Wassergeschäft, aber wir verbrauchen nur
0,0009% von allem Wasser, das konsumiert wird. Wenn Sie Wasser sparen
wollen, sollten Sie mehr Wasser trinken und weniger Cola, Bier oder Wein.
Denn um 1 Liter Wasser abzufüllen, brauchen wir 1,5 Liter Wasser. Zur
Produktion von 1 Liter kohlensäurehaltigem Getränk benötigt man 3 bis 4
Liter, pro Liter Bier sogar 6 bis 7 Liter Wasser.
Was muss als Erstes verändert werden?
Das Wasser braucht einen Preis. Nur weil es nichts kostet, setzt man heute
4000 Liter Wasser ein, um 1 Liter Biodiesel zu produzieren.
Ist Wasser nicht ein Menschenrecht?
Jawohl - die 5 Liter, die ich brauche, um zu leben, und die 20 Liter, die
der Hygiene dienen. Wasser ist aber kein Menschenrecht, wenn ich damit den
Swimmingpool fülle. Südafrika gibt jeder Familie pro Person 6000 Liter im
Monat gratis ab; was drüber hinausgeht, wird bezahlt. Ein spanischer Bauer
oder Golfplatzbetreiber zahlt aber nur 2% der effektiven Wasserkosten,
entsprechend sorglos gehen sie mit Wasser um.
Interview: Charlotte Jacquemart, Daniel Hug
40 Jahre im Dienst von Nestlé
Der Österreicher Peter Brabeck-Letmathe arbeitet seit 1968 für Nestlé - und
ist Verwaltungsratspräsident und Konzernchef. Das Unternehmen mit Sitz in
Vevey hat 2007 einen Umsatz von 108 Mrd. Fr. und einen Gewinn von 10,7 Mrd.
Fr. erzielt. Der 63-jährige Brabeck wird am 10. April die Konzernleitung an
den Belgier Paul Bulcke übergeben und sich auf das VR-Präsidium
beschränken. (dah.)
«Es ist inakzeptabel, dass
man enorme
Subventionen zahlt, um aus Lebensmitteln
Biotreibstoff zu machen.»
Gabriel: Nachhaltigkeitsstandards für Biokraftstoffe können nicht warten
EU-Kommission hält deutsche Verordnung an
BMU Pressemitteilung, 19.3.08
Die EU-Kommission strebt europaweit einheitliche Anforderungen an die Nachhaltigkeit für Biokraftstoffe an. Nationale Einzelregelungen hält die Kommission deshalb nicht für sinnvoll und hat aus diesem Grund die Notifizierung einer deutschen Verordnung angehalten, nach der nur nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe auf die deutsche Biokraftstoffquote angerechnet werden. "Ich halte eine EU-einheitliche Regelung für sehr sinnvoll. Angesichts der Dringlichkeit des Problems muss jetzt allerdings sichergestellt werden, dass die geplante EU-Regelung genauso schnell in Kraft treten kann, wie das bei der nationalen Regelung der Fall wäre", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Die Bundesregierung hatte im Dezember 2007 den Entwurf einer Nachhaltigkeits¬verordnung beschlossen, die unter anderem die Einhaltung von Mindeststandards für den Anbau von Biomasse für Biokraftstoffe festlegt. Dies muss durch Zertifizierungssysteme nachgewiesen werden. Die Standards umfassen Anforderungen an die landwirtschaftliche Praxis, an die Treibhausgasbilanz von Biokraftstoffen sowie an den Schutz von Lebensräumen, beispielsweise von Urwäldern. Die Verordnung wurde anschließend, wie EU-rechtlich vorgeschrieben, der EU-Kommission zur Notifizierung zugeleitet, damit diese die Auswirkungen auf den Binnenmarkt prüfen kann. Die EU-Kommission teilte jetzt mit, dass das Verfahren zunächst bis Dezember 2008 angehalten wird.
"Deutschland gehört zu den Ländern, die seit Jahren den Einsatz von Bio-Energie fördern. Deshalb sehen wir uns jetzt auch in der Verantwortung, die Förderung so zu gestalten, dass der Biomasseanbau nicht zu neuen Umweltproblemen führt", betonte Bundesumweltminister Gabriel. Nachhaltigkeitskriterien, ob auf nationaler oder EU-Ebene, sind hierfür ein wesentlicher Beitrag. "Zugleich setzen wir uns für global geltende Standards ein und wollen, dass auch die im Mai in Bonn tagende UN-Naturschutzkonferenz hierzu ihren Beitrag leistet", so Gabriel.
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