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Aktuell

Merkel zu Artenschutz

Mittwoch, 9. April, 17:53 Uhr

Merkel ruft zum Kampf gegen Tier- und Pflanzensterben auf

Berlin (AP) Gut einen Monat vor der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zum weltweiten Kampf gegen das dramatische Tier- und Pflanzensterben aufgerufen. «Wir müssen alles daran setzen, dass wir diese Artenvielfalt erhalten», sagte sie am Mittwoch in Berlin auf dem Kongress der Unionsbundestagsfraktion «Verantwortung übernehmen - Schöpfung bewahren». Sie wies darauf hin, dass jeden Tag weltweit 150 Arten ausstürben.

Die Kanzlerin betonte, Artenschutz könne nur auf der Basis internationaler Vereinbarungen funktionieren. «Wir müssen es lernen, breite Allianzen zu schmieden». Diese müssten unter anderem zwischen Politik, Wissenschaft, Banken und Bevölkerung vor Ort gebildet werden. Die so genannte Biodiversität sei auch eine echte ökonomische Größe. Die Artenvielfalt böte der Menschheit und der Technik im Bereich der Bionik große Chancen. Artenverlust sei unwiderruflich.

5.000 Delegierte aus 190 Staaten in Bonn erwartet

Von der im Mai in Bonn stattfindenden UN-Naturschutzkonferenz erwarte sie konkrete Ergebnisse und Programme, um den ärmsten Ländern der Welt zu helfen. Von Bonn müsse ein Zeichen des Aufbruchs ausgehen. «Unsere Mutter Erde, die gibt es nur einmal - für uns alle», erklärte Merkel. Respektloser Umgang mit ihr werde auf die Menschen zurückschlagen. Vom 19. bis 30. Mai werden in Bonn rund 5.000 Delegierte aus 190 Staaten über Maßnahmen zur weltweiten Erhaltung der biologischen Vielfalt verhandeln.

Greenpeace fordert zwei Milliarden für Urwald

Derweil forderte Greenpeace die Kanzlerin auf, sich für den Schutz der letzten Urwälder einzusetzen und dafür jährlich zwei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Die Vernichtung der letzten Urwälder sei verantwortlich für rund 20 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. «Das ist mehr, als durch den weltweiten Verkehr freigesetzt wird.»

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, die Artenvielfalt könne nur bewahrt werden, «wenn wir den Menschen Zukunftschancen geben». Die Menschen müssten motiviert werden, «ihre Welt zu bewahren». Der Träger des alternativen Nobelpreises, Michael Succow, forderte «den absoluten Schutz der noch intakten, unangetasteten Gebiete».


In Deutschland soll es bis 2020 wieder echte Wildnis geben

Von Claudia Ehrenstein, WELT-online, 9.4.08

Berlin - Jedes Jahr gehen weltweit fast 13 Millionen Hektar tropischer Regenwald verloren. Das ist mehr als die gesamte Waldfläche Deutschlands. Doch gerade in den Tropenwäldern ist die Artenvielfalt besonders groß; dort leben rund 80 Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten. "Wir sind in einer besonderen Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren", sagt Christin Ruck (CSU), entwicklungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Die Zerstörung der Regenwälder sei zudem Quelle für 20 Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen.

Gerade in vielen Entwicklungsländern aber würden "die Armut der Menschen einerseits" und "einflussreiche Interessengruppen andererseits" Raubbau und Übernutzung der natürlichen Ressourcen vorantreiben, heißt es in einem gemeinsamen Antrag der Koalitionsfraktionen, der der WELT vorliegt. Die Abgeordneten von Union und SPD fordern darin die Bundesregierung auf, "für einen modernen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen einzutreten".

So sollte der Schutz der weltweiten Wälder verbessert und der illegale Holzeinschlag verhindert werden. Die Bundesregierung sollte sich in Brüssel dafür einsetzen, "dass Biomasse und Hölzer aus nicht nachhaltiger Bewirtschaftung von der Einfuhr in die EU ausgeschlossen werden", heißt es in dem Antrag. Zudem plädieren die Abgeordneten von Union und SPD dafür, nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC ein Expertengremium für biologische Vielfalt einzurichten.

Deutschland übernimmt in diesem Jahr von Brasilien für zwei Jahre den Vorsitz der UN-Konvention für biologische Vielfalt und ist damit zugleich Gastgeber des Weltnaturschutzgipfels, der vom 19. bis 30. Mai in Bonn stattfindet. Im vergangenen November hatte das Bundeskabinett seine nationale "Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt" beschlossen. So sollen bis 2020 zwei Prozent der Fläche Deutschlands wieder Wildnis werden. Das sind 7142 Quadratkilometer, auf denen sich Tier- und Pflanzenarten weitgehend ungestört von menschlichen Einflüssen entwickeln können. Fünf Prozent der deutschen Waldfläche von rund elf Millionen Hektar sollen naturnah bewirtschaftet werden. Die finanziellen Mittel für Projekte in Entwicklungsländern, die dem Erhalt der Artenvielfalt dienen, sollen bis 2015 um 50 Prozent erhöht werden.


Mittwoch, 9. April, 13:41 Uhr

Umweltverbände: UN-Artenschutzkonferenz könnte scheitern

Berlin (AFP) - In einem Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben Umweltverbände vor einem Scheitern der bevorstehenden Bonner UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt gewarnt. Merkel müsse "jetzt den Konferenzerfolg zur Chefsache machen und mit den wichtigsten Regierungschefs eine Lösung finden", forderte das Forum Umwelt und Entwicklung. Denn mehrere Vertragsstaaten bremsten oder verhinderten derzeit eine Einigung. So versuche Brasilien, das Schutzprogramm für Wälder aufzuweichen. Kanada, Australien, Neuseeland und Japan blockierten eine Einigung im Kampf gegen Biopiraterie - das Vereinnahmen genetischen Materials etwa von Pflanzen durch Patente.

"Wenn die Konferenz scheitert, verlieren wir wichtige Zeit im Kampf gegen das Artensterben und den Schutz der Urwälder auf dieser Welt", erklärte Meena Raman, Vorsitzende von Friends of the Earth International, zu deren Netzwerk auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zählt. Demnach sterben jeden Tag etwa 160 Arten aus. Greenpeace forderte ein finanzielles Angebot der Industrie- an die Entwicklungsländer für den Schutz sowie die ökologisch und sozial gerechte Nutzung der Urwälder. Deutschland sei dabei als Vorreiter gefragt und könne mit zwei Milliarden Euro pro Jahr "wieder Bewegung in den globalen Schutz der biologischen Vielfalt bringen".







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