Aktuell


Agrosprit verstärkt globale Armut

Weltbank: Hohe Lebensmittelpreise machen Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichte

epo.de, 10. April 2008

Washington. - Die Weltbank hat im Vorfeld der gemeinsamen Jahrestagung mit dem Internationalen Währungsfonds davor gewarnt, dass die steigenden Preise für Nahrungsmittel die Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger und Armut in vielen Ländern zunichte machen könnten. "Arme Menschen leiden täglich unter den Folgen hoher Nahrungsmittelpreise, besonders in städtischen Gebieten und in Ländern mit niedrigem Einkommen", sagte der Präsident der Weltbankgruppe, Robert B. Zoellick, in Washington. Die Bank erwartet, dass die Preise auch im kommenden Jahr noch hoch bleiben werden.

In einem in Washington vorgelegten Papier (Policy Note) der Weltbank mit dem Titel "Rising Food Prices: Policy Options and World Bank Response" heißt es, die globalen Weizenpreise seien in den 36 Monaten vor Februar 2008 um 181 Prozent gestiegen, die weltweiten Nahrungsmittelpreise insgesamt im Durchschnitt um 83 Prozent. Noch bis zum Jahr 2015 könnten die Preise über dem Niveau von 2004 liegen, prognostiziert die Bank.

Der Preisanstieg bei den Grundnahrungsmitteln werde die Armut in mehreren Ländern erhöhen und zumindest kurzfristig die Erfolge der Programme zur Verminderung der Armut der letzten fünf bis zehn Jahr zunichte machen, fürchtet die Weltbank. Im Jemen beispielsweise habe die Verdoppelung der Weizenpreise innerhalb eines Jahres dazu geführt, dass die Fortschritte bei der Armutsreduzierung zwischen 1998 und 2005 bedroht seien.

Dem Bericht zufolge hat die verstärkte Produktion von Biokraftstoffen zum Anstieg der Lebensmittelpreise beigetragen und die Nachfrage nach Weizen, Soja, Mais und Palmöl zusätzlich gesteigert. Viele Regierungen hätten bereits reagiert und Hilfsprogramme für betroffene Bevölkerungsgruppen begonnen.

Die Weltbank selbst will helfen, indem sie ihre Landwirtschafts-Kredite für Afrika im Jahr 2009 von 400 auf 800 Millionen US-Dollar verdoppelt. Für kurzfristige Anleihen will sie mehr Geld bereitstellen und damit Hilfsprogramme im Rahmen der Armutsbekämpfung unterstützen. Exportverbote für Nahrungsmittel lehnt die Bank als Instrument ab. An die internationale Gemeinschaft erging der Appell, die vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geforderten 500 Mio. Dollar für Nothilfe bereitzustellen.

Auch der britische Premierminister Gordon Brown wies in einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industrienationen (G8) auf die Gefahren der Nahrungsmittelkrise hin. Brown plädierte für mehr humanitäre Hilfe für die Hungernden und den Einsatz der Gentechnik bei der Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel. Vor allem in Ländern wie Kamerun, Ägypten und Haiti hatten die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise in den vergangenen Wochen zu Unruhen geführt.


Welthungerhilfe warnt vor den Folgen der hohen Nahrungsmittelpreise

epo.de, 10. April 2008

Bonn. - Die Welthungerhilfe hat vor den Folgen der weltweit gestiegenen Nahrungsmittelpreise für die Entwicklungsländer gewarnt. In den letzten Tagen war es unter anderem in Haiti zu schweren Ausschreitungen gekommen, nachdem sich die Preise für Nahrungsmittel und Benzin im letzten Jahr verdoppelt hatten. "Die Ärmsten zahlen die Zeche für eine falsche Politik der letzten Jahre. Die landwirtschaftliche Entwicklung ist sowohl von den Industrieländern als auch von den betroffenen Ländern selbst vernachlässigt worden", sagte Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe.

Nicht nur in Haiti können Menschen, die von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen, die Rekordpreise für Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen. Auch im Sudan spitzt sich die Lage zu, weil die Tagesrationen für Flüchtlinge gekürzt werden mussten. Selbst bisher stabile Länder wie Tadschikistan hätten um Hilfe gebeten, berichtet die Welthungerhilfe.

Die Organisation fordert deshalb, die finanzielle Unterstützung für die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern zu erhöhen. "Es müssen Bewässerungssysteme, Straßen und Getreidespeicher gebaut und die Bauern bei besseren Anbaumethoden unterstützt werden", forderte Preuß.

In Haiti konzentriert sich die Welthungerhilfe seit Jahren auf die ländlichen Gebiete. Straßen werden repariert, Bewässerungsanlagen für Felder gebaut sowie Saatgut, Düngemittel und landwirtschaftliche Werkzeuge an Kleinbauern verteilt. Alle Maßnahmen dienen dazu, die Ernährungslage der Menschen nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" langfristig zu verbessern. Parallel dazu hat die Welthungerhilfe Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt, um Infrastrukturmaßnahmen der Bevölkerung zu entlohnen.

Die Welthungerhilfe ist seit 1974 auf Haiti tätig. Insgesamt wurden bislang 119 Projekte mit einem Volumen von ca. 60 Mio. Euro durchgeführt. Die Mehrzahl der Projekte ist im ländlichen Bereich angesiedelt. Der Schwerpunkt liegt in der Verbessserung der Ernährungslage, dem Ressourcenschutz sowie der Herstellung der Trinkwasserversorgung.







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