Aktuell


Klimawandel bedroht Hälfte der Arten

Dienstag, 22. April, 11:47 Uhr

Klimawandel bedroht Hälfte der Arten

Berlin (AP) Der Klimawandel könnte nach Einschätzung des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten auslöschen. Sollte die Erwärmung bis 2100 vier bis fünf Grad betragen, «könnte mit großer Wahrscheinlichkeit etwa die Hälfte der Arten verschwinden», sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) der «Bild»-Zeitung. Bei einer Erwärmung zwischen zwei und drei Grad seien immer noch weltweit 20 bis 30 Prozent aller Arten bedroht.

Der wissenschaftliche Chefberater der Bundesregierung erwartet zudem einen deutlichen Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels. «Ein Meeresspiegelanstieg von ein bis zwei Metern bis zum Jahr 2100 ist nicht unrealistisch», sagte er. Ursache sei das schnelle Abschmelzen des Eises in Grönland und der Antarktis in den vergangenen Jahren.

«Bei einem Anstieg um 1,5 Meter würden langsam, aber stetig die fruchtbaren Flussdeltas in Ländern wie Ägypten, China oder Bangladesch buchstäblich absaufen», warnte der Wissenschaftler vor den Folgen. Nach und nach müssten sich hunderte Millionen Menschen eine neue Bleibe suchen.» Auch für die deutsche Nordseeküste sagt der Regierungsberater negative Folgen voraus: Die heutigen Deiche «würden nicht mehr ausreichen. Für den Ausbau wäre mit vielen Milliarden Euro Zusatzkosten zu rechnen.»


Freitag, 18. April, 22:17 Uhr

Klimakonferenz in Paris endet ohne konkrete Festlegungen

Paris (AP) Die Verhandlungen der größten Industriestaaten um einen globalen Klimapakt sind am Freitagabend in Paris ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Die verschiedenen Positionen der EU und der USA zu Festlegungen auf konkrete mittelfristige Ziele zum Abbau von Schadstoffemissionen dominierten die zwei Verhandlungstage, wie der französische Europaminister Jean-Pierre Jouyet erklärte.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy rief die Industriestaaten zum Verlassen ihrer «Verteidigungspositionen» auf. Ende 2009 müsse das Kyoto-Folgeabkommen stehen und die entwickelten Länder müssten dabei ihrer Verantwortung gerecht werden, sagte er während der Klimakonferenz der 16 größten CO2-Emittenten in Paris. Dies war auch eine klare Botschaft an die USA, nachdem US-Präsident George W. Bush am Mittwoch erklärt hatte, erst ab 2025 den Treibhausgasausstoß reduzieren zu wollen.

Die reichen Länder müssen aus Sicht Sarkozys stärkere Lasten als die Entwicklungsländer übernehmen, denn für diese sei ein schnelles Wirtschaftswachstum notwendig. Allerdings könne der Kampf gegen den Klimawandel nur mit massiven privaten Investitionen und globalen Märkten für CO2-Emissionen gewonnen werden. 90 Prozent des Geldes für Maßnahmen gegen den Treibhausgaseffekt müssten auf lange Sicht vom privaten Sektor kommen und die Staatengemeinschaft müsse Wege schaffen, um die Finanzflüsse in eine kohlendioxidarme Wirtschaft zu lenken, erklärte der Präsident.

Sarkozy betont Rolle der Privatwirtschaft

Mit der Betonung des privaten Sektors kam Sarkozy den USA entgegen. «Wir begrüßen diesen Ansatz», sagte der US-Delegierte Alexander Karsner. Sarkozys Forderung, der in Europa eingeführte Emissionshandel und andere finanzielle Werkzeuge müssten «globalisiert und reguliert werden», beurteilte er hingegen zurückhaltend. «Für einen globalen CO2-Markt gibt es wenig Bedarf», sagte Karsner der Nachrichtenagentur AP.

Im Mai und Juni werden die 16 Länder zu weiteren Gesprächen zusammentreffen. Dabei soll ein Abkommen ausgehandelt werden, bevor die Staatschefs der größten Industrieländer im Juli in Japan zusammenkommen.


Donnerstag, 17. April, 20:35 Uhr

UN-Gremium zu Klimafolgen für Ökosysteme gefordert

Stockholm (AP) Der Kampf gegen den Klimawandel konzentriert sich nach Auffassung internationaler Experten zu sehr auf die Verringerung von Treibhausgasen. Der Erhaltung von Ökosystemen müsse in den klimapolitischen Diskussionen mehr Bedeutung eingeräumt werden, forderten mehr als 600 Teilnehmer einer Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung in Stockholm am Donnerstag. Sie sprachen sich für die Gründung eines UN-Gremiums zu diesem Thema aus.

Bei der Diskussion über globale Erwärmung stünden vor allem die Minderung von Emissionen und die Entwicklung alternativer Treibstoffe im Mittelpunkt, kritisierten die Konferenzteilnehmer. Zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde dabei den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosysteme von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Beides stehe in Zusammenhang, betonte der Europa-Abgeordnete Anders Wijkman. «Wir können uns nicht nur auf klimatische Entwicklung konzentrieren», erklärte Wijkman.


Mittwoch, 23. April, 12:49 Uhr

EU und Japan fordern ehrgeiziges Vorgehen gegen Klimawandel

Tokio (AP) Japan und die Europäische Union haben sich für ein «ehrgeiziges und verbindliches Vorgehen» im Kampf gegen den Klimawandel ausgesprochen. Ein internationales Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen müsse anspruchsvolle Ansätze enthalten, erklärten beide Seiten nach ihrem jährlichen Treffen in Tokio am Mittwoch.

Außerdem hieß es, man wolle einen japanischen Vorschlag ausloten, der für verschiedene Industriezweige unterschiedliche Level von Energie-Effizienz vorsieht. Vor allem bei einigen Entwicklungsländern ist dies auf Kritik gestoßen. Die japanische Regierung hatte sich zunächst für freiwillige Ziele in dem Kyoto-Nachfolgeabkommen ausgesprochen und nähert sich nun offenbar der Haltung der EU an. Deren Vertreter erklärten, es gebe zwar unterschiedliche Ansichten, bei der grundsätzlichen Richtung künftiger Gespräche seien sich beide Seiten aber einig.


Samstag, 19. April, 09:26 Uhr

Schwarzenegger: Fortschritte in der Klimapolitik nach Bushs-Amtszeit

New Haven/USA (AP) Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger erwartet nach dem Ende der Amtszeit von Präsident George W. Bush deutliche Fortschritte in der internationalen Klimapolitik. Der Stillstand der letzten Zeit könne dann überwunden werden, erklärte Schwarzenegger am Freitag auf einer Konferenz an der Universität Yale im US-Staat Connecticut. Alle drei Kandidaten, die derzeit noch im Rennen um die Präsidentschaft seien, seien gut für die Klimapolitik.

Schwarzenegger liegt seit 2002 mit der Bush-Regierung im Streit. Ein damals in Kalifornien verabschiedetes Gesetz zur Reduzierung der Treibhausgase wurde vom US-Umweltministerium mit der Begründung blockiert, im Kampf gegen den Klimawandel könnten entsprechende Gesetze nur von der US-Bundesregierung erlassen werden.

Bush weigert sich derzeit noch, Ziele für die Reduzierung des Ausstoßes an Klimagasen festzulegen, bevor dies nicht auch Länder wie China und Indien machen. Dieser Stillstand werde aber schon bald überwunden werden, sagte Schwarzenegger. Fortschritte werde es geben, sobald ein neuer Präsident sein Amt angetreten habe.

Der Vorsitzende des UN-Klimarats, R. K. Pachauri, warnte unterdessen, ohne entsprechende Schritte gegen den Klimawandel würden die Ernten geringer ausfallen, Überschwemmungen und Hitzewellen zunehmen. Dabei seien Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht notwendigerweise teuer, sagte Pachauri. Dass dadurch Arbeitsplätze verloren gingen und die Wirtschaftsleistung sinke, sei nur ein Mythos.


Donnerstag, 17. April, 11:56 Uhr

Frankreich besorgt über Bushs Klimaerklärung

Paris (AP) Die Ankündigung von US-Präsident George W. Bush, die CO2-Emissionen frühestens ab 2025 zu senken, ist in Frankreich mit Sorge aufgenommen worden. «Nur wenn wir alle in dieselbe Richtung arbeiten, ist 2009 ein Kyoto-Folgeabkommen möglich», sagte der für die Europapolitik zuständige Staatssekretär Jean-Pierre Jouyet am Donnerstag zur Eröffnung einer internationalen Klimakonferenz in Paris. Bedingung sei «ein Klima des Vertrauens unter den wichtigsten Wirtschaftsmächten». Jeder müsse dafür seiner Verantwortung gerecht werden.

In der Grundsatzvereinbarung von Bali vom Dezember 2007 bekannten sich die USA zwar zu einem langfristigen weltweiten Emissionsziel, lehnten konkrete Vorgaben aber ab. Am Mittwoch erklärte Bush, eine Verringerung der CO2-Emissionen vor 2025 sei nicht geplant, ebensowenig gesetzlich festgelegte Obergrenzen.

In Paris begann am Donnerstag die dritte informelle Klimakonferenz der 16 größten Industriestaaten, die Bush nach dem G-8-Gipfel von Heiligendamm als Ergänzung des UN-Prozesses initiiert hatte. Jouyet betonte in seiner Eröffnungsrede, der Kampf gegen den Klimawandel könne nur im Rahmen der Vereinten Nationen Erfolg haben. Der Aktionsplan von Bali sei die Grundlage aller Diskussionen.

Der Staatssekretär bekräftigte das Ziel der EU, mit einer Senkung der CO2-Emissionen um 20 Prozent bis 2020 zum saubersten Kontinent zu werden. Man könne das Ziel auf 30 Prozent hoch schrauben, «wenn andere große Wirtschaftsstaaten vergleichbare Anstrengungen machen». Frankreich übernimmt im Juli die EU-Ratspräsidentschaft, der Kampf gegen den Klimawandel soll dabei ein Schwerpunkt werden.


Donnerstag, 24. April, 10:34 Uhr

Klimawandel wirft Wölfe und Elche aus dem Gleichgewicht

Nationalpark Isle Royale (AP) Der Schnee ist blutgetränkt: Ein Rudel Wölfe macht sich über eine Elchkuh her. Sie haben sich ein schwaches Opfer ausgesucht. Einer biss das Tier in die Schnauze, zwei in die Seite und ein Wolf sprang es von hinten an. Nun haben die Wölfe wieder einige Tage genügend zu fressen. Die Symbiose der Raubtiere mit den Elchen im Nationalpark Isle Royale im US-Staat Michigan funktioniert seit Jahrzehnten, doch jetzt wird sie von den Auswirkungen des globalen Klimawandels bedroht.

John Vucetich von der Universität Michigan sieht den Wölfen aus dem Beobachtungsflugzeug zu. Wild reißen die Tiere an der Elchkuh, freuen sich nach mehreren Tagen wieder eine gute Beute gemacht zu haben. «Sie werden fett und glücklich sein», sagte Vucetich lachend. Den Höhepunkt des immer wieder kehrenden Dramas von Fressen und Gefressenwerden hat er bereits hunderte Male beobachtet.

Die Symbiose zwischen beiden Tierarten auf der rund 72 Kilometer langen Insel im Norden der USA wird von Forschern seit über 50 Jahren genau dokumentiert. «Es ist die bekannteste Wolfs-Studie der Welt», sagte Douglas Smith, ein früherer Mitarbeiter des Projekts, der inzwischen die Erforschung der Wölfe im Yellowstone-Nationalpark leitet.

Durchschnittstemperaturen in Rekordhöhe

Das Zusammenleben der Tierarten ist jedoch in Gefahr. In den vergangenen Jahren sind die Durchschnittstemperaturen auf Höchststände gestiegen und die Zahl der Elche und Wölfe ist gleichzeitig stark zurückgegangen. Die Forscher befürchten, dass die weltweite Klimaerwärmung ein seit hundert Jahren funktionierendes Gleichgewicht zerstören könnte.

Um das Jahr 1900 gelang es einigen Elchen erstmals von Ontario aus kommend, durch den Lake Superior auf die 24 Kilometer weit entfernte Insel zu schwimmen. Dort hatten die Tiere keine natürlichen Feinde und vermehrten sich rasant. Mitte des Jahrhunderts verendeten zahlreiche Tiere, da die Wälder überweidet waren. Doch in einem besonders strengen Winter kam «Abhilfe»: Ein Wolfspaar schaffte es, über den zugefrorenen See auf die Insel zu kommen.

Seither hat sich ein dynamisches Gleichgewicht eingestellt: Wenn es wenig Wölfe gab, waren die Elche so zahlreich, dass sie weniger zu fressen hatten und schwächer wurden. Damit wurden sie eine leichtere Beute der Wölfe, deren Zahl dann wieder stieg. Sobald die Elche weniger wurden, hatten die Wölfe weniger zu fressen und nahmen in ihrer Zahl wieder ab - ein Kreislauf.

Verhaltensänderungen festgestellt

Doch 2007 fiel die Zahl der Elche auf den niedrigsten Stand seit über 50 Jahren: Die Forscher konnten nur noch 385 Tiere zählen. Anstatt wie im Vorjahr 30 Wölfe fanden sie nur 21. Und die Tiere verhielten sich immer seltsamer. Die Elche müssen sich im Sommer normalerweise Vorräte für den Winter anfressen, doch stattdessen fanden die Forscher die Tiere beim Waten im Seewasser oder beim Ausruhen im Schatten. Die Wölfe haben sich indes immer wieder Zeltplätzen genähert, obwohl sie instinktiv Menschen meiden sollten.

Weniger Elche bedeutet bald auch weniger Wölfe und so weiter - ob es beide Arten auf der Insel noch in fünfzig Jahren geben wird, wagt kein Forscher zu wetten. Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Elche wieder deutlich erhöht, aber es bleibt unklar, wie die Tiere die höheren Temperaturen vertragen.

Der Biologe Rolf Peterson sammelt im Wald Skelettreste eines Elchs ein. Er will sie im Labor analysieren. Seit den 1970er Jahren beobachtet er das Gleichgewicht zwischen Räubern und Beutetieren schon. «Kürzlich hat man mich bei einem Gespräch vorgestellt und gesagt, 'der wird hier draußen sterben'», witzelte der emeritierte Professor der Universität Michigan.

Genügsam und wählerisch

Den Wissenschaftlern ist es zu verdanken, dass sich das Image der Wölfe vom bestialischen Raubtier gewandelt hat - in der Tat sind die Räuber eher genügsam und wählerisch. «Die Menschen hatten Unrecht, als sie die Wölfe zum Inbegriff des Bösen gemacht haben», sagt Vucetich. Man dürfe sie aber auch nicht zu braven Symbolen der unberührten Wildnis überhöhen, meint der Experte.

«Es gibt so starke Meinungen zu Wölfen, aber das meiste basiert nicht auf Fakten sondern auf Angst, sagt Sharee Johnson, Direktorin des Internationalen Wolfzentrums in Ely im US-Staat Minnesota. Eines der gängigsten Vorurteile sei, dass die Wölfe wesentlich mehr Beutetiere reißen als nötig oder nachhaltig vertretbar. «Die Studie auf der Isle Royale zeigt uns, das dies nicht der Fall ist. Es hält sich im Gleichgewicht», sagt Johnson.

Doch die Auswirkungen des Klimawandels haben das Gleichgewicht durcheinandergebracht. Peterson und Vucetich hoffen, dass sich die Elche langfristig an höhere Temperaturen gewöhnen werden.

http://www.isleroyalewolf.org


Klimawandel hat weitreichende Folgen für Bauern

Gespräch: Marc-Oliver von Riegen, dpa, 20.4.08

Berlin (dpa) - Der weltweite Klimawandel hat nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weitreichende Folgen für die Bauern. «80 Prozent der Ernteerträge bei uns hängen vom Wetter ab», sagte der Präsident des DWD, Wolfgang Kusch, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Wenn die Befunde, die wir jetzt schon haben, sich nochmal durch verbesserte Modelle regional verfestigen, wird man sehr, sehr ernsthaft darüber nachdenken können, wie die Landwirtschaft sich an diese Bedingungen anpassen muss.» Wassermangel werde zunehmend ein Problem. Außerdem müsse Saatgut entwickelt werden, das gegen Trockenheit widerstandsfähig sei.

Wenn es genügend Wasserquellen gebe, sei bis zu einem gewissen Grad auch eine Beregnung möglich, sagte Kusch. «Nur: Wir müssen auch das Wasser verfügbar haben.» Das Wasserproblem trete derzeit noch in den Hintergrund. «Das wird auch eines der beherrschenden Themen zukünftig sein, dass wir uns nicht Gedanken machen über zu viel Wasser, sondern über zu wenig Wasser.» Die Trinkwasserversorgung müsse weiter sichergestellt werden. In Brandenburg seien die Böden zum Beispiel bereits durchlässig. Wenn Trockenheit dazukomme und sich verstärke, gebe es «ein richtiges Problem».

Die Tier- und Pflanzenwelt in Deutschland hat sich nach Angaben des DWD bereits verändert. Zecken seien wegen der Erwärmung von Süd nach Nord und in der Höhe auf dem Vormarsch. Auch die hoch allergene, wärmeliebende Ambrosia-Pflanze breite sich aus. Der DWD-Präsident rechnet aber nicht damit, dass sich Deutschland drastisch verändern wird. «Wenn es uns gelingt, den anthropogenen (vom Menschen erzeugten) Klimawandel zu stoppen und wir tatsächlich bei zwei Grad landen, dann wird Deutschland sich nicht grundsätzlich verändern.» Die UN wollen die Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad begrenzen. Die mittlere Jahrestemperatur kann bis dahin laut Modellen aber um bis zu vier Grad steigen.

Der DWD will die Pollenvorhersage für Allergiker verbessern. «Wir sind dabei, die Pollenvorhersage auf völlig neue Beine zu stellen», sagte Kusch. Die automatische Messung der Pollen werde vorangetrieben. Ein Gerät sei produktionsreif, mit dem in Echtzeit eingefangene Pollen ausgewertet werden könnten. «Dieses Messergebnis werden wir koppeln mit einem Ausbreitungsmodell, was in Zusammenarbeit mit dem Wetterdienst von der Universität Karlsruhe entwickelt wird.» Der Start soll möglichst 2009 sein. «Das wird eine neue Qualität haben.»




Freitag, 25. April, 14:04 Uhr

Erderwärmung alarmiert Reisemediziner

Berlin (AP) Vor neuen Infektionskrankheiten im Gefolge der Erderwärmung haben Tropenmediziner gewarnt. Erreger der seit 1956 in Deutschland ausgerotteten Malaria, die zuletzt auf ostfriesischen Inseln getreten war, werden den Experten zufolge von Reisenden künftig vermehrt wieder eingeschleppt. Mit diesen und weiteren Risiken befassen sich 1.300 Ärzte, für die am Freitag im Auswärtigen Amt die diesjährige Fachtagung für Reise- und Impfmedizin begonnen hat.

Die vermehrten Risiken durch den Klimawandel werden den Angaben zufolge auch durch andere Entwicklungen überlagert. Die Experten empfehlen China-Reisenden, die die Olympischen Spiele besuchen wollen, sich gegen die immer tödlich verlaufende Tollwut impfen zu lassen, die meist durch Hundebiss übertragen werde.

Die Situation werde in Deutschland verschärft, weil es aus bisher nicht erklärbaren Gründen zu wenig Impfstoff gebe, erklärte der Chef des Düsseldorfer Centrums für Reisemedizin, Klaus Volkmer. Auch Reisende mit Ziel Thailand und Indien sollten sich um Schutz kümmern.

Die bereits auf der Ausrottungsliste geführten Masern kehren den Angaben zufolge über die Schweiz und voraussichtlich bald über Österreich nach Deutschland zurück. Im Schweiz-nahen Landkreis Lörrach, in der Stadt Freiburg und im Hochschwarzwald seien bereits über 1.000 Fälle der gefährlichen Krankheit festgestellt. Für Bayern, besonders die Region Berchtesgaden/Traunstein, bestünden Risiken nach ersten Krankheitsfällen in Salzburg. Vor Masern in Deutschland sei im Ausland bereits zur Fußball-WM 2006 gewarnt worden.

Sieg erst nach 150 Jahren Impfung

Die Kinderlähmung, die die Weltgesundheitsbehörde (WHO) bereits im Jahr 2000 ausgerottet haben wollte, flackert den Angaben zufolge immer wieder auf. «Wer einen jungen Menschen in der Eisernen Lunge hat sterben sehen, weiß, wovon er bei dieser Krankheit spricht,» sagte Volkmer. Jetzt wolle die WHO die Krankheit 2015 vom Erdboden getilgt haben.

Der Sieg über Pocken und hoffentlich bald auch die Kinderlähmung wurde den Angaben zufolge nach 150 Jahren konsequenter Impfungen errungen. Dafür rückten zahlreiche neue oder wieder aufgetauchte Plagen nach, wie Aids, Vogelgrippe, SARS, Influenza in seinen Spielarten, Dengue, Krim-Kongo, Gelbfieber, Formen der Hepatitis, Cholera, Meningokokken, japanische Enzephalitis.

Keine Festung Europa

Die oft zitierte Festung Europas ist den Angaben zufolge kein sicherer Hort. Auch Reisende innerhalb des Kontinents seien gut beraten, sich mehr als bisher um Impfschutz zu kümmern, sagten die Experten unter Verweis auf Fälle des Krim-Kongo-Fiebers im Kosovo sowie in Ungarn, Spanien und Portugal. Den Ausbildungsstand der deutschen Allgemeinärzte, die in der Regel von Reisenden als erstes angesprochen würden, bezeichneten sie als gut.

In einer selbstironischen Note gestanden die Tropenmediziner aber zu, dass sie nicht mit einem Massenphänomen konfrontiert seien. Viel wichtiger für die stundenlang in engen Flugzeugen eingepferchten Reisenden sei der Stützstrumpf. «Reisethrombosen sind viel häufiger,» sagten sie.


Mittwoch, 23. April, 10:36 Uhr

Regierung will für Reisen 6,5 Millionen Klima-Abgabe zahlen

Berlin (AFP) - Bundesregierung und Bundestag wollen für ihre Dienstreisen 6,5 Millionen Euro Klima-Abgaben in Umweltschutzprojekte zahlen. Das geht nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung aus einer Vorlage für den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Der Ausschuss soll heute über die Freigabe der Mittel entscheiden. Noch ist demnach offen, welche Maßnahmen mit der Abgabe finanziert werden sollen. Vorgeschlagen wurden der Zeitung zufolge Projekte in Nepal, Brasilien oder Sambia.

Der Vorlage zufolge rechnet die Bundesregierung mit einem Ausstoß von rund 483.000 Tonnen Kohlendioxid durch dienstliche Reisen in den Jahren 2007, 2008 und 2009. Dies soll ausgeblichen werden, indem mit der Abgabe Klimaschutzprojekte bezahlt werden, durch die die gleiche Menge CO2 eingespart wird.


Donnerstag, 24. April, 13:38 Uhr

Konkrete Ziele für klimaneutrales Verkehrswachstum

Berlin (AP) Verkehrsminister und Wirtschaftsführer aus mehr als 50 Ländern wollen sich Ende Mai auf konkrete Ziele zu möglichst klimaneutralem Verkehrswachstum einigen. Das erklärte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Programms des ersten Weltverkehrsforums, das vom 28. bis 30. Mai in Leipzig stattfinden wird.

Das Forum, bei dem als prominenteste Rednerin Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird, ist eine Weiterentwicklung der Europäischen Verkehrsministerkonferenz zu einem offenen Kongress. Es soll Wege zu übergreifenden Lösungen der gravierenden Verkehrsprobleme aufzeigen und wird künftig jährlich unter wechselnder Präsidentschaft der bislang 51 Mitglieder in Leipzig abgehalten. Nach den Worten von Generalsekretär Jack Short ist das Forum mit weiteren Ländern über die Mitgliedschaft im Gespräch, darunter China, Indien und Brasilien.

In diesem Jahr hat die finnische Präsidentschaft das Motto «Transport und Energie» ausgegeben, das «keine Probleme, sondern Herausforderungen» beschreibt, wie Tiefensee formulierte. Ehrgeiz des Forums solle sein, «nicht nur eine unverbindliche Deklaration», sondern konkrete Ziele zu markieren, denen die internationale Gemeinschaft dann von Forum zu Forum näher kommen könne.

Lösungen wie eine internationale Konvention, an die sich dann alle Unterzeichnerstaaten halten müssen, seien allerdings von dem Forum nicht zu erwarten, sagte Short. Es sei eine der Entscheidungsebene vorgeschaltete Instanz.

http://www.internationaltransportforum.org


Donnerstag, 24. April, 11:41 Uhr

Gletscher in Neuseeland dramatisch geschrumpft

Wellington (AP) Der größte Gletscher Neuseelands, der Tasmanische Gletscher, ist nach Angaben von Wissenschaftlern in den vergangenen Jahren beängstigend schnell geschrumpft. Im Jahr 1990 habe er eine Länge von 29 Kilometern gehabt, in der vergangenen Woche seien nur noch 22 Kilometer gemessen worden, erklärte Martin Brook von der Massey University am Donnerstag. Inzwischen habe sich am Fuß des Gletschers ein See gebildet, der das Abschmelzen beschleunige.

Trotz steigender Temperaturen war der Tasmanische Gletscher laut Brook durch eine Deckschicht aus Geröll vor der Sonnenwärme geschützt. Der See fresse die Eismassen nun regelrecht auf, sagte Brook. Wenn sich der See vergrößere, werde sich das Abschmelzen auf 500 bis 800 Meter pro Jahr beschleunigen, warnte der Wissenschaftler. Ganz verschwinden lassen kann der See den Gletscher allerdings nicht: Irgendwann trifft er auf Gestein und kann sich nicht weiter ausbreiten. Es werde «immer ein paar Kilometer» des Tasmanischen Gletschers geben, sagte Brook, «aber er wird verdammt viel kleiner sein».


Dienstag, 22. April, 10:31 Uhr

Kälterekorde in der Antarktis

Bremerhaven (dpa) - Die Tiefsee der Antarktis hat sich entgegen der globalen Klimaerwärmung deutlich abgekühlt. Noch sei allerdings unklar, ob sich der Temperatursturz am Südpol durch kalte Meeresströmungen ausbreiten und den Klimawandel bremsen werde.

Das teilte das Alfred-Wegener-Institut am Montag im Bremerhaven mit. Jahrzehntelang hatte sich das Südpolarmeer immer weiter aufgeheizt. Dieser Trend sei jetzt erstmals durchbrochen worden, berichtet das Team um den Ozeanographen Eberhard Fahrbach.

Satellitenbilder hätten gleichzeitig die größte Ausdehnung der Eisdecke gezeigt, die je in einem antarktischen Sommer gemessen worden sei. Ob der Temperatursturz einen neuen Trend einleitet oder nur ein klimatischer Ausrutscher war, werde sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen, teilte das Institut mit. 58 Wissenschaftler waren von Februar bis April unter Leitung von Fahrbach im Südlichen Ozean unterwegs, um im antarktischen Sommer das Polarmeer zu erforschen.


Donnerstag, 24. April, 23:12 Uhr

In der Arktis fallen immer mehr Niederschläge

Washington (dpa) ­ Die Arktis wird immer feuchter. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat die Menge an Niederschlägen dort deutlich zugenommen. Verantwortlich dafür sei zumindest zum Teil der Mensch, berichten kanadische Wissenschaftler im Journal «Science» (Bd. 320, S. 518).

Für die Zukunft rechnen die Forscher mit einer weiteren Zunahme der Niederschlagsmenge ­ mit erheblichen Folgen für das Weltklima.

Francis Zwiers und seine Mitarbeiter von der Climate Research Division im kanadischen Toronto hatten zunächst Daten zu der durchschnittlichen Niederschlagsmenge in der Arktis und den nördlichen Subpolarregionen in den Jahren zwischen 1950 und 1999 ermittelt. Diese verglichen sie dann mit verschiedenen Klimamodellen und unter anderem auch mit Angaben zur Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre. Auf diese Weise konnten sie ungewöhnlich hohe Niederschläge mit den von Menschen erhöhten Treibhausgaskonzentrationen in Verbindung bringen.

Die Forscher stellten fest, dass die Niederschlagsmenge in den vergangen Jahren stärker angestiegen war als in Klimamodellen berechnet. Es sei denkbar, dass auch in Zukunft mehr Niederschläge fallen werden als die Klimamodelle vorhersagen, schreiben sie. Diese Annahme werde durch die Tatsache bekräftigt, dass auch das arktische Meereis neueren Untersuchungen schneller schmilzt als von den Klimamodellen vorhergesagt.

Die klimatischen Veränderungen in der Arktis werden den Forschern zufolge auch das globale Klimageschehen verändern. Der Süßwasser- Einstrom in den Arktischen Ozean wirke sich auf die Meeresströmungen im Atlantischen Ozean aus, die so genannte atlantische meridionale Umwälzzirkulation, kurz MOC. Diese wiederum beeinflusse das Wettergeschehen weltweit mit.


Sonntag, 27. April, 10:09 Uhr

Im Klimahaus von der Antarktis bis zur Sahelzone

Bremerhaven (ddp-nrd). Tauchlehrer Vaniah gleitet an einem fast toten Korallenriff entlang. Der junge Mann ist auf Samoa in der Südsee zu Hause. Er kennt die Unterwasserwelt seit seiner Kindheit und erlebt hautnah, wie die immer häufigeren tropischen Wirbelstürme Korallen absterben lassen. Vaniahs Heimat liegt auf derselben geografischen Linie wie das in Bau befindliche Klimahaus in Bremerhaven. Dort können ab März 2009 die Besucher eine Reise um die Erde entlang des achten Längengrades Ost machen. Dabei lernen sie unterschiedlichste Wetterphänomene und die Folgen des Klimawandels kennen, wie der Geschäftsführer der Klimahaus Betriebsgesellschaft, Arne Dunker, sagt.

Die «Reise» des Besuchers startet am nachgebildeten Bremerhavener Bahnhof, Gleis 2, und führt zunächst in die Schweiz, dann rund um die Erdkugel bis zur Hallig Langeneß, wie die wissenschaftliche Ausstellungsleiterin, Susanne Nawrath, erläutert. An jeder der insgesamt neun Stationen soll der Besucher mit all seinen Sinnen den Ort authentisch erleben: Schwitzend bei 35 Grad und von Fliegen umschwirrt in der Wüste der Sahelzone und frierend bei Minusgraden in der Antarktis, wo Eis an den Wänden klebt und Schnee umherwirbelt.

In begleitenden Filmen werde gezeigt, wie stark der Alltag der Menschen durch das jeweilige Klima bestimmt werde, sagt Nawrath. Zwei Jahre lang hatte ein Filmteam den achten östlichen Längengrad bereist. In den Filmen lernen die Ausstellungsbesucher auch Tauchlehrer Vaniah kennen, dessen Heimat teilweise in einem der größten Räume des verschachtelten Klimahauses nachgebaut wird. In feuchtwarmer Umgebung führe der Weg vorbei an üppigem Grün und einem echten typischen Wohnhaus zum Strand, sagt Nawrath. Dort könne der Besucher scheinbar unter Wasser gehen und in riesigen Aquarien die Unterwasserwelt der Südsee erleben.

Am Ende der Reise gelangt der Besucher zu begehbaren Zeitkugeln, in denen die in den Filmen kennengelernten Menschen fiktiv im Jahr 2050 ihr Leben rückblickend erzählen. Vaniah werde berichten, dass auf Samoa durch den steigenden Meeresspiegel der Lebensraum eng geworden sei, sagt Nawrath. Mit den Korallenriffen sei auch eine vor Sturmfluten schützende Barriere zerstört worden. Der Blick in die Zukunft basiert auf Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie.

Bremerhaven investiert mindestens 70 Millionen Euro in Planung, Bau und Ausstattung des weltweit einzigartigen Ausstellungshauses, das privat betrieben wird. Das Klimahaus soll die wichtigste Attraktion der «Havenwelten» werden, zu dem auch das Auswandererhaus und das Schifffahrtsmuseum gehören. Die Seestadt erhoffe sich einen Zuwachs beim Städtetourismus, sagt Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD). Jährlich werden 600 000 Klimahaus-Besucher erwartet.

Für die meisten Europäer sei der Klimawandel noch abstrakt, sagt Geschäftsführer Dunker. Die «Reise» entlang des achten Längengrads mache deutlich, wie der Klimawandel das Leben der Menschen verändere. «Das sensibilisiert für gezielten Umwelt- und Klimaschutz»", sagt Dunker. Im Ausstellungsbereich «Perspektiven» bekämen die Besucher Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie selbst das Klima schonen können.


Freitag, 25. April, 12:10 Uhr

MAN kündigt CO2-Senkung an

München (AP) Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern MAN hat eine Initiative zur CO2-Reduzierung angekündigt. Dazu sollen sparsamere Lastwagen- und Schiffsmotoren, ein geringerer Luftwiderstand sowie Hybrid-Stadtbusse beitragen, die in zwei Jahren in Serie gehen sollen. Vorstandschef Hakan Samuelsson sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in München, der Ausstoß des Klimagases könne «mit Technik, Innovationen und natürlich auch Verhaltensänderungen reduziert werden».

Für alle MAN-Werke seien Energie-Einsparziele festgelegt worden. Bei Lastwagen will MAN mit besserer Aerodynamik und besserem Antrieb zehn Prozent CO2 einsparen, mit längeren Lastwagen 20 Prozent. Hybrid-Stadtbusse sollen 25 Prozent bringen. Für die CO2-Abtrennung und interirdische Speicherung bei Kohlekraftwerken sowie für die Herstellung von Biokraftstoffen will MAN mehr Kompressoren verkaufen.







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