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Hintergrund: Biodiversitätskonferenz COP9

UN-Naturschutzkonferenz in Bonn soll globales Artensterben bremsen

Von Edgar Bauer, dpa, 9.5.08

(Bonn/dpa) - Neben dem Klimawandel gilt das Artensterben als zweite große globale Umweltherausforderung unserer Zeit. Zu der weltweit größten und bedeutendsten Naturschutzkonferenz des Jahres vom 19. bis 30. Mai wollen rund 5000 Teilnehmer nach Bonn kommen. Die UN-Konferenz mit Regierungsvertretern aus 190 Ländern soll ein Zeichen setzen im Kampf gegen die dramatisch fortschreitende Vernichtung der Natur. Dazu zählt vor allem die ungebremste Zerstörung der Urwälder mit hoher Artenvielfalt.

Auf der Bonner Konferenz wird beraten, wie die weitere Zerstörung von Wäldern und Meeren durch Schutzgebiete und andere Maßnahmen aufgehalten werden kann und wie das finanziert werden soll. Außerdem sollen Regelungen für den Zugang und die gerechte Verteilung des Nutzens aus der genetischen Vielfalt von Pflanzen gefunden werden. All dies ist umstritten, nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Interessen.

Die Zeit drängt: Die Vorgaben einer vorangegangen UN- Naturschutzkonferenz und des Weltgipfels von Johannesburg (2002) lauten, die Verlustrate an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2010 «signifikant zu reduzieren». Der Verlust soll im Tempo also wenigstens abgebremst werden - ihn zu stoppen, das geht schon nicht mehr.

Auch der Biosprit, der Treibstoff vom Acker, dürfte nicht nur wegen der ökologischen Folgen des immer mehr ausgeweiteten Anbaus sondern auch aus aktuellem Anlass wegen der Explosion der Nahrungsmittelpreise und bedrohter Lebensmittelproduktion ein Thema werden. Erstmals sollen auch Ergebnisse einer internationalen Studie über die weltwirtschaftlichen Kosten der Naturzerstörung vorgestellt werden, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde.

Der offizielle Name der Konferenz lautet: 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Das Übereinkommen (Convention on Biological Diversity/CBD) wurde von der Staatengemeinschaft auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 beschlossen. Zusammen mit der Klimarahmenkonvention und der Wüstenkonvention gehört die CBD zu den drei Abkommen von Rio, mit denen sich die Staaten zu einem globalen Umwelt- und Naturschutz verpflichteten.

Die UN-Naturschutzkonferenz - so der offizielle Titel der Bundesregierung - soll die Weichen stellen für ein völkerrechtlich bindendes Vertragswerk, das dann in zwei Jahren in Japan beschlossen werden könnte. Da Beschlüsse bei völlig unterschiedlichen nationalen Interessen einstimmig getroffen werden müssen, ist mit zähen Verhandlungen zu rechnen. Bisher blieb es meist bei hehren Erklärungen, und auf acht Konferenzen gab es nur bescheidene Fortschritte.

Umwelt- und Entwicklungsorganisation fordern dringlich zum Handeln auf. Die reicheren Länder müssten endlich ihre finanziellen Verpflichtungen für die bereits beschlossenen Maßnahmen erfüllen, sonst würden ärmere Länder auch weiterhin Fortschritte blockieren.

Vom Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und ihrer nachhaltigen Nutzung hängt das künftige Leben auf der Erde unmittelbar und entscheidend ab. Die Biodiversität - dazu zählt auch die Agrarvielfalt - umfasst alle Arten von Lebewesen, auch ihre Gene. Sie liefern Rohstoffe, Nahrung, Arzneimittel und sorgen für funktionierende Ökosysteme.

Der alarmierende Artenschwund raube der Menschheit auch die Schlüssel zur Entwicklung lebensrettender Medikamente, warnte das UN- Umweltprogramm (UNEP) kürzlich in einer Studie. In der Artenvielfalt sei auch eine «medizinische Schatzkiste» für mögliche neue Antibiotika, Schmerzmittel oder Krebsmedikamente verborgen.

Neben dem direkten Schutz der Vielfalt sind auch die Art der Nutzung sowie der Zugang zu genetischen Informationen und ein «gerechter Ausgleich» für Vorteile oder Profite aus diesem Zugang in der Diskussion. Nach den CBD-Regelungen sollen Entwicklungsländer davon profitieren, wenn etwa aus Regenwald-Pflanzen neue Arzneimittel gewonnen werden. Ärmere Länder sind auf den Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt als Existenzgrundlage angewiesen. Das gilt in besonderem Maße für sogenannte indigene Völker, die bei der CBD ausdrücklich ein Mitspracherecht haben.

Bonn wird die letzte große CBD-Konferenz vor dem Erreichen des 2010-Ziels sein und hat daher eine besonders Bedeutung. Anders als beim Klimaschutz mit dem Kyotoprotokoll ist bei der Biodiversität noch kein verbindliches Regelwerk greifbar. Deshalb mahnt auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dringlich «substanzielle Fortschritte» an. «Die Konvention steht am Scheideweg. Wir müssen in Bonn zeigen, dass es Bewegung und nicht nur Stillstand gibt. In Bonn wird sich entscheiden, ob die Konvention deutlich wirksamer werden kann, als dies im Moment der Fall ist.»


Biopiraten kapern traditionelles Wissen über die Natur - Hilft Bonn?

Von Simone Humml, dpa, 9.5.08

(Hamburg/dpa) Ein US-Unternehmer erhält ein Patent für eine gelbe Bohnensorte, die schon vor Jahrtausenden in Südamerika angepflanzt wurde. Ein Extrakt des indischen Neembaums wird in den USA und in Europa als Schädlingsbekämpfungsmittel patentiert. Ein deutsches Unternehmen gewinnt ein Substrat aus traditionell genutzten afrikanischen Geranien und verkauft es als Mittel gegen Atemwegkrankheiten. Einige solcher Patente wurden zwar nach jahrelangem Rechtsstreit inzwischen zurückgenommen. Die Konvention über die biologische Vielfalt will jedoch erreichen, dass traditionelles Wissen und Wirkstoffe nicht mehr so einfach verkauft werden können - und wenn doch, sollte die Bevölkerung auch davon profitiert.

Diese «gerechte Gewinnbeteiligung» wird einer der Schwerpunkte auf der UN-Konferenz über die biologische Vielfalt vom 19. bis 30. Mai in Bonn sein. «Dort müssen nun die Pflöcke eingeschlagen werden, damit es bis 2010 zu einem konkreten Abkommen kommen kann», betont Konrad Uebelhör, Programmdirektor Biodiversitätskonvention der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz). Das Bundesunternehmen verwirklicht Projekte des Entwicklungshilfeministeriums.

Ein Hauptanliegen sei, dass Konzerne und Forscher die jeweiligen Länder um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie nach nützlichen Pflanzen oder Genen suchen. Bei der Verwertung traditionellen Wissens sollten zudem die entsprechenden Völker gefragt werden, fordert Uebelhör. «Nötig sind klar formulierte Gewinnbeteiligungen.» Dazu könne auch zählen, dass die Technik zur Identifizierung der Wirkstoffe und Herstellung der Produkte in die ärmeren Länder transferiert werde, ebenso nötig sei aber auch die entsprechende Ausbildung der Bevölkerung.

Rund 190 Länder sind der Konvention beigetreten. Als einziges Industrieland lehnen die USA mit ihrer riesigen Pharmaforschung diesen Vertrag ab. Gegen die ersten zwei Ziele der Konvention, den Schutz der biologischen Vielfalt und ihre nachhaltige Nutzung, habe auch Washington nichts einzuwenden gehabt, erläutert Uebelhör. Das dritte Ziel der Konvention, die gerechte Aufteilung der Gewinne aus der Nutzung der biologischen Wirkstoffe, sei jedoch auf harten Widerstand von US-Konzernen gestoßen.

Dennoch können sich die USA den Regeln nicht ganz entziehen. So wollten auch sie Samen aus internationalen Saatgutbanken entnehmen und kommerziell nutzen. Dafür mussten sie laut Uebelhör einem Vertrag der Weltlandwirtschaftsorganisation FAO beitreten, der eine Gewinnbeteiligung verlange. «Auch US-Unternehmen können sich nicht komplett gegen die Konvention stellen, weil sie sonst etwa in Indien Proteste fürchten müssten», ergänzt sein gtz-Kollege Andreas Drews. «Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen ist dabei ganz wichtig.»

Drews sieht zudem eine Fehlentwicklung innerhalb des Patentwesens. Der Antragsteller für ein Patent müsse derzeit nicht offenlegen, woher seine Substanzen stammen. Daher gebe es eine «riesige Dunkelziffer» an Biopiraterie. «Wir fordern daher, dass bei der Zulassung etwa von Wirkstoffen, Novel Food und Kosmetika offengelegt wird, woher die Ressourcen stammen.» Dieses Verfahren habe Norwegen bereits eingeführt.

Doch nach langem Ringen zeigen sich erste Erfolge: Ein Fall bei dem traditionelles Wissen honoriert werde, sei das Volk der San im Süden Afrikas, sagt Frank Barsch, Artenschutzexperte der Umweltstiftung WWF. Die Jäger und Sammler kauten die kakteenähnliche Pflanze Hoodia bei ihren Zügen durch die Kalahari, um Hunger zu unterdrücken. Das südafrikanische Forschungszentrum CSIR isolierte aus dem Gewächs den Appetitzügler P57 und ließ ihn als Diätmittel patentieren. Über mehrere Umwege ist nun auch der Unilever-Konzern bei der Produktentwicklung involviert.

Nach vielen Protesten erhielten die San 2003 schließlich eine Lizenz-Beteiligung vom CSIR. Von 2009 an soll auch Unilever etwas beisteuern. San-Kommunen können sich bei einem Treuhandfonds um Fördergeld für soziale Projekt bewerben. «Das passiert leider noch viel zu selten, weil sie angeleitet werden müssen, um den Antrag zu stellen», sagt Barsch. Da die Gefahr der Hoodia-Ausrottung bestehe, lehrte er drei Jahre in San-Gemeinden, Hoodia anzupflanzen. «Das wäre lebendiges traditionelles Wissen.» Der WWF fordert von der Konferenz, dass die Lizenzerträge für eine soziale und ökologisch nachhaltige Entwicklung genutzt werden.


Dank Nahrungskrise vernichten Soja und Vieh den Urwald noch schneller

Von Emilio Rappold, dpa, 9.5.08

(Rio de Janeiro/dpa) - Mit guten News wird Brasilien bei der 9. UN-Konferenz über Biologische Vielfalt in Bonn nicht unbedingt glänzen. Wenige Tage vor der Übergabe der Konferenz-Präsidentschaft an Deutschland mussten die Umweltbehörden im südamerikanischen Land eine neue Hiobsbotschaft verdauen: der Amazonas-Regenwald, die grüne Lunge der Erde, stirbt weiter im Hochgeschwindigkeitstempo. In den Bundesstaaten Mato Grosso und Pará, die seit Jahren für rund 70 Prozent der Amazonaszerstörung verantwortlich sind, schoss im ersten Vierteljahr die vernichtete Fläche von 77 auf 214 Quadratkilometer in die Höhe. Allein zwischen Januar und März wurden dort also 21 400 Fußballfelder Urwald dem Erdboden gleichgemacht, obwohl in der Regenzeit nach der Jahreswende normalerweise kaum abgeholzt wird.

Zu allem Übel schwächt die Lebensmittelkrise die Position der Umweltschützer. Ungeniert wie selten zuvor verkündete der Mato Grosso-Gouverneur Blairo Maggi nach Bekanntwerden der neuen negativen Zahlen, die Abholzung des Urwalds sei zur Lösung der weltweiten Nahrungsprobleme unvermeidlich. «Man kann unmöglich mehr Lebensmittel produzieren, wenn man nicht neue Flächen besetzt und Bäume abholzt», sagte der in Brasilien als «Sojakönig» bekannte Mann. Er ist der größte Sojaexporteur der Welt. «Das Agrobusiness wird die internationale Lebensmittelkrise als Ausrede benutzen wollen, um neue Attacken auf den Urwald zu starten», fürchtet Paulo Adario, Amazonas- Leiter der Umweltschutzgruppe Greenpeace.

Die gelbe Wunderbohne treibt den Umweltschützern in Brasilien besonders viele Sorgenfalten auf die Stirn. Nach einem jüngsten Bericht der Nichtregierungsorganisation Reporter Brasil wuchs im Norden Brasiliens die Gesamtfläche der Sojaplantagen 2007/08 um 20 Prozent im Vergleich zur vorherigen Saison. Soja wird heute auf 21 Millionen Hektar angebaut, das heißt auf rund 45 Prozent aller in Brasilien landwirtschaftlich benutzten Flächen. Sojaanbau ist gewinnbringend und vor allem billig. Pro 200 Hektar Anbaufläche werden nur 4 Arbeiter benötigt. Bei Tomaten sind es 245 Arbeiter.

Hauptverantwortlich für die Regenwaldzerstörung war zuletzt aber die Gier nach Fleisch. 50 Millionen Hektar würden in der Amazonasregion als Weideflächen allein für die Rinderzucht verwendet, schätzt der Agrarkoordinator der Umweltschutzorganisation WWF Brasil, Luis Laranja. Die Nahrungskrise könne die Situation für den Amazonasregenwald verschlimmern: «Der Anstieg der Preise und die Lebensmittelknappheit hat die Tendenz der vergangenen zwei oder drei Jahre, als die Regenwaldzerstörung bei uns zurückging, in nur sechs Monaten schnell umgedreht». Zwischen den «Haupttätern» bestehe zudem ein Zusammenhang. «Die Sojapflanzer kaufen abgegrastes Weideland, das zuvor ohnehin wohl illegal abgeholzt wurde, und treiben die Viehzüchter immer weiter in den Urwald hinein».

Die Nachrichten über eine neue Zunahme der Urwaldzerstörung überraschen, denn erst im Januar hatte die Regierung von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva nach einer ersten Hiobsbotschaft Maßnahmen gegen die Abholzung beschlossen. Hunderte von Beamten schwirrten zu Kontrollen in den Urwald aus. Im Rahmen der Operation «Feuertor» wurden 338 Geldstrafen in Höhe von insgesamt 60 Millionen Real (etwa 25 Millionen Euro) verhängt. Knapp 38 000 Kubikmeter illegal gefällter Hölzer wurden sichergestellt. Es gab auch Kreditbeschränkungen für Umweltzerstörer und vieles mehr.

Der scheidende Geschäftsführer von Greenpeace in Brasilien, der Schweizer Arzt Frank Guggenheim, stellt der Regierung trotzdem ein schlechtes Zeugnis aus. Die Arbeit sei unbefriedigend gewesen, weil Umwelt keine Priorität Brasilias sei, obwohl Lula viele Schutzgebiete geschaffen habe. «Er hat aber kein neues Entwicklungsparadigma für den Regenwald angeboten», sagte der 58-Jährige, der künftig im Regenwald als Arzt arbeiten wird, vergangene Woche in einem Interview der Zeitung «Folha de Sao Paulo». Es gebe neben der Zerstörung des Urwalds viele andere Entwicklungsmodelle.

Die Amazonasregion umfasst etwa ein Drittel aller Regenwälder der Welt. Auf rund fünf Millionen Quadratkilometern findet man eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Aber allein seit 1970, als die Militärdiktatur die sogenannte «Besetzung» des Regenwaldes förderte, wurden nach Expertenschätzung 500 000 Quadratkilometer zerstört. Das entspricht der Fläche Frankreichs. Vor allem die von Zerstörung betroffenen Urwaldgebiete sind «Niemandsland». Dort sind sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse, illegale Aneignung von Land und auch die Verfolgung und Ermordung von Umweltschützern an der Tagesordnung. «Die Beziehung zwischen Regenwaldzerstörung und Gewalt ist kein Zufall. Vor allem die Viehzucht ist seit jeher Weltmeisterin der Sklavenhaltung», versichert José Afonso, Anwalt der Landpastoralen der Katholischen Kirche in Pará.

Die Aussichten für die nähere Zukunft sind auch aus amtlicher Sicht nicht rosig. Umweltministerin Marina Silva räumt Probleme ein. «Es sind komplizierte Zeiten, es war zuletzt im Urwald trockener, die Preise der Agrarprodukte klettern nach oben. Und aufgrund der am Jahresende anstehenden Bürgermeisterwahlen haben wir bei unseren Kontrollaktionen wenig Unterstützung auf lokaler Ebene», sagte sie dieser Tage auf einem Seminar in Brasilia.


Greenpeace: Schutz der Bio-Vielfalt erfordert viele Milliarden Euro

Von Edgar Bauer, dpa, 9.5.08

(Bonn/dpa) - Für den Schutz der weltweit gefährdeten biologischen Vielfalt muss die Staatengemeinschaft nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace möglichst rasch viele Milliarden Euro aufwenden. Die reichen Länder müssten dafür schon auf der Bonner UN- Naturschutzkonferenz vom 19. bis 30. Mai die Weichen stellen, sagte der Greenpeace-Koordinator für die Konvention zur Biodiversität (CBD), Martin Kaiser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Bonn. Deutschland solle eine Vorreiterrolle übernehmen.

Besonders wichtig sei der Kampf gegen Urwald-Vernichtung. Auf der UN-Konferenz müsse beschlossen werden, die Entwaldung bis 2015 zu stoppen, sagte Kaiser. «Die Urwälder verschwinden in einer dramatischen Geschwindigkeit. Das wird verursacht durch illegale und nicht-nachhaltige Abholzungen, durch Brandrodung oder vermehrt durch die Nachfrage nach sogenanntem Biosprit.»

Der Greenpeace-Experte forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, eine Initiative für finanzielle Angebote an Entwicklungsländer zum langfristigen Schutz der letzten Urwälder zu starten. «Deutschland sollte mit zwei Milliarden Euro pro Jahr anfangen und die anderen reichen Industrieländer mitnehmen.» Nach Schätzungen des renommierten Ökonomen Nicolas Stern seien etwa 30 Milliarden US-Dollar (19 Milliarden Euro) pro Jahr notwendig, um die globale Entwaldung zu stoppen. Wenn es Merkel mit anderen Industrieländern nicht gelinge, in Bonn ein Milliarden-Angebot vorzulegen, bedeute dies für Greenpeace ein Scheitern der Konferenz.

Auch die negativen Auswirkungen des oft illegalen Handels mit Holz müssten in Bonn verbindlich eingedämmt werden, forderte Kaiser. Im Meeresschutz sollten erste Schutzgebiete auf der Hohen See ausgewiesen werden, deren Kriterien jetzt beschlossen werden müssten. Daneben müsse auch die «Biopiraterie» gestoppt werden - die Ausbeutung von genetischen Ressourcen ohne angemessene Kontrolle und Entschädigung.

Die dramatischen Folgen der globalen Nachfrage nach Biosprit auf die Biodiversität, mit Abholzungen etwa in Indonesien und Zentralafrika müssten in Bonn auch ins Blickfeld rücken, sagte Kaiser. Es müsse ein gesetzlicher Rahmen für eine sinnvolle Nutzung von Bioenergie geschaffen werden. «Wenn dies in Bonn nicht passiert, werden sich die Probleme um Klimaerwärmung, Biodiversitätsverlust aber auch um Hunger und Armut dramatisch verschärfen.»

Bonn sei eine «letzte Chance» für den Schutz der biologischen Vielfalt, insbesondere der letzten Urwälder und der Weltmeere, sagte Kaiser. «Die Staats- und Regierungschefs haben vor sechs Jahren auf dem Umweltgipfel von Johannesburg beschlossen, den dramatischen Verlust an Lebensräumen und Arten bis 2010 zu bremsen. Wenn es ihnen zwei Jahre zuvor in Bonn nicht gelingt, die Hauptverursacher durch verbindliche Beschlüsse zu stoppen, kann das Ziel nicht mehr erreicht werden und die Konvention zur Biodiversität stünde auch insgesamt auf dem Spiel».


9. Mai, 2008

Die Konvention über die biologischen Vielfalt

(Hamburg/dpa) - Die Konvention über die biologische Vielfalt wurde 1992 auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro vereinbart. Sie hat drei Hauptziele: Die Erhaltung der Artenvielfalt, die nachhaltige Nutzung der Arten und die gerechte Aufteilung der Gewinne aus der Verwertung. Dem völkerreichlichen Vertrag sind inzwischen rund 190 Länder beigetreten, nicht jedoch die USA. Alle zwei Jahre treffen sich Vertreter der Vertragsstaaten, um die Konvention in konkretere Ziele zu fassen, demnächst vom 19. bis 30. Mai in Bonn.


9. Mai, 2008

Die Konvention über biologischen Vielfalt und ihre Folgen

(Hamburg/dpa) - Auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 haben 150 Staaten die Konvention über die biologische Vielfalt vereinbart. Ihre drei Hauptziele sind: Der Schutz der Natur, die nachhaltige Nutzung der Artenvielfalt und die gerechte Verteilung der Gewinne aus der Nutzung der Lebewesen. Inzwischen sind der Konvention rund 190 Staaten beigetreten, als einziges Industrieland fehlen die USA.

Alle zwei Jahre treffen sich die Staaten, um die Ziele zu erweitern und zu konkretisieren, wie jetzt in Bonn vom 19. bis 30. Mai. Auf einer dieser Nachfolgekonferenzen im April 2002 vereinbarten sie beispielsweise, bis 2010 den gegenwärtige Artenschwund deutlich zu vermindern.

Die Konvention brach mit dem Paradigma, alle genetischen Ressourcen seien «gemeinsames Erbe der Menschheit». Vielmehr sind Pflanzen, Tiere, Pilze und Bakterien samt ihrer Erbinformationen Eigentum der Staaten, in denen sie vorkommen. Da die Väter der Konvention jedoch nicht etwa noch die aus Südamerika stammende Kartoffel in diese Regel einbeziehen wollten, gilt als Stichtag der 29. Dezember 1993. An diesem Datum trat die Konvention in Kraft.

Aus der Konvention ging das Cartagena-Protokoll (Protokoll über die biologische Sicherheit) hervor, das die Natur vor möglichen Risiken gentechnisch veränderter Organismen schützen soll. Demnach muss ein Mitgliedstaat einen anderen umfassend informieren, wenn er gentechnisch veränderte Lebewesen dorthin exportieren möchte. Das Einfuhrland kann den Import daraufhin verbieten. Die mehr als 140 Mitglieder dieses Protokolls treffen sich bereits vom 12. bis 16. Mai in Bonn.


9. Mai, 2008

Internethinweise zur Konferenz über die biologische Vielfalt

(Hamburg/dpa) - Zur UN-Konferenz über die biologische Vielfalt vom 19. bis 30. Mai in Bonn gibt es zahlreiche Informationen im Internet. Hier eine Auswahl:

- UN-Konferenz über die biologische Vielfalt: http://www.cbd.int/cop9/

Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity/CBD): www.cbd.int

- Weltkarte der Mitgliedsländer der Konvention (CBD) und des Protokolls über biologische Sicherheit (CPB): www.cbd.int/countries

- Deutsche Übersetzung der Konvention: www.biodiv-chm.de/konvention/F1052472545

- Bundesumweltministerium zur Konferenz: www.bmu.de/allgemein/aktuell/160.php

- Bundesamt für Naturschutz zur Konferenz: http://www.bfn.de/0402_cop9.html

- Weltkarte zu vielen Aspekten der Artenvielfalt: http://stort.unep-wcmc.org/imaps/gb2002/book/viewer.htm







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