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Aktuell
Neue Studien zu Klimawandel
Mittwoch, 14. Mai, 20:24 Uhr
Studie: Der Klimawandel verändert die Welt massiv
London (dpa) - Der vom Menschen verursachte Klimawandel verändert die Natur massiv und weltweit. Zugleich ist die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2) und Methan derzeit so hoch wie noch nie seit 800 000 Jahren.
Das geht aus drei Studie hervor, die im Fachblatt «Nature» (Bd. 453, S. 353) vom Donnerstag veröffentlicht sind. Der Klimawandel sorgt für eine frühere Schneeschmelze, erwärmt Flüsse, Seen und Meere, lässt Pflanzen früher blühen oder verändert das Verhalten von Tieren.
Dass die vom menschengemachte Erderwärmung Ursache der Veränderungen in biologischen und physikalischen System ist, war von Experten zwar bereits als wahrscheinlich angesehen worden, ist aber in diesem Umfang bisher noch nicht gezeigt worden. Das Team um Cynthia Rosenzweig vom Goddard Institute for Space Studies der NASA (New York/US-Staat New York) hat fast 30 000 Datensätze zwischen 1970 und 2004 ausgewertet. Es erfasste zunächst die in Studien beschriebenen Veränderungen biologischer und physikalischer Systeme, also etwa den Blühzeitpunkt, die Gletscherschmelze oder die Zugvögelrouten. Dann überprüften die Forscher, ob die jeweiligen Veränderungen mit einer Erwärmung des Klimas zu erklären sind.
Ergebnis: 95 Prozent der physikalischen Veränderungen ließen sich durch einen Anstieg der Temperaturen erklären. In biologischen Systemen zeigte sich ein Zusammenhang in 90 Prozent der Fälle. Natürliche Klimaschwankungen könnten die Beobachtungen nicht erklären, berichten die US-Forscher weiter.
Ein europäisches Forscherteam hat unterdessen das derzeit umfassendsten Klimaarchiv der Welt ausgewertet - einen 3270 Meter langen Eisbohrkern der Antarktis. Demnach ist die heutigen CO2- Konzentrationen in der Atmosphäre mehr als 28 Prozent höher als je zuvor in den vergangenen 800 000 Jahren, wie die Universität Bern berichtet. «Methan ist heute um über 124 Prozent höher als je zuvor in den letzten 800 000 Jahren.» Bislang reichte diese Klimareihe nur rund 650 000 Jahre zurück. Das Team um Thomas Stocker habe den engen Zusammenhang zwischen CO2 und der Temperaturentwicklung bestätigt.
Derweil streiten sich deutsche Forscher, über das Klima in den kommenden zehn Jahren. Der Potsdamer Prof. Stefan Rahmstorf widersprach der aktuellen These seiner Kieler Kollegen von einer längeren Pause der globalen Erderwärmung. «Die neue Prognose ist keinesfalls Konsens unter den Klimaforschern - ganz im Gegensatz zur vom Mensch verursachten globalen Erwärmung», sagte Rahmstorf der «Frankfurter Rundschau» (Mittwoch).
Berechnungen des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften hatten ergeben, dass die Erdtemperatur im kommenden Jahrzehnt nicht um 0,3 Grad steigen werde, wie vom Weltklimarat (IPCC) vorhergesagt. Stattdessen werde sie auf dem derzeitigen Niveau verbleiben. In Mittel- und Nordeuropa könnte es laut diesen Berechnungen sogar um ein Zehntel Grad kühler werden. Grund seien natürliche Schwankungen der Meeresströme.
Laut Rahmstorf hingegen sammelt sich Kohlendioxid über die Jahrzehnte immer weiter an. Er habe zusammen mit seinen Kollegen sogar 5000 Euro darauf gewettet, dass die Erdtemperatur sich im nächsten Jahrzehnt weiter erhöht. «Die Wette bezieht sich darauf, ob man natürliche Schwankungen in der globalen Temperatur über zehn Jahre vorhersagen kann. Wir glauben das nicht.» Doch selbst der Kieler Prof. Mojib Latif warnt vor einer Fehlinterpretation seiner Prognose. «Wir postulieren nicht, dass die vom Menschen verursachte Klimaänderung nicht so schlimm ausfallen wird, wie befürchtet.»
Mittwoch, 14. Mai, 13:52 Uhr
Wette gegen neue These zur Erderwärmung
Frankfurt/Main (AP) Mit einer Wette in Höhe von 5.000 Euro haben Potsdamer Klimaforscher der These von einer vorübergehenden Pause der globalen Erderwärmung widersprochen. Bei dem Streit geht es um Simulationen von Forschern des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften, wie die «Frankfurter Rundschau» berichtet. Demnach soll die Temperatur im kommenden Jahrzehnt nicht wie vom Weltklimarat (IPCC) vorhergesagt um 0,3 Grad steigen. Stattdessen werde die Erdtemperatur zunächst auf dem derzeitigen Niveau bleiben.
In Mittel- und Nordeuropa könnte es demnach sogar um ein Zehntel Grad kühler werden. Erst zwischen 2015 und 2020 soll die Erwärmung dann wieder an Fahrt gewinnen. Die Abweichung zur IPCC-Prognose ergibt sich der Zeitung zufolge, weil die norddeutschen Wissenschaftler in ihren Modellen erstmals bestimmte natürliche Klimaschwankungen einbeziehen.
Dem widersprach der Mitverfasser des UN-Klimaberichts, Stefan Rahmstorf: «Die neue Prognose ist keinesfalls Konsens unter den Klimaforschern - ganz im Gegensatz zur vom Menschen verursachten globalen Erwärmung», sagte der Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. «Mit der Wette ging es uns vor allem darum zu zeigen, dass es eben keinen Konsens darüber gibt und dass man recht vorsichtig sein muss mit solchen Prognosen», sagte Rahmstorf am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP.
Der Kieler Studien-Mitautor Mojib Latif warnte in der «FR» aber vor einer Fehlinterpretation des Resultats: «Wir postulieren nicht, dass die vom Menschen verursachte Klimaänderung nicht so schlimm ausfallen wird wie befürchtet.»
E.ON-Chef Bernotat bei Klimazielen skeptisch
Er und seine Kollegen in Potsdam gehen vielmehr davon aus, dass die globalen Temperaturen auch in den kommenden Jahren weiter steigen werden, und sind zu einer Wette bereit: Sollte die Durchschnittstemperatur in den Jahren 2000 bis 2010 tatsächlich niedriger oder gleich der Durchschnittstemperatur in den Jahren von 1994 bis 2004 sein, wollen Rahmstorf und Kollegen 2.500 Euro zahlen. Der gleiche Betrag wird auch auf den Zeitraum von 2005 bis 2015 gesetzt. Sollte die durchschnittliche Temperatur darüber liegen, würden die Kieler Kollegen zur Kasse gebeten. Bislang hätten diese noch nicht eingeschlagen, sagte Rahmstorf der AP.
Nach seinen Worten zählt beim Kohlendioxid «der kumulative Effekt der Emissionen». So könne der Effekt der hohen Kohlendioxid-Belastung über wenige Jahre zwar gering sein. «Doch Kohlendioxid sammelt sich über die Jahrzehnte immer weiter an, ein Teil bleibt sogar Jahrtausende in der Atmosphäre», sagte er. Er plädiert dafür, «weltweit bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen mindestens zu halbieren». Nur so sei es möglich, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.
Derweil äußerte sich E.ON-Chef Wulf Bernotat skeptisch über die Klimaziele der Politik. «Ich fürchte, wir Europäer werden nicht einmal das Kyoto-Ziel erreichen», sagte er der «Zeit» laut Vorabmitteilung. Bisher hätten sich zudem Teile der Politik davor gedrückt, dem Bürger offen zu sagen, dass es «Klimaschutz nicht umsonst gibt». Zugleich warnte er aber die Bundesregierung vor übertriebenen Hoffnungen, beispielsweise bei der Windkraft.
Mittwoch, 14. Mai, 12:25 Uhr
Schlagabtausch um Klimaschutzpolitik im Landtag
Düsseldorf (ddp-nrw). SPD und Grüne haben der Landesregierung Versäumnisse bei der Klimaschutzpolitik vorgeworfen. Die Koalition setze einseitig auf Kohlekraftwerke und vernachlässige umweltfreundliche Lösungen wie die Kraft-Wärme-Kopplung und die Windkraft, sagte Grünen-Fraktionsvize Reiner Priggen am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag. Die Bemühungen, die Kraftwerksbetreiber zu einer Modernisierung ihrer Anlagen zu bewegen, seien «hilflos». Der SPD-Energieexperte Norbert Römer forderte die Regierung auf, den Widerstand gegen eine stärkere Förderung von Solarenergie und Windkraft aufzugeben.
Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) verteidigte das Konzept der Regierung. Man verteile keine Geschenke an die Energiewirtschaft, sondern setze auf verbindliche Zusagen der Unternehmen. «Wir haben ambitionierte Ziele», sagte Thoben. Nach den Plänen der CDU/FDP-Regierung sollen bis zum Jahr 2020 rund 81 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei der Energieerzeugung eingespart werden. Davon sollen allein 30 Millionen Tonnen aus der Erneuerung des Kraftwerksparks kommen.
Der FDP-Wirtschaftspolitiker Dietmar Brockes brachte erneut die Atomenergie ins Gespräch. «Kernenergie ist für einen effizienten Klimaschutz unentbehrlich», sagte der Landtagsabgeordnete. Durch die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken könnten in Deutschland ab dem Jahr 2020 jährlich bis zu 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
«Nie war mehr Klimaschutz in unserem Land. Und nie gab es mehr Transparenz als unter dieser Landesregierung», sagte CDU-Fraktionsvize Christian Weisbrich. Unter den roten und rot-grünen Vorgängerregierungen seien im Zeitraum zwischen 1990 und 2005 die Kohlendioxid-Emissionen in Nordrhein-Westfalen lediglich um 16,5 Millionen Tonnen reduziert worden.
Montag, 12. Mai, 11:46 Uhr
«Klimakiller»-Streit geht in die nächste Runde
Berlin (AP) Dienstwagen als «Klimakiller»: Die Deutsche Umwelthilfe bleibt dabei, dass die Bundesminister mit hohen Abgaswerten ihrer Limousinen unnötig viel Dreck in die Atmosphäre blasen. Proteste der Regierung wies die Organisation am Montag zurück. Sie entschuldigte sich aber bei Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, deren Dienstwagen sie falsch benannt hatte.
Die Umwelthilfe hatte vergangene Woche die Klimawerte der Dienstwagen von Bundes- und Landesministern veröffentlicht und scharf kritisiert. Mehrere Bundesministerien hatten aber beklagt, die Umweltschützer hätten falsche Modelle oder Abgaswerte genannt. Dies räumte die Umwelthilfe auch zum Teil ein, blieb aber bei ihrer Bewertung.
Weit über 140 Gramm
«Eine aktuelle Bilanz weist aus, dass derzeit alle Ministerlimousinen des Bundeskabinetts als 'Klimakiller-Pkw' einzuordnen sind», bekräftigte die Umwelthilfe. Als Klimakiller bezeichne sie Wagen, die den EU-Zielwert für 2008 von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer um mehr als 50 Prozent überschreiten, also bei mehr als 210 Gramm pro Kilometer liegen.
Die Äußerung von Regierungssprecher Thomas Steg, die Minister müssten im Dienst auch repräsentieren und könnten nicht in der «Rikscha» vorfahren, disqualifiziere den Sprecher und die Regierung. «Schon heute sind Limousinen, wie sie von Bundesministerin gefahren werden, mit einer klimaverträglicheren Motorisierung auf dem Markt», erklärte der Verband. Als Beispiel nannte er den BMW 520d mit 177 PS und nur 136 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß.
Die EU hatte mit den europäischen Autoherstellern für 2008 einen Zielwert von 140 Gramm Kohlendioxid vereinbart. Der wird allerdings auch bei Fahrzeugen für Jedermann nicht eingehalten. Der tatsächliche Wert bei deutschen Fahrzeugen lag zuletzt bei etwa 170 Gramm. Gleichwohl wird nun ein noch schärferer Grenzwert für 2012 debattiert: 120 Gramm je Kilometer.
Interne Übermittlungsfehler
Die Umwelthilfe beklagte den «systematischen Versuch» der Regierung, die Recherche der Umweltschützer zu den Regierungsdienstwagen in Frage zu stellen. Doch räumte sie auch eigene Fehler ein. Bei drei von 29 Dienstwagen hätten die Ministerien darauf aufmerksam gemacht, dass inzwischen ein anderes Fahrzeug genutzt werde.
Daneben habe es aber auch «DUH-interne Übermittlungsfehler» gegeben. Bei Gesundheitsministerin Schmidt habe man fälschlich angenommen, dass sie immer noch den Dienstwagen von 2007 fahre - einen Mercedes S500 mit 286 Gramm Kohlendioxid je Kilometer. Tatsächlich nutzte sie einen Mercedes 420 CDI mit 247 Gramm CO2-Ausstoß.
«Dies ändert leider nichts an der Tatsache, dass auch das aktuelle Fahrzeug mit 76-prozentiger Überschreitung des CO2-Zielwerts der EU für 2008 eines der klimaschädlichsten Ministerfahrzeuge des Bundeskabinetts ist». Schlechtere Werte hätten nur Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Justizministerin Brigitte Zypries, die mit ihren Dienstwagen jeweils 249 Gramm je Kilometer in die Luft pusten.
Donnerstag, 8. Mai, 22:10 Uhr
Kohlmeisen reagieren auf Klimawandel
London/Washington (dpa) - Kohlmeisen in England brüten wegen des Klimawandels heute zwei Wochen früher als noch vor knapp 50 Jahren. Über dieses Ergebnis jahrzehntelanger Beobachtungen berichten britische Wissenschaftler im US-Fachjournal «Science» (Bd. 320, S. 800).
Das vorgezogenen Brüten erlaube es den Meisen, den größten Nutzen aus einem saisonalen Nahrungsmittel zu ziehen: Die große Masse der Raupen erscheine wegen der wärmeren Frühlingstemperaturen heute ebenfalls zwei Wochen früher im Jahr auf der Bildfläche, berichten die Forscher um Professor Ben Sheldon von der Universität Oxford.
Die Wissenschaftler hatten vor 60 Jahren begonnen, Kohlmeisen (Parus major) im Waldgebiet Wytham Woods bei Oxford zu beobachten. Dabei wurden rund 10 000 Berichte zum Brutverhalten der Vögel gesammelt. Für die jetzt veröffentlichte Untersuchung zur Veränderung des Verhaltens in Reaktion auf den Klimawandel wurden Daten aus den zurückliegenden 47 Jahren ausgewertet. Kohlmeisenweibchen legen demnach ihre Eier heute im Durchschnitt zwei Wochen früher.
«Wir fanden heraus, dass weibliche Vögel in der Kohlmeisenpopulation in der Lage sind, ihr Verhalten von Jahr zu Jahr an die Umweltbedingungen anzupassen», sagte Sheldon. Dies zeige, dass solche Verhaltensänderungen nicht durch genetische Veränderungen bedingt werden müssen. Dennoch sei das Brutverhalten der einzelnen Individuen «überraschend ähnlich».
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