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Aktuell

Europäisches Sozialforum

Zehntausende Globalisierungsgegner in Paris

netzeitung, 12. Nov 2003

In Paris diskutieren Globalisierungskritiker über soziale Gerechtigkeit. Französische Politiker bemühen sich um strategische Allianzen.

Auf dem Zweiten Europäischen Sozialforum wollen Globalisierungsgegner aus aller Welt vier Tage lang über ungelöste soziale Konflikte debattieren. Zu dem Treffen, das am Mittwochabend beginnt, erwarten die Veranstalter mehrere zehntausend Teilnehmer, davon 3000 aus Deutschland. Auch Verdi-Chef Frank Bsirske hat sein Kommen angekündigt.

Auf der Tagesordnung stehen nach Angaben des Netzwerks Attac Themen wie «Alternativen zum neoliberalen Europa», die EU-Erweiterung und die Lage in Irak. Geplant sind 250 Seminare, hunderte Workshops und 55 Konferenzen. Zum Abschluss soll am Samstag eine Großkundgebung in Paris stattfinden.

Zu dem ersten Sozialforum waren im vergangenen Jahr laut Attac etwa 60.000 Menschen nach Florenz gekommen. In Paris könnte das Interesse ähnlich groß sein.

In Frankreich haben Parteien bereits den politischen Nutzen von Bündnissen mit Globalisierungskritikern entdeckt. Vor allem die Sozialisten versuchen sich den Sozialaktivisten anzunähern. Der französische Genfood-Gegner José Bové sagte dazu: «Je mehr sich uns anschließen und sagen, dass sie die gleichen Ziele haben, desto besser.»

Auch Vertreter des konservativ-bürgerlichen Lagers bemühen sich um Einvernehmen, wie «Le Figaro» berichtet. Eine Erhebung über die durch die Globalisierung geschaffenen Reichtümer sei unerlässlich, sagte Staatspräsident Jacques Chirac am Montag auf einer Tagung über Afrika.

Am gleichen Tag verkündete Premierminister Jean-Pierre Raffarin, dass er dem Sozialforum mit «guter Laune und Großzügigkeit» entgegen sehe. Auch der Chef der Regierungspartei UMP, Alain Juppé, könnte sich vorstellen, unter bestimmten Umständen auf der Seite der Globalisierungsgegner zu stehen.

Der Vorsitzende von Attac Frankreich, Jacques Nikonoff will von Tagespolitik allerdings nur wenig wissen. Seine Organisation wolle weder Mandate und Ämter übernehmen noch sich an Wahlen beteiligen, betonte er. Den politischen Parteien warf er vor, auf die Folgen der Globalisierung unpassend reagiert zu haben. Nikonoff plädierte für ein neues Europa, dass sich gegen die Dominanz der USA zur Wehr setzen soll. (nz)


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