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Aktuell
Umweltranking von Banken
Banken-Rating für den Regenwald
Der Umweltverband WWF ließ elf große Banken auf Umwelt- und Sozialstandards bei der Kreditvergabe überprüfen.
Ergebnis: Die Kriterien sind meist nicht ausreichend. Dabei könnten solche Standards Teil des Risikomanagements werden
VON KATHARINA KOUFEN, taz, 20.11.03
Wer ist schuld, wenn in Brasilien oder Indonesien die Regenwälder abgeholzt werden? Die Papierindustrie, sagen die einen. Weil die so viel Holz braucht. Die Zeitungen, sagen die anderen. Weil die so viel Papier nachfragen. Die Regierungen in Brasilien und Indonesien, lautet eine dritte Meinung. Weil die skrupellos Geschäfte machen, Hauptsache, sie kommen an Devisen.
Jetzt setzt ein Umweltverband an einer vierten Stelle an, um das Abholzen von Wäldern zu verhindern: bei den Banken. Die finanzieren schließlich die Geschäfte mit dem Holz. Der World Wide Fund for Nature (WWF) beauftragte die Münchner Rating-Agentur oekom research, elf europäische Banken einem Umweltranking zu unterziehen. Alle seien in der Vergangenheit durch "kontroverse Finanzierungen" aufgefallen, so der WWF.
"Bei Investitionen, die zu Lasten von Wäldern gehen, haben nur wenige Banken ausreichende Umwelt- und Sozialkriterien", so das Ergebnis der Studie, die der taz vorliegt und die heute in Frankfurt vorgestellt wird. Den Wald schädigen Projekte wie Papiermühlen, Rohstoffplantagen zur Produktion von Palmöl, Ölpipelines und Staudämme. Prominentestes umstrittenes Beispiel ist der Dreischluchtenstaudamm in China, der vor kurzem seinen Betrieb aufnahm.
Oekom research untersuchte bei den Banken, ob Sozial- und Umweltstandards exisitieren, wie konsequent sie angewandt werden und wie transparent die Kriterien sind. Die meisten Banken hätten keine eigenen Standards für Finanzierungen entwickelt, fanden die Ratingexperten heraus. In der Regel erkennen die Geldinstitute international gängige Standards an, am häufigsten die Weltbankrichtlinien.
Einige Banken, u. a. die niederländische ABN Amro, die Dresdner Bank, die Hypovereinsbank und die West LB, haben diesen Sommer die so genannten Äquatorrichtlinien unterschrieben, die sich ebenfalls an die Standards der Weltbank anlehnen, etwa "Schutz gefährdeter Arten", "kein Gebrauch gefährlicher Substanzen" und "keine Umsiedlung von Menschen".
Wie beim Firmenrating wurden dabei Noten von A plus bis D minus vergeben. Mit "B plus" am besten schnitten die ABN Amro, die Deutsche Investitionsgesellschaft sowie die Hypovereinsbank ab. Die Dresdner Bank erhielt ein "C plus", ebenso die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Entwicklungsprojekte der Bundesregierung finanziert und daher eigentlich besonders sensibel für Umwelt- und Sozialaspekte sein sollte. Die - in jüngster Zeit wegen der Finanzierung einer Ölpipeline in Ecuador besonders umstrittene - West LB wurde immerhin noch mit "C" bewertet. Schlusslicht ist die Commerzbank mit einem "C minus".
Drei der anvisierten elf Banken, darunter die Deutsche Bank, waren laut WWF nicht zur Zusammenarbeit bereit. Bei der Deutschen Bank hieß es gestern allerdings, man habe ausführlich mit dem WWF gesprochen. Im Übrigen sei die Deutsche Bank eines der ersten Finanzinstitute gewesen, die das Thema Umwelt auf der Agenda gehabt hätten.
Der Umweltverband hofft, mit dem Ranking den Anstoß für einen Strategiewechsel bei den Banken geben zu können. "Die Verankerung von Nachhaltigkeit soll als Instrument des Risikomanagements anerkannt werden und nicht als extern aufgezwungene Einschränkung von Finanzierungsaktivitäten", heißt es in der Studie. Und das liege doch durchaus im Eigeninteresse der Banken.
Wälder sind vor deutschen Banken nicht sicher
Umwelt-Rating international tätiger Banken: nur mittelmäßiges
Interesse an der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei
Waldumwandlung und Waldwirtschaft
WWF, Frankfurt, Donnerstag 20. November 2003
Bei Investitionen, die zu Lasten von Wäldern gehen, haben nur
wenige Banken ausreichende Umwelt- und Sozialkriterien. In noch
geringerem Maß werden bestehende Kriterien bei der Vergabe von
Krediten für den Bau von Pipelines, Staudämmen, Papiermühlen oder
anderen industriellen Großprojekten tatsächlich angewendet. Das ist
das Fazit, das die Umweltstiftung WWF heute aus einem bislang
einmaligen Umweltrating von elf Banken durch die Münchner Agentur
oekom research AG zieht. Oekom research hatte im Auftrag des WWF die
Existenz, Anwendung und Transparenz von Umwelt- und Sozialstandards
bei der Finanzierung von Projekten im Bereich Waldumwandlung und
Waldwirtschaft untersucht. Auf einer Notenskala von A+ bis D-
erhielten ABN AMRO (Niederlande), die Deutsche Investitions- und
Entwicklungsgesellschaft sowie die HypoVereinsbank ein B+, die UBS
(Schweiz) ein B-. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Dresdner
Bank wurden mit C+, die Westdeutsche Landesbank mit C bewertet. Das
Schlusslicht des Ratings, die Commerzbank, erreichte nur ein C-. Die
Deutsche Bank, die Norddeutsche Landesbank und die
Industriekreditbank hatten ihre Teilnahme an dem Rating verweigert
und konnten nicht bewertet werden. Alle genannten Banken sind
weltweit in Projekten engagiert, für die in großem Stil ursprüngliche
Wälder gerodet wurden.
"Die meisten deutschen Banken geben ein beschämendes Bild ab, wenn
es um die Verantwortung gegenüber unseren Wäldern geht. An dem
insgesamt nur mittelmäßigen Ergebnis ändern auch die wenigen
Positivbeispiele nichts!", äußert sich Martin Geiger,
Tropenwaldexperte des WWF, enttäuscht über das Ergebnis. In der
Vergangenheit war dem WWF immer wieder aufgefallen, dass westliche
Banken in die Vernichtung wertvoller Waldflächen verstrickt sind -
zum Beispiel bei der Finanzierung von Rohstoffplantagen zur
Produktion von Palmöl und Papier. Durch derartige Projekte werden in
Indonesien jedes Jahr hunderttausende Hektar ursprünglicher Regenwald
zerstört. So gehen nicht nur die grünen Lungen der Erde verloren -
außerdem verlieren die dort heimischen Elefanten, Tiger und Orang
Utans und viele weitere Tierarten ihren natürlichen Lebensraum. Der
WWF weist darauf hin, dass die Vernachlässigung von Umwelt- und
Sozialkriterien auch zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen
kann, beispielsweise wenn bei der Ausbeutung der Wälder Konflikte
entstehen und der Holznachschub für die Papiermühlen ausbleibt.
Die Forderungen des WWF an die deutschen Banken, bei Wald
relevanten Projekten wirksame Umwelt- und Sozialstandards einzuführen
und einzuhalten, stießen in bisherigen Gesprächen auf wenig Resonanz.
Um ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, hatten die
Umweltschützer das unabhängige Rating in Auftrag gegeben. "Jetzt
liegt uns eine wirklich objektive Bestandsaufnahme über die
Investitionsstandards der wichtigsten deutschen Finanzinstitute vor,
an der die Banken nicht mehr vorbeikommen", erklärt Geiger. Der WWF
wird die Ergebnisse des Ratings nutzen, um seine Überzeugungsarbeit
bei den deutschen Banken zu intensivieren. Verhandlungsinhalte werden
sein: Die Verlierer und Verweigerer des Ratings sollen ihre
Geschäftspolitik umgehend ändern, die Banken, die im oberen
Tabellenbereich landeten, sollen ihre bestehenden Standards
verbindlicher gestalten und konsequent veröffentlichen. Die Banken
sollen dem Beispiel der niederländischen ABN AMRO folgen: Sie gehört
zu den größten Finanzinstituten Europas und hat auf Druck von
Umweltschutzverbänden umfangreiche Richtlinien entwickelt. Dafür
erhielt ABN AMRO in der Rating-Rubrik "Existenz von Standards" als
einzige Bank die Note A.
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