Aktuell


Deutsche haben Angst vor Klimawandel

Sonntag 30. November 2003, 10:11 Uhr

Deutsche empfinden Klimawandel als reale Bedrohung

Frankfurt/Main (AP) Die negativen Folgen des Klimawandels werden von einer übergroßen Mehrheit der Deutschen als reale Bedrohung empfunden. Dies geht aus einer Umfrage zum Thema Umwelt und Energie hervor, die am Sonntag in Frankfurt am Main von der WWF-Stiftung vorgestellt wurde. Dabei stuften 74 Prozent der Befragten die Gefahren durch die Klimaveränderungen als groß oder sehr groß ein.

Entsprechend ausgeprägt ist der Wunsch, in Zukunft verstärkt auf erneuerbare Energie zu setzen. Auf die Frage nach der bevorzugten Energiequelle für künftige Kraftwerke plädierten 72 Prozent der insgesamt 1.000 Befragten für erneuerbare Energien und 22 Prozent für Gaskraftwerke. Kohle zogen nur fünf Prozent vor.

Der WWF wertete die Ergebnisse als klares Plädoyer für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohle. Rund die Hälfte der deutschen Kraftwerke müsse im nächsten Jahrzehnt aus Altersgründen vom Netz. «Es wäre nicht nur teuer und ökologisch unsinnig, die alten Anlagen durch neue CO2-Schleudern zu ersetzen, sondern auch politisch unklug», erklärte Regine Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland.

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos aus Mölln durchgeführt. Gefragt wurde unter anderem, inwieweit die Investitionspolitik der Stromkonzerne die Bundesbürger bei ihrer Wahl des Energieversorgers beeinflusse. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihren Stromversorger gegebenenfalls wechseln würden. Für einen großen Teil hängt die Entscheidung über den Versorger auch vom Preis ab. Für fast 40 Prozent käme ein Wechsel aus diesem Grund nicht in Frage.

Auffällig war nach Angaben der Umweltstiftung, dass Frauen «sauberer» Strom offensichtlich besonders am Herzen liege. Die Bereitschaft, den Energieversorger zu wechseln, wenn dieser ihren Wünschen nach an Kohlendioxid armer Energie nicht nachkomme, ist bei ihnen rund zehn Prozent höher als bei den Männern.

Vor der am Montag beginnenden Vertragsstaatenkonferenz zum Klimaschutz in Mailand wollte der WWF zudem wissen, was die Deutschen von der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung halten. 35 Prozent erklärten, die Bundesregierung tue genügend, um dem Klimawandel wirksam zu begegnen. Fünf Prozent sind der Ansicht, dass eher zu viel getan werde. Die überwiegende Mehrheit (58 Prozent) glaubt hingegen, dass die deutsche Regierung zu wenig oder sogar viel zu wenig tue.

Nach Ansicht des WWF nimmt für eine zukunftsweisende Energiepolitik der Stromsektor eine Schlüsselrolle ein. Mehr als ein Drittel der weltweit vom Menschen erzeugten CO2-Emissionen sei auf die Stromversorgung zurückzuführen. Die Verbrennung von kohlenstoffreichen Energieträgern wie Stein- und Braunkohle zur Stromerzeugung führe weltweit jährlich zu einem Ausstoß von rund 24 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

www.wwf.de


Montag 1. Dezember 2003, 01:57 Uhr

In Mailand beginnt neue Runde der UN-Klimaschutzkonferenz

Mailand (dpa) - In Mailand beginnt heute eine neue Runde der UN- Klimakonferenz. Es geht um die Verringerung der Treibhausgase. Vertreter aus über 180 Ländern suchen nach Wegen, wie das noch immer nicht gültige Kyoto-Protokoll zu retten ist. Die USA und Russland haben das vor sechs Jahren beschlossene Vertragswerk noch nicht ratifiziert. UN-Experten fürchten, dass die für das Klima schädlichen Treibhausgase in den reichen Industrieländern in diesem Jahrzehnt um durchschnittlich 17 Prozent zunehmen werden.


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