AktuellMit Gen-Bäumen gegen Klimawandel?
Mit Gen-Bäumen gegen Klimawandel?Greenpeace-Online, 10.12.03Hamburg/Mailand (sit) - Die Stimmung ist gedämpft, doch die Arbeit geht weiter: Auf der neunten UN-Klimaschutzkonferenz in Mailand ist am Dienstag der Vertragstext zur Anrechnung von Wäldern verabschiedet worden. Ein Kompromiss, den Greenpeace nur bedingt akzeptieren kann, denn zur Aufforstung sollen auch genmanipulierte Bäume erlaubt sein. Greenpeace steht der Anrechnung von Wäldern beim Klimaschutz generell sehr kritisch gegenüber. Lange Zeit galt als sicher, dass Bäume das Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Neuere Untersuchungen aber legen den Schluss nahe, dass dies nicht dauerhaft geschieht. Aufforstungen bergen zudem auch Gefahren. Wird den reichen Industriestaaten erlaubt, ein Prozent ihrer Emissionen durch Aufforstungen in ärmeren Ländern auszugleichen, so kann dies zu Enteignungen und zur Ausbreitung von Monokulturen führen. Greenpeace hat darum gefordert, die Anrechnung von Wäldern an bestimmte Voraussetzungen zu binden: an Umweltverträglichkeitsprüfungen, die Einhaltung sozialer Standards und die Beachtung von Landrechten indigener Völker. Diese Bedingungen sollten in einem eigenen Anhang an das Kyoto-Protokoll festgehalten werden. Zwar sind die Forderungen in Teilen aufgegriffen worden, doch finden sie sich nicht in einem eigenen Anhang, sondern im Vertragstext selbst. Ein Kompromiss, mit dem Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid leben kann. Mit einer Ausnahme: "Dass die Konferenz beschlossen hat, genmanipulierte Bäume zum Aufforsten zuzulassen, ist indiskutabel", sagt er. "Hier wird lediglich ein unkalkulierbares Risiko durch ein anderes ersetzt." Immerhin: Wenn COP 9, die neunte Kyoto-Vertragsstaatenkonferenz, am 12. Dezember endet, werden nach sechs Jahren alle wesentlichen Vertragstexte des Kyoto-Protokolls unter Dach und Fach sein. Am 10. Dezember 1997 haben im japanischen Kyoto 98 Staaten das Abkommen zum Klimaschutz unterzeichnet. Mittlerweile haben 120 Staaten das Protokoll ratifiziert. Damit es in Kraft treten kann, fehlt noch einer der großen Industriestaaten: Russland. Doch Russland mauert. Vor den Präsidentschaftswahlen im März nächsten Jahres wird sich dort in Sachen Klimaschutz vermutlich nichts bewegen. Die Stimmung unter den Konferenzteilnehmern in Mailand ist denn auch eher gedämpft. Der fehlende Kick aus Russland drückt auf die Energie. Umso mehr Druck macht der Klimafeind Nummer 1 - die USA, die das Abkommen seit 2001 massiv boykottieren. Sie sind mit einer großen Delegation angereist und machen mit einem ausgefeilten Technologieprogramm Stimmung gegen das Protokoll. Das Motto der US-Amerikaner, die rund ein Viertel aller Treibhausgase weltweit produzieren, lautet letztlich: Wir machen weiter wie bisher. Statt auf klimafreundliche erneuerbare Energien setzen sie auch zukünftig auf die Verbrennung fossiler Treibstoffe wie Öl - und rechtfertigen das mit Scheinlösungen. Mittwoch 10. Dezember 2003, 17:02 Uhr Trittin setzt auf Beitritt Moskaus zu KyotoMailand (dpa) - Trotz negativer Signale aus Moskau setzt Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) darauf, dass Russland doch noch dem Kyoto-Protokoll zur Verringerung von Treibhausgasen beitritt. Die Bundesregierung gehe davon aus, «dass Russland ratifizieren wird», sagte Trittin am Mittwoch bei der UN- Klimakonferenz in Mailand.Von der bis zum Freitag dauernden Konferenz müsse ein «politisches Signal zum Handeln» ausgehen. UN- Generalsekretär Kofi Annan betonte in einer Botschaft an das Treffen, die Kyoto-Vereinbarung von 1997 sei nur ein erster Schritt im Kampf gegen gefährliche Klimaveränderungen. «Es muss viel mehr getan werden.» Annan zeichnete ein dramatisches Bild drohender Schäden durch den Klimawandel. «Am Ende des Jahrhunderts könnte die Erde ganz anders aussehen als heute, mit vielen untergegangenen Inseln und dramatischen Veränderungen in der Landwirtschaft.» Am schlimmsten würden die armen Länder im Süden getroffen. «Unsere Kinder und Enkel würden nicht verstehen, wie wir so etwas zugelassen haben.» Das Kyoto-Protokoll mit der Verpflichtung der Industrieländer zur Verringerung der Klima verändernden Treibhausgase sei ein entscheidender Schritt zur Umkehr, meinte Annan. Er forderte diejenigen Industrieländer auf, die dies noch nicht getan haben, dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Damit das von 120 Staaten bereits akzeptierte Protokoll in Kraft treten kann, müssen es mindestens entweder die USA oder Russland noch ratifizieren. Erst vor wenigen Tagen hatte ein einflussreicher Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigt, Moskau werde das Kyoto-Protokoll nicht ratifizieren, weil dies dem Wirtschaftswachstum des Landes schaden würde. Dazu räumte Trittin vor Journalisten in Mailand zwar ein, es gebe innerhalb der russischen Führung unterschiedliche Auffassungen in dieser Frage. Wenn Putin aber auch aus der Präsidentwahl im nächsten Jahr gestärkt hervorgehe, werde er die Kraft haben, «diesen Streit zu entscheiden». Zugleich richtete Trittin Kritik an die USA, die Kyoto ablehnen. Er sprach von einer «Nicht-Klima-Politik» Washingtons. Trittin forderte die internationale Gemeinschaft auf, alles zu tun, um die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2 Grad zu beschränken. Dies sei ein realistisches Ziel, das aber Anstrengungen aller Staaten fordere. Bei einer Erwärmung von 4 Grad werde es bereits zu dramatischen Abschmelzen der Gletscher kommen. Mit Blick auf die USA meinte er, man dürfe bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht lediglich auf den Durchbruch neuer Technologien setzen und dabei bestehende Methoden nicht anwenden. «Wir fordern Handeln jetzt. Neue Technologien sind keine Ausrede, heute nichts zu tun.» Am Mittwoch begann auf der Konferenz in Mailand die höchste Verhandlungsrunde, in der 90 Minister und andere Delegationsleiter noch offene Punkten des Kyoto-Protokolls beraten. Mittwoch 10. Dezember 2003, 14:34 Uhr Klimakonferenz in Mailand Weckdienst für Präsident PutinWWF drängt Russland zur Ratifizierung des Kyoto-ProtokollsMailand (ots) - Nach der Anreise der zuständigen Minister geht der Klimagipfel in Mailand jetzt in die heiße Phase. Mit einer symbolischen Aktion drängten Aktivisten des WWF den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls nicht zu verschlafen. In einer Performance am Tagungsort “weckten“ Naturschützer im Bärenkostüm einen Putin-Darsteller, der auf dem Kyoto-Protokoll eingeschlafen war, und forderten ihn auf, die russische Ratifizierung endlich über die Bühne zu bringen. Das Inkrafttreten des Kyoto-Abkommens ist an zwei Bedingungen geknüpft. Zum einen müssen mindestens 55 Staaten den Vertrag ratifizieren. Diese Bedingung wurde inzwischen erfüllt: 120 Staaten haben unterzeichnet. Doch erst wenn Russland mitmacht, wird das Protokoll zu einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag. Denn damit das Protokoll in Kraft tritt, müssen überdies Länder an Bord sein, die gemeinsam für mindestens 55 Prozent der 1990 in den Industrieländern ausgestoßenen Kohlendioxidemissionen verantwortlich waren. Derzeitiger Stand: rund 44 Prozent. Erst mit dem russischen Anteil von 17, 4 Prozent könnte das Protokoll in Kraft treten. „Rußland trägt die volle Verantwortung , damit das einzige multilaterale Klimaschutzabkommen wirksam wird“, betonte Jennifer Morgan Leiterin der Klimaabteilung beim WWF. Präsident Putin dürfe nicht zulassen, dass sich die Ratifizierung weiter verzögere. Der WWF weist darauf hin, dass sich durch die Ratifizierung erhebliche Chancen für die russische Industrie, z.B. für die Gaswirtschaft, ergäben. Die Industrie könne in großem Maß vom so genannten „Joint Implementation“ profitieren. Dabei geht es darum, dass andere Industrieländer in Russland in Projekte zur Emissionsreduktion investieren könnten. Russland würde seine Energie sauberer erzeugen, während sichdie ausländischen Unternehmer die eingesparten Emissionen auf ihre eigenen Klimaschutzziele anrechnen könnten. » zurück |
|
Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Fr, 21.11.2008 © easy.wdss Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.net Bildschirm-Version |
|