Aktuell


Klimaschutz nach Kyoto

Donnerstag 11. Dezember 2003, 18:07 Uhr

Klimaveränderung: In Mailand bereiten die Staaten bereits die Phase nach Kyoto vor

Bern (ots) - An der neunten Weltklimakonferenz, die morgen in Mailand zu Ende geht, konnten alle Voraussetzungen für die Inkraftsetzung des Kyoto- Protokolls geregelt werden. Nun muss dieses nur noch durch Russland ratifiziert werden, damit es in Kraft treten kann. Die Konferenz hat erstmals die Diskussion aufgenommen über Massnahmen, die über das Kyoto-Protokoll hinaus gehen.

Die neunte Vertragsparteienkonferenz der UNO-Klimakonvention hat bestätigt: Heute zweifelt kein Land mehr daran, dass die Klimaveränderung die Umwelt und die wirtschaftliche Entwicklung auf der ganzen Welt stark beeinflusst. Die Staaten haben anerkannt, dass die Klimaveränderung die grösste Herausforderung ist, der sie sich in den kommenden Jahren stellen müssen.

Die Konvention hat die letzten Voraussetzungen geschaffen, damit das Kyoto-Protokoll in Kraft gesetzt werden kann. Dafür hat sie die Bedingungen festgelegt, unter denen die Industrieländer Aufforstungsprojekte in Entwicklungsländern finanzieren können, um ihre Emissionen zu kompensieren.

Die Schweiz hat durchgesetzt, dass diese Aufforstungsmassnahmen strengen Kriterien genügen müssen bezüglich Umwelt, Biodiversität (unter Anwendung des Protokolls von Cartagena über den Export von gentechnisch veränderter Organismen) und der Rechte der lokalen Bevölkerung.

Zudem hat die Schweizer Delegation erreicht, dass die Umsetzung der Klimakonvention nach 2012 in Angriff genommen wird. Dann endet die erste Phase der Verpflichtungen durch das Kyoto-Protokoll. Zum ersten Mal überhaupt wurde am Rande der Vertragsparteienkonferenz über dieses Thema diskutiert. Die Konferenz hat entschieden, Arbeiten aufzunehmen hinsichtlich von Massnahmen, die über das Kyoto- Protokoll hinausgehen.

Die Vertragsparteienkonferenz verlangt gleichzeitig von den Ländern, dass sie die Klimabeobachtung verstärken und ihre historischen Dateien aufbewahren, um die Veränderungen des Klimas verfolgen zu können. In der Schweiz wird diese Aufgabe von Meteo Schweiz erfüllt.

Bern, den 11. Dezember 2003

UVEK Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie, Kommunikation Presse- und Informationsdienst


Donnerstag 11. Dezember 2003, 13:26 Uhr

Trittin sieht weiter gute Chance für Kyoto-Protokoll

Berlin/Mailand (AP) Trotz negativer Signale aus Moskau geht Bundesumweltminister Jürgen Trittin weiter fest davon aus, dass Russland das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz ratifiziert und damit den Weg für das In-Kraft-Treten frei macht. Dies sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag im WDR. Auch die USA würden letztlich beim internationalen Klimaschutz wieder mitmachen. «Ich gehe davon aus, dass wir sie am Ende alle eingemeinden werden.»

Trittin nimmt am laufenden Klimaschutzgipfel in Mailand teil. Zum Auftakt hatte ein russischer Regierungsberater gesagt, die Duma werde das Kyoto-Protokoll von 1997 nicht ratifizieren. Ohne Russland kann der Vertrag jedoch nicht in Kraft treten. Darin verpflichten sich die Industrieländer, ihre Treibhausgase bis 2012 um rund fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Trittin sagte, die Ratifizierung habe für Russland mehrere Vorteile. Zum einen brächten die Möglichkeiten des Vertrags Investitionen nach Russland. Im Protokoll ist vorgesehen, dass westliche Industrieländer sich von der teuren Reduzierung der eigenen Treibhausgase freikaufen können, wenn sie mit Investitionen in den osteuropäischen Ländern erreichen. Zum anderen könnte Russland seinen derzeitigen Ausstoß an Schadstoffen nach dem Kyoto-Protokoll noch um ein Drittel steigern, sagte Trittin weiter: «Eine Bremse für Wachstum sehe ich da überhaupt nicht.»

Am Dienstagabend hatte der Chef der UN-Umweltbehörde, Klaus Töpfer, eine Studie vorgestellt, wonach Klimakatastrophen 2003 Schäden für rund 50 Milliarden Euro verursacht haben. Dies sind UNEP zufolge knapp zehn Prozent mehr als 2002.


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