AktuellStaudämme als Klimakiller
Freitag 12. Dezember 2003, 10:59 Uhr Silizium als KlimafaktorBremen (pte) - Forscher befürchten, dass das zweithäufigste Element der Erdkruste, Silizium, eine wichtigere Rolle im Klimageschehen des blauen Planeten spielt als bisher angenommen. Durch menschliche Eingriffe wird der Silikatkreislauf nämlich empfindlich gestört. Besonders Staudämme sind ein Faktor, der bisher zu wenig beachtet wurde, wie Experten des Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen berichten.Die Experten in Bremen haben sich unter anderem mit Forschungsergebnissen der vergangenen Jahre beschäftigt, die vom "Scientific Committee on Problems of the Environment (SCOPE)", einem internationalen Forschungsprogramm, das sich dem Siliziumkreislauf am Übergang zwischen Land und Meer widmet, erstellt wurden. Flussufer und Küsten sind bevorzugte Siedlungsgebiete des Menschen. Die wirtschaftliche Nutzung dieser zieht jedoch massive Umweltprobleme nach sich. Unter anderem gelangen Nitrate und Phosphate, wesentliche Nährstoffe des Phytoplanktons, in Gewässer und führen zu ausgeprägten Algenblüten. In den Küstenmeeren können diese Zellkonzentrationen dann mehrere Mio. Zellen pro Liter Wasser betragen. Da die Algen bei der Photosynthese große Mengen des Treibhausgases CO2 aufnehmen, sind sie ein wesentlicher Faktor im Klimageschehen. Die Ozeane gelten daher als Regulative im CO2-Kreislauf. Wasserläufe der Flüsse schleusen jedes Jahr mehrere Mio. Tonnen gelöstes Silizium aus der Erdkruste ins Meer. Dort wird es von Kieselalgen gebunden, die das Silizium in ihre Schale einbauen. Rund drei Viertel des Phytoplanktons bestehen aus den schalentragenden Kleinalgen. Auch die Kieselalgen nehmen CO2 für ihren Stoffwechsel auf. Mit ihrem Silikatpanzer sinken sie schneller als andere Mikroalgen und begraben dadurch einen Teil des gespeicherten Kohlenstoffs in den Sedimenten des Meeresbodens. Wissenschaftler nennen dies "biologische Pumpe". Schalenloses Phytoplankton hingegen leitet den größten Anteil des CO2 bei Verwesung oder durch Einschleusen in die Nahrungskette wieder in die Atmosphäre zurück, berichten die Experten aus Bremen. Nach Ansicht der Forscher mehren sich alarmierende Anzeichen dafür, dass der Silikatkreislauf durch menschliche Eingriffe zunehmend gestört wird: "Biogeochemische Untersuchungen am Schwarzen Meer haben ergeben, dass der Bau von Staudämmen weitreichende Konsequenzen für die Küstenökosysteme hat", berichtet Tim Jennerjahn vom ZMT. Die gewaltigen Dämme halten nämlich erhebliche Mengen von Silikat auf dem Kontinent zurück, wie Untersuchungen in der Donau an der ehemals rumänisch-jugoslawischen Grenze gezeigt haben. Die Wissenschaftler befürchten nun, dass dies ein weiterer Beitrag zum Klimawandel sein könnte. » zurück |
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