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WWF-Rückblick 2003

WWF zieht gemischte Umwelt-Bilanz für 2003: Trotz Erfolgen keine Entwarnung für bedrohte Arten, Wälder und Meere

WWF, Sonntag 28. Dezember 2003, 10:04 Uhr

Bedrohte Tiere und Pflanzen: Gewinner und Verlierer

12.259 Tier- und Pflanzenarten ordnete die Weltnaturschutzunion IUCN in die obersten drei der neun Gefährdungsstufen auf der aktuellen Roten Liste der bedrohten Arten ein. Das sind 1.092 mehr als im Vorjahr. Die Abholzung von Wäldern, die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Ansiedlung von fremden Arten, die die heimischen Tiere und Pflanzen verdrängen, sowie die anhaltende Übernutzung vieler Arten führen dazu, dass die Artenvielfalt schneller schrumpft als je zuvor.

2003 feierte das internationale Eisbärschutzabkommen sein 30- jähriges Bestehen. Der WWF schätzt, dass sich dank des Abkommens die Eisbären seit 1973 von 10.000 auf rund 22.000 Tiere vermehrt haben.

Insgesamt leben in Asien und Afrika nur noch 13.000 Nashörner. Die ursprünglich rund eine Million Tiere wurden durch die Jagd auf das begehrte Nasen-Horn dezimiert, das in der traditionellen Medizin ostasiatischer Länder als Potenz steigerndes und Fieber senkendes Mittel verwendet wird.

Im gesamten Westpazifik gibt es gerade noch knapp 100 Grauwale. Durch den Bau von Pipelines und Plattformen für Öl und Gas im Ochotskischen Meer nördlich von Japan ist das Überleben der letzten westpazifischen Grauwale extrem gefährdet.

Um 95 Prozent geschrumpft ist die Population der Nilpferde im Virunga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. Wo vor dreißig Jahren noch 29.000 der gemütlichen Dickhäuter lebten, wurden 2003 nur noch 1.300 Tiere gezählt. Hohe Preise, die auf den lokalen Elfenbeinmärkten für die Eckzähne der Nilpferde gezahlt werden, und der Handel mit Nilpferdfleisch haben die illegale Jagd auf die Tiere vor allem seit dem Ausbruch der Bürgerkriege in Zentralafrika in den neunziger Jahren verschärft.

85 Luchse wurden 2003 in Norwegen zum Abschuss freigegeben. Der Bestand norwegischer Luchse ist in den vergangenen Jahren durch skrupellose Jäger, die auch auf Mutter- und Jungtiere keine Rücksicht nehmen, auf lediglich 350 Tiere geschrumpft. Damit die Luchse in Norwegen überhaupt überleben können, werden nach Schätzungen des WWF mindestens 200 Weibchen gebraucht.

300.000 Walen und Delfinen kann künftig jedes Jahr das Leben gerettet werden: Die Mitgliedsländer der Internationalen Walfangkommission verabschiedeten im Juni 2003 in Berlin eine Strategie, um die Meeressäuger, die sich jedes Jahr auf der ganzen Welt in Fischernetzen verfangen, zu schützen.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen feierte im März seinen 30. Geburtstag. Das Abkommen regelt weltweit den Handel mit 5.000 Tier- und 25.000 Pflanzenarten, um sie vor der Ausrottung zu bewahren.

Eine Gruppe von elf Pazifikstaaten ernannte eine Fläche von 28 Millionen Quadratkilometern zum Schutzgebiet für Wale. Damit retten sie langfristig eine Vielzahl von Walen, die im Pazifik ihre Jungen aufziehen oder den Ozean bei ihren Wanderungen durchkreuzen.

In China wurden in diesem Jahr fünf neue Schutzgebiete für Panda- Bären ernannt. Die letzten 1.000 Pandas finden nun auf insgesamt 334.000 Hektar ihre Ruhe.

Wälder: Feuersbrünste in Europa und den USA

Im Sommer 2003 brannten Europas Wälder: Insgesamt fielen in Spanien, Frankreich, Portugal und Italien 630.000 Hektar Wald den Flammen zum Opfer - doppelt soviel wie im Jahr zuvor. Der WWF fordert, dass bei der Wiederaufforstung heimischen Bäumen und Sträuchern der Vorzug gegeben wird, um ähnliche Katastrophen künftig zu verhindern. Vor allem in Portugal, wo 417.00 Hektar Wald brannten, waren die für die Region untypischen und besonders Feuer anfälligen Eukalyptus-Plantagen Brandherde erster Güte. Der WWF schätzt, dass jedes Jahr weltweit etwa fünfzehn bis zwanzig Millionen Hektar Wald durch Holzeinschlag, Feuersbrünste und Waldumwandlung verschwinden - das entspricht drei- bis viermal der Fläche der Schweiz.

Auch in Kalifornien wüteten im Herbst verheerende Waldbrände, die auf die jahrzehntelange Umwandlung der ursprünglichen und relativ Feuer resistenten Wälder in leicht entflammbare Waldflächen zu- rückzuführen sind.

Im zentralafrikanischen Regenwald können durch eine gemeinsame Initiative des WWF und der Krombacher Brauerei fast 3.000 Hektar Regenwald dauerhaft geschützt werden.

93 Prozent aller Europäer forderten in einer Umfrage des WWF, dass die heimischen Wälder besser geschützt werden. In Deutschland gibt es insgesamt rund zehn Millionen Hektar Wald.

Meere: durch Öl und Überfischung bedroht

Jedes Jahr landen rund 260.000 Tonnen Öl in der Nordsee. Die Ostsee muss jährlich 60.000 Tonnen vertragen. Schuld sind Ölunfälle und illegale Einleitungen von Motorenöl. Zum Vergleich: Beim Unfall des Tankers Prestige vor Spaniens Küste im November 2002 flossen 75.000 Tonnen Öl ins Meer. Im gesamten Mittelmeer werden einer Studie des WWF zufolge jedes Jahr absichtlich drei Millionen Tonnen Öl "verklappt".

1.500 Tonnen Schweröl hatte der chinesische Frachter "Fu Shan Hai" an Bord, der im Juni in der Ostsee verunglückte. Jedes Jahr werden auf der Ostsee 40 Millionen Tonnen Öl transportiert.

12.000 Tonnen Öl gelangten im August vor Pakistan ins Meer und verschmutzten die Strände. Der Tanker "Tasman Spirit" war dort auf Grund gelaufen.

Das mit 130 Quadratkilometern größte Kaltwasserkorallenriff der Erde, das Röst Riff in Norwegen, wurde von der norwegischen Regierung unter Schutz gestellt. Korallen existieren in bis zu 2.000 Metern Tiefe und können bis zu 4.000 Jahre alt werden.

75 Prozent der Fischbestände sind überfischt oder werden bis an ihre Grenzen befischt. Die Folge: In den Netzen der Fischer landet immer weniger Beute. Gleichzeitig werden immer mehr Fische in Aquakultu- ren "produziert". Das Paradoxe: Um ein Kilogramm Aquakulturfisch zu bekommen, müssen vier Kilogramm lebender Fisch verfüttert werden.

ots-Originaltext: WWF World Wide Fund For Nature


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