Aktuell


Klimawandel und Ökonomie

Donnerstag 18. November 2004, 17:25 Uhr

Forscher warnen vor Riesen-Ökoschäden

Berlin (dpa) - Zur Vermeidung riesiger wirtschaftlicher Schäden haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Solarwirtschaft verstärkte Klimaschutz-Anstrengungen angemahnt. Ohne radikale Verminderung der Treibhausgase sei nicht nur die Umwelt gefährdet.

Dem Land drohe bis 2050 auch ein ökonomischer Schaden von 140 Milliarden Euro, betonte DIW-Experte Hans-Joachim Ziesing. «Wir können uns unterlassenen Umweltschutz nicht leisten», sagte er beim Kongress der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) in Berlin. Diese appellierte an den Bundestag, nach dem Stromgesetz für Erneuerbare Energien nun auch den solaren Wärme- und Heizungsmarkt gesetzlich zu fördern. Das sei in Arbeit, hieß es im Umweltressort.

Im solaren Wärmebereich liegt nach Aussage von UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig ein riesiges Einsparpotenzial an Energie und Kohlendioxid. Allein 80 Prozent des Energieverbrauchs der Privathaushalte entfalle auf die Wärme. Aber erst 4 Prozent des Wärmeverbrauchs - dagegen bereits zehn Prozent des Stromverbrauchs - würden aus Solar-, Bio oder Erdwärme gedeckt. Aus Öl, Gas und Kohle erzeugte Wärme sei technisch zu 90 Prozent durch die alternativen Technologien ersetzbar, davon allein bis zu 30 Prozent aus Solarwärme, sagte Körnig.

Dies müsse endlich angepackt werden, denn die Heizölkosten eines Durchschnittshaushalts seien seit 1994 um 80 Prozent auf 1457 Euro in diesem Jahr geklettert. Solaranlagen könnten die Heizkosten um 30 bis 50 Prozent drosseln. Bisher gebe es 600 000 Wärme- und 100 000 Strom-Solaranlagen.

Ein solares Wärmegesetz sollte der Solarenergie nun auch in diesem Bereich zum Durchbruch verhelfen, forderte Körnig. Dazu sei an eine ähnliche Förderung wie beim Stromgesetz über Erneuerbare Energien ebenso zu denken wie an eine «Baupflicht vergleichbar bestehender Wärmeschutzauflagen bei der Gebäudeisolierung». Hier müsse es aber anders als bei der «grünen» Stromförderung zu einer kalkulierbaren Förderung kommen. Dies sei wichtig, damit bei entsprechenden Investitionen die Banken mitzögen. Bei der Stromproduktion zum Beispiel aus Windkraft erhalten die Anlagen-Betreiber eine zusätzliche Vergütung von den Netzbetreibern, die diese wiederum an die Verbraucher weitergeben. Dies geht im Falle der Wärmeerzeugung nicht, da es sich nicht um eine leitungsgebundene Produktion handelt.

Wie die Solarwirtschaft forderten auch das DIW und der Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Xetra: 514000.DE - Nachrichten - Forum) , Norbert Walter, den Umstieg auf Erneuerbare Energien voranzutreiben. Für mehr Versorgungssicherheit forderte Walter eine größere Unabhängigkeit von Erdöl und Erdgas und damit vom spannungsgeladenen arabischen Raum und von Russland. In einem Restzeitraum von 20 bis 30 Jahren sei ja auch die Kernenergie noch nutzbar, die nach und nach abgeschaltet wird.

DIW-Experte Ziesing warnte: «Wir müssen davon wegkommen, über Klima und Umweltschutz zu reden, als habe das mit Ökonomie nichts zu tun. Klimaschäden bedeuten erhebliche volkswirtschafliche Schäden.» Um sie zu vermeiden, müssten in 50 bis 70 Jahren die Treibhausgase um 60 bis 70 Prozent reduziert sein. Umweltminister Jürgen Trittin, erklärte angesichts des förmlichen russischen Beitritts zum Kyoto- Protokoll, Deutschland wolle die Treibhausgase langfristig um 40 Prozent senken, wenn sie EU-weit um 30 Prozent verringert würden.


Donnerstag 18. November 2004, 12:41 Uhr

Deutsche Solarwirtschaft will mehr Förderung für Solarwärme

Berlin (AFP) - Die deutsche Solarwirtschaft hat für den beschleunigten Ausbau der Solarwärme eine breitere Förderung der Branche gefordert. Nötig sei ein Solarwärmegesetz, das sich etwa am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den Stromsektor orientieren könnte, erklärte die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) am Donnerstag in Berlin. Eine solche Gesetzesinitiative sei "überfällig", da die bisherigen Förderzuschüsse des Bundes für einen "nachhaltigen Marktausbau" nicht ausreichten, betonte UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig. Den Solarunternehmen und Banken würde damit die nötige Investitionssicherheit gegeben. Nach Einschätzung der Branche könnten so nicht nur die Marktpreise sinken, sondern auch tausende neue Arbeitsplätze in der Solarwirtschaft entstehen.


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