AktuellArmutsbekämpfung durch Umweltpolitik
Mittwoch 1. Dezember 2004, 12:03 Uhr Welle von «Umweltflüchtlingen» befürchtetBerlin (AP) Auf die Industrieländer kommt möglicherweise eine Welle von «Umweltflüchtlingen» zu, falls sie globale Probleme wie den Klimawandel nicht mit mehr Nachdruck und mehr Geld bekämpfen. Diese These vertrat der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltfragen, Hartmut Graßl, am Mittwoch in Berlin. Der Rat übergab sein neues Gutachten «Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik» an die Regierung.Eine der Kernbotschaften laute, dass die weltweite Armut auf Dauer ohne eine effiziente Umweltpolitik nicht zu mindern sei, sagte Graßl, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Denn globale ökologische Probleme wie der Klimawandel träfen vor allem arme Menschen in Entwicklungsländern, die ihn nicht verursacht hätten und sich kaum schützen könnten. Zwar werde die verknüpfte Bekämpfung von Armut und Umweltproblemen zusammen Kosten im «niedrigen dreistelligen Milliardenbereich» verursachen, räumte Graßl ein. Dies sei aber im Vergleich etwa zu den jährlichen Agrarsubventionen von 350 Milliarden Dollar nicht übermäßig viel. Die Investition würde sich für die Industrieländer lohnen, meinte Graßl. «Wir bekommen eine Umweltdividende, es zahlt sich auch für uns aus.» Auch die Menschen im Norden profitierten von geringerer Verschmutzung der Luft und der Ozeane, zudem hätten sie wirtschaftliche Vorteile durch intensiveren Welthandel und wachsende Märkte. Wichtigster Punkt jedoch sei die «Sicherheitsdividende», weil der erfolgreiche Kampf gegen Armut und Umweltprobleme die Zahl der Flüchtlinge verringere und die Basis für Terrorismus ausdünne. Der globalen Umweltpolitik müsse deshalb der gleiche Stellenwert eingeräumt werden wie der Sicherheitspolitik, sagte der Regierungsberater. Daraus folgt für den Beirat die Forderung nach einer grundsätzlichen Reform der UN-Programme, die mit Umwelt und Entwicklung betraut sind. Ein «Rat für Globale Entwicklung und Umwelt» soll sie aufeinander abstimmen. Darüber hinaus muss das UN-Umweltprogramm UNEP aus Sicht des Rats aufgewertet werden. Die Vereinten Nationen müssten sich viel stärker darauf konzentrieren, die großen Menschheitsrisiken - Umweltschäden und Armut - zu bewältigen, sagte Beiratsmitglied Franz Nuscheler. Die Bundesregierung kommt im Gutachten ihres Beirats ohne «Schimpfkanonade» weg, wie Graßl sagte. Allerdings müsse sie die in ihren «Pamphleten» verkündeten Grundsätze schneller umsetzen und vor allem die versprochene Anhebung der Entwicklungsausgaben auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schneller verwirklichen. «Wir sind kein armes Land», meinte der Wissenschaftler. http://www.wbgu.de/ Gutachten "Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik" Mittwoch, 1. Dezember 2004 Umwelt-Gutachten: Globale Armutsbekämpfung setzt wirksamen Umweltschutz vorausWissenschaftlicher Beirat übergibt Bundesregierung Umwelt-GutachtenEine wirksame Umweltpolitik ist eine grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung der globalen Armut. Mit dieser Kernbotschaft seines neuesten Gutachtens "Welt im Wandel - Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik" bestätigt der Wissenschaftliche Beirat Globale Umwelt-veränderungen (WBGU) den eingeschlagenen Kurs der Bundesregierung. Der WGBU macht in seinem Gutachten deutlich, wie Klimawandel, Wassermangel oder Bodendegradation die Lebensgrundlagen vor allem der armen Bevölkerung in vielen Teilen der Erde gefährden. Diese Umweltveränderungen sind größtenteils durch den Menschen selbst verursacht und auf komplexe Weise mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes verknüpft. Der WBGU mahnt eine intensivere internationale Zusammenarbeit von globaler Armutsbekämpfung und Umweltpolitik an. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn unterstrich bei der Übergabe des Gutachtens am Mittwoch in Berlin: "Die Sicherung der Lebensgrundlagen und der Entwicklungschancen aller Menschen muss weltweit oberste Priorität haben." Wissenschaftliche Analysen und neueste Forschungsansätze spielten in der Umweltpolitik eine entscheidende Rolle. "Präzise Frühwarnsysteme sind die beste Voraussetzung, um Umweltveränderungen rechtzeitig zu erkennen", sagte Bulmahn. Darauf aufbauend könnten Maßnahmen zur Gegensteuerung oder zumindest zur Anpassung entwickelt werden. "Deutsche Forscherinnen und Forscher leisten hierbei international einen hervorragenden Beitrag." Bundesumweltminister Jürgen Trittin betonte, dass die Erhaltung der natürlichen Ressourcen eine entscheidende Voraussetzung für Entwicklung sei. Trittin: "Die internationalen Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien, die wir uns auf der Bonner Konferenz gesetzt haben, werden Investitionen in Milliardenhöhe mobilisieren. Das hilft nicht nur dem Klima und der Umwelt, sondern gibt auch wirtschaftliche Impulse in den ärmeren Ländern." Der Bundesumweltminister begrüßte die Forderung des WBGU, die Umweltpolitik im UN-System aufzuwerten. "Die wichtigen Aufgaben, die dem UN-Umweltprogramm (UNEP) zugewiesen sind, erfordern eine institutionelle Autorität. Deshalb brauchen wir eine durchsetzungsfähige und wirksame UN-Umweltorganisation, die sich auf gleicher Augenhöhe wie die Welthandelsorganisation oder die Welternährungsorganisation bewegen kann", betonte Trittin. Mit der Empfehlung, Nutzungsentgelte für den Flugverkehr und die Meere zu erheben, zeigten die Gutachter auch auf, wie dringend benötigte zusätzliche finanzielle Mittel für den internationalen Umweltschutz und Armutsbekämpfung aufgebracht werden können. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul betonte, das WBGU-Gutachten käme zum richtigen Zeitpunkt. "Gerade die ärmsten Menschen auf der Welt leiden am stärksten unter den Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel. Sie leiden unter den Folgen schwerer Wirbelstürme und Überschwemmungen. Sie leiden unter unbrauchbaren Böden. Sie leiden unter verschmutztem Wasser. Täglich sterben 6.000 Kinder, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das dürfen wir nicht hinnehmen", so Wieczorek-Zeul. Die Ministerin begrüßte die Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats, die öffentlichen Entwicklungsleistungen weiter zu steigern: "Bis zum Jahr 2006 werden wir den Anteil der öffentlichen Entwicklungsleistungen auf 0,33 Prozent des Bruttonationaleinkommens aufstocken. Das ist auch eine Investition in unsere Zukunft, weil die Entwicklungsländer mit unserer Unterstützung die knappen natürlichen Ressourcen schonender nutzen können." Weitere Informationen zum Gutachten "Welt im Wandel - Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik" finden Sie im Internet unter: www.wbgu.de Quelle/Text: BMU » zurück |
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