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Weniger Entwicklungshilfe

Oxfam: Entwicklungshilfe hat sich seit den 60er Jahren halbiert

05.12.2004 15:49 by epo.de

London/Berlin (epo). - Die reichen Länder leisten derzeit nur noch halb soviel Entwicklungshilfe wie in den 60er Jahren, obwohl sich ihr Wohlstand, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, seither verdreifacht hat. Darauf weist die internationale Hilfsorganisation Oxfam in ihrem Bericht "Paying the Price - Why rich countries must now invest in a war on poverty" hin. Die armen Länder (low income countries - LIC) müssen dagegen 100 Millionen US-Dollar pro Tag für ihren Schuldendienst aufbringen. "Für jeden Dollar, den sie an Entwicklungshilfe erhalten, zahlen sie 1,44 Dollar an Schuldendienst zurück", erklärte Oxfam.

Die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zur Halbierung der weltweiten Armut bis 2015 rückten in schier unerreichbare Ferne, heisst es in dem Oxfam-Bericht. Wenn gegenwärtige Trends nicht sofort umgekehrt würden, müssten bis 2015 mindestens 45 Millionen Kinder mehr an armutsbedingten Ursachen sterben; 97 Millionen Kinder blieben ohne Bildung.

Oxfam kündigte gleichtzeitig eine globale Aktion ("Global Call to Action Against Poverty") an, in der sich Organisationen und bekannte Persönlichkeiten weltweit zusammenschließen wollen, um ein Ende der Armut zu erreichen. Der Bericht warnt, dass die vereinbarten Millennium-Entwicklungsziele verfehlt werden, falls die jährliche Entwicklungshilfe nicht um 50 Mrd. Dollar erhöht und die Schulden der armen Länder nicht erlassen werden.

"Die Welt war nie wohlhabender, dennoch geben die reichen Nationen immer weniger. Über den ganzen Erdball müssen Millionen von Menschen auf die Erfüllung einfachster Bedürfnisse verzichten - sauberes Wasser, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Menschen sterben, während die Reichen und Mächtigen sich vor Schuldenstreichung und mehr Entwicklungshilfe drücken", sagte Jeremy Hobbs, Direktor von Oxfam International.

Oxfam rief die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder - Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien, die USA und Kanada - dazu auf, im Jahr 2005 durch Schuldenerlass, Erhöhung der Entwicklungshilfe und faire Welthandelsregeln einen historischen Durchbruch zum Abbau der Armut zu erreichen.

Die Hilfsorganisation verweist darauf, dass die reichen Länder sich 1970 darauf geeinigt hätten, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe zu verwenden. 34 Jahre später habe kein einziger der G7-Staaten diese Vorgabe erfüllt, und viele hätten nicht einmal einen Zeitplan zur Erreichung des Ziels aufgestellt. Nur 40% der Finanzmittel, die als offizielle Entwicklungshilfe gelten, seien für die ärmsten Länder bestimmt, die diese Zahlungen meist mit starker Verzögerung erhielten. 20% der Entwicklungshilfe der Europäischen Union werde mindestens ein Jahr zu spät ausgezahlt.

Die US-Ausgaben für Entwicklungshilfe betrugen Oxfam zufolge 2003 mit 0,14% des Bruttoinlandsprodukts nur ein Zehntel von dem, was im Irak ausgegeben wurde. Nach den gegenwärtigen Trends werden die USA das 0,7%-Ziel erst 2040 erreichen und Deutschland sogar erst 2087, während Japans Entwicklungshilfe sogar sinke.

Oxfam International
Oxfam Deutschland
Oxfam raps rich nations over aid (BBC)


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