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Trittin bekräftigt deutsche Vorreiterrolle in der Klimaschutzpolitik09.12.2004 14:19 by epo.deBerlin (epo). - Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat die Vorreiterrolle Deutschlands in der internationalen Klimaschutzpolitik bekräftigt. "Wir wollen auf der internationalen Klimakonferenz in Buenos Aires die Weichen stellen, um die internationale Klimaschutzpolitik in den kommenden Jahren fortzuentwickeln. Deutschland wird zusammen mit den Partnern in der EU seine Führungsrolle weiterhin wahrnehmen", sagte Trittin. Vor seiner Abreise in die argentinische Hauptstadt gab Trittin den Startschuss für eine bundesweite Klimaschutzkampagne, die besonders Haushalte, Verbraucher und Hausbesitzer ansprechen soll. "Wir wollen dazu beitragen, dass die enormen Potenziale zur Einsparung von CO2 im Gebäudebereich, in den privaten Haushalten und im Verkehr ausgeschöpft werden. Wir brauchen einen echten Sanierungsschub im Wohnungsbestand!" Deutschland gehört zu den Hauptarchitekten der internationalen Klimapolitik und verfügt über eine ausgezeichnete Basis für das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005. "Es muss sichergestellt werden, dass die globale Erwärmung 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten nicht übersteigt. Nur dann werden die Folgen des bereits eingetretenen Klimawandels für Mensch und Natur in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Deshalb darf Klimaschutz darf nicht im Jahr 2012 Halt machen", mahnte Trittin. Um die Vorreiterrolle weiterhin glaubhaft wahrzunehmen, müsse Deutschland auch weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen. Dem will die Bundesregierung auch mit dem neuen Nationalen Klimaschutzprogramm Rechnung tragen. Es wird vornehmlich Ziele und Massnahmen für die Sektoren enthalten, die nicht am Emissionshandel teilnehmen: Verkehr, private Haushalte sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. "Besonders die hohen Kohlendioxid--Emissionen des Wohnungsbestands stellen eine enorme Herausforderung dar", betonte Trittin. Das Potenzial für energetische Gebäudesanierungen ist riesig. Rund drei Viertel der vorhandenen Wohnfläche, das sind rund 27 Millionen Wohnungen, sind vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1977 errichtet worden. "Mit einem Sanierungsschub im Gebäudebestand lösen wir zugleich eine deutliche Belebung auf dem Arbeitsmarkt aus, gerade bei der notleidenden Bauwirtschaft sowie dem Sanitär- und Heizungsgewerbe", sagte der Bundesumweltminister. Voraussetzung hierfür seien mehr Information und Motivation in allen investitions- und verbrauchsrelevanten Kreisen. Das Bundesumweltministerium fördert deshalb die Kampagne "Klima sucht Schutz", die von der gemeinnützigen Gesellschaft "CO2Online" organisiert wird. "Den Erfolg der Kampagne wollen wir an zusätzlichen Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden und damit dauerhaften Kohlendioxid-Minderungen messen", sagte Trittin. Im Zuge der Kampagne sollen darüber hinaus die effiziente Nutzung von Strom und der Klimaschutz im Bereich Verkehr zum Thema werden. In den jeweiligen Themenbereichen wird die Kampagne von wichtigen Partnern aus der Wirtschaft unterstützt. Für den Gebäudebereich sind dies der Deutsche Mieterbund (DMB), der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB), der Fachverband Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) und die KfW-Förderbank. Weitere Partner bzw. Sponsoren sind der Deutsche Städtetag, der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima, der Hauptverband Farbe und Gestaltung, die Deutsche Telekom AG und die Deutsche Bahn AG. BMU Kampagne Klima sucht Schutz Waldsterben und LuftverschmutzungChina und Indien werden zum Problem für die zarten Ansätze der Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen nach dem Kyoto-AbkommenVon Florian Rötzer, Telepolis, Heise Verlag, 10.12.2004 Der deutsche Wald stirbt noch immer. Zwischenzeitlich sah es einmal oberflächlich besser aus, das in den internationalen Wortschatz eingegangene "Waldsterben" schien manchen gar zu einer Reminiszenz an hysterische Umweltschützer zu werden. Gleichzeitig konnte man den Erfolg eines entschlossenen politischen Handelns feiern, das die von Kraftwerken und Fahrzeugen ausgehende Verschmutzung eindämmte. Doch nach dem neusten Waldzustandsbericht kann von Entwarnung keine Rede mehr sein. Der Anteil der gesunden Bäume ist auf 28 Prozent zurück gegangen. Über 40 Prozent der Bäume haben leichte Schäden, ein Drittel ist schwer krank. Betroffen sind jetzt vor allem die Laubbäume. Der heiße und trockene Sommer 2003 (Trockenstress und erhöhte Ozonwerte) hat zusammen mit der bestehenden Bodenversauerung und den vorhandenen Luftschadstoffen den Prozess beschleunigt. Die Zunahme des Autoverkehrs frisst die durch Katalysatoren erzielten "Gewinne", und während der Schwefeldioxid- und Stickoxid-Ausstoß vermindert werden konnte, greift nun Stickstoff vermehrt vor allem die Laubbäume an. Und der stammt vornehmlich aus der Landwirtschaft, wo er in Form von Dünger und Futtermittel zum Einsatz für den schnellen Nutzen und langfristigen Schaden kommt. Aber der durch Stickstoff und andere Rückstände, die nicht aus der Landwirtschaft stammen, beschädigte Wald ist nur ein Aspekt. Weltweit steigt der Ausstoß etwa an Treibhausgasen, allen voran Kohlendioxid, weiter an. Mittlerweile ist das wirtschaftlich boomende China zum weltweit zweitgrößten Kohledioxid-Verschmutzer geworden. An der Spitze rangiert weiterhin die USA, die für über ein Viertel des in die Luft gehenden Kohlendioxids verantwortlich ist, während China nach einem Bericht der International Energy Agency "nur" einen Anteil von einem Siebtel (13,6 Prozent) hat. China ist mittlerweile nach den USA der zweitgrößte Luftverschmutzer Zwischen 1990 und 2002 ist der CO2-Ausstoß in China von 2.3 Milliarden um 44,5 Prozent auf 3.3 Milliarden Tonnen angewachsen. Das Bruttosozialprodukt ist in dieser Zeitspanne um über 200 Prozent gestiegen. China gibt damit fast soviel Kohlendioxid ab wie der ganze Rest von Asien, hier aber war die Zunahme des Ausstoßes mit 82 Prozent sogar noch höher. Deutlich wird nach dem Bericht, dass Schwellen- und Entwicklungsländer mehr zur Klimabelastung beitragen, allerdings sind für 80 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes weiterhin nur 22 Ländern verantwortlich. Nach den USA und China sind dies vor allem Russland (6,2%), Japan (5%), Indien, Deutschland (3,5%), Großbritannien, Kanada, Südkorea, Italien und Frankreich (1,6%). 2002 nahmen der globale Kohlendioxidausstoß mit 2 Prozent mehr als zuvor zu. 2001 waren es noch 0,8 Prozent. Die Statistik der IEA erfasst die durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen verursachte CO2-Abgabe, die allerdings 80 Prozent der Gesamtmenge aller Treibhausgase ausmacht. In geringen Maß wird Kohlendioxid auch von natürlichen Prozessen wie Vulkanausbrüchen freigesetzt. Einen Hauptanteil an den weiteren Treibhausgasen hat Methan, das hauptsächlich von der Tierhaltung und der Vegetation stammt. Die große asiatische Smogwolke Seit Jahren kann schon eine riesige Dunstwolke über Südostasien beobachtet werden, die das Klima beeinflusst, die Vegetation stört und Menschen gesundheitlich gefährdet. 1998 wurde die "asiatische braune Wolke" erstmals genau erfasst und analysiert. Die Wolke, die aus Asche, Staub und giftigen Rückständen vor allem von fossilen Brennstoffen und Waldbränden besteht, dämpft die Sonneneinstrahlung und führt im Westen zu steigender Trockenheit und im Osten zu größeren Niederschlägen, bei denen auch giftige Stoffe aus der Wolke auf die Erde zurück gelangen. Die Wolke, so kürzlich Mylvakanam Iyngararasan vom United Nations Environment Programme auf der jährlich stattfindenden Konferenz Better Air Quality, bringt nun die Gefahr mit sich, das Klima auf der ganzen Erde verändern zu können, weil es, wie lange bekannt, einen "Zusammenhang zwischen lokaler Luftverschmutzung und dem globalem Klimawandel" gibt: Forschungsergebnisse zeigen, dass die Folge der jetzt zu beobachtenden Luftverschmutzung eine große Trockenheit sein wird. Schädliche Chemikalien, Aerosole und andere Schadstoffe beeinflussen die Wolkenbildung. Indien war in den letzten Jahren schweren Trockenzeiten ausgesetzt. Luftverschmutzung aus China kann innerhalb von wenigen Tagen von Winden nach Indien oder innerhalb von Wochen nach Europa transportiert werden. Luftverschmutzung ist deswegen wirklich ein grenzüberschreitendes Problem. Das aber war eigentlich schon klar, seitdem Ökologie und Klimaschutz auf der politischen Agenda stehen. Aber die Einsicht ist schwer. Jitendra Shah von der Weltbank rief auf der Tagung Better Air Quality die asiatischen Länder dazu, ihren Teil beizutragen, da man an den Grenzen schließlich keine Luftfilter aufbauen könne. Fast alle großen asiatischen Städte, zumal in Indien und China, haben wachsende Probleme mit der Luftverschmutzung. Hauptgrund sind Industrieabgase und der schnell wachsende Verkehr. Selbst wenn Maßnahmen ergriffen werden, frisst die Zunahme der Fahrzeuge die Erfolge schnell auf. Offenbar stellt nach einer Studie der Weltbank und der Asian Development Bank allein Singapur eine Ausnahme dar. Der Stadtstaat beschränkt die Zulassung von Fahrzeugen durch Auktionen. In New Delhi, der am stärksten von der Lustverschmutzung belasteten Stadt Indiens, werden monatlich 10.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Das Kyoto-Abkommen und der gute Wille Ein Schritt zur Übernahme der geforderten Verantwortlichkeit ist das Kyoto-Protokoll, aus dem die USA aber 2001 ausgeschert sind, unter anderem auch deswegen, weil China und Indien als Schwellenländern keine Auflagen erfüllen müssen. Die große asiatische Wolke spielte dabei auch eine Rolle. Mittlerweile hat sich die Position der US-Regierung weiter verhärtet. Sie lehnt auch weitere Kontrollen nach dem Ende des Kyoto-Abkommen im Jahr 2012 ab und ist der Meinung, die Wissenschaft werde bis dahin schon irgendwie das Problem lösen. Die plumpen Argumente der amerikanischen Konservativen kommen hier gut zum Audsruck: das Kyoto-Abkommen als eine Art Verschwörung zur Schädigung der amerikanischen Wirtschaft. Nach dem amerikanischen Vorbild wollen auch viele Entwicklungsländer, die jetzt noch ohne Beschränkungen geblieben sind, lieber nicht von künftigen Kontrollen sprechen. Das Kyoto-Abkommen, das von 122 Staaten unterzeichnet wurde, sieht vor, dass reichere Industriestaaten - insgesamt 39 - ihren Ausstoß an Treibhausgasen auf dem Stand von 1990 um 5,2 Prozent bis 2012 zurückfahren. Schon jetzt ist absehbar, dass die meisten Staaten dieses Ziel nicht erreichen werden. Ob der Ausgleich mit anderen Ländern, das Pflanzen von Bäumen oder die Finanzierung von Sauberer Energie in anderen Ländern die Klimaerwärmung auch nur bremsen können, ist mehr als fraglich - und kann dann wiederum als Argument dafür verwendet werden, gar nichts zu tun. So sagte etwa der Klimaexperte Wallace Broecker von der Columbia University, New York, während gerade bis zum 17.12. ein Treffen der Mitgliedsländer in Buenos Aires stattfindet, dass auch dann, wenn die Verpflichtungen des Kyoto-Abkommens eingelöst werden, der Ausstoß an Kohlendioxid vor allem durch die prosperierenden Schwellenländer wie China und Indien weiter ansteigen wird. Das Ergebnis des Kyoto-Abkommens bezeichnet er nur als Tropfen auf einen heißen Stein. Nur ganz neue Technologien, die Kohlendioxid aus der Luft in riesigen Mengen ziehen könnten, um es dann durch Versenken im Meer oder andere Methoden dem Kreislauf zu entziehen, würde wirklich eine Abhilfe schaffen. Das würde ohne allzu großen Kosten machbar sein, während alternative Energieformen und Energieeinsparungen nicht wirklich nutzen. Das dürfte auf der Linie der Bush-Regierung sein, auch wenn Broecker im Unterschied zur Bush-Regierung das Risiko der Klimaerwärmung nicht herunter redet. Aber auch solche Technologien müssen global und schnell entwickelt und eingesetzt werden. Ohne Absprachen und Verpflichtungen, ohne die Bereitschaft, Geld zu investieren, funktioniert auch dies nicht. Und genau daran scheitert es - national und international. Fossil des Tages: Australien. Glückwunsch!Greenpeace-Online, 8.12.04Der "ehrenwerte" Preis - verliehen vom Umweltbündnis Climate Action Network - trifft ins Schwarze. Seit Jahren schraubt die "Ozzie Klima-Theater-Truppe" um Premierminister Howard an der Emissionsschraube. Nach oben, wohlgemerkt. Und zwar mit verblüffenden Steigerungsraten sowohl auf dem Strom- als auch auf dem Transportsektor. Bis 2010 werden die beiden "Erfolgsbranchen" stolze 40 bis 50 Prozent Emissionszuwachs gegenüber 1990 erreicht haben. Bis 2020 sogar 60 bis 70 Prozent. Erfolgreiche Klimaschutzpolitik? Um mit Greenpeace-Kampagnendirektor Danny Kennedy zu sprechen, wohl eher ein "äußerst schlechter Scherz". (sit) Mehr über die Auszeichnung zum "Fossil des Tages". » zurück |
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