Aktuell


Klimakonferenz (3)

Mittwoch 15. Dezember 2004, 19:36 Uhr

Schwellenländer und USA sollen sich am Klimaschutz beteiligen

Buenos Aires (AP) Am weltweiten Klimaschutz sollen sich nach dem Ablaufen des Kyoto-Protokolls auch Schwellenländer und die Vereinigten Staaten beteiligen. Ihr Beitrag sei im Kampf gegen die globale Erwärmung unverzichtbar, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Argentinien. Auf der Tagung sollen unter anderem Richtlinien zum Klimaschutz für die Zeit nach dem Ende des Kyoto-Protokolls 2012 ausgearbeitet werden. Italien sprach sich dabei für freiwillige Abkommen und bilaterale Vereinbarungen aus.

Ohne die USA, China und Indien sei ein Klimaschutz nach 2012 nicht möglich, wurde der italienische Umweltminister Altero Matteoli von der Zeitung «La Repubblica» zitiert. Da sich diese Staaten bislang verbindlichen Verträgen widersetzten, müsse auf freiwillige Verpflichtungen umgestiegen werden.

Italien werde seinen Verpflichtungen bis 2012 nachkommen, betonte der Minister im «Corriere della Sera». Aber dann «können wir Europäer nicht mit den Emissionen der ganzen Welt belastet werden». In italienischen Medien wurden Matteolis Äußerung als Drohung gewertet, aus dem Kyoto-Protokoll auszusteigen. Die Weltklimakonferenz in Buenos Aires geht am Freitag nach zwei Wochen zu Ende.


Mittwoch 15. Dezember 2004, 13:38 Uhr

Trittin: Geplante EU-Klimaziele reichen nicht

Buenos Aires (dpa) - Das EU-Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau wäre nach Worten von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) schon «eine begrenzte Katastrophe». Zum Beispiel gäbe es dann kaum noch Dauerfrostböden in den Alpen und keine Gletscher mehr.

Das sagte Trittin am Dienstag bei der UN-Klimaschutzkonferenz in Buenos Aires. Experten gehen davon aus, dass zur Begrenzung der bereits begonnen Erwärmung auf zwei Grad eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen weltweit bis 2050 um die Hälfte nötig ist. Deutschland will sich zunächst zu einer Reduzierung um 40 Prozent bis 2020 verpflichten, wenn sich die Europäische Union insgesamt zu 30 Prozent Einsparungen bereit erklärt.

Unter dem Kyoto-Protokoll haben sich bisher rund 30 Industriestaaten zu festgelegten Emissionszielen bis 2012 verpflichtet, die allerdings eine Treibhausgasreduktion von nur wenigen Prozent ergeben. Die USA, die allein 25 Prozent aller Treibhausgase verursachen, akzeptieren keine Begrenzung ihrer Emissionen.

In einem Papier des deutschen Umweltministeriums ist sogar die Rede von theoretisch notwendigen Reduzierungen von bis zu 90 Prozent in den traditionellen Industrieländern bis 2050, wenn die zunächst noch steigenden Emissionen sich entwickelnder Länder wie China, Indien und Brasilien im Interesse der Einhaltung der Zwei-Grad-Marke kompensiert werden sollen.

Eine am Dienstag in Buenos Aires vorgestellte Studie des Europäischen Klimaforums und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung bestätigte die Warnungen Trittins. Schon bei einer Erwärmung der Atmosphäre von durchschnittlich 2 bis 2,5 Grad gebe es ein erhebliches Risko für «katastrophale» Folgen. So könnten die Reisernten in Südostasien um bis zu 25 Prozent zurückgehen, dicht bevölkerte Küstenstreifen vor allem in Südostasien überflutet werden und Perus Hauptstadt Lima vertrocknen. Unruhen und Flüchtlingsströme seien zu befürchten. Bestimmte Ökosysteme wie in der Arktis und Kulturen wie die der Inuits könnten ganz verloren gehen.


Donnerstag 16. Dezember 2004, 07:39 Uhr

Trittin sieht «Bewegung» beim Klimaschutz auch in den USA

Buenos Aires (dpa) - Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) rechnet zwar nicht mehr mit einem Beitritt der USA zum Kyoto- Klimaschutzprotokoll, sieht aber gleichwohl «Bewegung» in dieser Frage. So hätten acht US-Bundesstaaten Interesse an einer Beteiligung an dem Handel mit CO2-Zertifikaten gezeigt.

Der Handel beginnt in der Europäischen Union (EU) ab Januar. Dieses System, bei dem das Ziel der Emissionsreduzierung erstmals mit marktwirtschaftlichen Instrumenten verfolgt wird, könne «Vorbild für ein weltweites System» werden, betonte Trittin am Mittwoch am Rande der UN-Klimakonferenz in Buenos Aires.

Ermutigend sei das Bekenntnis von US-Unterhändlerin Paula Dobriansky, die USA fühlten sich weiterhin den Zielen der Klimarahmenkonvention verpflichtet. «Und die Konvention verpflichtet eben auch die USA zu Emissionssenkungen», betonte Trittin. Das Kyoto- Protokoll mit festen Reduzierungszielen für Industriestaaten lehnen die USA als weltweit mit Abstand größter Verursacher von Treibhausgasen ab.

Ob sich die Haltung der Regierung von Präsident George W. Bush verhärtet habe oder nicht, werde erst das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der G8 im kommenden Jahr unter dem Vorsitz von Großbritannien zeigen, sagte Trittin. Premierminister Tony Blair hatte angekündigt, er wolle das Treffen nutzen, um bei Bush für den Klimaschutz zu werben.

Eine Absage erteilte Trittin vorerst der möglichen Verhängung von Strafzöllen gegen US-Produkte, die unter Ausstoß von besonders viel Kohlendioxid (CO2) hergestellt wurden. «Wir haben immer versucht, im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO ohne Strafzölle auszukommen», betonte er.


Mittwoch 15. Dezember 2004, 15:57 Uhr

Italien rechnet mit Scheitern des Kyoto-Protokolls

Rom (AFP) - Italien rechnet nicht mit einer Fortsetzung des Klimaschutzprotokolls von Kyoto nach dem Ende seiner Laufzeit im Jahr 2012. An die Stelle des internationalen Protokolls zur Verringerung der Treibhausgase müssten dann bilatere Abkommen treten, sagte der italienische Umweltminister Altero Matteoli laut italienischen Medienberichten vom Mittwoch. Wenn es nicht möglich sei, Länder wie die USA für das Protokoll zu gewinnen, dann müsse ein anderes System gefunden werden, "das es ermöglicht, sie in eine internationale Strategie zur Reduzierung der Emissionen einzubinden", wurde der Minister zitiert.


Donnerstag 16. Dezember 2004, 01:11 Uhr

Oktober 2004 weltweit der wärmste seit Beginn der Messungen

Buenos Aires (AP) Das ausklingende Jahr war weltweit das viertheißeste seit Beginn der Aufzeichnungen 1861. Im Oktober 2004 lag die Durchschnittstemperatur sogar höher als je in einem Monat Oktober der vergangenen 143 Jahre, wie die Vereinten Nationen am Mittwoch bekannt gaben. Gleichzeitig seien in Amerika und Asien ungewöhnlich viele Hurrikane und tropische Stürme aufgetreten, sagte der Generalsekretär des metereologischen Instituts der Vereinten Nationen, Michael Jarraud.

Die vier bislang heißesten Jahre fallen alle in den Zeitraum seit 1998, dem bisherigen Rekordjahr. Im vergangenen Jahrhundert stieg die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,6 Grad Celsius, wobei sich die Erwärmung vor allem ab 1976 vollzog.

Bei der UN-Klimakonferenz in Buenos Aires forderte die EU, am Kampf gegen die globale Erwärmung sollten sich künftig auch Schwellenländer und die Vereinigten Staaten beteiligen. Ihr Beitrag sei unverzichtbar, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Mittwoch. Auf der Tagung sollen unter anderem Richtlinien zum Klimaschutz für die Zeit nach dem Ende des Kyoto-Protokolls 2012 ausgearbeitet werden. Die USA sind dem Kyoto-Protokoll nicht beigetreten. Es gilt zudem nur für Industriestaaten, nicht aber für Schwellenländer wie China und Indien.


Mittwoch 15. Dezember 2004, 07:57 Uhr

CDU-Umweltexperte: Sandkastenspiele müssen aufhören

Berlin (ddp). Der Vorsitzende des Umweltausschusses des Europaparlaments, Karl-Heinz Florenz (CDU), fordert vor dem Hintergrund des Klimagipfels in Buenos Aires eine Politik für weitreichende technologische Innovationen gegen den weltweiten CO2-Ausstoß. Umweltpolitik müsse als eine Motivation anstelle einer Bestrafung dargestellt werden, sagte Florenz am Mittwoch im Deutschlandradio Berlin. Auch für die europäische Industrie sei es eine Chance, Autos zu bauen, die künftig mit einem reinen Gewissen in Indien und China gefahren werden könnten.

Florenz kritisierte die USA, Indien und China für ihre Abwehrhaltung gegenüber der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls. Diese würden gegenseitig aufeinander verweisen: «Diese Sandkastenspielerei müsste jetzt wirklich aufhören. Wir müssen jetzt alle in Verantwortung gegenüber unseren Kindern klar machen, dass wir hier was machen müssen.» Ein erster Schritt sei aber, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen.

Florenz prangerte aber auch die Haltung der Deutschen an. Er verwies auf den umwelttechnischen Fortschritt, der in China erreicht werde: «Wir Deutschen müssen da ein bisschen munterer werden. Wir müssen aus der Schmollecke heraus. Wir müssen tausende von jungen Ingenieuren einstellen, die Innovation als eine große Herausforderung ansehen und nicht als eine Bestrafung.» Es sei aber nicht richtig, wenn eine Familie mit drei Kindern dafür bestraft werde, dass sie sich kein umweltschonendes Fahrzeug leisten könne, betonte Florenz.


Donnerstag 16. Dezember 2004, 10:20 Uhr

2004 war das viertwärmste Jahr seit 1861

Genf (dpa) - Das fast abgelaufene Jahr war das viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1861 und liegt direkt hinter dem Hitzejahr 2003. Die durchschnittliche Land-Oberflächentemperatur lag 0,44 Grad über dem jährlichen Mittel zwischen 1961 bis 1990, das 14 Grad betrug.

2003 gab es ein Plus von 0,49 Grad, berichtet die Weltwetterorganisation (WMO). Das wärmste Jahr bleibt danach 1998 mit einem Plus von 0,54 Grad. Damit waren neun der zehn Jahre 1995 bis 2004 unter den zehn wärmsten in der Aufzeichnungsgeschichte.

Weltweit gesehen lag die berechnete Land-Oberflächentemperatur in diesem Oktober auf Rekordhöhe. Im 20. Jahrhundert hat sich die Landoberfläche nach WMO-Angaben um mehr als 0,6 Grad erhöht. Seit 1976 ist dieser Erwärmungseffekt rund drei Mal schneller als für die vergangenen 100 Jahre insgesamt. Es sei nun weitgehend akzeptiert, dass diese Erwärmung auf den so genannten Treibhauseffekt zurückgehe, sagte ein WMO-Experte dazu in Genf. Er entsteht durch den Ausstoß verschiedenster Stoffe und Gase, die Wärme in der Atmosphäre halten. Haupttreibhausgas ist Kohlendioxid (CO2), das etwa durch die Verbrennung von Benzin oder Kohle entsteht.

Die WMO hat auch festgestellt, dass es seit 1995 zu einer deutlichen Zunahme der jährlichen Tropenstürme über dem Atlantik gekommen ist. Im August gab es acht solcher Stürme, was ebenfalls einen Rekord darstellte. Dagegen war das so genannte Ozonloch über der Antarktis in diesem September um 13 Prozent kleiner als im Durchschnitt von 1973 bis 2003 und somit das kleinste innerhalb eines Jahrzehnts.



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