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Aktuell
EZ bei Bildung oder Armut
Samstag 18. Dezember 2004, 04:00 Uhr
Köhler will Entwicklungshilfe auf Bildung konzentrieren
München (ddp). Bundespräsident Horst Köhler hat nach seiner Afrikareise eine bessere Ausrichtung der deutschen Entwicklungspolitik verlangt. «Es wäre sinnvoll, die deutsche Entwicklungspolitik auf Bildung und Ausbildung zu konzentrieren», sagte Köhler dem Nachrichtenmagazin «Focus». Er fügte hinzu: «Bildung ist die wichtigste Voraussetzung, dass sich die ärmeren Länder langfristig aus der Armut befreien können.» Deutschland habe in Afrika einen guten Ruf. Es sei wichtig, die Entwicklungspolitik langfristig anzulegen.
Köhler schlägt eine genauere Abstimmung der Hilfen auf das Bedürfnis des jeweiligen Empfängerlandes vor. «Vielleicht haben wir in der Vergangenheit zu wenig überlegt, was das einzelne Land als Entwicklungsvoraussetzung mitbringt. Deshalb müssen wir genauer hinschauen und die Prioritäten und Konzepte wirklich Land für Land festlegen.» Die Not dürfe nicht den Blick für das Notwendige verstellen. «Armut ist nicht am besten damit zu bekämpfen, dass man möglichst viel Geld ausgibt.»
Unterstützung bekam Köhler von der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne): «Wir brauchen weniger Klein-Klein.» Wichtig seien langfristige Programme, die die Strukturen in den Empfängerländern verändern. «Was nützt eine große HIV/AIDS-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation, wenn das Gesundheitsministerium im betreffenden Land das gar nicht umsetzen kann», sagte Müller.
Sonntag 19. Dezember 2004, 16:59 Uhr
Deutsche Stars fordern von Schröder mehr Hilfe für die Ärmsten
Berlin (AP) Prominente wie Claudia Schiffer, Herbert Grönemeyer, Alfred Biolek oder Franka Potente haben Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgefordert, er solle «endlich Ernst machen mit der Armutsbekämpfung». In einem offenen Brief «zu einer Frage von Leben und Tod, der am Montag in Medien erscheinen soll, heißt es, Tag für Tag würden in den ärmeren Ländern 50.000 Menschen verhungern. «Auch in diesem Moment stirbt wieder ein Kind an Unterernährung.»
Keines der reichsten Industrieländer habe sein Versprechen gehalten, unfairen Schuldenlasten armer Länder ein Ende zu bereiten. Sie seien weit vom Millenniums-Ziel Ziel entfernt, die Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren. Eine so ungerechte Welt sei «gefährlich und werde zur Brutstätte von Terror und Angst», heißt es weiter. «Aber einige Länder wie Großbritannien und Frankreich strengen sich an, mehr zu tun als Ihr Land, unser Land, Herr Schröder!» Im kommenden Jahr gebe es die Chance, beim G8-Gipfel im nächsten Juli ein «umfassendes Sofortprogramm zur Armutsbekämpfung» mitbeschließen.
Weitere Unterzeichner sind Günther Jauch, Roger Willemsen, Heike Makatsch sowie der Regisseur Wim Wenders. Außerdem unterzeichneten Vertreter von Misereor, Terre des Hommes, Eine Welt, Deutsche Welthungerhilfe, Nord-Süd-Brücken, Kindernothilfe, Caritas international und Oxfam Deutschland.
Regierungssprecher Béla Anda versicherte, die Bekämpfung der globalen Armut bleibe ein zentrales Anliegen. Gemeinsam mit den Partnern in der Europäischen Union erörtere die Bundesregierung, wie die EU zum Gelingen des so genannten «Major Events» beitragen kann, das im Herbst 2005 im Rahmen der UN-Generalversammlung stattfinde. Dort sollen die Umsetzung der UN-Millenniums-Erklärung und der internationalen Entwicklungsziele überprüft werden.
Zu Recht wiesen die Initiatoren des offenen Briefes aber auch auf die bisherigen Leistungen hin, die Deutschland im weltweiten Kampf gegen die globale Armut erbringe, schrieb Anda. Aber schon heute sei Deutschland mit Ausgaben von jährlich mehr als sechs Milliarden Euro der viertgrößte bilaterale Geber von Entwicklungshilfe weltweit. Der Entwicklungshilfe-Etat werde im kommenden Jahr trotz sinkender Gesamtausgaben um 76 Millionen Euro oder zwei Prozent steigen.
BMZ begrüßt Aufruf deutscher Künstler für mehr Armutsbekämpfung
19.12.2004 21:13 by epo.de
Berlin (epo). - Die deutsche Bundesregierung will ihre Verpflichtungen zur Steigerung der Entwicklungszusammenarbeit und zum Erlass der Schulden für die ärmsten Entwicklungsländer "entschlossen umsetzen". Dies hat Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul als Reaktion auf einen offenen Brief einer Gruppe von deutschen Künstlerinnen und Künstlern betont, die Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgefordert hatten, er solle "endlich Ernst machen mit der Armutsbekämpfung".
Deutsche Stars wie Herbert Grönemeyer, Claudia Schiffer, Alfred Biolek und Wim Wenders hatten in dem offenen Brief "zu einer Frage von Leben und Tod", der am Montag in den Medien erscheinen soll, darauf hingewiesen, Tag für Tag würden in den ärmeren Ländern 50.000 Menschen verhungern. "Auch in diesem Moment stirbt wieder ein Kind an Unterernährung", heisst es in dem Schreiben. Kein Industrieland habe sein Versprechen gehalten, unfaire Schuldenlasten armer Länder zu beenden, und auch vom Millenniums-Ziel, die Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren, sei die Staatengemeinschaft weit entfernt.
Eine Welt, in der die Ungerechtigkeit regiere, sei "gefährlich" und werde zur "Brutstätte von Terror und Angst", schrieben die Prominenten. Länder wie Großbritannien oder Frankreich unternähmen jedoch größere Anstrengungen "als Ihr Land, unser Land, Herr Schröder!"
Deutschland sei den internationalen Zusagen verpflichtet und werden sie einlösen, versprach Wieczorek-Zeul in ihrer Antwort auf den offenen Brief. "Die Initiative von Herbert Grönemeyer und anderen ist ein wichtiger Impuls für die Mobilisierung für eine gerechtere und bessere Welt. Wir nehmen diesen Beitrag sehr ernst. Im Kontext des G8-Gipfels im Jahr 2005 werden die notwendigen Entscheidungen zusammen mit den anderen Partnern zu treffen sein."
VENRO unterstützt Appell für engagiertere Entwicklungspolitik
20.12.2004 12:05 by epo.de
Bonn (epo). - In einem heute im "Spiegel" und in der "Süddeutschen Zeitung" publizierten offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder haben prominente Persönlichkeiten die Bundesregierung zu einer engagierteren deutschen Entwicklungspolitik aufgerufen. Der Kanzler wird darin aufgefordert, gemeinsam mit den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem G7/G8-Gipfel im kommenden Jahr ein umfassendes Sofortprogramm zur Armutsbekämpfung zu beschließen, das mehr und bessere Entwicklungshilfe, gerechten Handel und Schuldenerlass unterstützt.
Der Verband Entwicklungspolitik (VENRO) begrüßt und unterstützt diesen Brief. "Unsere Generation hat die Chance und die Möglichkeiten, den Skandal der Massenarmut in der Welt zu beenden", sagte der VENRO-Vorstandsvorsitzende Reinhard Hermle. "Dies sollte trotz der Probleme im eigenen Land allen bewusst werden. Auch die Bundesregierung muss ihre Anstrengungen erhöhen, wenn die Millenniums-Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollen. Die wichtige Initiative der Prominenten hilft, die dafür notwendige gesellschaftliche Unterstützung zu mobilisieren."
Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören Claudia Schiffer, Herbert Grönemeyer, Alfred Biolek, Franka Potente, Günther Jauch, Heike Makatsch, Roger Willemsen und Wim Wenders.
Mit den Millenniums-Entwicklungszielen hat sich die internationale Staatengemeinschaft im Jahr 2000 dazu verpflichtet, extreme Armut und Hunger in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren. 2005 sei ein Schlüsseljahr für die Armutsbekämpfung, so VENRO: Fünf Jahre nach der Verabschiedung der Ziele und zehn Jahre vor der Zielmarke wird das Thema beim G8-Gipfel in Schottland im Juli und vor allem auch beim UN-Gipfel im September 2005 auf der Tagesordnung stehen.
In zahlreichen Ländern werden derzeit für 2005 Vorbereitungen zu einer "Weltweiten Aktion gegen Armut" getroffen, die vor allem die Regierungen der Industriestaaten zu einem entschlosseneren Handeln bei der Umsetzung der Millenniumsziele drängen soll.
Auch die im Verband Entwicklungspolitik zusammen geschlossenen Organisationen wollen diese Aktion mit eigenen Initiativen unterstützen und gestalten.
VENRO ist der Bundesverband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 100 deutsche NRO an, die als Träger der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Nothilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind.
Weltweite Aktion gegen Armut
VENRO
Montag 20. Dezember 2004, 08:54 Uhr
Herbert Grönemeyer «trommelt» für Afrika
London (dpa) - Herbert Grönemeyer bleibt auch in London Bochumer. «Bei uns im Revier sagt man: "Versprich nichts, mach was."» Diese Einstellung kann er zwar bei vielen Briten wiederentdecken, nicht aber bei der Bundesregierung.
Nach seinem Eindruck handelt Rotgrün gerade im Umgang mit den Ärmsten der Welt nach dem Motto «Geiz ist geil»: «Länder wie England und Frankreich tun deutlich mehr als wir.» Und deshalb singt Grönemeyer zurzeit nicht, sondern er «trommelt» - damit Berlin aufwacht.
Grönemeyer gehört neben dem Model Claudia Schiffer, den Schauspielerinnen Franka Potente und Heike Makatsch, dem TV-Moderator Günther Jauch und dem Regisseur Wim Wenders zu einer Gruppe von Prominenten, die nach dem Vorbild von Bono und Bob Geldof eine Kampagne für Afrika begonnen haben. In ganzseitigen Anzeigen fordern sie Bundeskanzler Gerhard Schröder an diesem Montag auf, beim nächsten G8-Gipfel im Juli in Schottland ein «umfassendes Sofortprogramm zur Armutsbekämpfung» mitzubeschließen.
«Beim G-8-Gipfel in Köln 1999 hat Schröder versprochen, den ärmsten Ländern ihre Schulden zu erlassen», sagt Grönemeyer im dpa- Gespräch. «Ein Jahr später verpflichtete er Deutschland dann sogar auf das Ziel, die Armut der Welt bis 2015 zu halbieren. Dann kann es doch wohl jetzt nicht sein, dass die Deutschen versuchen, sich da wieder rauszuschleichen.» Als der britische Schatzkanzler Gordon Brown im Oktober vorschlug, die Schulden der ärmsten Länder aus der eigenen Tasche zu begleichen, schloss Bundesfinanzminister Hans Eichel dies jedoch unter Hinweis auf die angespannte Haushaltslage aus. Von Berlin sei dazu leider nichts zu erwarten.
Grönemeyer verdreht die Augen: «Wenn man jetzt sagen würde: "Wir haben hier zurzeit eine Krise, aber wir geben unser Bestes" - das könnte ich verstehen. Aber zu sagen: "Wir sind so schlecht drauf, bei uns gibt's nichts zu holen" - dieses Mitleidheischende, das ist schwer zu ertragen.» Dabei hinke Deutschland bei der Entwicklungshilfe sowieso schon hinter England und Frankreich her. «Deutschland muss endlich erwachsen werden: Wer in den UN- Sicherheitsrat will, muss auch Verpflichtungen übernehmen.» Und auch das müsse klar sein: «Armut ist eine Brutstätte des Terrorismus.»
Der Plattenmillionär ist sich bewusst, dass ihm viele vorwerfen werden, er habe genügend Zeit und Geld, sich um das Elend der Welt zu kümmern. «Das stimmt irgendwo, aber wir wenden uns ja auch nicht an diejenigen in Deutschland, die von morgens bis abends arbeiten, um irgendwie über die Runden zu kommen. Wir verlangen, dass die Regierung ihre Versprechen einhält. Wir können unsere Bekanntheit dafür nutzen, Dinge öffentlich zu machen, damit ein Druck entsteht, dem sich die Regierung nicht entziehen kann.» Und wieder denkt der Wahl-Londoner ans Revier: «Wenn die Leute bei Opel in Bochum nicht auf die Straße gegangen wären, hätten sie die vielleicht noch viel schneller wegrationalisiert.»
Zwei Besuche in Afrika haben dem 48-jährigen Popstar gezeigt, was wirklich Armut ist - und mit welcher Würde manche sie ertragen. «Ich habe in Ruanda eine alte Frau kennen gelernt - so Ende 70 -, die wohnte in einer Lehmhütte, besaß so gut wie nichts. Aber nachdem sie uns begrüßt hatte, ließ sie sich einen Stuhl reichen, setzte sich und sagte: "Ich möchte Ihnen als Gastgeschenk etwas vorsingen." Und das hat sie dann getan. Das hatte so etwas Lebensbejahendes, das war eine ganz andere Form von Menschlichkeit, die uns verloren gegangen ist.»
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