AktuellErde altert zu schnell
Montag 20. Dezember 2004, 10:15 Uhr Die Erde altert in rasantem TempoGreifswald (AP) In rasantem und längst nicht mehr natürlichem Tempo sieht der Greifswalder Ökologie-Professor Michael Succow die Erde altern. «Sie verliert durch Bodenzerstörung und Vernichtung ihres natürlichen Pflanzenkleides zunehmend 'ihre Haut' und damit ihr wichtigstes Regulativ, aber auch ihre Vielfalt und ihre Schönheit», warnt der 63-Jährige, der 1997 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden war, in einem AP-Interview. Eindringlich fordert er zum «Haushalten für den Erhalt der Natur» auf.«Um unser selbst Willen ist es unabdingbar, all das zu schützen, was noch an ursprünglichen Naturräumen übrig geblieben ist», lautet Succows Maxime. «Wir brauchen Natur für unser seelisches Gleichgewicht», betont der aus einer Bauernfamilie im brandenburgischen Lüdersdorf stammende Öko-Wissenschaftler. Getreu dieser Erkenntnis geht Succow seit Jahren mit gutem Beispiel voran. So brachte er als Vize-Umweltminister in den Schlussminuten der letzten Volkskammersitzung der Wende-DDR das beispielhafte ostdeutsche Nationalparkprogramm auf den Weg und sicherte auf diese Weise das viel zitierte «Tafelsilber der deutschen Einheit». Zwei Jahre nach seiner Ehrung mit dem Alternativen Nobelpreis gründete er mit dem Preisgeld die «Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur». Damit er nach eigenen Worten den Leitgedanken des Haushaltens mit den Naturressourcen mit Leben erfüllen: «Es gilt, unkompliziert und schnell möglichst viele wirksame Schutzprojekte zu initiieren und zu realisieren.» Inzwischen sind rund 350.000 Euro von der Succow-Stiftung eingeworben und in Naturschutzprojekte investiert worden. Dazu gehört unter anderem die Gründung dreier Nationalparke in Aserbaidschan. Für den Wissenschaftler sind diese Schutzgebiete ein Beleg, dass mit relativ wenig Geld viel bewegt werden kann. Ähnliche Erfahrungen machte er zuvor bereits bei Projekten unter anderem in China, der Mongolei, Kirgisien, Georgien, Russland und Weißrussland. Zusätzlich konzentriert sich die Stiftung gegenwärtig mit der 22.000 Hektar großen Peenetal-Landschaft und der 12.000 Hektar umfassenden Grenzheide auf Naturschutzprojekte in Mecklenburg-Vorpommern. Succow will diese beiden Gebiete, die zum einen aus Mitteleuropas größtem erhaltenen Flussmoortal der Peene und zum anderen aus einer einst militärisch genutzten Heidelandschaft an der polnischen Grenze bestehen, zu Stiftungs-Nationalparks öffentlichen oder auch bürgerlichen Rechts machen. Der Wissenschaftler lässt gegenwärtig prüfen, wie diese für Naturschutzgebiete in Deutschland neuen Rechtsformen durchzusetzen sind. Vorbilder lieferten ihm - wenn auch nicht direkt mit deutschen Bedingungen vergleichbar - unter anderem Stiftungs-Nationalparks in Südafrika, Südamerika und der Schweiz. Die Notwendigkeit nicht staatlicher, privat finanzierter Nationalparks begründet Succow mit leeren Landes- und Bundeskassen, die neue Schutzprojekte momentan einfach nicht finanzieren könnten. «Positiv wie in keinem anderen Bundesland ist in Mecklenburg-Vorpommern der Nationalparkgedanke besetzt», betont Succow. Das resultiere aus den Chancen, die sich mit den drei bereits bestehenden Nationalparks und anderen Schutzgebieten des Landes für die Regionalentwicklung und speziell für einen hochwertigen Naturtourismus eröffneten. » zurück |
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