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Aktuell

Folgen des Seebebens

Mittwoch 29. Dezember 2004, 19:40 Uhr

Meeresforscher: Ökosysteme in Flutregion "erheblich beschädigt"

Paris (AFP) - Die küstennahen Ökosysteme in den südasiatischen Katastrophengebieten sind nach Ansicht von Experten durch die Flutwellen erheblich beschädigt worden und würden sich erst nach Jahren erholen. Sowohl Korallenriffe als auch Mangrovenwälder seien stark in Mitleidenschaft gezogen, sagte der französische Meeresforscher Jacques Merle der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Vor allem viele Korallenriffe seien bereits durch Wirbelstürme und die mechanischen Eingriffe von Menschenhand sehr beschädigt. Die Flutwellen hätten den sensiblen Ökosystemen nun weitere "erhebliche Schäden" zugefügt.


Dienstag 28. Dezember 2004, 12:51 Uhr

Wissenschaftler für globalen Katastrophenplan

Kiel (dpa) - Aus den verheerenden Folgen des Seebebens in Südasien müssen nach Ansicht des Kieler Katastrophenforschers Wolf Dombrowsky weltweite Konsequenzen gezogen werden. «Wir brauchen einen globalen Katastrophenplan und eine globale Organisationsstruktur der Katastrophenhilfe», sagte Dombrowsky.

In den betroffenen Ländern sieht er Versäumnisse und falsche Prioritäten: «Ich finde es verhängnisvoll, wenn Staaten, die einerseits auf Tourismus setzen und darüber Geld verdienen wollen, die technischen Möglichkeiten für eine vernünftige Warnung der Touristengebiete nicht nutzen.»

Die UN-Dekade zur Verhinderung von Naturkatastrophen (1991 bis 1999) habe allen Ländern hervorragende Empfehlungen gegeben, sagte der Leiter der Katastrophenforschungsstelle an der Universität Kiel. Sie habe auch gezeigt, dass jede Naturkatastrophe für die ärmsten Länder einen Entwicklungsrückschlag von bis zu zehn Jahren bedeute. «Wenn die Ärmsten der Armen also falsch investieren und nicht Katastrophen vorbeugen, riskieren sie willentlich einen Entwicklungsrückschlag von bis zu zehn Jahren», sagte Dombrowsky. «Armut darf doch kein Freifahrschein für Dummheit und Versäumnis sein.» Es werde aber lieber die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen kleingerechnet, um das Geld anderswo einzusetzen.

Das Seebeben sei früh entdeckt und Tsunami-Warnungen seien sehr schnell in die Welt hinausgesandt worden, betonte Dombrowsky. «Aber es gab in diesen Ländern keine Schutzstruktur, die diese Vorwarnzeit nutzbar gemacht hätte.» Dies sei gesellschaftliches Versagen. Afrika hält der Wissenschaftler für ähnlich gefährdet. Bürgerkriege und zerstörte staatliche Strukturen erhöhten die Anfälligkeit für Katastrophen enorm. «Dass insbesondere Sri Lanka betroffen ist, hat ja auch etwas damit zu tun, dass dort noch so lange Bürgerkrieg war.»

Hilfseinsätze müssten international koordiniert werden, sagte Dombrowsky. Auch sollten Pläne aufgestellt werden, um beim Wiederaufbau alte Fehler zu vermeiden. «Das ist schon in Deutschland schlimm genug, wo man nach der Elbeflut alles wieder dorthin gebaut hat, wo es war, und das wird man dort höchstwahrscheinlich wieder genauso tun und damit die nächste Katastrophe programmieren.» Die Tourismusbranche müsse ethische Standards setzen und fordern: «Wir binden euch in unsere Buchungsstrukturen nur ein, wenn bestimmte Minimalstandards erfüllt sind.» Dazu müsse ein Warnsystem für Touristen in gefährdeten Gebieten gehören.

Mit der Katastrophe in Asien werden nach Ansicht Dombrowskys auch Urängste der Menschen berührt: «Alle Menschheitsmythen sind apokalyptischer Natur. Also - aus Chaos ist alles geworden und in Chaos kann alles versinken.» Das sei wohl eine Art Menschheitstrauma.


Mittwoch 29. Dezember 2004, 16:48 Uhr

Seebeben verschob Erdachse um rund acht Zentimeter

Bern (AP) Das schwere Seebeben im Indischen Ozean hat die Erdachse um rund acht Zentimeter verschoben. Dies ergab eine am Mittwoch veröffentlichte erste Auswertung von Daten aus dem globalen GPS-Vermessungsnetz durch das Astronomische Institut der Universität Bern. Die Verschiebung dürfte die größte sein, die seit Beginn der routinemäßigen Überwachung mit dem Global Positioning System (GPS) im Jahr 1992 durch ein einzelnes Ereignis verursacht wurde. Negative Konsequenzen für die Erdrotation sind der Universität zufolge nicht zu befürchten.

Die Erdachse - und damit der Nord- und Südpol - ist nicht fest mit der Erde verbunden. Infolge von Massenumlagerungen im Erdinnern sowie in Ozeanen und in der Erdatmosphäre verändert sich die Lage der Achse dauernd. Als Folge verschieben sich Nord- und Südpol um bis zu zehn Zentimeter pro Tag innerhalb eines Umkreises mit einem Durchmesser von etwa 15 Metern.

Die Position der Erdachse und die Rotationsgeschwindigkeit der Erde werden durch den Internationalen Erdrotationsdienst (IERS) vorhergesagt und unter anderem mit auf der ganzen Erde verteilten GPS-Messstationen präzise vermessen. So auch vom Astronomischen Institut der Universität Bern. Vorläufige Resultate zeigen ab dem Zeitpunkt des Seebebens eine Abweichung der gemessenen Position der Erdachse von der vorhergesagten Position um gut acht Zentimeter.



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