Aktuell


Vor der Klima-Konferenz (erweitert)

Freitag 25. November 2005, 14:07 Uhr

Umweltminister Gabriel fordert "neues Klimaschutzregime"

Berlin (AFP) - Vor der am Montag beginnenden UN-Klima-Konferenz in Montreal hat Bundesumweltminister Sigmar Gabrielein neues Kyoto-Protokoll gefordert. "Es muss jetzt ein zeitlich abgegrenzter Verhandlungsprozess über ein neues multilaterales Klimaschutzregime für die Zeit nach 2012 beginnen, das auf der Architektur des Kyoto-Protokolls aufbaut", sagte Gabriel der "tageszeitung" (Samstagsausgabe). Dies bedeute "weitere bindende Minderungsverpflichtungen für Industrieländer", sagte er weiter. In der ersten Klimakonferenz nach In-Kraft-Treten des Kyoto-Protokolls soll es schwerpunktmäßig um die Frage gehen, wie die Treibhausgase vom Jahr 2013 an weiter reduziert werden sollen. Laut Kyoto-Protokoll sollen die Industriestaaten von 1990 bis 2012 ihren Treibhausgasausstoß um insgesamt mindestens fünf Prozent verringern.


UN Klimakonferenz in Montreal - Greenpeace dabei

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 24.11.05

Die diesjährige Klimakonferenz vom 28. November bis 9. Dezember in Montreal ist die erste nach Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls. Diesmal geht es vor allem um die Frage, wie soll es nach der ersten Verpflichtungsperiode 2012 weitergehen. Zu der Konferenz werden Staats- und Regierungschefs aus über 150 Ländern der Welt erwartet.

Kyoto-Verweigerer wie die USA und eine steigende Anzahl an Sympathisanten rüsten schon länger zum Kampf gegen das Kyoto-Protokoll. Sie behaupten, dass die Klimaschutzziele zu hoch gesteckt seien und deshalb durch Technologie-Initiativen ersetzt werden sollten. Dabei warnen Wissenschaftler davor, dass die Kyoto-Ziele nicht weit genug gingen, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Noch mehr und extremere Unwetter als die Wirbelstürme in diesem Jahr wären die Folge.

Greenpeace ist auf der Konferenz dabei, um diesen Diskussionsprozess zu begleiten und der Forderung nach mehr Klimaschutz Ausdruck zu verleihen. Innerhalb der Delegation von Greenpeace International sind aus Deutschland auch Klimaexpertin Gabriela von Goerne sowie zwei Jugendliche von SolarGeneration vor Ort.

Um die Problematik hier in Deutschland zu verdeutlichen, finden Sie unter der Bild- bzw. Videoansicht entsprechendes Material. Klicken Sie unter der Überschrift einfach auf den gewünschten grünen Reiter (Bild oder Video) und verschaffen Sie sich einen Eindruck.


Freitag 25. November 2005, 11:05 Uhr

Höchste CO2-Konzentration seit 650.000 Jahren

Antarktisbohrungen beweisen: Menschliche Aktivitäten erwärmen Erde

Bremerhaven/Bern (pte) - Ein europäisches Forscherteam hat anhand von Auswertungen antarktischer Bohrkerne festgestellt, dass die Treibhausgas Konzentrationen in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch waren wie heute. Die warmen Klimaperioden im Zeitraum vor 650.000 bis 420.000 Jahren wiesen sogar geringere Kohlendioxid und Methan Konzentrationen auf, als in den darauf folgenden Warmzeiten, berichten die Forscher in zwei Studien im Wissenschaftsmagazin Science.

Die Wissenschaftler um Hubertus Fischer vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und Thomas Stocker vom Physikalischen Institut der Universität Bern haben damit bewiesen, dass geringere Treibhausgaskonzentrationen in den vergangenen 650.000 Jahren auch mit kühleren Bedingungen verknüpft waren. "Die Kopplung zwischen Temperatur und Kohlendioxid beziehungsweise Methan Konzentrationen in der Vergangenheit ist zeitlich erstaunlich konstant. Erst durch den Einfluss des Menschen in den letzten Jahrhunderten wurden atmosphärische Treibhausgase über ihre natürlichen Grenzen hinaus erhöht", so Fischer. Die neuen Messungen zeigen auch, dass die Konzentrationen der Treibhausgase in Warmzeiten über viele Tausend Jahre nahezu konstant waren. Damit könne eine kontrovers diskutierte Hypothese endgültig verworfen werden, nämlich, dass die natürlichen Treibhausgaskonzentrationen bereits wenige hundert Jahre nach Beginn einer Warmzeit wieder abnehmen sollten und somit den Auftakt zur nächsten Eiszeit bilden.

Die Forscher haben Eiskerne, die auf der antarktischen Sommerstation Dome C im Vorjahr gebohrt wurden, genauer untersucht. Dabei wurde eine Tiefe von 3.270 Metern erreicht. Rund zehn Prozent der Eiskerne sind Luftblasen, in den Informationen über die Atmosphäre aus der Vergangenheit eingeschlossen sind. "Das ist das älteste bis dato untersuchte Eis", bestätigt Stocker im pressetext-Interview. "Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige Konzentration von atmosphärischem CO2 mit 0,38 Volumenpromille bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete Stand während der vergangenen 650.000 Jahre", schlussfolgert der Forscher. "Die Ergebnisse erweitern alle bisherigen bekannten Daten zu den Konzentrationen von CO2, Methan und Lachgas in der Atmosphäre", erklärt Stocker.

"Im Forschungspapier berichten wir nicht davon, dass der Anstieg der Treibhausgase auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist", so Stocker. Den Schluss könne man aber bei der Betrachtung der Werte selbst ziehen: Der Anstieg von CO2 in den vergangenen 50 Jahren war 200 Mal schneller als während der gesamten 650.000 Jahre. Seit der Periode vor 390.000 bis 650.000 Jahre lagen die CO2-Werte niemals über 290 ppm. Heute liegen sie bei 375 ppm. Das gleiche gelte auch für das Treibhausgas Methan: Die Werte liegen heute um mehr als 130 Prozent höher als in den vergangenen 650.000 Jahren. "Das ist ein alter Schluss, aber er hat sich aufs neue bestätigt", meint der Forscher abschließend.

Der Eiskern wurde im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) auf dem antarktischen Plateau gebohrt. Die Glaziologen schätzen, dass in den noch nicht analysierten Eiskernen die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist. Neben der Bohrung an Dome C wird auch bei der Kohnen-Station im Dronning Maud Land gebohrt. Mittlerweile konnte eine Tiefe von 2.565 Metern erreicht werden. Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern - Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz - durchgeführt.

Weitere Informationen zu EPICA http://www.esf.org/esf_article.php?activity=1&article=85&domain=3


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