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Aktuell

WWF Jahresrückblick

Im Fokus: 2005 - Bilder, die haften bleiben

von Dr. Peter Prokosch, Geschäftsführer des WWF Deutschland, Dezember 2005

Welche Ereignisse dieses Jahres 2005 werden als Bilder in Erinnerung bleiben? Ganz sicher gehören dazu die Bilder von Josef Ratzingers Wahl zum ersten deutschen Papst seid Jahrhunderten und die Bilder von der dramatisch knappen Bundestagswahl, aus der Angela Merkel als erste deutsche Bundeskanzlerin hervorging. Zu den Bildern dieses Jahres gehören aber auch unsere Erinnerungen an die Tsunami-Flut und den Hurrikan-Sommer.

Wenn wir aus dem Tsunami eine Lehre ziehen können, dann die, dass Vorbeugen in jeder Hinsicht besser ist als Reparieren. Ein Warnsystem, aber auch ein besserer Schutz von Mangrovenwäldern und Korallenriffen hätte wahrscheinlich viel menschliches Leid und Zerstörung verhindern können. Jetzt ist die Gefahr groß, dass für den Wiederaufbau Regenwald für Bauholz eingeschlagen wird. Der WWF hat daher dieses Jahr seine Bemühungen um die Sumatra-Wälder intensiviert. Mit maßgeblichen Entscheidungsträgern und relevanten Wirtschaftsunternehmen in Indonesien ist der WWF in intensiven Verhandlungen. Wir stehen kurz vor viel versprechenden Abkommen über den Schutz bedeutender Reste der verbliebenen Tieflandregenwälder auf Sumatra.

Die Hurrikane, die im Sommer New Orleans zerstörten, im Zwei-Wochen-Takt die Karibik und Mittelamerika heimsuchten, in Texas das öffentliche Leben stilllegten und meteorologische Rekordmarken setzten, sind die markantesten Kennzeichen eines klimatisch bizarren Jahres. Wahrscheinlich wird 2005 die Serie der heißesten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen fortsetzen, die in den 1990er Jahren begann und sich seitdem fast jährlich um weitere Rekordmarken steigert. Die globale Erwärmung wurde von Wissenschaftlern lange vorhergesagt – jetzt ist sie nachweisbar im Gange. Die Folgen dieses Klimawandels für die Ökosysteme unseres Planeten sind erheblich. In Portugal sind hunderttausende Hektar Wald abgebrannt, das Amazonasgebiet erlebt eine Dürre wie noch nie, der Packeislebensraum der Arktis schmilzt den Eisbären sprichwörtlich unter den Pfoten weg und lässt den Meeresspiegel steigen.

Die Lehren hieraus? Wir kennen sie alle längst: Unsere Energieversorgung muss grundlegend umgestellt werden. Weg von Erdöll und Kohle, hin zu einer höheren Energieeffizienz und zu regenerativen Energieträgern aus Sonne, Wind und Biomasse.

Meine Bilanz des Jahres 2005 fällt aber nicht nur negativ aus. In den drei großen Regenwaldgebieten der Erde, in Südostasien, Zentralafrika und am Amazonas formieren sich unter maßgeblicher Teilhabe des WWF große Initiativen zur Sicherung großer Naturwaldgebiete. Von Sumatra habe ich bereits berichtet. Vergleichbares wollen wir auf Borneo erreichen, wo sich noch die größten geschlossenen Tropenwälder Asiens befinden. Der WWF Deutschland hat in diesem Jahr mit seiner Kampagne „Rettet den Orang-Utan-Wald auf Borneo“ bundesweit viel Aufmerksamkeit erzielt und ist auch in Indonesien gehört worden. Es besteht die Hoffnung, dass sich 2006 die drei Borneo-Staaten Brunei, Malaysia und Indonesien auf den Schutz des „Heart of Borneo“ einigen werden – für den WWF eines der wichtigen Ziele im nächsten Jahr.

Unser langjähriges Engagement in der zentralafrikanischen Region wird 2006 mit der Einrichtung und Kapitalisierung eines trinationalen Umwelt-Fonds für ein Schutzgebietssystem im Kongobecken einen Höhepunkt erleben. Zusätzlich werden wir uns am internationalen Schutzprogramm zur Rettung der Amazonas-Regenwälder in Brasilien beteiligen, der wahrscheinlich größten und bedeutendsten Naturschutzinitiative in der Geschichte. Auch für den Schutz der Meere wollen wir neue starke Impulse setzen und werden mit der Verlagerung unseres Fachbereichs Meere und Küsten nach Hamburg ein Internationales WWF-Zentrum für Meeresschutz gründen.

Mit den wieder länger werdenden Tagen richten wir den Blick nach vorne und müssen Schwung fürs nächste Jahr gewinnen. Das Alte mit seinen Katastrophen, Niederlagen und Erfolgen ist fast schon Vergangenheit, noch ehe es richtig aufgehört hat. Wir sollten es dennoch nicht vergessen.

Ich wünsche allen Mitgliedern, Förderern und Freunden des WWF ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2006.

Ihr
Peter Prokosch


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