Aktuell


Mehr Mittel für Klimaschutz gefordert

Mittwoch 30. August 2006, 21:23 Uhr

Mehr Finanzmittel für Klimaschutz gefordert

Kapstadt (AP) Zum besseren Klimaschutz und zur Beseitigung von Schäden infolge des Klimawandels sind nach Ansicht von Umweltexperten weitaus mehr Finanzmittel notwendig als bislang vorgesehen. Die weltweit zugesagten 3,1 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) für einschlägige Projekte in den kommenden vier Jahren reichten keinesfalls aus, betonten die Teilnehmer einer am Mittwoch zu Ende gegangenen Umweltkonferenz in Kapstadt. Dabei kritisierten die Entwicklungsländer, bei der Mittelvergabe nicht ausreichend berücksichtigt zu werden.

Veranstalter der dreitägigen Konferenz war die so genannte Global Environment Facility (GEF), eine Partnerschaft der Vereinten Nationen und der Weltbank. Diese Einrichtung finanziert Projekte zum Kampf gegen die Umweltzerstörung und fördert nachhaltige Entwicklung. Die größten Geber für den GEF-Fonds sind die Industriestaaten, die in der Regel auch für das Gros der Umweltverschmutzung verantwortlich sind. Als größte Nutznießer gelten China und Brasilien, die Hilfen für die Kontrolle des Kohlendioxidausstoßes beziehungsweise den Schutz der biologischen Artenvielfalt erhalten.

Der südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel, der Gastgeber des Treffens von fast 2.000 Delegierten, forderte eine Veränderung des Verteilerschlüssels für die Mittel des GEF-Fonds. Arme Länder müssten stärker berücksichtigt werden, um etwa die zunehmende Wüstenbildung und die Versteppung ihres Ackerlandes bekämpfen zu können.


Mittwoch 30. August 2006, 17:14 Uhr

Trotz Augustkälte: Sommer 2006 statistisch zu warm

Offenbach/Bochum (dpa) - Trotz Herbstkälte und Regen im August war der Sommer in Deutschland überdurchschnittlich warm. Die Durchschnittstemperatur der Monate Juni bis August lag 1,7 Grad über dem langjährigen Mittel von 16,3 Grad.

Das teilte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mit. Entscheidend war der Rekordsonnenmonat Juli, der als der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte einging. Der meteorologische Sommer beginnt am 1. Juni und endet am 31. August.

Charakteristisch für den Sommer 2006 waren nach einer vorläufigen Bilanz der Meteorologen extreme Gegensätze. Der Frühsommer verlief zunächst etwas kühl, dann legte die Sonne aber pünktlich zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni richtig los, wie der Wetterdienst Meteomedia in Bochum berichtete. Bis Ende Juli blieb es hochsommerlich heiß und bis auf einzelne Gewitter trocken.

Der Hitzerekord des Sommers wurde in Sachsen-Anhalt aufgestellt. Am 20. Juli kletterte die Temperatur in Bernburg/Saale auf 38,9 Grad. Die meisten Sonnenstunden in diesem Sommer konnten die Bewohner der Ostseeinsel Hiddensee genießen, wo die Sonne 933 Stunden lang schien.

Während es im Juni und Juli fast überall in Deutschland zu trocken war, schüttete es im August örtlich wie aus Kübeln und es war herbstlich kühl. An vielen Orten wurden neue Spitzenregenmengen gemessen. Am Nebelhorn im Allgäu fielen im August 731 Liter Regen pro Quadratmeter. Die größten Windgeschwindigkeiten des Sommers registrierte Meteomedia in Überlingen am Bodensee. Dort gab es während eines schweren Gewitters Böen bis 146 Kilometern pro Stunde.

Im deutlichen Gegensatz zum Juli, der als der sonnigste Monat seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen verzeichnet wurde, schien im August die Sonne vielerorts so selten wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. In Süddeutschland wurde nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Sonnenscheindauer gemessen. Im Mittel schien die Sonne im Sommer 2006 bundesweit 730 Stunden, 126 Stunden länger als im Schnitt.


Mittwoch 30. August 2006, 16:51 Uhr

Kettenreaktionen in wärmerer Nordsee befürchtet

Hamburg (dpa) - Die aufgeheizte Nordsee ist für den Hamburger Meeresforscher Gerd Becker vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) «ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel». Mit 1,7 Grad Celsius über den Durchschnittswerten sei die Nordsee erneut rekordverdächtig warm, sagte der Wissenschaftler am Mittwoch zur Rückkehr des Forschungsschiffes «Gauss» in den Heimathafen Hamburg.

Der Lebensraum Nordsee werde sich auf Grund des Temperaturanstiegs langsam aber spürbar verändern, meinte Becker. Er habe eigentlich damit gerechnet, dass die seit 1988 anhaltende intensive Warmphase der Nordsee wieder von einer Kaltphase abgelöst werde. Dies hätte dem normalen Wechsel zwischen Warm- und Kaltperioden etwa alle acht bis zwölf Jahre entsprochen.

«Die aktuellen Temperaturmessungen haben aber wieder das Gegenteil bestätigt, nämlich den drittwärmsten Juli seit 1968 sowie eine gespeicherte Wärmeenergie deutlich über dem langjährigen Mittel», betonte der Wissenschaftler. In der Deutschen Bucht und entlang der Küsten lägen die Temperaturen derzeit sogar 3 Grad über den für diese Jahreszeit typischen Durchschnittswerten von 17 Grad.

Mit den veränderten Umweltbedingungen werde sich auch das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen verändern, sagte der Ozeanograph. Jede Art reagiere unterschiedlich auf steigende Temperaturen. Dies habe zur Folge, «dass in der Nordsee häufiger wärmeliebende Arten wie Makrelen angetroffen und andere wie der Kabeljau künftig vertrieben werden». Gravierender aber seien die Auswirkungen auf das Ökosystem. Wie an Land könnte ein zu frühes Wachstum oder zu spät einsetzendes Absterben bestimmter Pflanzen erhebliche biologische «Kettenreaktionen» auslösen.

Auf dem Programm der «Gauss»-Fahrt standen auch meereschemische Untersuchungen, um festzustellen, inwieweit die Nordsee durch verschiedene anorganische, organische und radioaktive Schadstoffe belastet ist. Hunderte von Wasser-, Schwebstoff- und Sedimentproben werden nun im neuen BSH-Labor in Hamburg analysiert.




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