AktuellNeues von Klimawandel und Ozonschicht
Donnerstag 14. September 2006, 11:06 Uhr Schnellere Eisschmelze im Winter lässt Alarmglocken in Arktis schrillen Bedrohung für Ökosystem des PolarmeeresHouston (AP) Der Klimawandel bedroht die Arktis immer stärker: Schneller als je zuvor schmolz in den vergangenen Jahres das Treibeis auch im Winter, wie zwei am Mittwoch veröffentlichte Studien der US-Raumfahrtbehörde NASA berichten. Die Forscher sprachen von einer neuen und alarmierenden Entwicklung unter dem Einfluss der Klimaerwärmung, die weit reichende Folgen für das verletzliche Ökosystem des Polarmeeres haben könne.«Dies gab es bisher nicht», sagte NASA-Wissenschaftler Josefino Comiso in einem Telefoninterview. «Das ist alarmierend.» Die neue Entwicklung zeige die Einflüsse des Treibhauseffekts auf. Das Abschmelzen des Treibeises im Sommer hat den Forschern schon lange Sorgen bereitet, im Winter war ein solcher Verlust zwar befürchtet, aber lange nicht beobachtet worden. Über mehr als 25 Jahre hinweg ging das Wintereis durchschnittlich um 1,5 Prozent pro Dekade zurück. In den vergangenen zwei Jahren beschleunigte sich das Abschmelzen jedoch dramatisch: Allein im Winter 2004/2005 verlor die Arktis nach Angaben Comisos 2,3 Prozent ihres Treibeises. In einem Gebiet im Osten der Arktis gingen binnen zwei Jahren gar 40 Prozent verloren, wie eine zweite Untersuchung der NASA herausfand. Dafür seien lokale Wettereinflüsse verantwortlich, aber auch die globale Erwärmung, erklärte Comiso. Der Rückgang des Wintereises sei eine bedrohliche Entwicklung für das Ökosystem des arktischen Meeres, warnte der Forscher. Dies könne unter anderem die Bildung von Plankton - der Grundlage der Nahrungskette - beeinflussen. «Wenn das Schmelzen des Eises im Winter anhält, hätte dies sehr tief greifende Auswirkungen, besonders für die Meeressäuger.» Donnerstag 14. September 2006, 18:51 Uhr Arktiseis schmilzt weiter im RekordtempoWashington (dpa) - Das Dauereis des Arktischen Ozeans rings um den Nordpol ist zwischen 2004 und 2005 plötzlich und rapide um 14 Prozent geschrumpft. In dieser Zeit sei das Ganzjahreseis um 730 000 Quadratkilometer geschrumpft - das ist mehr als die doppelte Fläche Deutschlands.Das teilten die US-Raumfahrtbehörde NASA und der US-Verband für Geophysik mit. Langfristig könnte sich diese Entwicklung dramatisch auf die Umwelt und die Schifffahrt auswirken, hieß es. Für eine genaue Abschätzung bedürfe es jedoch weiterer Untersuchungen. Auf den Rückgang stießen Wissenschaftler bei der Auswertung von Daten eines NASA-Satelliten. Ergebnis: Im Winter blieb das Eis im Arktischen Meer insgesamt stabil. Allerdings habe sich die Verteilung von saisonalen und ganzjährigen Eismassen deutlich verschoben. Im Arktischen Ozean nördlich von Europa und Asien sei das Dauereis gar bis zur Hälfte verschwunden, weil es sich westwärts gen Nordamerika bewegt hätte. Ursache für die Riesenlöcher in der Eisdecke könnten Winde sein, die das Eis von Osten nach Westen schoben, ergänzten Wissenschaftler des US-Zentrums für Umweltvorhersagen in Boulder, Colorado. «Die jüngsten Veränderungen in der Arktischen See sind rapide und dramatisch», sagte Son Nghiem, der Leiter der Arbeitsgruppe bei der NASA im kalifornischen Pasadena. «Sollte auch das saisonale Eis durch die Sommerschmelze verschwinden, entstünde eine riesige Eis-freie Zone.» Bereits zuvor hatten Forscher beobachtet, dass das Arktis-Eis im Rekordtempo schmilzt: Von 2002 bis 2005 hatte das Eis nach Angaben des Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrums der USA jedes Jahr eine um 20 Prozent geringere Ausdehnung als im Schnitt der Jahre 1978 bis 2000. Vor einem Jahr bedeckte das Eis eine Fläche von 5,32 Millionen Quadratkilometern, das sei die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen 1978. Angesichts der neuen Satellitendaten könne es in diesem Jahr einen neuen Tiefstand geben, erklärte Nghiem. Dauerhaft könnte dies in einen Teufelskreis münden: Umliegende Ozeane könnten sich erwärmen. Dies könnte zur Folge haben, dass im Sommer mehr Eis schmilzt und sich das Zufrieren im Herbst verzögert. Das schmelzende Eis der Arktis trägt unterdessen nicht zur Erhöhung des Meeresspiegels bei, weil schwimmendes Eis genau das Volumen verdrängt, das es in geschmolzenem Zustand einnimmt. Die Eisschmelze heizt aber den Treibhauseffekt zusätzlich an, denn Eis reflektiert Sonnenstrahlen stärker als die dunklere Meeresoberfläche. Donnerstag 14. September 2006, 14:23 Uhr Sonne laut Wissenschaftlern nicht schuld am KlimawandelMünchen (AP) Trotz der zunehmenden Aktivität der Sonne ist sie wohl nicht für die steigenden Temperaturen auf der Erde verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt das Max-Planck-Institut für Astrophysik in einer am Donnerstag in München veröffentlichten Studie. Die seit dem 17. Jahrhundert beobachtete Erderwärmung hätte demnach eine bis zu fünf Mal stärkere Sonnenaktivität erfordert. «Die Einflüsse des Menschen müssen im letzten Jahrhundert also weitaus größer gewesen sein als die der Sonnenaktivität», erklärte der Wissenschaftler Henk Spruit die Ergebnisse.Die Forscher schlossen allerdings nicht aus, dass die ultraviolette Strahlung der Sonne zum Klimawandel beiträgt. Dazu existierten bislang aber noch keine zuverlässigen physikalischen Modelle. Manche Wissenschaftler verdächtigen die schwankende Sonnenaktivität, mindestens ebenso zur Erderwärmung beizutragen wie der Mensch oder natürliche Veränderungen des Klimas. Doch nach den nun veröffentlichten Ergebnissen scheine die Fleckenaktivität als Auslöser des Klimawandels auszuscheiden. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Astrophysik, des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums in Davos und des National Centers for Atmospheric Research in Colorado fassten die vorhandenen Messdaten und theoretischen Erkenntnisse zusammen und berechneten damit neue Klimamodelle. Weltraumsatelliten beobachten seit 1978 die Strahlungsintensität der Sonne. Die Auswertungen der Daten zeigten: Je aktiver die Sonne, desto stärker ihre Intensität. Im Jahr 2000, als Astronomen besonders viele Flecken registrierten, strahlte die Sonne 0,07 Prozent intensiver als in diesem Jahr, in dem Sonnenaktivitäten seltener auftreten. Diese kleinen Schwankungen reichten aber nicht, um das Klima wesentlich zu beeinflussen, sagte Spruit. Da erst seit 1978 genaue Messdaten vorliegen, mussten die Forscher allerdings auf ein Hilfsmittel zurückgreifen, um auch einen langfristigen Einfluss der Sonnenaktivität auf das Erdklima auszuschließen: Sie untersuchten Radioisotope von Kohlenstoff und Beryllium, die im 100.000 Jahre alten Eis Grönlands und der Antarktis nachgewiesen werden. Kosmische Strahlung erzeuge diese Radioisotope in der Erdatmosphäre. Gabriel: Ozonschicht erholt sich langsamBMU Pressemitteilung, 14.9.06Die Ozonschicht der Erde erholt sich allmählich, weil weltweit immer weniger für die Ozonschicht schädliche Stoffe verwendet werden. "Das ist der Erfolg einer beispiellosen internationalen Zusammenarbeit", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel aus Anlaß des "Internationalen Tags der Ozonschicht" am kommenden Samstag (16. September). Dieses Datum ist der Jahrestag der Unterzeichnung des Montrealer Protokolls, das den Grundstein für die Rettung der lebenserhaltenden stratosphärischen Ozonschicht gelegt hat. Am 16. September 1987 wurde das Montrealer Protokoll von zunächst 24 Staaten gezeichnet. Mittlerweile ist das Abkommen von 189 Staaten ratifiziert worden und wirkt weltweit. In der Umsetzung des Protokolls haben die Industrieländer den Verbrauch der für die Ozonschicht schädlichen Stoffe wie FCKW und Halone um 99 Prozent und die Entwicklungsländer ihren Verbrauch um 60 Prozent reduziert. "Deutschland hat hierbei eine international viel beachtete Führungsrolle wahrgenommen", betonte Gabriel. Die Ozonschicht schützt das Leben auf der Erde vor der schädlichen ultravioletten Sonnenstrahlung. Eine Ausdünnung der Ozonschicht führt unter anderem zu einer Zunahme von Hautkrebs. "Wir dürfen uns nicht auf dem bisher Erzielten ausruhen, denn die Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit zeigen, dass die Ozonschicht noch immer sehr verwundbar ist", mahnte Gabriel. Es ist deshalb beispielsweise erforderlich, sowohl den Zeitplan für den Ausstieg aus dem Bodenbegasungsmittel Methylbromid als auch aus den teilhalogenierten FCKW in den Entwicklungsländern zu beschleunigen, so der Bundesumweltminister weiter. Gefahr droht der Ozonschicht auch durch die zunehmende Erderwärmung, denn sie verstärkt die schädliche Wirkung der in der Vergangenheit emittierten und nun in der Stratosphäre angelangten Stoffe. Dieser Effekt zeigt sich insbesondere in der nördlichen Halbkugel, wo in den letzten Jahren sogar eine starke Zunahme des Ozonabbaus zu beobachten ist. "Einmal mehr zeigt sich, dass wir globale Umweltprobleme nicht isoliert voneinander betrachten dürfen. Und das ist noch ein Argument mehr für einen konsequenten Klimaschutz", so Gabriel. Das "Ozonloch" schließt sich noch lange nichtWissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe können vorzeitige Erholung der stratosphärischen Ozonschicht nicht bestätigenForschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft, 14.9.06 Der Gehalt an Chlor in der Stratosphäre, das im antarktischen Frühjahr für die Entstehung des "Ozonlochs" verantwortlich ist, sinkt langsam. Amerikanische Wissenschaftler sagen deshalb schon eine vorzeitige Erholung der Ozonschicht voraus, für die sie in ihren Messungen Hinweise sehen. Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe können dies nicht bestätigen: Im Messnetz des Instituts ist keine Erholungstendenz auszumachen. Eine beobachtete Abkühlung der Stratosphäre fördert die Bildung stratosphärischer Wolken und wirkt der Abnahme des Chlorgehalts entgegen: An der Oberfläche der Wolkenpartikel wird Chlor verstärkt aktiviert und kann so den katalytischen Ozonabbau in Gang setzen. Eine schon 1974 in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ausgesprochene Warnung vor den Folgen immer stärkerer Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoff-Emissionen (FCKW) bestätigte sich 1985 auf dramatische Weise: Britische Forscher entdeckten das "Ozonloch", eine jährlich im antarktischen Frühjahr auftretende Abnahme der Ozonschicht in über 20 km Höhe, in der Stratosphäre. Dies führte schließlich 1987 zur Unterzeichnung des so genannten Montreal-Protokolls, in dem sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtete, die Emissionen von Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen zu senken. Das Abkommen greift: Das Maximum der FCKW-Konzentration in der Troposphäre wurde Mitte der 90er Jahre erreicht. Der Chlorgehalt der Stratosphäre nimmt seit der Jahrtausendwende langsam ab. Trotzdem ist der Chlorgehalt in der Stratosphäre nach wie vor sehr hoch. Wegen der langsamen Austauschprozesse nach unten in die Troposphäre wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis der Chlorgehalt deutlich gesunken ist und sich die Ozonschicht nachhaltig erholen kann. Kürzlich leiteten amerikanische Wissenschaftler aus ihren Messungen ab, dass schon heute eine Erholung der stratosphärischen Ozonschicht zu erkennen sei und prognostizierten, dass die Erholung schneller als angenommen einsetze. Diese Ergebnisse können von einer Arbeitsgruppe des Forschungszentrums Karlsruhe nicht bestätigt werden. "Ozondaten, die im Rahmen des bodengebundenen Messnetzes unseres Instituts langfristig gemessen werden, zeigen noch keinerlei Erholungstendenz", erläutert Professor Dr. Herbert Fischer, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe. Die wesentliche Unsicherheit in der Prognose der Zukunft der Ozonschicht liegt im Einfluss des Treibhauseffektes auf die Chemie in der Stratosphäre. Dieser führt in der Stratosphäre - im Gegensatz zur Erwärmung in bodennahen Luftschichten - zu einer Abkühlung. Wenn die Stratosphäre kälter wird, werden sich verstärkt so genannte polare Stratosphärenwolken bilden. An der Oberfläche dieser Wolkenpartikel werden Chlorverbindungen aufgespalten und für die Reaktion mit Ozon aktiviert: Der katalytische Ozonabbau kommt in Gang. Das verstärkte Auftreten polarer Wolken wirkt somit dem reduzierten Chlorgehalt entgegen: Die Erholung der Ozonschicht verzögert sich. Würde dazu noch, wie es der Nobelpreisträger Paul Crutzen zur Eindämmung des Treibhauseffektes vorgeschlagen hat, Schwefel in der Stratosphäre ausgebracht werden, entstünden daraus Schwefelsäuretröpfchen, die einen Typ der polaren Stratosphärenwolken darstellen. Somit würde, um den Treibhauseffekt einzudämmen, der Preis eines zusätzlichen anthropogenen Ozonabbaus gezahlt werden. Polare Stratosphärenwolken sind daher der Schlüssel zum Verständnis der Entwicklung der Ozonschicht. Deshalb ist es wichtig, die Prozesse, die zur Bildung dieser Wolken führen, zu verstehen und in Klima-Chemie-Modelle, die die zukünftige Entwicklung der Atmosphäre simulieren, zu integrieren. Am Institut für Meteorologie und Klimaforschung ist es mit Hilfe des MIPAS-Experiments an Bord des europäischen Umweltsatelliten ENVISAT erstmals gelungen, die verschiedenen Typen der polaren Stratosphärenwolken gleichzeitig global zu messen und mit Modelldaten zu vergleichen. "Diese Vergleiche zeigen an, dass es im Verständnis der ozonrelevanten Prozesse auf den polaren Wolkenpartikeln noch beträchtliche Lücken gibt", sagt Herbert Fischer. Eine zuverlässige Prognose, wann sich die Ozonschicht erholen wird, ist deshalb derzeit noch nicht möglich. Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien. Donnerstag 14. September 2006, 13:12 Uhr Verbrauch ozonschädigender Stoffe um 70 Prozent gesunkenWiesbaden (AP) Die Verwendung potenziell ozonschädigender Stoffe ist von 1999 bis 2004 um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamtes in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte, wurden von den im Jahr 2004 verarbeiteten 37.450 Tonnen ozonabbauender Stoffe rund 1.350 Tonnen überwiegend in Kühl-, Gefrier- und Klimaanlagen, in Spraydosen sowie in Kunst- und Schaumstoffen eingesetzt und können somit auch in die Atmosphäre gelangen.Die große Mehrheit sei jedoch chemisch weiterverarbeitet worden und hat deshalb keine schädigende Wirkung auf die Ozonschicht. Das Ziel, die Verwendung ozonschädigender Stoffe in Deutschland einzustellen, sei nahezu erreicht, erklärte das Bundesamt. Die international geregelten Ausstiegsfristen aus Produktion und Verbrauch dieser Stoffe könnten von der Bundesrepublik eingehalten werden. Der am Samstag anstehende 16. September ist der «Internationale Tag zum Schutz der Ozonschicht». » zurück |
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