powered by <wdss>
Aktuell

Neue UN-Warnung zu Klimawandel

Sonntag 24. September 2006, 10:59 Uhr

Studie für die UNO erhöht Warnstufe beim Klimawandel

(AFP) - Der Klimawandel ist nicht mehr zu verhindern, allenfalls ist das Ausmaß der Erwärmung noch beeinflussbar. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in einem neuen Bericht für die Vereinten Nationen, der der "Welt am Sonntag" vorliegt. Das Umweltministerium erwartet demnach auf der Basis dieser Daten bis zum Jahr 2100 weltweit eine mittlere Erwärmung um drei Grad Celsius. Deutschland werde unter bisher unbekannten Hitzewellen und Dürreperioden leiden. Im Sommer würden die Temperaturen deutlich über 40 Grad steigen. Die Arktis werde im Sommer eisfrei sein.

Die Studie, die Grundlage für den vierten UN-Klimabericht ist, der im kommenden Jahr verabschiedet werden soll, liegt den Regierungen laut "WamS" als streng vertraulich eingestufter Entwurf vor. Die darin enthaltenen Warnungen gingen zum Teil weit über die des UN-Klimaberichts von 2001 hinaus, berichtet die "WamS" unter Berufung auf eine interne Stellungnahme des Umweltministeriums.

Der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller (SPD), nannte den Bericht "alarmierend". Die derzeit spürbaren Klimaveränderungen seien keine Reaktionen auf den heutigen Schadstoffausstoß, sondern "das Ergebnis der 1960er und 1970er Jahre", sagte Müller der "WamS". Der Klimawandel vollziehe sich mit einer zeitlichen Verzögerung von 40 bis 50 Jahren. "Das alte Klimasystem ist aus den Fugen geraten, ein neues baut sich auf."

Für Europa sagen die Wissenschaftler laut "Welt am Sonntag" vor allem der Landwirtschaft schwerwiegende Folgen durch den Klimawandel voraus. Die größten Verluste in der Landwirtschaft werde es im Mittelmeerraum, im südwestlichen Balkan und im Süden Russlands geben. Rund die Hälfte der europäischen Pflanzenwelt sei durch den Klimawandel "gefährdet, vom Aussterben bedroht oder akut vom Aussterben bedroht".

Dramatisch seien die Auswirkungen auch auf die Alpen. Bis zum Jahr 2050 rechnen die Autoren des UN-Berichts damit, dass kleine Gletscher verschwinden und größere Gletscher um bis zu 70 Prozent abschmelzen.


Freitag 22. September 2006, 15:11 Uhr

Ozonloch 2006 besonders groß

Genf (AP) Das Ozonloch über der Antarktis fällt in diesem Jahr besonders groß aus. Es werde mindestens ein Ausmaß von 27,9 Millionen Quadratkilometern und damit den Wert von 2003 erreichen, erklärte die UN-Klima- und Wetteragentur WMO am Freitag. Nur im Jahr 2000 war das Ozonloch mit 28,5 Millionen Quadratkilometern noch größer. Gründe sind den Angaben zufolge außergewöhnlich niedrige Temperaturen im antarktischen Winter, die gemeinsam mit starken Winden und Sonnenschein am Südpol die Ausdünnung der Ozonschicht begünstigten. Diese wird sich nach Einschätzung der WMO erst bis 2065 vollständig erholt haben.


Mittwoch 20. September 2006, 14:39 Uhr

Arktis-Eisschmelze öffnet Weg von Spitzbergen bis Nordpol

(AFP) - Die Eisschmelze in der Arktis nimmt immer drastischere Formen an: Die europäische Raumfahrtorganisation ESA meldete unter Berufung auf Satellitenbilder vom Ende August erste "dramatische Öffnungen" des vermeintlich "ewigen" Eises im hohen Norden, welche die Wissenschaftler schockierten. "Es ist höchst vorstellbar, dass ein Schiff mühelos von Spitzbergen oder Nordsibirien bis zum Nordpol durch das gelangt wäre, was normalerweise Packeis ist", erklärte ESA-Meeresexperte Mark Drinkwater.

Die Risse im Packeis - die sich mit Beginn des arktischen Herbstes in den vergangenen Wochen zunächst wieder schlossen - zogen sich über ein Gebiet hin, das größer ist als die Britischen Inseln. Derartiges sei in den vergangenen Jahrzehnten noch nie beobachtet worden, betonte Drinkwater.

Erst vergangene Woche hatten US-Klimaforscher Alarm geschlagen, weil das "ewige" Eis in der Arktis zuletzt drastisch abschmolz und sie nun eine Spirale der Erwärmung im hohen Norden fürchten. Demnach gingen allein von 2004 bis 2005 etwa 720.000 Quadratkilometer und damit ein Siebtel des ganzjährig vorhandenen Eises verloren. Dies entsprach einem Gebiet von der Größe des US-Bundesstaates Texas. Im September 2005 wurde so wenig Eis in der Arktis gemessen wie noch nie seit Beginn der Satelliten-Aufzeichnungen im Jahre 1978. Betroffen war vor allem der Ostarktische Ozean oberhalb von Europa und Asien.

Die ESA führte die diesmal beobachteten Änderungen auch auf die Stürme des vergangenen Spätsommers zurück: Rund fünf bis zehn Prozent des sonst massiven ganzjährigen Eises wurden demnach durch diese Stürme in Stücke gerissen. Die Eis-Konzentration im Gebiet zwischen Spitzbergen, dem Nordpol und Sewernaja Semlija lag den Angaben zufolge deutlich unter den bislang gemessenen Werten. "Wenn dieser anormale Trend sich fortsetzt, wird die Nordost-Passage zwischen Europa und Asien längere Zeit über offen sein", notierte Drinkwater. Dann sei denkbar, dass in zehn oder zwanzig Jahren sogar Weltumseglungen direkt durch den sommerlichen Arktischen Ozean versucht würden.

Das offenbar durch den Treibhauseffekt und die allgemeine Erderwärmung ausgelöste Schmelzen des arktischen Eises sehen Wissenschaftler mit großer Sorge. Es stört offenbar wichtige Meeeresströmungen wie den warmen Golfstrom, der weiten Teilen Westeuropas mildes Klima bringt. Tiere wie Eisbären und Seehunde, deren Lebenszyklen vom Eis abhängen, drohen durch die Schmelze schwer getroffen zu werden. Das Phänomen hat auch geopolitische Folgen - so streiten Kanada, Russland und die USA um die Rechte für Nordpol-Passagen.


Freitag 22. September 2006, 17:28 Uhr

Schwarzenegger und Bloomberg schmieden Klima-Allianz

Sunnyvale (AP) Kalifornien und die Stadt New York wollen gemeinsam etwas für den Klimaschutz tun. Gouverneur Arnold Schwarzenegger und Bürgermeister Michael Bloomberg erklärten am Donnerstag in Sunnyvale im Silicon Valley, sie könnten nicht darauf warten, dass die Regierung von US-Präsident George W. Bush gegen die globale Erwärmung etwas unternehme. Die beiden republikanischen Politiker kündigten unter anderem eine umfassende Studie über Treibhausgase an. Zudem soll der Anteil erneuerbarer Energien in New York erhöht werden.


Donnerstag 21. September 2006, 16:50 Uhr

Kalifornien verklagt Autokonzerne

San Francisco (dpa) - Als erster Staat der als autobesessen geltenden USA will Kalifornien die Fahrzeughersteller für Umweltschäden durch Auspuffabgase zur Verantwortung ziehen. Am Mittwoch (Ortszeit) reichte Justizminister Bill Lockyer bei einem Bundesgericht in Oakland Klage gegen sechs der größten Automobilkonzerne der Welt ein.

Sein Ziel: Eine finanzielle Entschädigung in Höhe von Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Dollar für den «Beitrag» der Autoindustrie zum Treibhauseffekt und die damit verbundenen Auswirkungen auf Kaliforniens Natur. Nach Medienberichten werden in der Klageschrift DaimlerChrysler, General Motors, Ford, Toyota, Honda und Nissan genannt. Die Höhe der Schadensersatzsumme wurde offen gelassen.

Kalifornien argumentiert, dass die Abgase sowohl nach kalifornischem als auch nach Bundesrecht ein «öffentliches Ärgernis» darstellten. Autos seien die größte einzelne Quelle für den Ausstoß von Treibhausgasen im Westküstenstaat. Bereits jetzt habe es Kalifornien mit diversen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu tun. Als Beispiel nannte der Justizminister Eisschmelze in den Bergen der Sierra Nevada, die Erosion von Stränden, Luftverschmutzung, Fischsterben und das Aussterben von Tierarten. Schon jetzt müsse der Staat Millionen Dollar zur Begrenzung der Schäden ausgeben. «Im Prinzip geht es darum, dass wir die Steuergelder zurückbekommen», zitierte «Los Angeles Times» Lockyer am Donnerstag.

Erst Ende August hatte Kalifornien dem Ausstoß schädlicher Treibhausgase durch Industriebetriebe wie Kraftwerke und Raffinerien den Kampf angesagt und die in den Vereinigten Staaten schärfsten Kontrollmaßnahmen beschlossen. Gouverneur Arnold Schwarzenegger einigte sich mit den Abgeordneten des staatlichen Kongresses darauf, die Reduzierung gesetzlich festzulegen und den Ausstoß der Schadstoffe bis 2020 um 25 Prozent auf das Niveau von 1990 zu senken.

Damit grenzte sich Schwarzenegger deutlich von seinem Parteifreund US-Präsident George W. Bush ab, der sich geweigert hat, das internationale Protokoll von Kyoto zum Klimaschutz zu unterzeichnen. Im Kyoto-Protokoll haben die Industrieländer zugesagt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2010 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Schon 2002 hatte Kalifornien als erster US-Staat ein Gesetz verabschiedet, das den Autoherstellern eine Schadstoff-Begrenzung vorschreibt. Eine Umsetzung ist jedoch bisher durch Klagen der Industrie blockiert worden.

Während Umweltschutz-Organisationen den jüngsten Schritt vom Mittwoch lobten, erklärte der Autohersteller-Verband «Alliance of Automobile Manufacturers», dass die Industrie bereits sauberere und sparsamere Fahrzeuge baue. «Die heutigen Autos sind 99 Prozent sauberer als die vorige Generation und jedes Modell ist nun auch mit einer kraftstoffsparenden Technologie ausgerüstet», hieß es in einer Erklärung.


23. September, 2006

Clinton-Stiftung erhält Milliarden-Zusagen

(sda) - Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat für seine gemeinnützige Stiftung bei einem Alternativ-Gipfel in New York Zusagen in einer Gesamthöhe von 7,3 Mrd. Dollar erhalten. Dies gab die Clinton Global Initiative am Freitag (Ortszeit) bei ihrer Jahreskonferenz bekannt.

Von 215 Spendern seien Zusagen eingegangen seien. Zu den wichtigsten Gebern zählt der britische Unternehmer Richard Branson, der nach eigenen Angaben den Reinerlös seines Virgin-Konzerns in den kommenden zehn Jahren für erneuerbare Energien zur Verfügung stellen will.

Clintons Stiftung widmet sich dem Kampf gegen die Armut und gegen die Erderwärmung sowie der Überwindung religiös motivierten Hasses. «Die Welt ist ungerecht, instabil und so nicht aufrechtzuerhalten», sagte Clinton zum Abschluss des dreitägigen Treffens.

Sein Engagement solle dazu beitragen, «ein kleines Stück gemeinsamen Grundes aufzubauen». Alle seien aufgefordert, «die nutzlosen Ressentiments zurückzulassen, so dass wir voneinander lernen können».

Für den von Clinton ins Leben gerufenen «Grünen Fonds» und die Förderung erneuerbarer Energien sagten die Unternehmen Stephen Bing, Ron Burkle und Vinod Khosla sowie der frühere Weltbank-Präsident James Wolfensohn ihre Unterstützung zu. Die US-Handelskette Wal-Mart kündigte an, sie wolle das Verpackungsmaterial um fünf Prozent reduzieren.


Freitag 22. September 2006, 14:18 Uhr

Klimaveränderungen gefährden auch deutschen Fischbestand

Dresden (dpa) - Klimaveränderungen gefährden nach Ansicht von Experten auch den Fischbestand deutscher Binnengewässer. Während bislang die Eiablage mit dem Wachstum des Planktons einherging, wird dieses Gleichgewicht bereits bei geringen Temperaturveränderungen gestört, teilte das Institut für Hydrobiologie der Technischen Universität Dresden am Freitag mit.

In diesem Fall fehle Jungfischen, die täglich bis zu 100 Prozent ihres Körpergewichts an Futter aufnehmen müssten, die Nahrung. «Es wird ein Loch in die Nahrungskette gerissen mit derzeit noch unübersehbaren Konsequenzen für die Fischerei und die Wassergüte», sagte Institutschef Jürgen Benndorf.

«Wenn jeder Organismus im Gewässer für sich allein lebte, wäre eine Temperaturerhöhung von ein bis drei Grad nicht das Problem. Wenn aber ein System von Organismen betroffen ist, von denen jedes unterschiedlich auf die Schwankungen reagiert, erfolgt eine Störung des Gesamtsystems», sagte Benndorf der dpa. Ein Wasserfloh als Beutetier reagiere anders auf Temperaturanstieg als der Fisch als Räuber. «Mit Klimaänderungen wird eine über Jahrtausende eingespielte Harmonie gestört.» Die Frage sei, wie schnell sich die Organismen an solche Prozesse anpassen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Limnologie (DLG) führt zu diesem und anderen Themen von Montag bis Freitag kommender Woche in Dresden eine internationale Tagung durch. Dazu haben sich rund 450 Wissenschaftler aus den USA, Kanada, Dänemark und weiteren Staaten angesagt. Die Limnologie befasst sich mit der Ökologie von Binnengewässern. Die DLG wurde 1984 mit dem Ziel gegründet, ökologische Zusammenhänge in Wasserwirtschaft und Gewässerschutz zu beachten.




» zurück
 

Druckversion