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Aktuell
Kosten des Klimawandels
Montag 30. Oktober 2006, 16:23 Uhr
Kosten durch Klimawandel höher als Weltkriegsschäden
(AFP) - Durch die Erwärmung der Erdatmosphäre drohen der Weltgemeinschaft nach einer Klimastudie größere wirtschaftliche Schäden als sie von den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts verursacht wurden. Die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem Klimawandel seien "erdrückend", sagte der britische Premierminister Tony Blair in London bei der Vorstellung eines Berichts über die Auswirkungen der Erderwärmung. Das UN-Klimasekretariat legte in Bonn einen Bericht vor, wonach der Ausstoß von
Treibhausgasen in den Industrieländern zugenommen hat.
Der in London vorgestellte Bericht des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern warnte, dass das Nichthandeln gegen den Klimawandel eine neue Weltwirtschaftskrise auslösen könnte. Stern bezifferte die möglichen Kosten in seinem 700-seitigen Bericht auf 5,48 Billionen Euro. Im britischen Sender BBC mahnte Stern: "Die Risiken sind sehr groß, und wenn wir nicht bald etwas zu ihrer Verringerung tun, wird es sehr schwierig werden, damit noch umzugehen."
Blair sagte, ohne sofortige Gegenmaßnahmen würden die Auswirkungen der Erderwärmung unumkehrbar. Es gebe derzeit keine ernstere und dringlichere Aufgabe für die Weltgemeinschaft. Wenn nicht gehandelt werde, "sind die Folgen für unseren Planeten tatsächlich verheerend", sagte Blair.
Laut dem jährlichen Bericht des Klima-Rahmensekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) stiegen die Emissionen der 41 erfassten Industrieländer zwischen 2000 und 2004 um 2,4 Prozent. Auf den Zeitraum von 1990 bis 2004 umgerechnet gingen die Emissionen der Industrieländer insgesamt um 3,3 Prozent zurück. Besorgnis erregend sei aber, dass auch in Mittel- und Osteuropa der Ausstoß von Treibhaus-Gasen zwischen 2000 und 2004 um 4,1 Prozent angestiegen sei, erklärte UNFCCC-Generalsekretär Yvo de Boer.
Deutschland habe zwischen 1990 und 2004 einen Rückgang der Emissionen von mehr als 17 Prozent erreicht, was nach Angaben des UNFCCC-Mitarbeiters Sergey Kononov "ziemlich nah dran ist an der Zielvorgabe des Kyoto-Protokolls". Das Kyoto-Vertragswerk verpflichtet die Industriestaaten, ihren Ausstoß von Kohlendioxid und weiteren Treibhausgasen bis 2012 drastisch zu reduzieren. Vom 6. bis 17. November beraten die Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in Nairobi über die künftige Politik zum Schutz der Erdatmosphäre.
Klimaschutz ist billig - Klimawandel wird teuer
Von Helge Holler, Greenpeace-Online, 30.10.06
Der Klimawandel hat seit heute ein Preisschild: zwischen fünf und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Jährlich. Für immer. So viel wird es kosten, wenn die Welt inaktiv bleibt und die globale Durchschnittstemperatur sich bis 2050 um bis zu fünf Grad erhöht. Das meint jedenfalls Sir Nicholas Stern, der ehemalige Chefökonom der Weltbank. Er hat im Auftrag der Britischen Regierung eine Studie zu den ökonomischen Folgen des Klimawandels erstellt und sie am Montag in London präsentiert.
Dabei dreht es sich - das globale BIP von 2004 zugrundegelegt - um eine Summe irgendwo zwischen 1,6 und 6,2 Billionen Euro. Die Kosten entstehen durch mehr Naturkatastrophen, Verschiebung der Klimazonen, Wassermangel, gefährdete Nahrungsmittelproduktion und die Notwendigkeit der Anpassung an all diese geänderten Rahmenbedingungen. Besonders betroffen sind ausgerechnet die ärmsten Länder der Welt - diejenigen, die am wenigsten zur Klimaveränderung beigetragen haben.
Gleichzeitig hat Sir Nicholas auch den dringend notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel ein Preisschild verpasst. Für nur ein Prozent des globalen BIP - immer noch stattliche rund 300 Milliarden Euro pro Jahr - können wir den Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 auf ein noch erträgliches Maß eindämmen.
"Die Studie schreckt auf, sie zeigt aber auch, dass Klimaschutz keine technische Frage ist, sondern eine höchst politische. Jeder Euro, den wir heute für Erneuerbare Energien ausgeben, ist besser angelegt, als in Zukunft Jahr für Jahr für die Schäden von Unwetterkatastrophen in Folge des Klimawandels zu zahlen," sagt Greenpeace Klimaexperte Karsten Smid.
Nachfolge für Kyoto-Protokoll gesucht
Die Studie wird Zündstoff liefern für die Debatten im kenianischen Nairobi. Dort wird vom 6. November an über eine Nachfolge für das Kyoto-Protokoll verhandelt. Das Kyoto-Protokoll läuft nur bis 2012 und hat etliche gravierende Schwächen, die in einem Nachfolgeabkommen verbessert werden müssen.
So sind Entwicklungsländer, darunter die bevölkerungsreichsten Staaten China und Indien, bislang nicht zur Eindämmung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Die - viel zu geringen - Einsparungen in den Industrienationen werden vom Wachstum insbesondere in Asien mehr als wettgemacht.
"Die Zeit wird knapp, das Zeitfenster in dem wir handeln können wird immer enger. Es kommt auf die nächsten zehn Jahre an, ob wir diesen Herausforderungen gerecht werden. Es ist unsere Generation, die die Verantwortung für unser zukünftiges Klima trägt," so Smid. "Die Politik muss den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda setzen, nicht nur in Nairobi sondern auch auf dem kommenden G8-Gipfel in Deutschland."
Klimawandel lässt Finanzminister zittern
WWF sieht Alarmruf in aktueller Studie zu den Kosten des Klimawandels
WWF Kommentar - Montag, 30. Oktober 2006
Der so genannte Stern-Report, ein britischer Expertenbericht zu wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels, führt die Dringlichkeit einschneidender Gegenmaßnahmen einmal mehr deutlich vor Augen. Der Hauptautor und frühere Chefökonomen der Weltbank, Sir Nicholas Stern, zeigt in dem Bericht, dass das weltweite Bruttosozialprodukt durch den Klimawandel um 20% einbrechen kann. Demgegenüber ist eine Gegenstrategie, die auf eine effiziente Bekämpfung des Klimawandels setzt praktisch zum Schnäppchenpreis zu haben. Stern rechnet mit 1% des Bruttosozialproduktes.
Der Report, der heute vom britischen Finanzminister Gordon Brown und Sir Nicholas Stern in London vorgestellt wurde, liefert klare ökonomische Argumente für unmittelbare Maßnahmen gegen den Klimawandel.
"Der Stern Report ist ein Weckruf an die Welt," sagt Hans Verolme, Direktor des WWF Global Climate Change Programme." Jetzt wird klar, dass die Weltwirtschaft ernsthafte Einbußen hinnehmen muss, wenn wir nicht bald aufwachen. Es gibt keine Ausreden mehr, klare Aktionen gegen den Klimawandel weiter zu verzögern".
Der Stern Report zeigt die immensen Kosten, die auf die Welt zukommen, wenn wir uns bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht beeilen. Das muss sich nun in konkreten Maßnahmen niederschlagen, die die Länder sofort ergreifen müssen.
Der Bericht dürfte auch bei den Klimaverhandlungen, die nächste Woche in Nairobi beginnen, für neue Dynamik sorgen. Der WWF drängt die 189 Regierungen, die sich in der kenianischen Hauptstadt treffen werden, einen klaren Plan für ein KYOTO PLUS Abkommen für die Emissionsreduktion nach 2012 zu fassen. Die Minister müssen sicherstellen, dass die am wenigsten entwickelten Länder Zugriff auf das bereits zugesagte Geld haben, um Schritte gegen die Auswirkungen den Klimawandel ergreifen zu können.
"Wir müssen die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius halten. Sonst werden die Änderungen bei Klima und Wetter außer Kontrolle geraten. Die Welt kann den Klimawandel in den Griff bekommen, aber das Zeitfenster wird immer kleiner. Die Lösungen gibt es - mit politischer Führung und gemeinsamen Anstrengungen können wir erreichen, dass die Emissionen weltweit in 10 bis 15 Jahren zurückgehen".
Montag 30. Oktober 2006, 15:03 Uhr
Studie: Kampf gegen Klimawandel hat Priorität
London (dpa) - Wenn ein dramatisches Schrumpfen der Weltwirtschaft mit verheerenden sozialen Folgen noch verhindert soll, muss der Kampf gegen die Erderwärmung nach einer neuen Studie international höchste Priorität bekommen. Durch den Klimawandel drohe der internationalen Wirtschaft ein Rückgang um rund 20 Prozent, heißt es in der in London vorgelegten Studie.
Die Welt könne in eine Depression schwerer als jene Anfang der 30er Jahre abgleiten. Mehr als 200 Millionen Menschen könnten auf der Flucht vor Überschwemmungen oder Dürren Aufnahme in fremden Ländern suchen.
Premierminister
Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown appellierten an die internationale Gemeinschaft, gemeinsame Abwehrmaßnahmen gegen die drohende Gefahr nicht mehr länger hinauszuzögern. Die Folge weiterer Inaktivität wäre «im wahrsten Sinne des Wortes katastrophal», sagte Blair. «Und dieses Desaster droht nicht in einer fernen Science-Fiction-Zukunft, sondern in unserer Lebenszeit.»
«Wir haben aber noch die Zeit und wir haben das Wissen zu reagieren», erklärte der Leiter der von der britischen Regierung im Sommer 2005 in Auftrag gegebenen Untersuchung, der Wirtschaftswissenschaftler Sir Nicholas Stern. «Aber nur, wenn wir weltweit entschlossen und rasch handeln.»
Blair vermied es in seinem Appell an die internationale Gemeinschaft, direkt die USA und deren Weigerung anzusprechen, sich wieder dem Kyoto-Umweltschutzabkommen anzuschließen. Jedoch macht der der 700 Seiten umfassende Stern-Bericht deutlich, dass nach Auffassung seiner Autoren entschlossene internationale Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase im Gegensatz zur Argumentation der US- Regierung am Ende mehr Geld einbringen als kosten würden.
Blair sagte dazu bei der Vorstellung des Berichtes: «Investitionen werden sich auszahlen, nicht nur für die Umwelt, sondern auch wirtschaftlich.» Die Welt könne allerdings nicht «wieder fünf Jahre verhandeln wie beim Kyoto-Abkommen - wir haben so viel Zeit einfach nicht und wir müssen akzeptieren, dass wir weit darüber hinaus gehen müssen».
Die Aufwendungen für umfassende Aktionen zur Reduzierung der Erderwärmung, die vor allem durch so genannte industrielle Treibhausgase verursacht werde, seien durchaus aufzubringen, rechnete der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, vor. Erforderlich seien Ausgaben in Höhe von etwa einem Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. Der Kampf gegen die Folgen eines weiter anhaltenden Nichtstuns werde eines Tages ein Vielfaches mehr kosten, warnte Stern.
Nach seinen Berechnungen würde eine rasche globale Offensive gegen die zunehmende Belastung der Erdatmosphäre rund 350 Milliarden Dollar (275 Milliarden Euro) kosten. Dadurch bestünde allerdings nicht nur die Chance, verheerende Folgen der Erderwärmung für weite Teile der Welt abzuwenden. Die Weltwirtschaft könnte mit zielgerichteten Umweltinvestitionen bis 2050 sogar insgesamt einen «Profit» von etwa 2,5 Billionen Dollar erwarten. Hingegen würden die Kosten im Falle des Ausbleibens von Gegenmaßnahmen ein Mehrfaches ausmachen.
Zu den dringend erforderlichen Aktionen zur Gefahrenabwehr muss laut Stern gehören, dass die Ziele der Schadstoffreduzierung deutlich erhöht werden und dass sich Länder wie die USA, China und Indien an deren Einhaltung beteiligen. Zur Hilfe für ärmere Staaten müsse die Weltbank rasch einen Fond in Höhe von 20 Milliarden Dollar schaffen. Ländern wie Brasilien, Papua-Neuguinea und Costa Rica müsse geholfen werden, weite Teile der tropischen Regenwälder aufzuforsten.
Für den Fall, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht zu entschlossenen und Schritten gegen den Klimawandel bereit findet, umreißt der Stern-Bericht ein Schreckensszenario: Weiter schmelzende Polkappen würden die Flutgefahr dramatisch erhöhen. Steigende Meeresspiegel würden weite Landflächen vernichten und 200 Millionen Menschen in die Flucht treiben. Vor allem in Afrika würden sich landwirtschaftliche Nutzflächen in unfruchtbare Trockenzonen verwandeln. 40 Prozent der Tier- und Pflanzenarten könnten vernichtet werden.
Montag 30. Oktober 2006, 17:24 Uhr
Gabriel fordert sofortiges Handeln gegen Klimawandel
(AFP) - Angesichts der Veröffentlichung des Klimaberichts des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Montag sofortiges Handeln gegen die Auswirkungen des Klimawandels gefordert. Der Bericht bestätige aus volkswirtschaftlicher Sicht, dass der Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung bedrohe, erklärte Gabriel. "Wir müssen jetzt handeln - auf nationaler und internationaler Ebene." Die nächsten zehn bis 15 Jahre entschieden darüber, ob die schlimmmsten Auswirkungen des Klimawandels noch zu verhindern seien oder sie den Generationenen der Kinder und Enkel einfach zugemutet würden. Der Minister schlug vor, dass die EU sich verpflichte, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
Montag 30. Oktober 2006, 14:25 Uhr
Gabriel will Umweltschutz zum Geschäft der Zukunft machen
(AFP) - Neue Techniken im Kampf gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung sollen nach dem Willen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zum zentralen Standbein der deutschen Wirtschaft werden. "Es geht hier um viele tausend Milliarden Euro und um die ökonomischen Leitmärkte, die das 21. Jahrhundert bestimmen", sagte Gabriel bei der Vorstellung eines Strategiepapiers. Spritsparende Autos, saubere Kraftwerke oder Recycling-Technik müssten als boomende Zukunftsmärkte erkannt und von deutschen Firmen besetzt werden, forderte Gabriel. Der Minister schlug ein "grünes Industriekabinett"
vor.
"Die Probleme der Industriegesellschaft werden wir nur mit den Instrumenten der Industriegesellschaft begrenzen können", sagte Gabriel bei der Vorstellung des Papiers. So könne eine "doppelte Dividende" erreicht werden: Zum einen werde die Umwelt geschützt, zum anderen könne die deutsche Wirtschaft auf den milliardenschweren Märkten verdienen. Laut Ministerium beträgt der Anteil der Umwelttechnik bisher vier Prozent am Gesamtumsatz der deutschen Wirtschaft. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil nach dem Willen Gabriels auf 16 Prozent steigen.
Eine wichtige Branche der Zukunft könne für Deutschland etwa der Bau neuartiger Kraftwerke werden, die wenig oder gar kein klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen, heißt es in dem Papier. Auch die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wasser und Wind, die Isolierung von Häusern zum Energiesparen sowie die Herstellung von energiesparenden Haushaltsgeräten werden als zentrale Wachstumsmärkte der Zukunft genannt.
In einem "grünen Industriekabinett" sollten die Ministerien ihre Initiativen zur Förderung der betroffenen Technologien abstimmen, sagte Gabriel. Die Runde solle auch die Förderung des Exports von Umwelttechnik koordinieren. Bei einem solchen Kabinett wären laut Umweltministerium in erster Linie die Ressorts Wirtschaft, Finanzen und Bildung und Forschung angesprochen.
Gabriel sagte weiter, "statt Märkte und ihr Wachstum zu behindern, müssen wir die Märkte ökologisch und nachhaltig ausgestalten". Es gehe nicht darum, "dass nur noch das umweltpolitisch wertvoll ist, was sich vermarkten lässt". Artenschutz oder Biotopschutz dürften sich auch weiter nicht gegenüber marktwirtschaftlichen Interessen rechtfertigen müssen.
Montag 30. Oktober 2006, 14:34 Uhr
«Goldener» Oktober 2006 gut 3 Grad zu mild
Offenbach/Bochum (dpa) - Mit reichlich Sonnenschein und ungewöhnlicher Wärme gehört der Oktober 2006 in die Reihe zu milder Monate in Deutschland. Nach den vorläufigen Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach geht in dieser Woche der zweitwärmste Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1901 zu Ende.
In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern war es sogar der wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Deutschlandweit habe die Durchschnittstemperatur mit rund 12,2 Grad um 3,2 Grad höher gelegen als im 30-jährigen klimatologischen Mittel, teilte
der DWD am Montag in Offenbach mit. Wärmer war bisher nur der Oktober 2001 mit einem Mittelwert von 12,5 Grad.
Auch die Regenmengen und die Zahl der Sonnenscheinstunden waren in weiten Teilen des Landes überdurchschnittlich, zeigten die ersten Auswertungen der rund 2600 DWD-Messstationen.
«Üblicherweise liegen die Spitzenwerte am Beginn des Monats, aber mit einer anhaltend südwestlichen Strömung und Zufuhr von reichlich Mittelmeerluft kam diesmal alles anders», sagte DWD-Meteorologe Gerhard Lux. Nie zuvor habe es Ende Oktober derart hohe Temperaturen gegeben. In Alpennähe teilweise durch Föhn unterstützt, wurden vielerorts sommerliche Temperaturen über 25 Grad erreicht.
Der Wetterdienst Meteomedia registrierte am 26. Oktober in Baden- Württemberg Rekord-Temperaturen: In Emmendingen-Mundingen seien an diesem Tag 28,6 Grad gemessen worden, ein neuer Rekord für die dritte Oktober-Dekade, teilte Meteomedia mit. Sommerliche Wärme gab es auch in Müllheim mit 28,3 Grad und in Heitersheim mit 27,8 Grad.
Bis zu 40 Prozent länger als üblich schien die Sonne laut Meteomedia im Donauraum. An Nord- und Ostsee fehlten dagegen einige Stunden für eine ausgeglichene Bilanz, vor allem in Schleswig blieb die Sonne oft hinter Wolken verborgen. Die milde Luft aus Südwesten sorgte dort aber trotzdem für die Rekord-Oktoberwärme.
Sehr uneinheitlich fällt nach den Beobachtungen der Meteorologen die Verteilung des Niederschlags aus. Deutschlandweit errechnete der DWD ein leichtes Plus. Ungewöhnlich nass war es nach Angaben von Meteomedia vom Oberrhein und dem Saarland über das Maingebiet bis hin zum Erzgebirge. In Karlsruhe fielen bis zum Montagmorgen laut Meteomedia rund 136 Liter Regen pro Quadratmeter, mehr als doppelt so viel wie im Oktober üblich. Südlich der Donau fehlen einige Liter für eine ausgeglichene Bilanz, so wurden in Konstanz mit 33 Litern erst 60 Prozent des Normalwerts erreicht, auch im Osten Deutschlands blieb es gebietsweise zu trocken.
Klimawandel: Andenländer fürchten Abschmelzen der Gletscher
epo.de, 30.10.2006
Bonn/Quito. - Das Abschmelzen der Andengletscher infolge des Klimawandels wird erhebliche wirtschaftliche und soziale Folgen für die Andenländer haben. Vor allem die Trinkwasserversorung, die Landwirtschaft und die Energiesicherheit seien gefährdet, lautet das Ergebnis einer von InWEnt organisierten Regionalkonferenz in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito.
Seit Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich der Abschmelzprozess der andinen Gletscher nach Angaben der Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt) erheblich beschleunigt. Bei dem bisher beobachteten Temperaturanstieg von jeweils 0,3 Grad Celsius in zehn Jahren werden die kleineren Gletscher in Höhen unterhalb von 5.000 Metern in den nächsten 10-15 Jahren verschwunden sein. Doch auch die höher gelegenen Gletscher verlieren Besorgnis erregend an Masse.
Dies werde erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und auch auf die Umwelt im Andenraum haben. Darin waren sich die Teilnehmer einer Regionalkonferenz zu den Folgen des globalen Klimawandels auf die andinen Gletscher einig, die in Quito/Ecuador vom 23. bis 27. Oktober 2006 stattfand.
Betroffen sind nach den Prognosen von Wissenschaftlern nicht nur die Trinkwasserversorgung von Städten wie Quito oder La Paz sein, auch die Landwirtschaft und die Stromerzeugung werden massiv unter der sich abzeichnenden Verknappung des zur Verfügung stehenden Wassers leiden. Walter Vergara, Chefingenieur der Weltbank für umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung, veranschlagte auf der Konferenz die Kosten für den Ersatz von einem Megawatt Kraftwerkskapazität auf 1,1 Millionen US-Dollar.
Für Länder wie Peru oder Ecuador, die zu mehr als zwei Dritteln von Wasserkraft abhängen, seien dies enorme Kosten, so der Weltbank-Ingenieur. Dies wiege umso schwerer, als auch mit klimabedingten Ernteausfällen zu rechnen sei. Allein für das Einzugsgebiet des Santa-Flusses in Nord-Peru veranschlagt der Weltbankvertreter das Ausfallpotenzial auf 200 Millionen US-Dollar.
Was diese Tendenzen für die Trinkwasserversorgung einer Großstadt wie Quito bedeuten, machte Edgar Ayabaca deutlich. Er ist beim lokalen Wasserversorgungsunternehmens EMAAP-Q der für die Wassergewinnung zuständige Direktor. Berechnungen des Unternehmens zufolge werden sich die zusätzlich anfallenden Investitionen bis 2055 auf etwa 700 Millionen US-Dollar belaufen. Diese werden für Stauseen, Kanal- und Tunnelsysteme anfallen, die Wasser umleiten sollen, das bisher Richtung Amazonas abfloss. Wie dieses Geld aufgebracht werden soll, weiß auch Ayabaca noch nicht.
"Die Wissenschaftler mit Regierungsvertretern und Entscheidungsträgern aus Stadtverwaltungen und Wasserunternehmen zusammen gebracht zu haben, dies war ein erster wichtiger Schritt, um die Problematik auf die politische Agenda zu bringen", so der Leiter der Konferenz, Michael Funcke-Bartz von InWEnt. In ihren Empfehlungen stellen die Konferenzteilnehmer einen sehr viel bewussteren Umgang mit Wasser und Energie ganz oben an - in der Bevölkerung ebenso wie in Unternehmen und der Landwirtschaft.
Dass diese Konferenz zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wurde, ist sich Alan Viale von der Comunidad Andina sicher. Seine Aufgabe ist es, eine Vorlage für die Regierungen der Andenregion zu erarbeiten, welche den Umgang mit den Folgen der Gletscherschmelze als Ressort übergreifende Aufgabe formuliert. Dies werde nur dann Erfolg haben, wenn die langfristigen ökonomischen und sozialen Folgen des Klimawandels aufgezeigt werden können - eine echte Herausforderung für die Wissenschaftler, die sich bis jetzt auf naturwissenschaftliche Grundlagenforschung konzentriert haben.
InWEnt führte die Konferenz im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch. Partner waren unter anderem das Umweltministerium Ecuador, das UN-Umweltprogramm UNEP und das Internationale Hydrologische Programm der UNESCO.
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