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Aktuell

UN-Klimakonferenz (1)

Montag 6. November 2006, 17:05 Uhr

Klimagipfel beginnt mit eindringlichen Appellen zum Handeln

(AFP) - Zu Beginn des zwölften UN-Klimagipfels hat die kenianische Regierung vor dem Klimawandel als "einer der größten Bedrohungen der Menschenheit" gewarnt. "Es liegt eine große Aufgabe vor uns", sagte der kenianische Vizepräsident Moody Awori bei der Eröffnung des Treffens in Nairobi vor rund 6000 Delegierten aus 189 Ländern. Vor allem Afrika leide unter den Folgen der Erderwärmung. Bei dem zweiwöchigen Gipfel soll über ein Folgeabkommen zum Kyoto-Klimaschutzprotokoll beraten werden.

Der Gipfelvorsitzende, Kenias Umweltminister Kivutha Kibwana, forderte die Industriestaaten zu neuen Zusagen für den Klimaschutz auf. Der Greenpeace-Vertreter Steve Sawyer sagte in Nairobi, die schlimmsten Folgen des Klimawandels könnten nur behoben werden, wenn die Regierungen sofort handelten.

Die Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) warnte vor den Auswirkungen der Erderwärmung auf die Entwicklung der afrikanischen Staaten. Bereits jetzt seien die Folgen zu spüren: In Afrika seien die Temperaturen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts um 0,7 Grad Celsius angestiegen. Künftig werde pro Jahrzehnt mit einer weiteren Erwärmung von 0,2 bis 0,5 Grad gerechnet.

Elf deutsche Entwicklungs- und Umweltorganisationen forderten in einem gemeinsamen Appell die Industrieländer als größte Verursacher von Treibhausgasen auf, Hilfe für die unter dem Klimawandel leidenden Menschen in armen Ländern zu leisten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, den Klimaschutz während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und des G-8-Vorsitzes zu einem zentralen Thema zu machen.

An der bis zum 17. November dauernden Konferenz nehmen Experten und Regierungsvertreter aus den 189 Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention teil. Sie wollen über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beraten, das nur von einem Teil der Mitgliedstaaten ratifiziert wurde. In dem 1997 ausgehandelten und 2005 in Kraft getretenen Zusatzprotokoll zur Klimarahmenkonvention verpflichten sich die Industriestaaten zu einer Senkung ihrer Treibhausgase bis 2012 um fünf Prozent unter das Niveau von 1990.

Allerdings boykottieren die USA als größte Verursacher von Treibhausgasen das im Februar vergangenen Jahres in Kraft getretene Protokoll. China, die Nummer zwei der Verursacher von Treibhausgasen, gilt noch immer offiziell als Entwicklungsland und genießt daher andere Rechte als Industriestaaten.


Montag 6. November 2006, 17:27 Uhr

Weltklimagipfel soll Fundament für neues Schutzabkommen legen

Nairobi (AP) Die Folgen der Erderwärmung und mögliche Gegenmaßnahmen stehen im Mittelpunkt des Weltklimagipfels, der am Montag in der kenianischen Hauptstadt eröffnet wurde. In den kommenden zwei Wochen beraten dort tausende Politiker, Wissenschaftler und Umweltschützer aus rund 190 Staaten über ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll, das den Ausstoß an so genannten Treibhausgasen wie Kohlendioxid stoppen sollte. Dies ist bislang aber nicht im gewünschten Umfang gelungen.

«Wir sind hier heute Morgen im Auftrag der Menschheit zusammengekommen, weil wir erkennen müssen, dass der Klimawandel sehr schnell zu einer der größten Bedrohungen geworden ist, denen sich die Menschheit je stellen muss», erklärte der kenianische Vizepräsident Moody Awori zur Öffnung der Konferenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich nachdrücklich für mehr Klimaschutz aus. «Millionen Menschen in der ganzen Welt sind von Not und Elend bedroht, wenn wir den Klimaschutz jetzt nicht entschieden verstärken», sagte sie der «Bild»-Zeitung. Das Thema werde eine herausragende Bedeutung während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und während des deutschen G-8-Vorsitzes haben.

Der Klimawandel schreite schneller voran, als die Wissenschaft noch vor kurzem angenommen haben, erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Man könne aber etwas dagegen tun und zugleich wirtschaftlich wachsen, hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung des Ministers. In Nairobi müsse das Fundament für neue Verhandlungen zum Klimaschutz gelegt werden.

Der frühere Leiter der UN-Umweltbehörde und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer rechnet dabei nach eigenen Worten mit harten Verhandlungen. «Afrika leidet schon heute am stärksten unter den Veränderungen des Klimas, ohne dass dieser Kontinent zum Klimawandel beigetragen hat», sagte Töpfer im Inforadio des RBB. «Wenn sie so wollen, werden dort die Sünden bezahlt, die wir begehen.»

Zu der Konferenz werden rund 5.000 Delegierte erwartet. Viele hoffen auch auf ein Zeichen aus den USA, die für rund 21 Prozent der Treibhausgase verantwortlich und damit der größte Produzent dieser klimaschädlichen Emissionen sind. Es gilt aber als sehr unwahrscheinlich, dass sich die Regierung von Präsident George W. Bush zu verpflichtenden Zielen bei der Reduzierung des Ausstoßes an Treibhausgasen bereit erklärt. Bush hat dies unter Hinweis auf mögliche negative Folgen für die US-Wirtschaft abgelehnt.

Dieser Argumentation widersprach eine in der vergangenen Woche veröffentlichte britische Studie. Sie kam zu dem Ergebnis, dass der Schaden, wenn nichts gegen die Klimaveränderung getan werde, jedes Jahr fünf bis 20 Prozent des Weltbruttosozialprodukts betragen werde. Der Klimawandel bedrohe die Entwicklungsmöglichkeiten für Milliarden Menschen, erklärte der kenianische Umweltminister Kivutha Kibwana.

In den kommenden beiden Wochen werden die Delegierten in vertraulichen Sitzungen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel präsentiert bekommen. Sie sollen im kommenden Jahr in einem umfangreichen UN-Bericht veröffentlicht werden.


Montag 6. November 2006, 15:12 Uhr

Bundesregierung dringt auf mehr Klimaschutz

(AFP) - Anlässlich der UN-Klimakonferenz in Nairobi dringen deutsche Politiker und Wissenschaftler auf verstärkte Anstrengungen zur Stabilisierung des Weltklimas. "Millionen Menschen in der ganzen Welt sind von Not und Elend bedroht, wenn wir den Klimaschutz jetzt nicht entschieden verstärken", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der "Bild"-Zeitung. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verlangte mehr Energieeffizienz, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer, rief die Industriestaaten zu einem gemeinsamen Handeln mit den Entwicklungsländern auf.

Merkel kündigte an, das Thema Klimaschutz werde "eine herausragende Bedeutung" während der deutschen Präsidentschaften von EU und G8 haben. Die Kanzlerin forderte eine Vorreiterrolle der EU, um für das Kyoto-Protokoll "zu einem guten Nachfolgeabkommen zu gelangen". Auch die USA sollten dabei eingebunden werden. Klimaschutz sei "gleichermaßen ein Beitrag zum Umweltschutz wie zur Förderung der deutschen und europäischen High-Tech-Industrie".

Gabriel sagte im ZDF, die Klimakonferenz müsse eine Antwort darauf geben, wie Schwellen- und Entwicklungsländer Wirtschaftswachstum mit Klimaschutz verbinden könnten. "Erst wenn wir das geschafft haben, wird es uns gelingen, zu einem Kyoto-Folgeabkommen zu kommen." Dabei würden von den Industrienationen Hilfsangebote und beispielhaftes Verhalten verlangt. In Europa lasse sich durch mehr Wärmedämmung und mit besseren Motoren "doppelt so viel CO2 einsparen und gleichzeitig auch noch 100 Milliarden Euro im Jahr".

"Wir stehen vor einer Renaissance der Umweltpolitik", sagte Töpfer im Deutschlandfunk. Umweltschutz sei kein Luxusgut, das sich nur die Reichen leisten können. "Mehr und mehr ist völlig klar, dass ohne eine intakte Umwelt wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr möglich wird."

Elf deutsche Entwicklungs- und Umweltorganisationen wiesen in einer gemeinsamen Erklärung auf katastrophale Konsequenzen hin, die der Klimawandel heute schon für die ärmsten Menschen in der Welt habe. Die Verbände erinnerten an das Ziel der EU, den weltweiten Temperaturanstieg zumindest auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Dafür müssten die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 30 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent reduziert werden. Der BUND wandte sich zudem gegen den geplanten Bau neuer Kohlekraftwerke in Deutschland.


Klimagipfel: Deutsche Entwicklungs- und Umwelt-Organisationen fordern Klimagerechtigkeit

epo.de, 06.11.2006

Berlin/Nairobi. - Elf deutsche Entwicklungs- und Umweltorganisationen haben zu Beginn des 12. UN-Klimagipfels in Nairobi auf die katastrophalen Konsequenzen hingewiesen, die der Klimawandel schon heute für die ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern hat. Die NRO fordern von den Industrieländern "Klimagerechtigkeit": eine drastische Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen und eine stärkere Unterstützung der besonders Betroffenen in Entwicklungsländern.

Die Treibhausgas-Emissionen in den Industrieländern müssten drastisch verringert werden, um einen in großem Maßstab gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, forderten Brot für die Welt, BUND, Diakonie Katastrophenhilfe, Eine Welt Netz NRW, EED, Forum Umwelt und Entwicklung, Germanwatch, KLJB, NABU, VENRO, und WWF in einer gemeinsamen Erklärung. Darüber hinaus müssten die Industrieländer als bisherige Hauptverursacher die Unterstützung für die Betroffenen des Klimawandels ausbauen. Deutschland komme im Rahmen seiner 2007 anstehenden G8- und EU-Präsidentschaft eine politische Schlüsselrolle bei diesen Themen zu.

Die elf Organisationen begrüßten die jüngste Einigung der EU-Umweltminister, bei der UN-Klimakonferenz in Nairobi die Prioritäten der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländer ganz oben auf die klimapolitische Agenda zu setzen. Die Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen sei entwicklungspolitisch dringend notwendig. Die Industrieländer seien als Hauptverursacher verpflichtet, die Entwicklungsländer bei der Bewältigung der durch den Klimawandel entstehenden Probleme und Kosten zu unterstützen.

Die EU hatte sich mehrfach zu dem Ziel bekannt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zumindest auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um hier glaubwürdig zu bleiben, müsse die EU ihre Treibhausgasemissionen drastisch verringern, um mindestens 30% bis 2020 und 80% bis 2050. Für beide Bereiche erwarten die elf Organisationen deutliche Signale der EU an die Entwicklungsländer in den UN-Klimaverhandlungen in Nairobi. Dies sei eine Frage der globalen Gerechtigkeit.

Mit Blick auf die weltpolitische Verantwortung Deutschlands im Jahr 2007 - G8-Gipfel in Deutschland und die EU-Präsidentschaft - solle sich die Bundesregierung in Nairobi dafür einsetzen, dass konkrete Vereinbarungen für die Zukunft der internationalen Klimapolitik auf den Weg gebracht werden, fordern die NRO. Die Weltgemeinschaft müsse angesichts der besorgniserregenden Dynamik des globalen Klimawandels endlich entschlossen handeln, aus Gründen der internationalen Gerechtigkeit und einer wirtschaftlichen Vorsorgepolitik.

Nicht zuletzt der Bericht des Weltbank-Ökonomen Sir Nicholas Stern habe klar gemacht, dass Nichthandeln die Welt weitaus teurer zu stehen komme als eine sofortige und entschlossene Bekämpfung des Klimawandels, argumentieren die elf Organisationen. Der deutschen Regierung komme sowohl beim Klimagipfel in Nairobi als auch im nächsten Jahr eine politische Schlüsselrolle zu. Dies habe auch die britische Außenministerin Margaret Beckett in ihrer Berliner Rede am 24. Oktober deutlich skizziert. Nairobi müsse der erste Schritt für einen klimapolitischen Quantensprung im Jahr 2007 werden.

Die UN-Klimakonferenz in Nairobi ist die erste in Afrika südlich der Sahara. Die Länder Afrikas gelten als besonders verletzlich gegenüber den Konsequenzen des Klimawandels. Dürren und Wetterunregelmäßigkeiten im Sahel und in Ostafrika seien zu einem wachsenden Anteil auf den von Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen, so die NRO. Die katastrophalen Folgen für die Versorgung mit Wasser und Nahrung gefährdeten bereits heute die Existenzgrundlage vieler Menschen. Dies erführen auch die deutschen Entwicklungsorganisationen in ihrer Projektarbeit vor Ort. Der Klimawandel unterminiere nachhaltige Erfolge bei der Armutsbekämpfung, betonten die Nichtregierungsorganisationen.

Forum Umwelt und Entwicklung


Montag 6. November 2006, 17:48 Uhr

Klimaexperte Hartmut Graßl warnt vor Artensterben

Mainz (AP) Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Hartmut Graßl, hat anlässlich der Weltklimakonferenz in Nairobi vor einer doppelten Gefährdung der biologischen Vielfalt gewarnt. «Wir graben uns von zwei Seiten die Lebensgrundlage ab», sagte der Wissenschaftler am Montag im ZDF-Mittagsmagazin. Ursache für den Artenschwund sei nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Zerstörung der Lebensräume vieler Tiere. «Wir wissen, dass wir von der biologischen Vielfalt abhängen. Je mehr wir davon haben, desto stabiler sind die Ökosysteme.»

Es sei völlig falsch, zu behaupten, das derzeitige Artensterben sei ein erdgeschichtlicher Prozess, betonte der Direktor des Hamburger Instituts. «Erdgeschichtlich dauert es Millionen Jahre, bis viele Arten aussterben und wieder hinzukommen. Was wir jetzt aber diskutieren, ist ein Sterben von Arten in ein Jahrhundert gepackt.» Als Beispiel nannte Graßl die Eisbären: Weil das Meereis im Sommer seit 1978 alle zehn Jahre um sieben Prozent abgenommen habe, sei deren Lebensgrundlage extrem gefährdet.

Obwohl es viele Ansätze gebe, die Klimaentwicklung zu stoppen, seien grundlegende Änderungen angesichts der herrschenden Machtpositionen schwierig. Solange ein Chinese nur ein Fünftel der Schadstoffe produziere, die ein Deutscher oder ein Amerikaner ausstoße, müssten letztere zeigen, was sie reduzieren könnten, betonte Graßl. Die Konzentration der aktuellen Klimadebatte auf die hoch entwickelten Länder sei deshalb richtig.


Dienstag 7. November 2006, 05:06 Uhr

Troge fordert mehr Einsatz beim Klimaschutz

Dortmund (ddp). Der Präsident des Bundesumweltamtes, Andreas Troge, fordert mehr Engagement der Industrieländer beim Klimaschutz. Selbst mit einer drastischen Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sei der weltweite Temperaturanstieg erst am Ende dieses Jahrhunderts wieder in den Griff zu bekommen, sagte Troge den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. Industrieländer müssten dafür in den nächsten Jahrzehnten pro Jahr jeweils vier Prozent weniger Treibhausgase produzieren.

Die Lage sei auch in Deutschland bereits sehr ernst, warnte Troge. «Trockenperioden wie in diesem Sommer können in Zukunft zur Normalität werden», sagte er. Untätigkeit beim Klimaschutz werde sehr teuer. Geschehe global nichts Durchgreifendes bei den Minderungen der Treibhausgasemissionen, drohten bis 2050 jährliche Folgekosten von 27 Milliarden Euro. Den reichen Ländern komme eine Vorreiterrolle bei den Bemühungen um den Schutz des Klimas zu. «Wenn die Industriestaaten beim Klimaschutz nicht vorneweg marschieren, wird es kaum gelingen, die Schwellen- und Entwicklungsländer von der Notwendigkeit eigener Anstrengungen zu überzeugen», sagte Troge.


Handeln Sie einfach! Und handeln Sie jetzt!

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 6.11.06

Mit einem dringenden Appell hat sich Greenpeace am Montag an die Teilnehmer der 12. UN-Weltklimakonferenz gewandt: Sehen Sie der Realität ins Auge. Handeln Sie. Jetzt! Die Konferenz findet vom 6. bis 17. November in Kenias Hauptstadt Nairobi statt - und damit zum ersten Mal in einem der Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber am schlimmsten unter ihm leiden.

Wie sich die Veränderung des Klimas schon jetzt auf Natur und Menschen auswirkt, zeigt sich nirgendwo deutlicher als in Afrika. Die meisten Menschen des Kontinents leben von den Erträgen, die ihr Stückchen Land abwirft. Damit sind sie ganz besonders vom Wetter abhängig. Durch den Klimawandel nehmen Wetterkatastrophen wie Dürreperioden, extreme Regenfälle und Überschwemmungen zu. Die alljährlichen Regenzeiten werden immer unberechenbarer. Regionale Hungersnöte sind die Folge.

"Die reichen Länder sind rechtlich, moralisch und politisch in der Pflicht. Sie müssen ihre Emissionen dramatisch reduzieren. Und sie müssen gleichzeitig die armen Länder massiv unterstützen bei ihren Bemühungen, sich gegen die schon vorhandenen und kommenden Auswirkungen des Klimawandels zu wappnen," sagt Steve Sawyer, Experte für Klima und Energie bei Greenpeace.

Hilfe für die Entwicklungsländer wird voraussichtlich ein wichtiger Tagesordnungspunkt in Nairobi sein. Der zweite ist die Fortführung des Kyoto-Protokolls nach 2012, wenn der bisherige Vertrag ausläuft. Das Protokoll muss nicht nur weitergeführt werden, es muss auch entscheidend verbessert werden. Dazu gehört, auch boomende Länder wie China und Indien zu klimaschonenden Maßnahmen zu verpflichten.

Zum Klimawandel trägt auch Brasilien bei. Der Urwald in der Amazonasregion ist der größte der Welt und spielt als natürlicher CO2-Speicher eine wichtige Rolle. Großflächige Abholzung und Brandrodung in der Region machen den lateinamerikanischen Staat zum viertgrößten CO2-Sünder der Welt. Greenpeace fordert die brasilianische Regierung darum auf, entschiedener gegen die Urwaldzerstörung vorzugehen.

"Besonders die Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls sollten ihre kurzfristigen Eigeninteressen jetzt zurückstellen und im langfristigen Interesse aller handeln," sagt Steve Sawyer. "Künftige Generationen werden uns nicht verzeihen, wenn wir das Problem weiter vor uns herschieben."


Montag 6. November 2006, 12:26 Uhr

Originelle Einfälle gegen Erderwärmung werden ernster genommen

(AFP) - Not macht erfinderisch: Angesichts mangelnder Fortschritte bei den internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz werden einst als abstrus verworfene Ideen einfallsreicher Wissenschaftler zusehends ernst genommen. Ein gigantisches Sonnensegel im All, Schwefelstaub in der Atmosphäre oder das Versenken von Kohlendioxid in den Tiefen des Meeres scheinen gegenwärtig mehr Erfolg zu versprechen als das Kyoto-Protokoll, dem der größte Klimasünder USA nicht angehört und das mit China den zweitgrößten Luftverschmutzer des Planeten von seinen Vorschriften ausnimmt. Die Entwürfe der Wissenschaftler "sind Teil der Debatte geworden, auch wenn es weiter große Vorbehalte gibt", sagt der französische Klimaforscher Jean Jouzel.

Eine dieser Ideen ist die Einrichtung riesiger "Sonnenschirme" im All. Ihr Erfinder, der Optikprofessor Roger Angel von der Universität Arizona, hält sechs riesige Spiegel im All, die einen Teil der Sonnenstrahlung reflektieren und so von der Erde fernhalten, für eine mögliche Lösung des Problems der Erwärmung. Eine Art Spinnennetz aus riesigen Streben würde sechs schwenkbare Spiegel vor die Sonne halten und so die zur Erde gelangende Sonnenenergie um zwei Prozent reduzieren. Das Netz würde sich über 2000 Kilometer ausdehnen und an einem Punkt installiert sein, der 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist.

Wem dieser Vorschlag bizarr und unrealistisch erscheint, der wird sich über die US-Raumfahrtbehörde NASA wundern: Sie forderte Angel im Oktober auf, einen detaillierten Plan seines Projektes aufzustellen. Die Kosten der Anlage schätzt der Wissenschafter auf drei Billionen Dollar (2,35 Billionen Euro). Das entspricht zwei Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. Die Kosten der Aufheizung der Erdatmosphäre und der daraus folgenden Naturkatastrophen könnten der Studie eines Schweizer Versicherungskonzerns zufolge bis 2050 ohnehin 300 Milliarden Dollar (235 Milliarden Euro) jährlich betragen.

Einfacher in der Umsetzung scheint dagegen der Einfall des niederländischen Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen, der sich in seiner Arbeit intensiv mit dem Ozonloch befasst. Crutzen schlägt vor, in der äußeren Erdatmosphäre Teilchen von Schwefeldioxid auszustreuen, die ebenfalls Sonnenlicht und damit Wärme ins All reflektieren. Die Partikel würden nach einigen Jahren wie Staub auf die Erde fallen - doch solange sie von stratosphärischen Winden getragen werden, könnten sie die Atmosphäre erheblich abkühlen.

Die Idee für den Schwefelstaub kam Crutzen nach dem Ausbruch des Vulkans Mount Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 - dabei wurde soviel Asche in die Atmosphäre gestoßen, dass die Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche zwei Jahre lang um bis zu einem halben Grad Celsius sank. Der Plan hat allerdings einen Haken: Das "Pinatubo-Phänomen" sei noch wenig erforscht, warnt der französische Wissenschaftler Edouard Bard vom College de France in Paris. Die Temperatur sei im Schnitt zwar gefallen, doch habe es regional dramatische Unterschiede gegeben: Im Nordwest-Atlantik seien die Temeraturen stark gesunken, in Nahost und Nordafrika habe es dagegen eine lange Wärmeperiode gegeben.

Solche regionalen Schwankungen könnten Bard zufolge schwerwiegende Folgen für Tiere und Pflanzen in diesen Gebieten haben. Eine davon könnte ein beschleunigtes Wachstum von Algen sein, die dann ganze Korallenriffe ersticken könnten.

Ebenfalls riskioreich ist ein Projekt, das die Treibhausgase durch Plankton in die Tiefe der Meere saugen will. Problematisch ist an dieser Idee vor allem, dass gerade die Ozeane mit ihren unergründlichen Tiefen, unerklärten Strömungen und unerforschten Lebensformen für die Menschheit weiterhin eines der größten Rätsel bleiben. Niemand ist sicher, dass das Plankton tatsächlich auf den Meeresgrund absinkt und das CO2 dort für immer einschließt. Das gefährliche Gas könnte ebensogut wieder abgegeben werden und den Chemie-Haushalt ganzer Meere zerstören.




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