AktuellGlobale Aufforstungen
Dienstag 14. November 2006, 01:35 Uhr Wald hat sich laut finnischer Studie in vielen Ländern erholtWashington (AP) Für die weltweiten Waldbestände gibt es laut einer finnischen Studie nicht nur schlechte Nachrichten. Während die rasante Rodung in Ländern wie Brasilien und Indonesien immer noch ein großes Problem darstellt, hat andernorts die Baumdichte wieder zugenommen, wie der am Dienstag erschienenen Publikation der amerikanischen Wissenschaftsakademie zu entnehmen ist. Demnach erforschten Experten der Universität von Helsinki den Zustand des Waldes in 50 Ländern mit traditionell großen Forstbeständen.Der Studie zufolge gab es zwischen 1990 und 2005 die umfangreichsten Rodungen in Indonesien, Nigeria und den Philippinen. In 22 der untersuchten Länder waren dagegen Maßnahmen zur Aufforstung von Erfolg gekrönt. Am schnellsten wuchsen die Baumbestände daraufhin in der Ukraine und in Spanien. Eine größere Baumdichte gab es ferner in Österreich, Polen, Tschechien, Weißrussland, Russland, Italien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland, Türkei, Indien, Nepal, China, Malaysia, Vietnam, Japan, Elfenbeinküste, USA und Chile. Armut gefährdet den WaldWährend in den Industrienationen der Waldbestand steigt, roden Brasilien und Indonesien "in raschem Tempo gewaltige Flächen" tropischen Waldes.(diepresse.com) 14.11.2006 Während vor allem in Brasilien und Indonesien die Rodung der Wälder weiterhin in gewaltigem Ausmaß und in hohem Tempo betrieben wird, ist in den Industrienationen sowie auf dem asiatischen Festland eine Trendwende eingetreten. In diesen Gebieten der Erde wurden die Waldflächen ausgeweitet. Zu diesem Resultat kommt eine internationale Studie, die in der kommenden Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins PNAS veröffentlicht wird. Während in Staaten mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf mit mehr als 4.600 USD (3.576 Euro) der Wendepunkt nach Jahrzehnten des Waldschwundes erreicht ist, bereiten den Forschern vor allem Brasilien und Indonesien Kopfzerbrechen. In diesen Ländern würden weiterhin "in raschem Tempo gewaltige Flächen" tropischen Waldes gerodet. Die globale Entwicklung des Waldbestands hänge in hohem Maße von diesen beiden Ländern ab, so die Wissenschafter. Der Leiter der Studie, der Finne Pekka Kauppi, sieht vor allem die Entvölkerung nicht-urbaner Gebiete und die Armut großer Bevölkerungen als Gefahr für den Waldbestand an. In den reichen Industrienationen wirkten sich hingegen Papier-Recycling, der Übergang zur elektronischen Kommunikation sowie eine effektivere Landwirtschaft und eine stärkere Bewirtschaftung kommerzieller Waldflächen günstig auf den gesamten Forstbestand aus, so die Studie. Besondere Bedeutung messen die Experten dem Umstand zu, dass in China trotz geringerem BIP pro Kopf und raschem Wirtschaftswachstum der Waldbestand wieder angestiegen ist. Seit Ende der 70er-Jahre wuchs die Waldfläche von 96 Millionen Hektar auf heute 143 Millionen. In Indien ist der Waldschwund zum Stillstand gekommen. Während im Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende auf dem asiatischen Festland noch etwa 800.000 Hektar Wald verschwanden, nahm seit dem Jahr 2000 die Waldfläche dort wieder um eine Million Hektar zu. Die Forscher sehen darin einen Hoffnungsschimmer für das Weltklima sowie die Tier- und Pflanzenvielfalt. Dem ebenfalls an der Studie beteiligten US-Wissenschaftler Jesse H. Ausubel zufolge könnte bis 2050 der globale Waldbestand wieder um bis zu zehn Prozent anwachsen, das wären 300 Millonen Hektar - etwa die Fläche Indiens. (Ag.) Studie, engl. Zusammenfassung Studie (pdf) Urwälder ohne KlimaschutzAbholzung schreitet weltweit noch immer rasant voranVon Norbert Suchanek, Rio de Janeiro, Neues Deutschland, 14.11.06 Noch bis Ende dieser Woche tagt in Nairobi die 12. UN-Klimaschutzkonferenz. Die Abholzung von Regen- und Mangrovenwäldern ist ein wichtiger Verursacher des Klimawandels. Der Emissionshandel, ein zentraler Mechanismus des Kyoto-Protokolls, fördert indes nur die umweltschädliche Aufforstung mit Monokulturen, schützt aber nicht die bestehenden, artenreichen Waldökosysteme. Laut UN-Organsiation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) hat die Welt in den 90er Jahren 146 000 Quadratkilometer »Urwald« jährlich verloren. Daran hat sich seitdem kaum etwas geändert, wie der FAO-Bericht zur globalen Waldressourcenerfassung mitteilt: »Die Entwaldung, hauptsächlich verursacht durch Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen, schreitet mit einer alarmierend hohen Rate von rund 130 000 Quadratkilometern pro Jahr weiter voran.« Allein Indonesien verliere Jahr für Jahr über 14 000 Quadratkilometer Wald. Spitzenreiter bei der Entwaldung ist allerdings Brasilien, das laut FAO während der 90er Jahre jährlich über 27 000 Quadratkilometer abholzte. Unter der Regierung von Luiz Inacio Lula da Silva sei die Zerstörungsrate in den ersten fünf Jahren des 21. Jahrhunderts sogar auf über 34 000 Hektar jährlich angestiegen. Hauptverursacher ist die Rinderzucht in Kombination mit dem Voranschreiten des großflächigen Sojabohnen-Anbaus für den Export. Mit dem Abbrennen und Abholzen der Wälder gehen Millionen Tonnen Treibhausgase zusätzlich in die gestresste Atmosphäre. Berechnungen des UN-Panels zum Klimawandel (IPCC) zufolge sind die Veränderungen in der Landnutzung, vornehmlich die Abholzung während der 90er Jahre, für rund 20 bis 25 Prozent der vom Menschen erzeugten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Und der von der Ford Foundation finanzierte Bericht »Tropical Deforestation and Climate Change« des Instituto de Pesquisa Ambiental da Amazônia (IPAM) schätzt, dass 75 Prozent von Brasiliens jährlichen Treibhausgas-Emissionen allein auf das Konto der Regenwaldvernichtung am Amazonas gehen. Mit diesen Daten in der Tasche versucht Brasilien derzeit, beim UN-Gipfel in Nairobi eine Änderung des Klimaschutzmechanismus zu erwirken, damit auch der Regenwaldschutz im Emissionshandel berücksichtigt werde. Jedes Entwicklungsland, das seine Entwaldungsrate reduziert, sollte dafür finanziell entschädigt werden, so der Vorschlag der Regierung Lula, die pünktlich zur Klimakonferenz mit einer positiven Meldung aufwartete: Die jährliche Abholzungsrate im brasilianischen Amazonasgebiet sei zwischen August 2005 und August 2006 um 30 Prozent auf »nur« 13 000 Quadratkilometer zurückgegangen. Allerdings geht es nicht nur um den tropischen Regenwald. Auch die Mangrovengebiete werden weltweit rasant reduziert – im Namen einer exportorientierten Entwicklung. So ging das explosionsartige Anwachsen der Garnelenzucht in Brasilien auf über 15 000 Hektar Zuchtteiche hauptsächlich zu Lasten dieser Küstenwälder; im Hinblick auf den Treibhauseffekt und seine Folgen »ein doppelter Schuss ins Knie«. Denn Mangrovenwälder sind nicht nur lebenswichtiger Küstenschutz gegen das durch den Klimawandel ausgelöste Ansteigen des Meeresspiegels und gegen die vom Treibhauseffekt angeheizten, stärker und häufiger auftretenden Wirbelstürme. Wie ein Forscherteam der Florida State University von Tallahassee jüngst berichtete, spielen Mangrovenwälder ebenso eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz. Dieses Wald-Meer-Ökosystem sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass große Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt und im Meerwasser gespeichert werden. Schätzungsweise zehn Prozent des in den Ozeanen gelösten organischen Kohlenstoffs gehe auf den Einfluss der globalen Mangrovenwälder zurück. Nichtsdestoweniger meint der Präsident des brasilianischen Garnelenzüchterverbandes, Itamar Rocha, die Garnelenzucht in Brasilien müsse auf bis zu 700 000 Hektar – zu Lasten der Mangroven – ausgeweitet werden, um die Konkurrenten China und Indonesien mit jeweils etwa 500 000 Hektar Garnelenfarmen zu überflügeln. Der Wald kommt zurück - in den reichen LändernViele Wälder auf der Welt sind wieder größer und dichter als noch vor 15 Jahren. Zwar wird in armen Ländern noch immer viel gerodet. Doch ein Ende des Abholzens sei in Sicht, der Trend besser als angenommen, sagen die Autoren einer umfassenden internationalen Studie.stx/tos/AP/rtr, SPIEGEL Online, 14.11.06 Deutsche Brauereien werben mit Regenwaldschutz, britische Aktivisten campen auf Bäumen, um sie vor den Holzfällern zu schützen, und schon seit den siebziger Jahren steht der Schlager "Mein Freund der Baum" für die Wehmut, die sich einstellt, wenn die Motorsäge verhallt ist: Der Wald verschwindet, dieses Gefühl scheint zum Grundton der Moderne zu gehören. Jetzt melden Forscher: Der Wald kommt zurück. Zwar werden in vielen armen Ländern weiter rücksichtslos Bäume gefällt oder mit Feuer gerodet - doch ab einer gewissen Wohlstandsschwelle geht es aufwärts. Während der vergangenen 15 Jahre nahm die Waldmenge in 22 von 50 untersuchten Ländern zu - am stärksten in den USA und China. Das sind nur zwei von mehreren überraschenden Ergebnissen einer Studie, die Pekka Kauppi und seine Kollegen in der US-Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht hat. "Der Trend ist besser, als wir ursprünglich gedacht haben", sagte Pekka der britischen BBC. "Ein Ende des Abholzens ist in Sicht. Wir machen zwar keine Vorhersagen, aber es ist möglich." Das würde bedeuten, dass die Gesamtmenge des Waldes nicht weiter abnehmen würde. Zwar verlieren besonders Indonesien und Brasilien weiter große Teile ihrer wertvollen tropischen Wälder. Doch das Forschungsteam aus China, Finnland, Schottland und den USA fand einen Zusammenhang, der besonders optimistisch stimmt: In Staaten mit einem jährlichen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von mindestens 4600 US-Dollar sei der Waldbestand nicht zurückgegangen. Nicht nur Fläche untersucht Die Wissenschaftler hatten sich für ihre Untersuchung mit Daten der Uno-Unterorganisation FAO (Food and Agricultural Organization) eingedeckt, insbesondere mit solchen über die vergangenen 15 Jahre in 50 Ländern mit traditionell großen Forstbeständen. Sie waren im Bericht zur Lage der weltweiten Waldbestände (Global Forest Resources Assessment Report) im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Nationale Daten haben die Auswertung ergänzt: Die Forscher haben nicht bloß die von Wald bedeckte Fläche eines Landes untersucht, sondern auch die Biomasse der Wälder, den darin gebundenen Kohlenstoff und die Baumdichte berechnet. 36 Prozent der untersuchten Länder weisen der Studie zufolge eine inzwischen größere Baumfläche auf, 44 Prozent eine größere Biomasse. Die Wissenschaftler bildeten ein Koordinatensystem, das sowohl die Zu- oder Abnahme der Walddichte als auch die Schrumpfung oder das Wachstum der Waldfläche berücksichtigte. Diese Grafik zeigt ein Wachstum der Wälder in 22 der 50 untersuchten Länder. Bis auf vier - Nepal, Malaysia, Japan und Vietnam - nehmen bei dieser Gruppe sogar beide Werte zu. Deutschland taucht in der Grafik der Waldforscher nicht auf. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte haben sich die Grenzen Deutschlands ständig verändert, weshalb eine langfristige Berechnung schwierig sei, schreiben Kauppi und seine Kollegen. Einige Befunde präsentieren sie dennoch: "Obwohl die deutsche Waldfläche sich seit dem Mittelalter beinahe verdoppelt hat, nahm sie zwischen 1988 und 2002 kaum zu. Andererseits ist die wachsende Menge steil auf 320 Kubikmeter pro Hektar gestiegen." Wohlstand bringt Wald-Stabilität und manchmal -Wachstum Die Experten verweisen auf Beobachtungen aus vielen europäischen Ländern wie Dänemark, Frankreich oder der Schweiz: Dort habe sich es im 19. Jahrhundert eine "Übergangsphase" gegeben, in der die Abholzung ein Ende genommen und sich ein stabiles Gleichgewicht aus Nutzung und Aufforstung eingestellt habe. Dies passe zur Beobachtung, dass aktuell keine Staaten oberhalb einer gewissen Wohlstandsschwelle noch an Waldmenge verlieren. Auch die USA seien in weiten Gegenden schon ein Jahrhundert lang so weit. Der Bundesstaat Texas habe die Trendwende aber erst im Jahr 2002 geschafft, sagte Roger Sedjo aus dem Forschungsteam. Allerdings bedroht die rasante Rodung noch immer die Wälder in vielen Ländern, beispielsweise Brasilien. Die umfangreichsten Rodungen gab es im Untersuchungszeitraum - zwischen 1990 und 2005 - in Indonesien, Nigeria und den Philippinen, wie die Studie belegt. Derzeit ist noch knapp ein Drittel der Landfläche der Erde mit Wald bedeckt. Die Bäume dieser Wälder speichern fast 300 Gigatonnen Kohlenstoff, 50 Prozent mehr als in Form von Kohlendioxid in der Atmosphäre stecken. Die Abholzung in der "Dritten Welt" hat daher gleich mehrere nachteilige Folgen: Sie verschärft den Treibhauseffekt, fördert Erosion und Wüstenbildung und bedroht die Artenvielfalt. Und noch schrumpfen die Wälder in etwa der Hälfte der untersuchten Länder weiter. » zurück |
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